Chapter Text
Always
Sorgenvoll blickte Obi-Wan zum Horizont. Es braute sich ein Sturm zusammen. Er konnte es geradezu riechen, auch wenn im Moment nur ein laues Lüftchen wehte. Doch Tatooine war tückisch. Die Sandstürme konnten von einem Moment auf den anderen hereinbrechen und wenn man dann keinen Unterschlupf fand, würden sie einen für immer unter sich begraben. Fröstelnd zog er seinen Umhang enger um sich. Obwohl die beiden Sonnen gerade erst untergegangen waren, hatte sich die Luft bereits empfindlich abgekühlt. Trotzdem checkte er noch den Vaporator, um sicher zu gehen, dass sich auch keine Schraube gelöst hatte. Wasser war hier fast kostbarer als imperiale Kredits und obwohl sein Speicher noch gut gefüllt war, würde er kein Risiko eingehen. Zumal er in seinem Zustand auch nicht mehr nach Mos Eisley fahren konnte, um Ersatzteile zu kaufen, falls etwas kaputt ging. Prüfend rüttelte er am metallenen Gestell. Es quietschte zwar leise, aber es gab nicht nach. Gut, dann würde es dem Sturm hoffentlich stand halten.
Ein heftiger Tritt in die Seite, gerade in dem Moment als er zurück zu seiner Hütte gehen wollte, ließ ihn innehalten und die Hand gegen die Stelle pressen, an der der kleine Fuß trotz den vielen Schichten seiner Robe zu fühlen war. Es war kräftig, ihr Kind, aber was sollte man bei dem Vater auch erwarten, daher brauchte Obi-Wan einen Moment, bevor er sich erholt hatte und seinen Weg fortsetzen konnte, wobei er immer wieder beruhigende Kreise auf seinen Bauch massierte. Das Kind war heute noch unruhiger als sonst, aber vielleicht spürte es auch seine Sorge wegen des Sturms.
Beinah vorwurfsvoll blickten ihm die Augen des Droiden entgegen, als Obi-Wan den Eingang zur Hütte erreicht hatte. „Ihr seht müde aus“, sagte die mechanische Stimme, die so sehr wie seine klang. „Ihr solltet Euch hinlegen, Meister.“
Obi-Wan nickte nur, während er ins Innere ging, wo er schließlich auf der kleinen Schlafstätte kollabierte. Gott, sein Rücken brachte ihn um. Je größer das Kind in seinem Bauch wurde, desto mehr brachte es seinen Körper aus dem Gleichgewicht. Physisch wie auch psychisch. Manchmal war ihm von einem Moment auf den anderen zum Weinen zumute, bevor er sich zusammen riss und die Gefühle zurückdrängte. Was war nur aus ihm geworden? Ihm, dem angeblich so perfekten Jedi. Die Mitglieder des Rates würden vermutlich die Köpfe schütteln, wenn sie ihn heute sehen könnten. Doch der Rat war fort, ebenso wie seine Mitglieder und Obi-Wan war auch kein Jedi mehr. Alles was er nun war, war ein Mann der versuchte sich ein neues Leben aufzubauen. Ein armseliges Dasein für wahr, aber nichtsdestotrotz ein Leben. Auch wenn es mit dem Kind im Bauch von Tag zu Tag beschwerlicher wurde. Zusammenzubrechen war für Obi-Wan dennoch keine Option. Er hatte niemanden, der sich um ihn kümmern würde, weshalb er immer weiter machen musste, egal wie schwer es ihm auch fiel. Immerhin hatte er genug Kredits zusammen bekommen, um davon den Droiden zu erstehen und vorsorglich etwas Säuglingsnahrung zu kaufen. Milchpulver für humanoide Babys war in diesem Teil der Galaxis schwer zu bekommen, doch Obi-Wan hatte das Glück gehabt, dass ein fahrender Händler mit einem Triebwerkschaden auf Tatooine zwischenlanden musste.
Ohne, dass er darum gebeten hatte, brachte der Droide ihm in diesem Moment ein Glas Wasser, was Obi-Wan dankbar annahm, bevor er es in einem Schluck herunterspülte, um den allgegenwärtigen Sand aus seinem Mund zu vertreiben. „Hier, Meister, etwas Obst würde euch guttun.“ Auffordernd hielt ihm der Droide einen Teller entgegen.
„Danke, nein. MD19“, lehnte er ab. „Ich habe keinen Hunger. Sei so gut und mach lieber einen Scann.“
„Ihr müsst aber etwas essen“, beharrte der Droide, während er gehorsam seinen Sensor über Obi-Wans Bauch rotieren ließ. „Denkt an das Kind, Meister.“ Als ob er an irgendetwas anderes denken könnte. Es stimmte, er aß vermutlich weniger als er sollte, doch immerhin zwang er sich zu drei Mahlzeiten am Tag. Nicht um seinetwegen, nur wegen des Kindes. Es war das Einzige, das Obi-Wan im Moment für sein Baby tun konnte, abgesehen davon in regelmäßigen Abständen sicher zu gehen, dass es ihm noch gut ging. Geduldig wartete Obi-Wan bis der Scann beendet war und der Droide verkündete: „Euer Sohn entwickelt sich prächtig. Alles ist so wie es sein sollte.“ Worte die Beruhigung und Qual zugleich waren.
Sein Sohn. Als MD19 ihm das erste Mal gesagt hatte, dass er einen Jungen erwartete, hatte Obi-Wan die halbe Nacht geweint. Es war einfach zu viel gewesen, die Nachricht ausgerechnet von dieser Stimme überbracht zu bekommen. Es war ein Fehler gewesen, das Sprachmodul des Droiden, den er bei einem Schrotthändler erstanden hatte, so zu programmieren, dass er sich beinah wie Anakin anhörte, doch Obi-Wan sehnte sich so sehr nach seinem ehemaligen Padawan, dass er sich diesen einen Luxus gestattet hatte. Außer ihm würde es ohnehin nie jemand bemerken.
Eigentlich war MD19 ein Medidroide, doch dank ein paar Veränderungen in seiner Programmierung konnte er sich auch um ein paar einfache Dinge im Haushalt kümmern, die Obi-Wan in seinem Zustand nicht mehr allein bewerkstelligen konnte. Trotzdem war sein Hauptaugenmerk die fortschreitende Schwangerschaft im Auge zu behalten. Wenn seine Berechnungen richtig waren, würde es nicht mehr lange dauern, bis das Kind geboren wurde. Ein Umstand der Obi-Wan mit Hoffnung und mit Angst zugleich erfüllte. Niemand außer dem Droiden würde da sein, wenn das Kind das Licht der Welt erblickte und wenn etwas schief ging … nun ja, für diesen Fall hatte Obi-Wan vorgesorgt. Dennoch, der schwache Teil von ihm sehnte sich danach, Anakin an diesem Tag an seiner Seite zu haben.
Gott, er war so einsam und obwohl er sich dafür schämte, vermisste er Anakin immer noch. Aber er würde nicht zurückkommen. Nie wieder. Weil Obi-Wan ihn nicht retten konnte. Weil er ihn sterbend auf Mustafar zurückgelassen hatte. Weil er zu feige gewesen war, das Leben des einen Menschen zu beenden, der ihm von allen am meisten bedeutete. Schon damals hatte Obi-Wan gewusst, dass er Anakins Kind unter dem Herzen trug, doch er hatte ihm nichts davon gesagt. Er hatte es nicht gewagt, nachdem er fühlen konnte, wie sein Freund immer mehr in der Dunkelheit versank. Dabei hatte Obi-Wan gedacht, dass er Anakin mit seinem Verhalten retten würde. Dass die Gefühle, die sie verbanden, ihn zurück ins Licht holen würden.Wie hatte er nur so blind sein können.
Das erste Mal war es nach der Geschichte mit Rako Hardeen passiert, nachdem Anakin erfahren hatte, dass Obi-Wan seinen Tod vorgetäuscht hatte. Die Macht war aufgeladen wie bei einem Gewitter gewesen, als sie aufeinander trafen. Die Wut hatte so deutlich in seinem Gesicht gestanden, dass Obi-Wan gedacht hatte, Anakin wolle ihn schlagen, doch stattdessen hatte er Obi-Wan ohne Vorwarnung aufs Bett geworfen und ihn genommen und Obi-Wan hatte sich nicht gewehrt. Er wusste, er verdiente es, dass sich Anakins Gefühle entluden und er hieß den Schmerz, den ihre Vereinigung mit sich brachte, mit Freuden willkommen. Doch obwohl ihr Sex wild und ungezügelt gewesen war, hatte Obi-Wan auch andere Gefühle durch den Bund wahrgenommen, den er mit Anakin teilte. Da war der Wunsch sich zu vergewissern, dass Obi-Wan wirklich am Leben war und ihn nie wieder loszulassen. Ihn mit allem was er war zu besitzen und ihn zu seinem Eigentum zu erklären und Obi-Wan hatte es zugelassen. Er wusste, er sollte Anakin diese Gefühle nicht erlauben, doch die Schuldgefühle, die er ihm gegenüber empfand verbunden mit der eigenen, tiefen Zuneigung, die er seinem ehemaligen Schüler entgegen brachte, trübten sein Urteilsvermögen, so dass er es nicht nur geschehen ließ, sondern es auch noch genoss. Trotzdem schwor er sich, dass es nie wieder passieren durfte.
Doch es blieb nicht bei diesem einen Mal. Je schlechter es zwischen Anakin und Padme lief, desto mehr schien Anakin von Obi-Wan abhängig zu sein. Immer wenn er mental angeschlagen war, kam er zu seinem ehemaligen Meister, um in der Wärme seines Körpers Trost und Geborgenheit zu suchen und Obi-Wan verwehrte sie ihm nie, halfen die Stunden, die sie beieinander lagen doch augenscheinlich um Anakins Geist zu stärken und seine düsteren Gedanken in Zaum zu halten und auch Obi-Wan vergaß für eine Weile die Zweifel und die Sorgen. So lange sie sich hatten, war alles gut. Auch wenn die Stimme in seinem Kopf sagte, dass es Unrecht war, dass sie gegen den Codex der Jedi verstießen und dass es einen Grund hatte, warum den Mitgliedern des Ordens Verbindungen nicht gestattet waren. Doch Obi-Wan ignorierte sie einfach, bis es irgendwann geschah.
Wann genau sie das Kind gezeugt hatte, konnte Obi-Wan nicht sagen, denn er merkte monatelang nichts von seiner Existenz. Weder Übelkeit noch Schwindel plagten ihn und was die Müdigkeit anging, nun ja, sie waren im Krieg, da war es nicht selten, dass man sich ausgelaugt und erschöpft fühlte. Erst als die Schwellung seines Bauches immer deutlicher wurde und er irgendwann die ersten Bewegungen fühlte, dämmerte ihm, dass ihre Beziehung nicht ohne Folgen geblieben war. Einen Heiler hatte er dennoch nicht aufgesucht. Niemand durfte davon wissen. Was sie getan hatten, war verboten und wenn die Kunde über das Kind den Rat erreicht hätte, wären sie vermutlich beide aus dem Orden ausgeschlossen worden. Wenn Obi-Wan gewusst hätte, dass so etwas überhaupt möglich war, hätte er es niemals auch nur in Erwägung gezogen, Anakins Bett zu teilen, doch im Nachhinein wunderte es ihn nicht. Anakin war ein Kind der Macht, gezeugt ohne Mitwirkung eines Vaters, warum sollte er dann nicht auch die Fähigkeit haben, ein Kind mit dem eigenen Geschlecht zu zeugen? Die Macht schien wirklich einen eigenartigen Sinn für Humor zu haben. Anakin hatte nie einen Vater gehabt und ihr Kind hatte gleich zwei davon, dafür aber keine Mutter. Obi-Wan hätte sich darüber kaputt lachen können, wenn ihn das Wissen um seine verzweifelte Situation nicht zum Weinen gebracht hätte.
Wie das Kind in ihn gekommen war, darüber gab es keinen Zweifel. Hoffentlich hatte die Macht aber auch einen Weg parat, wie das Kind wieder herauskommen würde. Ein Medicenter würde Obi-Wan jedenfalls nicht aufsuchen. Auf keinen Fall wollte er das Risiko eingehen, dass der Imperator von ihm oder dem Kind erfuhr. Für das Imperium war er tot und wenn es nach ihm ging, würde das auch so bleiben. Trotzdem konnte er nicht verhindern, dass die Angst an ihm nagte. Padme hatte genau wie Anakin es vorausgesehen hatte, die Geburt ihrer Tochter nicht überlebt. Obwohl heutzutage der Tod im Kindbett nur noch ein Mythos aus einer grauen Vorzeit war, hatten die Blutungen, die nicht zu stillen gewesen waren, sie umgebracht. Vielleicht lag es an der gleißenden Macht, die das Mädchen von ihrem Vater geerbt hatte, dass Padme gestorben war und wenn dem so war, befürchtete Obi-Wan, dass ihn ein ähnliches Schicksal erwarten konnte. Auch sein Sohn war stark in der Macht. Er konnte es fühlen, wenn er seinen noch unfertigen Geist berührte, so dass ihn das Wissen mit Stolz und Furcht zugleich erfüllte.
Obwohl Obi-Wan den Gedanken an seinen Tod beiseite schieben wollte, musste er dennoch Vorkehrungen treffen. Deshalb hatte er auch die Babynahrung und den Droiden gekauft. Sollte er die Geburt nicht überleben, hatte MD19 den Auftrag das Baby zur Familie Lars zu bringen, bevor er eine Selbstzerstörungssequenz einleitete. Obi-Wan konnte kein Risiko eingehen. Niemand durfte wissen, wer der Vater des Kindes war. Am wenigsten Anakin selbst, oder das was aus ihm geworden war. Darth Vader. Allein bei dem Namen brannte die Schuld wie Säure in Obi-Wans Adern. Er selbst hatte dieses Monster geschaffen. Mit seinen Taten. Mit seinem Verrat an ihrer Liebe und ihrer Freundschaft. Deshalb konnte das Kind auch nicht bei ihm aufwachsen. Wie sollte Obi-Wan ihm jemals in die Augen sehen und ihm sagen, dass er für den Tod seines Vaters verantwortlich war? Wenn er ein besserer Mann, ein besserer Partner, ein besserer Freund für Anakin gewesen wäre, wäre es wohl gar nicht erst so weit gekommen. Doch er war blind gewesen. Blind für sein Leiden. Blind für seinen Hass. Blind für seinen Hang zur Dunklen Seite. Und als Obi-Wan es erkannt hatte, war es zu spät gewesen.
„Es tut mir leid“, sagte er während er eine Hand auf seinen Bauch legte. „Ich habe alles falsch gemacht, aber ich werde es wieder gutmachen. Ich habe ein gutes Zuhause für dich gefunden. Einen Ort, an dem du geliebt und beschützt werden wirst. Die Lars sind gute Leute. Sie werden sich besser um dich kümmern, als ich es je könnte.Und auch wenn ich nicht bei dir bin, werde ich doch immer über dich wachen.“
Allein bei dem Gedanken daran, das Kind weggeben zu müssen, brach ihm beinah das Herz. Es war das Letzte was ihm noch von Anakin geblieben war. Aber gerade weil er es über alle Maßen liebte, musste er es aufgeben. Es hatte so viel mehr verdient, als einen ehemaligen Jedi, der in seinem Gram und seinen Schuldgefühlen versank. Bei den Lars würde es das Kind gut haben, da war Obi-Wan sicher. Bereits vor Monaten, als er frisch auf dem Planeten angekommen war, hatte er den Kontakt hergestellt. Anders als Padmes Tochter, die er auf Alderan bei der Familie von Bail Organa in guten Händen wusste, hatte er bei seinem Kind beschlossen es an dem selben Ort aufwachsen zu lassen, wo auch Anakin die ersten Jahre seiner Kindheit verbracht hatte. So offensichtlich dieser Platz auch war, hier auf dem öden Wüstenplaneten würde das Imperium nie nach ihnen suchen. Und auch wenn die Lars mit Anakin nicht blutsverwandt waren, hatte Cliegg seine Mutter genug geliebt, um sie freizukaufen und zu heiraten. Sie waren gute Menschen. Arbeitsam und ehrlich. Clieggs Sohn Owen und dessen Frau Beru wünschten sich Kinder, das hatten sie ihm bei einem seiner Besuche verraten, doch wie es aussah, konnten sie wohl keine eigenen bekommen. Bei ihnen würde sein Sohn ein gutes Zuhause haben. Ein besseres, als Obi-Wan ihm bieten konnte.
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„Ihr macht das gut, Meister. Nur noch ein bisschen. Bald ist es geschafft.“
Das erzählte ihm dieser verfluchte Droide seit einer gefühlten Ewigkeit. Sechsundzwanzig Stunden hielten die Wehen bereits an und noch immer war kein Ende abzusehen. Obi-Wan war erschöpft. Emotional und körperlich völlig am Ende. Am liebsten hätte er sich einfach zusammen gerollt und die Stimme des Droiden ausgeblendet, wenn da nicht diese furchtbaren Schmerzen gewesen wären, die ihn immer wieder überkamen. Am Anfang war es noch zu ertragen gewesen. Leichte Krämpfe mit genug Abstand, um sich dazwischen zu erholen, aber seit ein paar Stunden kamen sie immer schneller hintereinander. Und sie wurden immer stärker. Tatsächlich war er erleichtert gewesen, als sich zu Beginn der Wehen so etwas wie ein Geburtskanal geöffnet hatte, auch wenn der Prozess schmerzhaft gewesen war, aber in seinen Augen war das immer noch die bessere Möglichkeit als sich von MD19 aufschneiden zu lassen. Bacta war hier in der Einöde ein unerschwinglicher Luxus und das Risiko an einer Infektion zu sterben nicht wirklich verlockend. Doch obwohl der Spalt von Stunde zu Stunde größer geworden war, schien die Geburt kein Stück voranzugehen. Bereits jetzt hatte er so viel Blut verloren, dass die Laken unter ihm getränkt waren, doch es hörte einfach nicht auf. Himmel, er merkte, dass er von Stunde zu Stunde immer schwächer wurde und er hatte solche Angst zu sterben.
„Anakin“, wimmerte er leise. „Hilf mir, ich schaffe das nicht allein.“
Er wusste, er bat vergeblich. Anakin war fort und würde sein Flehen nicht hören, aber Obi-Wan konnte einfach nicht anders. Die ganze Schwangerschaft über hatte er sich eingeredet, dass er mit der Situation allein fertig werden würde, doch nun war er mit seiner Kraft am Ende. Er konnte nicht mehr, er konnte einfach nicht mehr, auch wenn der Droide sich alle Mühe gab ihm Mut zu machen, so dass er schließlich MD19s Aufforderungen zu pressen, einfach von sich abperlen ließ. Es war unmöglich. Er konnte dieses Kind nicht auf die Welt bringen. Er würde sterben, genau wie Padme es getan hatte. Ausbluten und das Kind wohl möglich auch noch mit sich in den Tod reißen. Und selbst wenn das Baby überlebte, würde er es allein zurück lassen und es genauso betrügen, wie er Anakin betrogen hatte. Weil er einfach zu schwach zum Leben war. Seit Anakins Ende war jede Hoffnung aus ihm verschwunden, daran konnte auch ihr Kind nichts ändern.
„Es tut mir leid“, flüsterte er, indem er mit der Hand über seinen Bauch streichelte, während er sich vorstellte, dass es ihr Kind war, dass er berührte. „Es tut mir leid, dass ich so ein schlechter Vater für dich bin und es tut mir leid, dass wir uns niemals kennenlernen werden.“
Das Baby kickte schwach als Antwort, bevor Obi-Wan merkte, wie ihm die Welt entglitt, als sein Körper taub wurde und ihn die Stimme des Medidroiden nicht mehr erreichte. 'Es tut mir leid, Anakin', dachte er noch, als sich die Bewusstlosigkeit wie eine Decke auf ihn legte, in die er sich schmiegen wollte, bis plötzlich eine Stimme in seinem Kopf widerhallte.
„Nein!“ donnerte sie bestimmt. „Obi-Wan!“
„Anakin?“ hauchte er kaum hörbar und seine Lider flatterten, doch er war zu schwach, um sie öffnen zu können. Es konnte nicht sein. Anakin existierte nicht mehr. Alles was er hörte war eine Halluzination, die sein sterbender Geist für ihn projizierte. Trotzdem legte sich bei dem Gedanken, noch einmal diese Stimme zu hören, bevor er die Welt verließ, eine warme Hand um sein Herz. „Es tut mir leid“, sagte er, erleichtert darüber endlich ehrlich sein zu können. Er musste jetzt nicht mehr stark sein und sich oder ihr Kind schützen, sie würden ohnehin sterben. „Ich habe dich im Stich gelassen, aber ich musste an unser Baby, unseren Sohn, denken.“
„Unseren Sohn“, wiederholte die Stimme und für einen Moment war da eine Liebe in ihr, die bis in den hintersten Winkel von Obi-Wans Seele zu pulsieren schien, bevor ihr Ton wieder dringend wurde. „Es ist jetzt nicht wichtig, was gewesen ist. Hör mir zu Obi-Wan. Du kannst nicht sterben. Du musst leben, für mich, für unseren Sohn. Hast du mich verstanden?“
„Ich kann nicht“, gab Obi-Wan zurück und er fühlte, wie ihm die Tränen über die Wangen liefen. „Es tut zu weh ohne dich.“
„Wenn du jemals etwas für mich empfunden hast, dann gibst du nicht auf“, mahnte ihn die Stimme erneut. „Ich bin bei dir und ich werde es immer sein, deshalb musst du kämpfen. Hörst du, Obi-Wan? Kämpfe für uns!“
Abwehrend schüttelte Obi-Wan den Kopf. „Ich kann es nicht. Ich bin zu schwach.“
Fast meinte er den Besitzer der Stimme mit den Zähnen knirschen zu hören, bevor er antwortete: „Ich werde dir etwas von meiner Kraft geben und jetzt lebe gefälligst!“
Im nächsten Moment war ihm, als würde ihn ein Blitzschlag treffen. Die Macht, die in ihn strömte, war so stark, dass Obi-Wan geschockt die Luft in seinen Lungen anhielt. Sein Herz schlug plötzlich so schnell, als wolle es aus seiner Brust springen und das Blut pumpte so heiß durch seine Adern, als sei es direkt den Feuern von Mutafar entsprungen. Mit dem nächsten, deutlich hörbaren Atemzug öffnete Obi-Wan die Augen. Ihm war schwindelig und er spürte bereits die nächste Welle des Schmerzes heranrollen, aber dank der Kraft, die er geschöpft hatte, erfüllte ihn der Gedanke daran nicht mehr mit Panik. „Meister, das Kind!“ hörte er den Droiden sagen, der zwischen seinen gespreizten Beinen stand. „Mit der nächsten Wehe müsst Ihr fest pressen!“
Noch einmal atmete Obi-Wan ein, suchte sein Zentrum, die Quelle seiner Kraft, während der Schmerz ihn erfasste und er darauf wartete, dass die Wehe ihren Höhepunkt erreichte, bevor Obi-Wan tat was der Droide ihm gesagt hatte. Er presste wie noch nie in seinem Leben, immer stärker gegen den Schmerz an, bis er glaubte ihn nicht mehr ertragen zu können und keine Luft mehr zu bekommen. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis die Wehe endlich abebbte und er sich erschöpft zurücksinken lassen konnte, um sich erneut zu sammeln.
„Gleich ist es da“, ermunterte ihn MD19. „Ich kann die Haare schon sehen. Ihr macht das wunderbar.“ Obi-Wan wusste, dass es die Wahrheit war. Nicht mehr lange und er würde seinen Sohn in den Armen halten. Der Druck in seinem Becken hatte sich verändert. Er konnte fühlen wie der Kopf gegen die Symphyse drückte, in dem Versuch sich durch den engen Geburtskanal zu schieben. Er musste nur noch etwas durchhalten. Eine neue Welle des Schmerzes baute sich auf und wieder nahm Obi-Wan all seine Kraft zusammen. Seine Hände krallten sich in das Blutbesudelte Laken und er kniff die Augen zusammen, in dem Versuch alle Kraftreserven zu aktivieren, während er presste. Für einen Moment glaube er schon, der Kopf sei herausgekommen, doch dann fühlte er, wie er wieder zurückrutschte, als die Wehe erneut abebbte.
„Es ist fast geschafft. Nur noch einmal pressen, dann ist es da. Ich verspreche es.“ Der Droide klang in diesem Moment so sehr wie Anakin, dass Obi-Wan beinah geschluchzt hätte. Vielleicht hatte er es sich auch nur eingebildet, aber im Moment war es ihm auch egal. Alles was zählte, war dieses Kind endlich auf die Welt zu bringen.
'Einmal noch', machte Obi-Wan sich Mut. 'Nur noch einmal kämpfen.'
Die nächste Wehe schien ihm schlimmer als alle zuvor, doch Obi-Wan warf sich trotzdem mit allem was er hatte, allem was er war, in den Schmerz. Das Kinn auf der Brust, die Augen geschlossen, die Hände so stark in das Laken gekrallt, dass die Knöchel weiß hervortraten und den Körper so stark angespannt, dass seine Beine zitterten, legte er seine ganze Kraft darin, dass Kind aus seinem Körper zu treiben. Wieder fühlte er den Kopf und der Druck wurde fast unerträglich, bis Obi-Wan glaubte auseinander gerissen zu werden und ein Schrei seiner Kehle entwich, der tief aus seinem Inneren zu kommen schien. Dann war der Druck plötzlich fort und der Schmerz ebbte ab. Schwer atmend fiel Obi-Wan in die Kissen zurück. Noch immer hatte er die Augen geschlossen, während er mit den Nachwirkungen der Wehe kämpfte, bis er ihn plötzlich hörte: Den Schrei eines Neugeborenen. Sofort flogen seine Lider auf und er sah an sich herab, bis er den Säugling in den metallenen Armen des Droiden erblickte.
Das Kind sah fast so erschöpft aus, wie er sich fühlte. Winzig klein, mit der rötlichen Farbe, die alle Neugeborenen hatten und feucht von Blut, Schleim und Fruchtwasser hing es in MD19s Armen, während der Droide mit einem seiner Greifer die Nabelschnur abklemmte und sie dann durchschnitt. „Herzlichen Glückwunsch, Meister. Da ist Euer Sohn.“ Vorsichtig wickelte der Droide den Jungen in ein Tuch, bevor er ihn auf Obi-Wans Brust ablegte. Zitternd legte Obi-Wan seine Hände auf den schmalen Rücken. Fühlte wie der kleine Brustkorb sich hob und die Macht in seinem Körper pulsierte. Ein unglaubliches Gefühl. Die Signatur, die er ausstrahlte war so rein und hell wie die Sonne selbst und sie fühlte sich so sehr wie Anakins Essenz an. Auch er hatte als Kind so eine strahlende Machtsignatur gehabt, bevor ihn Verlust und Intrigen immer mehr zur Dunklen Seite getrieben hatten. Das Kind hatte die Augen fest zusammen gekniffen und gab weiter Laute des Protests von sich, während Obi-Wan sanft über den Flaum auf seinem kleinen Köpfchen strich. Zwar waren die Haare noch dunkel von den Körperflüssigkeiten, doch Obi-Wan würde jede Wette eingehen, dass er in ein paar Tagen genauso blond sein würde, wie es sein Vater als Kind gewesen war. Ein Gedanke, der ihm erneut die Tränen in die Augen trieb.
„Hallo du“, sagte er, indem er mühsam den Kopf hob und seinen Sohn auf die Stirn küsste. „Mein wunderschöner Sohn.“ Bei dem plötzlichen Kontakt verzog das Baby kurz das Gesicht, hörte jedoch auf zu greinen und als Obi-Wan sich zurücklehnte, öffnete es die Augen und sah ihn an und nun konnte Obi-Wan es nicht mehr verhindern, dass er weinte. Natürlich hatten fast alle Neugeborenen bei ihrer Geburt blaue Augen, trotzdem wusste Obi-Wan sofort, dass es Anakins Augen waren, die ihm entgegen sahen. Sie waren immer so blau wie der Himmel über Naboo gewesen, bevor sie zu den gelben Augen eines Sith geworden waren. Obi-Wan hatte nie verstanden, warum der Rat der Meinung gewesen war, dass Anakin zu alt war, um in den Orden aufgenommen zu werden, als sie ihn auf Tatooine gefunden hatten. Erst in diesem Moment begriff er, warum man die potentiellen Jedi so früh wie möglich in den Tempel brachte. Weil das Band zwischen Eltern und Kind eine Bindung war, die es nicht geben durfte. Bereits jetzt wanden sich die Bänder der Macht ineinander, verbanden sie für den Rest ihres Lebens miteinander. Nichts war stärker, als die Liebe einer Mutter, das verstand Obi-Wan nun. Er würde sterben für dieses Kind, es gegen alles und jeden verteidigen, der ihm ein Haar krümmen wollte. Es war, als wäre in ihm der Teil von Anakin wiedergeboren worden, den Obi-Wan geliebt hatte. Der Teil, der rein und warm und voller Licht gewesen war. Gott, wie sollte er seinen Sohn nur jemals aufgeben?
„Oh, Anakin“, schluchzte Obi-Wan in dem Wissen, dass es die Erschöpfung und die Hormone waren, die diese Worte über seine Lippen trieben. „Ich wünschte so sehr, du könntest ihn sehen. Was für ein Wunder wir in unserem Sohn geschaffen haben.“
„Ich sehe ihn durch deine Augen“, hallte die Stimme in seinem Kopf wider. „Ich bin bei dir und bei ihm, bis wir uns eines Tages wiedersehen.“
Obwohl sie nur seiner Einbildung entsprungen sein konnten, erzeugten diese Worte ein warmes Gefühl in seinem Inneren. Obi-Wan wusste, dass er es nicht wirklich gehört haben konnte. Dass es nur ein Trugbild war, genau wie der plötzliche Machtstoß, den er bei der Geburt gefühlt hatte. Doch eigenartiger Weise fühlte er sich jetzt trotzdem leichter und beschützt. So als würde Anakin wirklich über sie wachen. Aber das konnte nicht sein. Es war unmöglich.
Und doch glaubte ein winziger Teil in Obi-Wans Gehirn ganz fest daran, dass es trotzdem die Wahrheit war.
