Actions

Work Header

Avatar – Erbe zweier Welten Band Zwei: Die Wurzeln der Kraft

Summary:

Ein neuer Ort, ein neuer Abschnitt: Beim Weißen Lotus beginnt Ren, seine Kräfte zu verfeinern und die Geisterwelt zu betreten. Zwischen Training, alten Erinnerungen und neuen Begegnungen sucht er seinen Platz – und erkennt, dass sein Wissen aus einer anderen Welt mehr bedeutet, als er je dachte. Band Zwei zeigt den Weg eines Avatars, der lernt, wer er wirklich werden will.

Chapter 1: Kapitel 00 – Willkommen, Avatar

Chapter Text

Der Wagen des Weißen Lotus war größer, als Ren erwartet hatte – ein massives, metallverstärktes Gefährt, dessen Innenraum den Duft von poliertem Holz und frischem Leder verströmte.
Die Sitze waren überraschend weich, und als die Tür hinter ihnen ins Schloss fiel, schien die Geräuschkulisse der Stadt sofort leiser zu werden.

Bolin hatte sich sofort auf den Platz neben Ren fallen lassen, den Ellbogen lässig auf der Lehne, während Opal gegenüber saß – direkt neben Meilin, die sich so setzte, dass sie beide Männer gut im Blick hatte.

„Also“, begann Bolin mit einem breiten Grinsen, „wie fühlt es sich an, wenn plötzlich zwei deiner Lieblingscharaktere in echt vor dir sitzen?“

Ren lehnte sich zurück, die Arme locker verschränkt.
„Wie ein Crossover-Event, von dem ich nicht wusste, dass ich es brauche. Dass ich bereits Asami und Tenzin kenne, hat, glaub ich, die Aufregung ein bisschen abgefedert.“
Er grinste, und Bolin lachte sofort.

„Crossover-Event? Oh, das gefällt mir.“
Bolin stieß ihm mit dem Ellbogen in die Seite.
„Wir könnten sogar einen Namen dafür erfinden. Team Bolin-Ren? Oder lieber Renlin?“

„Das klingt wie eine schlechte Teesorte“, warf Opal trocken ein, und Meilin prustete leise.

Ren nickte ernst.
„Oder wie eine romantische Fanfiktion, die niemand lesen will. Oder viel lieber: nicht lesen sollte.“

„Hey!“
Bolin zog eine gespielte Schmollmine, und Opal tippte ihm mit einem Finger auf die Stirn.
„Er hat nicht ganz unrecht, Bolin.“

Meilin lehnte sich zurück, das Gespräch zwischen den dreien beobachtend.
Sie sah, wie Ren sich hier sofort bewegte – keine Spur von Unsicherheit, keine Zurückhaltung.
Er sprach mit Bolin, als hätten sie schon Jahre an gemeinsamem Unsinn hinter sich, und wenn er zu Opal sah, blitzte diese echte, respektvolle Wärme in seinen Augen auf, die er sonst nur für Menschen reservierte, die er wirklich mochte.

„Also, was erwartet mich beim Weißen Lotus?“, fragte Ren schließlich, und sein Blick wanderte von Bolin zu Opal.

„Struktur“, sagte Opal schlicht, „und jede Menge Training. Du wirst nicht nur mit deinen Fähigkeiten arbeiten – sie werden auch deinen Kopf auf Trab halten. Strategien, Taktik, Geschichte…“

„…und ganz viel Essen“, warf Bolin dazwischen.
„Du wirst staunen. Die Küche beim Weißen Lotus ist legendär. Ich habe einmal drei Tage am Stück dort gegessen.“

„Und trainiert?“, fragte Ren mit hochgezogener Braue.

Bolin zuckte mit den Schultern.
„Das Essen war mein Training.“

Meilin musste lachen, aber sie sah auch, wie Ren bei dem Wort Training kurz aufmerkte.
Da war dieser winzige Glanz in seinen Augen – eine Mischung aus Vorfreude und unruhiger Energie, die sie nur dann bei ihm sah, wenn er von Kämpfen oder Herausforderungen sprach.

Opal lehnte sich leicht vor.
„Und bevor du fragst – ja, Meilin kann dich jederzeit besuchen. Es gibt keine Regel, die euch trennt. Das Memo haben wir auch erhalten.“

Ren grinste breit.
„Das ist gut, denn sie hat sowieso einen Dauerpass zu meinem Leben.“

Bolin sah zwischen ihnen hin und her und pfiff leise.
„Wow… und ich dachte, ich wäre romantisch.“

„Du bist romantisch“, beruhigte ihn Opal, „nur eben… auf Bolin-Art.“

Der Wagen holperte kurz über unebenen Boden, bevor er wieder sanft dahinglitt.
Meilin spürte, wie Ren ihre Hand unter der Sitzkante suchte und sie festhielt – kein Wort, nur dieser Druck, der sagte: Ich bin bereit. Aber nur, weil du hier bist.

Sie drückte zurück, und sein Lächeln verriet, dass er die Botschaft verstanden hatte.

 

---

Das Fahrzeug rollte durch ein massives Tor, flankiert von zwei hohen Säulen, deren geschnitzte Symbole in der Nachmittagssonne matt glänzten.
Hinter dem Tor erstreckte sich eine Mischung aus traditionellen Gebäuden und modernen Elementen – Holz, Stein und dazwischen Glasfassaden, die das Licht einfingen.
Alles wirkte geordnet, durchdacht… und irgendwie zu still.

Ren ließ den Blick aus dem Fenster wandern, während der Wagen über den breiten Innenhof glitt.
„Also, wenn’s hier jetzt klischeehaft nach Tee riecht, bin ich raus“, murmelte er halblaut, und Bolin unterdrückte ein Grinsen.

Als sie hielten, öffnete sich die Seitentür, und eine Frau in den schlichten, blau-weißen Roben des Weißen Lotus trat heran.
Sie verbeugte sich knapp, begrüßte Opal und Bolin – dann glitt ihr Blick prüfend zu Ren.

„Avatar Ren, willkommen. Wir haben alles vorbereitet. Euer Zimmer, Euer Trainingsplan–“

„–Moment.“
Ren hob die Hand, stieg aus und streckte sich einmal, bevor er sie mit einem Lächeln ansah, das höflich aussah, aber zu viel Selbstsicherheit hatte, um ganz brav zu wirken.
„Opal hat schon im Wagen angedeutet, dass ihr mir einen Plan zusammengeschustert habt. Ich guck da selbst nochmal drüber.“

Ein leichtes Zucken um den Mund der Frau verriet, dass sie nicht oft unterbrochen wurde.
„Der Plan basiert auf–“

„–Ich weiß. Der ist bestimmt ganz toll aufgebaut, vielleicht sogar von Asami strukturiert worden, damit er besser für das Auge wirkt“, fiel Ren sanft, aber bestimmt ins Wort.
„Ihr wollt mich schützen, trainieren, führen… alles gut. Aber ich bin alt genug und – tut mir leid, ich muss die Karte ziehen – ich bin der Avatar.
Das heißt, am Ende will ich auch sagen können, was ich trainiere und wie. Ihr wollt mich schützen – nicht andersrum.“

Bolin räusperte sich leise, Opal sah interessiert zwischen ihnen hin und her.

Ren deutete dann lässig mit dem Daumen über die Schulter zu Meilin, die gerade ausstieg.
„Und Meilins Zimmer ist hoffentlich direkt neben meinem. Von mir aus zieht sie gleich in mein Zimmer. Soll sie selbst entscheiden, ob sie – wie damals bis zu meinem zwölften Lebensjahr – wieder mit mir zusammenleben will.
Nur, dass wir diesmal ein Liebespaar sind.“

Ein paar Köpfe drehten sich, und Meilin hob die Brauen, halb überrascht, halb amüsiert.
„Schön, dass du das hier gleich so offiziell machst.“

„Besser jetzt, als wenn sie mich in den Wochenplan fürs Einzeltraining einsperren“, konterte er und grinste.

Die Frau vom Lotus atmete hörbar ein, fing sich dann und nickte knapp.
„Wir… werden sehen, was sich einrichten lässt.“

Ren blinzelte unschuldig.
„Das klingt wie ein ‚ja‘. Und sollte auch so gehandhabt werden.
Eine warme Empfehlung des Avatars.“

Bolin beugte sich zu Opal und flüsterte:
„Er ist jetzt schon berüchtigt, und wir sind noch nicht mal drin.“

Opal lächelte.
„Ich glaube, das ist Absicht.“

Ren wandte sich an Meilin, bot ihr demonstrativ den Arm an – und gemeinsam traten sie durch die große Flügeltür, hinein in ihr neues Zuhause.