Chapter 1: Drunk
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Justus hasste Partys. Er hasste die Lautstärke, hasste das schummrige Licht und die verqualmte Luft erschwerte ihm das Atmen. Jeder halbwegs intelligente Mensch mied solche Zusammenkünfte wie die Pest.
Nur leider schien er mit seiner Meinung ziemlich alleine zu sein, denn die Hausparty, auf die Peter und Bob ihn geschleppt hatten, war gut besucht.
Apropos… Wo waren Peter und Bob eigentlich? Justus blinzelte angestrengt, konnte in dem überfüllten Raum aber weder Bobs blonden Schopf noch Peters athletische Gestalt ausmachen.
Er hatte seine Kollegen aus den Augen verloren, kaum dass sie hier angekommen waren. Weshalb er jetzt auch hier alleine in einer Ecke stand und sich missmutig an einem Becher Bier festhielt, den ihm irgendjemand in die Hand gedrückt hatte. Probeweise nahm er einen Schluck und verzog schlagartig das Gesicht. Bah. Widerwärtig.
Angeekelt stellte er den Becher mit dem schalen, warmen Bier auf einem Tisch ab und begann sich dann durch die Menge zu drängen. Irgendwo hier mussten Bob und Peter sein.
Im Stillen verfluchte Justus seine Kollegen. Er hatte sich nur breitschlagen lassen mitzugehen, weil beide geschworen hatten, dicht an seiner Seite zu bleiben. Schöne Freunde hatte er da.
Irgendjemand rempelte ihn an und plötzlich fühlte Justus Feuchtigkeit an seinem Rücken. „Oh shit, sorry man. Is’ echt voll hier!” Justus fuhr herum, einen Fluch auf den Lippen, den er sich jedoch verbiss, als er realisierte wer vor ihm stand. Brian, einer von Peters hirnlosen Sportlerfreunden. Sein gerötetes Gesicht und die glasigen Augen verrieten, dass er dem Alkohol bereits gut zugesprochen hatte. Alkohol und Gott weiß was noch in seinem System zirkulierte.
Justus musste beinahe schreien um sich über dem Lärm verständlich zu machen. „Schon gut.“ Nichts war gut. „Hast du Peter gesehen?“
„Wen?“ Brians Aufmerksamkeit wurde von etwas hinter Justus abgelenkt, doch Justus hielt ihn am Oberarm fest, als der Sportler sich an ihm vorbeidrängeln wollte.
„Peter! Hast du Peter gesehen?“
„Glaub der ist vorhin mit Kelly nach oben. Würd ich jetzt besser nich stören.“ Brian lachte dreckig. Justus ließ von ihm ab und murmelte ein verkniffenes „Danke“ als Brian wieder in der feiernden Menge verschwand.
Na ganz toll. Wenn Kelly auch hier war, konnte er Peter für den Rest des Abends abschreiben.
Justus hatte es längst aufgegeben, Peters und Kellys Beziehung verstehen zu wollen. Gerade vor zwei Tagen hatten sie sich so heftig gestritten, dass eine Trennung beinahe schon ausgesprochen war. Was eigentlich der Hauptgrund gewesen war, warum er eingewilligt hatte, mit zu dieser Party zu kommen. Peter bettelte, er bräuchte dringend Ablenkung. Und überhaupt, Justus würde noch als verschrobene alte Katzenlady enden, wenn er nicht mehr unter die Leute kam. Den Hinweis, dass Justus weder Katzen mochte noch eine Lady war, hatte der zweite Detektiv geflissentlich ignoriert.
Fluchend drängte sich Justus weiter durch die Leute. Sein nasses T-Shirt klebte ihm am Rücken, er stank nach Bier und seine Augen tränten durch den Rauch. Er hatte gute Lust ohne seine Kollegen zu verschwinden. Nur sein Verantwortungsgefühl hielt ihn davon ab.
An Bob wäre Justus beinahe vorbeigelaufen. Was nicht weiter verwunderlich war, denn der dritte Detektiv wurde beinahe vollständig von einer hübschen Schwarzhaarigen verdeckt, die die Arme um seinen Hals geschlungen hatte. Das Paar küsste sich, als wären sie die Einzigen im Raum. Justus konnte kaum sagen, wo Bob aufhörte und seine Freundin begann.
Okay. Genug war genug. Resolut packte Justus Bob am Arm und zerrte ihn von dem Mädchen weg. „Hey, was soll das?“ Bob wollte seinen Arm aus Justus‘ Griff befreien, stoppte aber schlagartig als er den Blick des ersten Detektives bemerkte. „Oh shit, Just, du bist’s.“ Für einen Moment huschte Schuldbewusstsein über Bobs Gesicht. „Willst du schon gehen?“ Bob beugte sich zu ihm, um sich über die Musik verständlich zu machen und sein Bieratem schlug Justus ins Gesicht. Offensichtlich hatten seine Freunde schnell zu den anderen Feiernden aufgeholt, was den Alkoholkonsum betraf.
Plötzlich war Justus unendlich müde. Er wollte nichts mehr als nach Hause, unter die Dusche und sich dann mit einem Roman in sein Bett zu verkriechen. „Ja, ich hau ab. Peter ist anscheinend oben mit Kelly… Wir sehen uns morgen, okay?“
Bob wollte etwas erwidern, kam aber nicht mehr dazu, denn auf einmal schlangen sich zwei schwere Arme um ihn und Justus. „Hey Kollegen. Habt ihr Spaß?“
Peter war hinter ihnen aufgetaucht und hing nun zwischen Justus und Bob, den Kopf auf dessen Schulter gelegt. Justus Fluch wurde glücklicherweise durch die Musik übertönt. Peter war total hinüber. Der glasige Blick und die geröteten Wangen des zweiten Detektives sagten alles. Verdammt nochmal. Wie hatte er es in dieser kurzen Zeit geschafft, so betrunken zu werden?
Über Peter hinweg tauschte Justus einen vielsagenden Blick mit Bob. Dem schien es nun auch zu dämmern, dass sich seine Pläne für den Abend gerade geändert hatten.
Peter mit einem Arm stabilisierend, drehte sich Bob zu seiner dunkelhaarigen Freundin und sagte etwas zu ihr, das Justus über den Lärm der Party nicht verstehen konnte. Ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen schien sie von der Planänderung jedoch nicht allzu begeistert zu sein. Sie warf sowohl Peter als auch Justus einen wütenden Blick zu, dann drehte sie sich auf dem Absatz um und verschwand im Gedränge.
Bob beugte sich über Peter hinweg wieder zu Justus. „Los, bringen wir ihn erstmal raus!“ brüllte er.
Justus nickte zustimmend. Den zweiten Detektiv in ihrer Mitte, drängten sie sich durch die Meute zum Ausgang.
Die plötzliche kalte Luft draußen nach der Hitze drinnen ließ alle drei frösteln. Peter schwankte und zog sowohl Bob als auch Justus näher zu sich. „Shi-Shit, ist das kalt.“ Offensichtlich reichte der Alkohol nicht aus, um ihn zu wärmen.
„Komm schon, Zweiter“, schimpfte Justus, während er versuchte sich aus Peters Würgegriff zu befreien. "Du kannst alleine stehen.“ Endlich hatte er es geschafft, sich von Peter zu lösen, was leider nur dazu führte, dass der auch noch den zweiten Arm um Bob schlang.
Bob, selbst nicht mehr ganz sicher auf den Beinen, ging unter dem doppelten Gewicht fast zu Boden. Ein Umstand, der hysterisches Gelächter bei den Beiden auslöste. Justus betrachtete seine Kollegen seufzend. Er spürte bereits jetzt Kopfschmerzen aufziehen. Und die konnte er nicht mal auf übermäßigen Alkoholkonsum schieben. „Ja, ja. Sehr witzig“, brummte er.
Sein nasses T-Shirt klebte an ihm und ließ ihn zusätzlich frösteln. Er sollte schleunigst schauen, dass er aus den feuchten Sachen kam. „Kommt Kollegen, wird Zeit nach Hause zu gehen. In diesem Zustand schlaft ihr wahrscheinlich am besten bei mir.“ Schicksalsergeben griff er mit der einen Hand Bobs Arm, mit dem anderen Peters und zog seine noch immer kichernden Kollegen mit sich. Gott sei Dank waren es zum Schrottplatz nur wenige Gehminuten.
Chapter 2: Talk the talk
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Justus Erleichterung kannte keine Grenzen, als endlich das imposante Eisentor zum Gebrauchtwarencenter Titus Jonas in Sicht kam. Peter zu seiner Rechten stützte sich schwer auf ihn. Justus musterte ihn besorgt. Täuschte er sich oder war der zweite Detektiv etwas blass um die Nase? „Alles gut bei dir, Zweiter?“
Peter schüttelte den Kopf, seine Lippen nur mehr ein schmaler Strich. Im nächsten Moment riss er sich von Justus los, taumelte zur Seite – und erbrach sich direkt auf Tante Mathildas preisgekrönte Geranien.
„Peter…ernsthaft…“ Justus beobachtete fassungslos wie der zweite Detektiv wieder und wieder würgte.
„Das gibt Ärger…“, Bob verzog das Gesicht. Auch dem dritten Detektiv schien nicht ganz wohl zu sein, denn er wandte sich hastig ab und entfernte sich einige Schritte.
„Sorry, Just…“, Peter richtete sich wieder auf, einen Arm um seine Körpermitte geschlungen. „Jelly-Shots…“ Allein der Gedanke daran schien erneut Würgereiz in ihm auszulösen, denn er beugte sich hastig wieder vor.
Justus rieb sich müde die Stirn „Entschuldige dich nicht bei mir, entschuldige dich morgen früh bei Tante Mathilda. Wenn du noch dazu kommst, bevor sie dir den Kopf abreißt, Zweiter.“
Peter gab nur ein klägliches Wimmern von sich. Allerdings schien er nun alles von sich gegeben zu haben, was sich noch in seinem Magen befunden hatte, denn das Würgen ebbte ab.
„Ich glaube, wir können jetzt reingehen“, murmelte Peter, wischte sich mit einer Hand über den Mund. Er war zwar immer noch leicht grünlich im Gesicht, aber zumindest schien er ein wenig nüchterner. Und beschämt. Mit Tante Mathilda und ihren Geranien legte man sich besser nicht an.
„Du kannst froh sein, dass Onkel Titus meine Tante anlässlich ihres Hochzeitstages für ein Wochenende nach Santa Monica eingeladen hat. Sonst würde sie dich jetzt vermutlich mit einer Bratpfanne in der Hand über den Schrottplatz jagen.“ Entnervt schloss Justus die Tür zum Haus seines Onkels auf und winkte Peter und Bob herein. Die folgten ihm hastig.
Keiner von ihnen benötigte Licht als sie unten ihre Schuhe abstreiften und auf leisen Sohlen die Treppe zu Justus Zimmer hinaufschlichen. Eigentlich unnötig, waren sie doch die Einzigen die sich aktuell im Haus aufhielten.
Trotzdem sprachen sie erst wieder als Justus Zimmertür hinter ihnen ins Schloss fiel und der erste Detektiv das Licht anmachte. Plötzliche Helligkeit ließ alle drei blinzeln.
Peter ließ sich aufatmend rückwärts aufs Bett fallen, warf dabei einen Unterarm über sein Gesicht. „Man, was für eine Scheißnacht…“
Justus betrachtete ihn missbilligend. Er ließ sich auf seinem Schreibtischstuhl nieder, nachdem er das biertriefende T-Shirt gegen ein frisches ausgetauscht hatte. „Du als Sportler solltest es eigentlich besser wissen, Zweiter. Übermäßiger Alkoholkonsum kann zu vielen ernsthaften Gesundheitseinschränkungen führen. Herzschäden, Leberschäden, sexuelle Dysfunktion…“
Peter nahm schlagartig den Arm von den Augen und starrte Justus entgeistert an. „Mit meinem Schwanz ist alles in Ordnung, danke der Nachfrage, Erster“, ätzte er.
Justus zuckte ungerührt mit den Achseln. „Ich zähle nur Fakten auf.“
Bob, der sich mittlerweile im Schneidersitz auf dem Boden niedergelassen hatte, blickte neugierig zu Peter auf. „Peter, wolltest du vorhin nicht eigentlich mit Kelly…“, er warf einen kurzen Seitenblick auf Justus, „…reden?“
Justus verdrehte die Augen. „Bob, ihr müsst vor mir nicht reden als wäre ein kleines Kind anwesend. Ich bin mit der menschlichen Sexualität durchaus vertraut. Ich interessiere mich nur nicht sonderlich dafür.“ Entgegen seiner nonchalanten Worte spürte Justus wie sich seine Wangen erhitzten und er wandte sich hastig den Papieren auf seinem Schreibtisch zu.
Er konnte Bobs Grinsen in seinen Worten hören, war aber sehr dankbar, dass der dritte Detektiv über seine augenblickliche Verlegenheit hinwegging. „Ich dachte eigentlich, ihr hättet euch vorhin versöhnt. Deswegen habe ich euch dann alleine gelassen.“
Peter gab ein unbestimmtes Brummen von sich, sein Arm verdeckte erneut den Ausdruck in seinem Gesicht. „Hmm, ja. Ich meine, nicht richtig. Ich glaube wir wissen beide nicht, ob das mit uns noch so wirklich Sinn macht…“
Justus verkniff sich jeglichen Kommentar dazu. In seinen Augen hatten Peter und Kelly nicht mehr gemeinsam als das Erfüllen vom Sportler-datet-Cheerleader-Klischee. Aber das war nicht das, was der zweite Detektiv jetzt hören wollte.
„Naja, um ehrlich zu sein, Zweiter… Die wievielte ‚Beziehungspause‘ ist das jetzt?“, Bob neigte fragend den Kopf. „Vielleicht wäre es wirklich besser, wenn ihr erstmal eurer eigenen Wege geht.“
Peter zuckte mit den Schultern. „Ja, ich schätze du hast recht. Kelly… Keine Ahnung. Ich kann irgendwie nicht mit ihr, aber auch nicht ohne sie.“
„Das sind die klassischen Merkmale einer toxischen Beziehung, Zweiter.“ Justus nagte nachdenklich an seiner Unterlippe. „Eine toxische Beziehung zeichnet sich durch ein ständiges Schwanken zwischen den Extremen aus. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Emotionale Abhängigkeit. Kontroll- und Eifersucht. Obwohl Betroffene unglücklich werden, ist der Schritt zu einer Trennung oft schwierig…“
„Danke für den Vortrag, Just. Wieder etwas gelernt. Vor allem von jemanden wie dir, der ja so viel Erfahrung mit Beziehungen hat.“
Justus wusste, dass Peter nur versuchte witzig zu sein, trotzdem zuckte er getroffen zusammen. „Ich will dir nur helfen, Peter. Meine eigenen Erfahrungen mit Beziehungen sind hierfür nicht relevant.“
Bob rutschte etwas weiter in die Mitte, um sowohl Justus als auch Peter erreichen zu können. Er drückte kurz ihre Knie. „Beruhigt euch, ihr zwei. Geht euch nicht gleich an die Kehle. Peter hat’s nicht so gemeint, Just. Und du weißt, er hat recht und bist deswegen so bissig.“ Er warf Peter einen mahnenden Blick zu.
Der verdrehte kurz die Augen, wechselte dann aber zum Glück das Thema. „Apropos Beziehungen… Wer war eigentlich die Chica, mit der du rumgemacht hast?“
Bobs Schultern hoben und senkten sich einmal. „Selina. Wir kennen uns aus dem Plattenladen. Sie ist…süß.“
„Süß?“, Peter richtete sich belustigt auf. Anscheinend ging es ihm schon wieder besser. „Benutzt du süß gerade als Synonym für etwas anderes, um Justus‘ zarte Öhrchen zu schützen?“
„Man Peter!“, Bob schlug ihm entrüstet gegen das Bein. „Lass Justus in Ruhe. Und es geht nicht immer nur um Sex!“
Peter lachte und ließ sich wieder zurückfallen. „Schon gut, schon gut. War ja
nur ne Frage.“
Für einen Moment war es still im Zimmer, dann räusperte sich Justus, Peters letzten Kommentar ignorierend. „Na kommt, Kollegen. Wir sollten uns langsam hinlegen. Ich kenne jemanden, der morgen ein paar Geranien umzutopfen hat!“ Diesen Seitenhieb konnte er sich dann doch nicht verkneifen.
Chapter 3: Confessions
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Wenig später standen die drei Fragezeichen einträchtig nebeneinander vor dem Badezimmerspiegel und putzten Zähne. Justus betrachtete seine Kollegen dabei im Spiegel.
Zum Glück hatten sowohl Peter als auch Bob für Situationen wie diese immer eine Garnitur Wechselklamotten bei ihm deponiert. Jetzt allerdings hatten sie sich nur Jogginghosen übergestreift. Als er sie so nebeneinander stehen sah, war er dankbar für das schwarze T-Shirt, das seinen Oberkörper bedeckte.
Während Peter die muskulöse Statur eines Sportlers hatte – sogar den Ansatz eines Sixpacks konnte man erkennen – war Bob ein wenig kleiner und schmäler.
Als Peter sich nach oben streckte, um seine Zahnbürste zurück ins Glas zu stellen, spannte sich seine Bauchmuskulatur an und Justus blickte hastig weg. Neid machte sich in ihm breit. Neid – und etwas anderes.
„Alles okay, Erster?“ Bob sah ihn durch den Spiegel an. Der zweite Detektiv hatte seine Kontaktlinsen bereits entfernt, weshalb er jetzt die Augen zusammenkniff, um Justus Miene besser erkennen zu können. Ohne Sehhilfe war Bob blind wie ein Maulwurf. Dass er trotzdem Justus veränderten Gesichtsausdruck wahrgenommen hatte, bewies nur, wie gut sie sich kannten.
„Klar. Lasst uns zu Bett gehen, Kollegen.“ Justus stieß sich hastig vom Waschbecken ab, wich dabei bewusst Bobs Blick aus.
In seinem Zimmer verteilten sie sich auf ihre üblichen Schlafplätze. Während Bob und Peter sich Justus schmales Bett teilten, schlief er auf einer Gästematratze davor.
Nachdem Justus Bett an der Wand stand, krabbelte zuerst Bob auf die Matratze, bevor Peter sich hinlegen konnte. Schlussendlich warf Justus die Gästematratze und das Extrabettzeug, das er im Schrank aufbewahrte, auf den Boden und machte es sich bequem.
Dabei kam ihm nicht zum ersten Mal der Gedanke, ihr Schlafarrangement habe wohl in erster Linie praktische Gründe. Er war nun mal wesentlich stämmiger als die anderen zwei. Er und Bob würden vermutlich noch gemeinsam auf die Matratze passen – mit Peter wäre es bereits schwierig.
Justus hatte bereits alle möglichen – und unmöglichen – Diäten ausprobiert. Manche hatten kurzzeitig zum Erfolg geführt, andere waren grandiose Fehlschläge gewesen. Auf lange Sicht hatte keine von ihnen sein Gewicht drastisch reduziert. Rein rational wusste Justus natürlich, wie man abnahm. Er hatte dazu weiß Gott genügend Ratgeber studiert. Nur dieses Wissen auch in die Praxis umzusetzen schaffte er nicht.
Ihm war auch klar, warum er aussah wie er aussah. Viel zu oft kompensierte er Emotionen mit Essen. Das hatte mit seiner Rolle in „Die kleinen Strolche“ angefangen und zog sich seitdem wie ein roter Faden durch sein Leben. Abgesehen davon hasste er Sport. Wenngleich sportliche Ertüchtigung erwiesenermaßen das allgemeine Wohlbefinden steigerte, verbrachte Justus seine Tage wesentlich lieber lesend. Dabei trainierte er zumindest seine grauen Zellen.
„Erde an Justus“, Peters Worte rissen ihn aus seinen Gedanken. „Über was grübelst du denn schon wieder?“ Der zweite Detektiv gähnte. „Jetzt sag nicht, du hast einen neuen Fall für uns. Dafür bin ich gerade zu blau.“
Bobs Kopf tauchte hinter Peters Schulter auf. Er sagte nichts, betrachtete Justus nur mit leichter Besorgnis.
Justus erster Instinkt war es, sich in irgendwelche Ausreden zu flüchten. Normalerweise vermied er jedes Gespräch über sein Gewicht. Doch nach dem heutigen Abend hatte er es irgendwie satt. „Ich grübele über dein Sixpack, Zweiter.“ Erst nachdem er den Satz ausgesprochen hatte, wurde ihm klar, wie das klang und ihm schoss die Röte ins Gesicht.
Erst herrschte verblüfftes Schweigen, dann brachen Peter und Bob in schallendes Gelächter aus. „Also das hätte ich jetzt nicht erwartet, Just“, gackerte Peter. „Ich weiß ja, ich bin unwiderstehlich, aber das ausgerechnet du darauf anspringst, ist neu.“
Bob lehnte sich über Peter und begrapschte mit einem betont ehrfürchtigen Gesichtsausdruck dessen Bauch, was den zweiten Detektiv nur noch mehr zum Lachen brachte. „Ich meine, diese Bauchmuskeln sind aber auch der Wahnsinn, Peter. Es sollte dir verboten sein, oben ohne rumzulaufen.“
Justus versteckte sein glühendes Gesicht im Kissen. Typisch. Da versuchte er einmal seine Freunde an seinen Emotionen teilhaben zu lassen und es kam völlig verkehrt rüber.
So langsam schien es auch Peter und Bob klarzuwerden, dass er seine Worte ernst gemeint hatte, denn ihr Gelächter ebbte ab.
„Warum genau grübelst du über meine Bauchmuskeln nach, Erster?“ Peters Schultern bebten vor unterdrücktem Gelächter, aber zumindest schaffte er es eine halbwegs ernste Miene aufzusetzen.
Justus zögerte mit seiner Antwort. Wie sollte er Peter und Bob erklären, was in seinem Kopf vor sich ging?
„Ich habe uns nur vorhin zu dritt im Spiegel gesehen und naja…“, er knautschte sein Kopfkissen in eine bequemere Form um Zeit zu schinden. „Mein Leibesumfang ist nun mal signifikant höher als eurer. Und Übergewicht ist bekanntermaßen ungesund. Ich sollte wohl mal wieder ernsthaft an meinem Gewicht arbeiten…“
„Ach komm schon, Erster. Du hast doch in den letzten Jahren schon einiges an Gewicht verloren.“ Justus wusste, Peter meinte es nur gut, allerdings fand er es trotzdem nicht sonderlich hilfreich daran erinnert zu werden, dass er einmal noch dicker gewesen war. Dementsprechend scharf fiel seine Antwort aus. „Weniger zu wiegen als damals bedeutet noch lange nicht, mein Gewicht ist jetzt im Normbereich, Peter. Ich war damals“, das Wort kam ihm nur äußerst schwer über die Lippen, „fett und jetzt bin ich nur noch dick. Herzlichen Glückwunsch.“
Bob pfiff leise durch die Zähne. „Anscheinend hat Alkohol eine deprimierende Wirkung auf dich,
hmm?“
Justus schnaubte. „Ich hatte im Gegensatz zu euch nur einen Schluck Bier. Ich bin völlig klar im Kopf.“
Für einen Moment schwiegen alle drei, bis Peter sich zögernd zu Wort meldete. „Du kannst mich gerne mal auf meiner morgendlichen Joggingrunde begleiten, Just. Wenn du dein Gewicht reduzieren möchtest, ist Sport immer gut.“
Das Problem war – Peter hatte recht. Trotzdem wusste Justus, er würde nicht auf das Angebot des zweiten Detektives zurückkommen. Es wäre nur eine Qual für sie beide. Für Peter, weil er sein gewohntes Tempo und Pensum für Justus drosseln musste und für ihn weil er in keinster Weise mit einem trainierten Sportler mithalten konnte. Er beließ es daher bei einem vagen. „Ja, mal sehen.“
„Du weißt, dein Gewicht ändert nichts an deinem Wert, nicht wahr?“, fragte Bob. „Weniger Gewicht macht einem nicht automatisch zu einem besseren Menschen.“
Justus verbarg sein Gesicht in seinem Ellenbogen. „Nein, das natürlich nicht, Dritter. Aber es macht einen in den Augen der meisten Menschen attraktiver.“
„Darum geht es hier?“, er hörte wie Bob sich aufsetzte. „Um deine Attraktivität?“
Justus zuckte mit den Schultern. „Natürlich ist mir auch der gesundheitliche Aspekt wichtig. Ich bin ja schon außer Puste, wenn ich zweimal die Treppen hier hoch und runter laufe. Das mit der gesteigerten Attraktivität ist nur ein weiterer positiver Nebeneffekt.“
Peter klang verblüfft. „Wir war nicht klar, dass dir deine Wirkung auf andere so wichtig ist, Erster. Dir war das doch immer recht egal.“
Justus verzog den Mund. Egal war es ihm nie gewesen. Er wurde mit der Zeit nur besser darin, seine Reaktion auf die Sticheleien und vielsagenden Blicke zu verbergen. „Ist es mir auch, Peter. Ich will nicht für andere Gewicht verlieren, sondern nur für mich. Vielleicht…“, er brach ab.
Doch so leicht ließ ihn Bob nicht vom Haken. „Vielleicht was?“
„Naja, vielleicht würde eine Gewichtsreduktion mir nichtsdestotrotz dabei helfen, auch mal jemanden zu finden. Ich habe es ein bisschen satt, mir immer nur eure Stories anzuhören. Und dabei ist mir auch noch klar, dass ihr mir nur das absolute Minimum erzählt.“
Peter und Bob tauschten einen schuldbewussten Blick. „Naja, wir dachten eben, das interessiert dich eh nicht so…“, versuchte Peter sich an einer halbherzigen Erklärung, doch Justus winkte ab.
„Geschenkt, Zweiter. Ich kann ja ohnehin nicht mitreden. Ich will so langsam mal meine eigenen Erfahrungen machen.“
Für einen Moment war es still im Raum, dann lachte Bob leise. „Okay Just, da du nun scheinbar so weit bist – dann wird es wohl offiziell Zeit für unser Bienchen und Blümchen-Gespräch.“
Chapter 4: Teasing
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Justus verdrehte die Augen. „Wie die menschliche Fortpflanzung funktioniert ist mir hinlänglich bekannt, Dritter. Der Vergleich mit den ‚Bienchen und Blümchen‘ geht übrigens höchstwahrscheinlich auf den deutschen Botaniker Christian Konrad Sprengel zurück, der im Jahre 1793 eine Abhandlung unter dem Titel ‚Das entdeckte Geheimnis der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen‘ veröffentlichte. Darin…“
„Justus!“ Er zuckte zusammen. Bobs genervtem Ausruf nach zu urteilen wusste der seine Ausführungen über den geschichtlichen Kontext seines Scherzes nicht unbedingt zu würdigen. Das passierte ihm leider viel zu häufig. Für ihn wahnsinnig spannende wissenschaftliche Fakten und Begebenheiten lösten bei seinem Gegenüber nur glasiges Starren aus – im besten Fall.
„Guckst du eigentlich Pornos?“
„Was?“ Justus blickte verblüfft zu Peter hoch. Der zweite Detektiv hatte sich wieder hingelegt und blickte ihn über den Rand seiner Bettdecke neugierig an.
„Pornos, Just. Du weißt schon…Erwachsenenunterhaltung.“
Obwohl Justus wusste, es war für einen 17-jährigen Jungen nicht ungewöhnlich pornografisches Material zu konsumieren, wurde er zum wiederholten Mal an diesem Abend rot. Waren das die Themen, über die sich Peter und Bob unterhielten, wenn er nicht dabei war?
Seine erste Reaktion war es, die Frage zu verneinen. Das wäre nicht mal unbedingt gelogen. Wie vermutlich jeder westliche Teenager hatte er sich den ein oder anderen Porno angesehen. Mehr oder weniger aus bildungstechnischen Gründen. Die Sexualratgeber, die er gelesen hatte, waren stellenweise doch etwas wissenschaftlich gewesen. Nicht dass ihm die Pornos viel gegeben hätten. Meistens hatte er sich eher über die schlechte Kameraführung und die mehr als dünne Geschichte geärgert, als sich wirklich auf die Geschehnisse am Bildschirm zu konzentrieren.
„Naja, manchmal?“
„Wirklich?“ Bob hatte sich auf einen Ellenbogen gestützt, um Justus über Peters Schulter hinweg ansehen zu können. Er wirkte verblüfft. „Ich dachte ehrlich gesagt, das wäre unter deinem Niveau.“
Jetzt hatte Justus das Gefühl sich verteidigen zu müssen. „Was meinst du mit unter meinem Niveau, Dritter? Ich bin ein gesunder männlicher Teenager. Natürlich habe ich gewisse…Bedürfnisse. Wie ihr eben auch.“
Peter lachte. „Okay. Bedürfnisse. Und mit welcher Art von Pornos stillst du deine ‚Bedürfnisse‘ so?“ Er hatte einen herausfordernden Ausdruck ihm Gesicht. Justus wurde bewusst, dass Peter vielleicht doch noch etwas betrunkener war, als er sich anmerken ließ. Er war sich recht sicher, nüchtern würde Peter ihm eine derartige Frage nicht stellen. Ihm für seinen Teil brannten jedenfalls die Ohren. Doch als Justus Bob nach Hilfe suchend ansah, blickte der ihn ebenfalls neugierig an. Na super.
Justus räusperte sich. „Nun, das übliche eben. Frau. Mann. Sex.“
Peter verbarg sein Lachen hinter seiner Bettdecke. „Wow man. So viel Versautheit hätte ich dir gar nicht zugetraut.“
Jetzt wurde es Justus doch etwas zu bunt. „Was genau guckst du denn, Zweiter?“, fragte er daher herausfordernd.
Nun war Peter derjenige, der rot anlief. Er ließ sich Zeit mit seiner Antwort, suchte offensichtlich nach den richtigen Worten. „Einer der geilsten, die ich mal gesehen habe, war ein Wanderer mit seiner Freundin am Ufer eines Gebirgssees. Sie haben sich selbst gefilmt und…ja“, endete er etwas lahm, räusperte sich verhalten.
Die Stimmung im Raum hatte sich unmerklich verändert. Justus war auf einmal froh bereits auf dem Bauch zu liegen. Seine körperliche Reaktion auf Peters Erzählung überraschte ihn. Das beschriebene Szenario war keines, das ihn sonderlich anmachte. Erst stundenlang wandern um dann am kieseligen, harten Ufer eines Sees…? Nein, danke. Aber es passte zu Peter. Für ihr Sportass war das wahrscheinlich tatsächlich eine geheime Fantasie, die er gerne mal in die Tat umsetzen würde.
„Und du, Bob?“ Peter hatte sich halb zum dritten Detektiv umgedreht, wollte scheinbar von sich selbst ablenken. „Was guckst du so?“
Der hatte sich etwas weiter an die Wand zurückgezogen, soweit es Justus schmales Bett eben zuließ. Wahrscheinlich in einem vergeblichen Versuch, dieser Frage aus dem Weg zu gehen. Bob blickte von Peter zu Justus und wieder zurück. Wenn sie ihre Vorlieben offengelegt hatten, war es wahrscheinlich nur fair, wenn er das auch tat. Der dritte Detektiv leckte sich nervös über die Lippen. „Ich würde es euch lieber zeigen, als es zu beschreiben.“
Justus entgleisten die Gesichtszüge. Was? Bob wollte ihnen einen Porno zeigen? Schlagartig war alle Erregung, die er eventuell empfunden hatte, verschwunden. Er würde doch hier jetzt nicht mit Peter und Bob einen Porno gucken! Mit zwei seiner besten Freunde! Das machte man doch nicht! Machte man das?
Peter schien von Bobs Vorschlag ebenfalls überrascht zu sein. „Uns zeigen?“ Er lachte nervös. „Keine Ahnung, auf was du so stehst, Dritter, aber wenn es creepy ist, bin ich raus.“
Bob schlug leicht gegen Peters Schulter. „Natürlich nicht, man. Was denkst du denn von mir?“ Jetzt war er knallrot angelaufen. „Nichts daran ist creepy. Aber es ist schon fast“, er räusperte sich, „künstlerisch. Und das lässt sich eben leichter zeigen, als beschreiben.“
Peter wirkte nicht überzeugt. „Künstlerisch? Wenn sich jemand in Farbe wälzt, fällt das nach meiner persönlichen Definition auch unter creepy.“
„Keine Farben, versprochen.“ Bob verdrehte die Augen. Dann krabbelte er über Peter hinweg um aus dem Bett zu steigen. Vorsichtig, um nicht auf Justus zu treten, beugte er sich zu dessen Schreibtisch und schnappte sich Justus Laptop. „Wollt ihr ihn nun sehen oder nicht?“
Justus war jetzt doch neugierig geworden. Welcher Porno konnte so gut sein, um sogar als künstlerisch betitelt zu werden? Er stützte sich auf seine Ellenbogen ab. „Das interessiert mich nun doch. Zeig ihn uns, Dritter.“
Bob blickte zu Peter hinüber. „Okay, Peter?“
Der zuckte verhalten mit den Schultern. „Ja na gut. Mach ihn an.“
Bob nickte grinsend und startete den Laptop.
Chapter 5
Notes:
Smut Chapter - Don't like, don't read. Abgesehen davon ist das mein erstes selbstgeschriebenes Smut Chapter, habt also bitte Nachsicht. ;)
Für eine passende musikalische Untermalung empfehle ich diese Playlist: https://www.youtube.com/watch?v=xKjlQj0H2Is&list=PLs5CUzq1Wjh4woe-1RXGBqeLzBmOidUTh
Chapter Text
Bob öffnete den Internetbrowser und tippte eine ganze Weile. Da er mit seinem Körper ihre Sicht blockierte, konnte Justus nicht erkennen was genau er eingab. Schlussendlich zog Bob den Laptop an die Schreibtischkante und ließ sich neben Justus auf der Gästematratze nieder. Aus dieser Entfernung konnte er das Bild selbst ohne Kontaktlinsen gut erkennen.
„Könnt ihr alle etwas sehen?“, fragte Bob, bog den Bildschirm etwas weiter nach vorne, um Spiegelungen im Display zu vermeiden. Sowohl Justus als auch Peter nickte.
Bob wies auf den Lichtschalter an der Wand neben Justus Bett. „Machst du das Licht aus, Zweiter?“
Peter beugte sich nach links und löschte das Licht. Nun erhellte nur noch der Laptopdisplay das Zimmer.
Bob hatte das Video offensichtlich bereits ausgewählt, denn jetzt musste er nur noch auf Play drücken und der Film begann.
Justus betrachtete gespannt den Bildschirm. Sie befanden sich scheinbar in einem Schlafzimmer. Der flackernde Schein einer Vielzahl von weißen Kerzen erleuchtete den ansonsten dunklen Raum und das Bett, um das sie gruppiert waren. Im Hintergrund setzte leise, sündige Musik ein.
Eine Frau räkelte sich auf dem Bett, das von schwarzen Laken bedeckt war. Die Kamera schwenkte jetzt in Nahaufnahme über sie. Es war immer nur ein Teil ihres Körpers im Kerzenschein zu erkennen. Ein Stück cremeweißer Oberschenkel. Der sanfte Schwung ihrer Hüfte. Weiße Zähne hell gegen das Rot ihrer Lippen.
Die Frau seufzte leise, lustvoll. Ihr Gesicht war durch eine schwarze Maske verborgen, die lediglich die Mundpartie aussparte.
Justus bemerkte wie er sich unwillkürlich weiter nach vorne beugte. Schokoladenbraunes Haar lockte sich über ihre Schultern, bildete einen hübschen Kontrast zu der weißen Spitze, die ihre Brüste bedeckte. Bis auf BH und Höschen war die Frau nackt.
Bob bewegte sich neben ihm. Obwohl der die Aufnahme bereits mehrfach gesehen haben musste, schien er die Augen nicht vom Bildschirm lassen zu können.
Die Frau strich mit den Fingerspitzen über die volle Rundung ihrer Brust, streckte sich auf den dunklen Laken genießerisch. Dann glitten ihre Finger gemächlich über ihren Bauch nach unten, berührten federleicht den Rand ihres Höschens. Wie als könnte sie es nicht kontrollieren, streckte sich ihre Hüfte unwillkürlich der Berührung entgegen.
„Oh wow…“ Peter klang leicht atemlos.
Die Finger strichen langsam zurück zur Brust der Frau, sie streckte den Rücken durch, was ihnen einen exzellenten Blick auf ihr üppiges Dekolleté verschaffte. Justus atmete tief ein, fasziniert von dem Bild das sich ihm bot.
Die Frau nutzte den Spalt zwischen ihrem Rücken und der Matratze um mit einer Hand geschickt ihren BH zu öffnen. Als die Spitze fiel bedeckte sie mit beiden Händen ihre Brüste, drückte sie leicht.
Justus sah wie Bob kurz die Finger bewegte, so als würde er die Berührung nachahmen.
Am Bildschirm spreizten sich die Finger der Frau, enthüllten hellrosa Nippel. Sie begann sachte mit einer Hand an ihrem Nippel zu zupfen, rollte die Spitze zwischen ihren Fingerspitzen. Die andere Hand bewegte sich langsam zu ihrem Höschen.
Die Frau wand sich ein wenig auf dem Laken, wieder waren leise Seufzer zu hören.
Aus dem Augenwinkel bemerkte Justus wie Peter sich bewegte. Täuschte er sich oder hatte der zweite Detektiv gerade eine Hand unter die Bettdecke geschoben?
Die Fingerspitzen tauchten unter den Rand des Slips, glitten tiefer. Die Frau spreizte die Beine ein wenig weiter, kippte das Becken. Der dünne weiße Spitzenstoff verbarg ihr Tun vor den Blicken ihrer Zuschauer, doch die Art wie ihre Lippen sich zu einem Keuchen öffneten, ließ wenig Raum für Spekulation. Justus hatte auf einmal das Gefühl etwas unglaublich Intimen beizuwohnen.
Ihm wurde warm. Verdammt. Sein Schwanz war mittlerweile vollständig erigiert und bettelte um Berührung. Zum Glück verbarg die Bettdecke das Zelt in seiner Jogginghose. Die Dunkelheit tat gnädigerweise ihr Übriges dazu, seinen Zustand zu verbergen.
Als er zurück zum Bildschirm blickte, streifte die Frau gerade ihr Höschen ab, rekelte sich nun splitterfasernackt auf der Matratze. Er hatte noch nie etwas erotischeres gesehen.
Die Kamera schwenkte langsam zurück zu ihrem Oberkörper. Die Spitze ihrer Nippel hatten sich zu festen kleinen Punkten zusammengezogen, die sie nun mit einer Hand zwischen den Fingerspitzen rollte, ein wenig zwickte. Die andere Hand tauchte wieder zwischen ihre Beine.
Diesmal hatten sie eine ungehinderte Sicht darauf wie die Frau mit zwei Fingern über ihre Spalte glitt, der Daumen strich federleicht über ihre Klitoris.
Irgendjemand stöhnte unterdrückt. War es Peter? Bob? Justus wusste es nicht. Er hatte den Blick starr auf den Bildschirm gerichtet, eine Hand fest auf die Bettdecke über seiner schmerzenden Erektion gepresst.
Die Frau öffnete die Beine weiter, zwei Finger verschwanden in ihr während sie über die kleine Erhebung zwischen ihren Schenkeln strich, die den Mittelpunkt ihrer Lust bildete. Ein leises Wimmern entkam ihren geöffneten Lippen, brachte Justus Schwanz zum Zucken. Er biss sich auf die Lippen, verstärkte den Druck auf den Stoff.
Eine Bewegung von Peter ließ ihn leicht den Kopf drehen. Es bedurfte nicht viel Fantasie um zu erkennen, was der zweite Detektiv da machte. Bob neben ihm atmete scharf ein als die Frau damit begann sich zu fingern. Jedes Mal wenn sie die Hand zurück zog brachte das Kerzenlicht die Nässe an ihren Fingern zum Scheinen.
Der Daumen der Frau glitt nun schneller über ihre Klitoris, sie bewegte die Hüften ihren Fingern entgegen. Leise Laute der Lust drangen aus den Lautsprechern von Justus Laptop. Sie drehte ihren Kopf von links nach rechts, nagte an ihren Lippen als sie sich ihrer Erregung überließ.
Justus hielt es einfach nicht länger aus. Im Schutz der Dunkelheit schob er die Hand unter die Bettdecke und in seine Hose, schloss die Finger um seine Erektion. Nur schwer konnte er ein Aufstöhnen unterdrücken. Verdammt, fühlte sich das gut an. Er bewegte die Hand so vorsichtig wie möglich um sich nicht zu verraten.
Doch als er verschämt nach rechts blickte, erkannte er, dass auch Bobs rechte Hand nicht mehr auf der Bettdecke lag. Das helle Licht des Laptopbildschirms enthüllte die Erregung auf dessen Gesicht und Justus biss sich unwillkürlich auf die Lippen. Er hatte Bob noch nie so gesehen.
Die Frau schien sich ihrem Höhepunkt zu nähern denn ihr Stöhnen wurde lauter. Mittlerweile verschwanden drei Finger ihrer Hand in ihr und die Bewegungen ihrer Hüfte wurden schneller, heftiger.
Justus keuchte leise . Seine Hand glitt im selben Rhythmus über seine Erektion. Sein Blick zuckte von ihren Brüsten, den verhärteten Nippeln über ihren flachen Bauch zwischen ihre weit geöffneten Schenkel. Er konnte seinen Orgasmus bereits erahnen, ein elektrisches Prickeln am Ende seiner Wirbelsäule.
Peter zu seiner linken am Bett stöhnte unterdrückt auf, er verspannte sich für einen Moment. Da er im Schatten des Laptoplichts saß, konnte Justus den Ausdruck auf seinem Gesicht nicht erkennen.
Justus wurde von Peter abgelenkt, als die Frau am Bildschirm mit einem leisen Aufschrei ihren Höhepunkt erreichte, Wellen der Lust ließen ihren Körper zucken. Das war alles was Justus noch brauchte. Mit einer leichten Drehung seiner Hand stürzte er über die Klippe, sein Orgasmus durchzuckte ihn so heftig, er verbarg das Gesicht an seiner Schulter um sein Stöhnen zu unterdrücken. Nässe machte sich in seinen Boxershorts breit und er zog hastig die Hand zurück.
Gerade rechtzeitig um mitzubekommen wie auch Bob kam, der zweite Detektiv krümmte sich zusammen als sein Orgasmus ihn überwältigte. Dann ließ er sich nach hinten fallen, einen Arm über sein Gesicht gelegt.
Mittlerweile hatte das Video und somit auch die Musik geendet, keiner der Jungs hatte die letzten Sekunden mitbekommen. Justus wurde sich der Stille im Zimmer bewusst, nur unterbrochen von ihren heftigen Atemzügen. Sein Puls raste noch immer und er atmete ein paar Mal tief ein und aus, versuchte sich zu beruhigen. Verdammt, so war das nicht geplant gewesen. Sein Gesicht brannte. Was sollte er sagen?
Zu seiner Überraschung war es Peter, der die Stille brach. „Okay Dritter, du hast definitiv Geschmack was Pornos betrifft. Das war nicht creepy.“ Der zweite Detektiv stemmte sich vom Bett hoch, schlängelte sich zwischen Justus und Bob hindurch. „Ich geh zuerst ins Bad.“ Und schon klappte Justus Zimmertür.
Bob lachte, wenngleich es noch etwas atemlos klang. „Hab ich doch gesagt, Peter“, rief er diesem hinterher, ehe er ebenfalls aufstand und zur Wand tapste.
Plötzliche Helligkeit blendete Justus und er kniff die Augen zusammen. Bob blinzelte ihn an, sein Haar ein blondes Chaos auf seinem Kopf. Justus Blick glitt unwillkürlich zu seinem Schritt. Doch die schwarze Jogginghose, die Bob trug, gab nichts preis.
Hastig wandte Justus den Kopf ab, schluckte. Während Bob völlig entspannt wirkte, wusste er kaum wo er hinsehen sollte. Um sich abzulenken griff Justus nach dem Laptop und schloss das Browserfenster. Nicht jedoch ohne auf die Adresszeile zu linsen. Anschließend schaltete er den Laptop aus und klappte ihn zu.
„Alles okay, Just?“, fragte Bob von der Tür her. Er wartete scheinbar darauf, dass Peter aus dem Bad zurückkehrte. „Du bist jetzt aber nicht…sauer oder so?“
Justus schüttelte hastig den Kopf und drehte sich wieder zu Bob. Der hatte die Augen zusammengekniffen um sein Gesicht besser erkennen zu können. Aus dieser Entfernung machte sich seine Sehschwäche bemerkbar.
„Nein, alles gut. Du hattest recht. Das war eine sehr…“, Justus zuckte verlegen mit den Schultern, „künstlerische Darstellung der weiblichen Lust.“
Bobs Schultern entspannten sich, ein verschmitztes Grinsen verzog seinen Mund. „So kann man es auch ausdrücken, Erster. Eine künstlerische Darstellung der weiblichen Lust.“
Chapter 6: Insecurities
Notes:
Diesmal ein Kapitel Peter-POV :)
Chapter Text
Am nächsten Tag schafften es Peter und Bob sogar noch aus dem Haus bevor Tante Mathilda und Onkel Titus von ihrem Wochenendtrip zurückkamen. Wofür zumindest Peter äußerst dankbar war. Er hatte wirklich keine Lust dabei zu sein, wenn Justus Tante den Zustand ihrer geliebten Geranien bemerkte.
Für später war Regen angesagt. Wenn er ganz viel Glück hatte schwemmte der den Beweis seines übermäßigen Alkoholkonsums davon.
Als er sich vor dem Schrottplatztor von Bob verabschiedete, brummte ihm ein wenig der Schädel. Allerdings weniger als er es befürchtet hatte. Entweder vertrug er mittlerweile mehr oder so ein nächtlicher Orgasmus war ein Instant-Kater-Killer.
Beim Gedanken daran röteten sich seine Wangen. Jetzt im hellen Licht des Tages betrachtet konnte er es nicht fassen, dass sie sich gemeinsam einen Porno angesehen hatten. Was hatten sie sich nur dabei gedacht? Glücklicherweise hatten weder Justus noch Bob die nächtlichen Ereignisse heute Morgen erwähnt. Wahrscheinlich waren die genauso peinlich berührt wie er.
Kopfschüttelnd schloss Peter die Tür zu seinem Elternhaus auf und streifte sich im Eingangsbereich die Schuhe von den Füßen. Prompt streckte seine Mutter den Kopf aus der Küche. „Peter! Da bist du ja. Hab ich dir nicht gesagt du sollst Bescheid sagen, wenn du nicht zuhause schläfst?“
Oh shit. Peter zuckte ertappt zusammen. In seinem Zustand hatte er gestern keinerlei Gedanken an seine Eltern verschwendet. „Tut mir leid, Mom. Ich…Es wurde spät und Bob und ich haben bei Justus gepennt. Kommt nicht wieder vor!“, fügte er hastig hinzu, als er den verärgerten Gesichtsausdruck seiner Mutter bemerkte. Die seufzte nun. „Okay. Solange du das nächste Mal daran denkst, eine kurze Nachricht zu schreiben. Du weißt doch wie schlecht ich schlafe, wenn du noch nicht zuhause bist.“
Na toll. Seine Mutter wollte ihm scheinbar wirklich die volle Dröhnung Schuldgefühle verpassen.
„Versprochen, Mom“, versuchte er sie zu versöhnen, schenkte ihr ein strahlendes Lächeln. Seine Mutter verdrehte nur die Augen. „Hau schon ab. Ich sehe von hier wie verkatert du bist, junger Mann“, naserümpfend verschwand sie wieder in der Küche.
Peter gab einen genervten Laut von sich. Aber sie hatte ja recht. Der kurze Spaziergang zu seinem Haus hatte seine Lebensgeister geweckt, doch jetzt setzte die Müdigkeit wieder ein.
In seinem Zimmer ließ Peter sich erleichtert aufs Bett fallen, ignorierte dabei gekonnt das Chaos im Raum. Kelly und seine Mutter beschwerten sich regelmäßig über die Unordnung. Doch solange Peter noch etwas vom Boden erkennen konnte, war seiner Meinung nach alles in bester Ordnung.
Nachdenklich starrte er hinüber zu seinem Schreibtisch. Dort stapelten sich Schulbücher. Sie hatten in den nächsten Wochen einige wichtige Arbeiten.
Während Justus ohnehin ein schulischer Überflieger war und auch Bob mit guten Noten glänzen konnte, war er nur so unterer Durchschnitt.
Von Zeit zu Zeit wurmte ihn das. Also nicht unbedingt seine Schulnoten. Solange er nicht sitzen blieb, sah er – und zum Glück auch seine Eltern – das recht entspannt. Aber dass er der „Dümmste“ von ihnen dreien war. Manchmal würde er Justus am liebsten schütteln, wenn der wieder so geschwollen daher quatschte, dass kein normaler Mensch ihm folgten konnte. Also er zumindest nicht.
Tief im Innern wusste er, Justus meinte es nicht böse und tat es keinesfalls um Peter auszuschließen. Aber ab und zu kam es ihm so vor, als würde der erste Detektiv es ein bisschen zu sehr genießen, wenn Peter keine Ahnung hatte, wovon er eigentlich sprach. Daher sah er es als seine höchst eigene Aufgabe an, ihren Ersten gelegentlich von seinem hohen Ross herunterzuholen. Peter wollte es nicht zugeben, aber es war für ihn ungeheuer befriedigend zumindest im Sport Justus haushoch überlegen zu sein. Das war zwar nicht viel, aber immerhin etwas.
Seufzend drehte sich Peter vom Bauch auf den Rücken, zog die Bettdecke über sich. Auf seinem Nachttischkästchen leuchtete sein Handy auf. Vermutlich eine weitere Nachricht von Kelly.
Er hatte ihre Texte gestern Nacht ignoriert und plante auch jetzt nicht, in absehbarer Zeit zu antworten. Eigentlich hatten sie gestern vereinbart, sich gegenseitig mehr Raum zu geben. Scheinbar sah Kellys Definition von ‚mehr Raum‘ so aus, ihm nur alle zwei Stunden statt jede Stunde zu schreiben.
Er war genervt von ihrem Geklammere und wusste doch, auch er war nicht unschuldig daran. Mädchen mochten ihn und ja, manchmal flirtete er ein wenig. Aber er würde niemals fremdgehen. Da zog er eine ganz klare Grenze. Nicht dass er andersrum besser war. Der Gedanke an Kelly mit einem anderen Typen machte ihn krank. Und doch nervte sie ihn manchmal zu Tode.
Vielleicht hatte Justus recht und ihre Beziehung war wirklich toxisch.
Bob hatte auch schon öfter etwas in dieser Richtung erwähnt. Peter fuhr sich müde mit einer Hand übers Gesicht. So eng ihre Freundschaft auch war, aber nach Beziehungsratschlägen fragte er Justus und Bob so gut wie nie. Meistens teilten die ihm ihre Meinung auch so ungefragt mit.
Doch wie Justus gestern schon so treffend festgestellt hatte, konnte er mangels Erfahrung nicht mitreden. Und Bob hatte auch noch nie eine längere Beziehung. Seine Liaisons waren immer von eher kurzfristiger Natur. Und meistens hielt er die auch noch äußerst bedeckt.
Nachdenklich starrte Peter die Zimmerdecke an, nagte leicht an seiner Unterlippe. Schon wieder signalisierte sein Handy eine neue Nachricht. Entnervt griff er danach. Doch dieses Mal war es tatsächlich nicht Kelly, die ihm geschrieben hatte. Jedenfalls nicht nur. Er hatte auch eine Nachricht von Jeffrey, der ihn fragte, ob er heute Nachmittag am Strand sein würde.
Peter verzog das Gesicht. Nicht nur dass er verkatert war, wenn er sich den grauen Himmel so betrachtete, hatte der Wetterbericht höchstwahrscheinlich recht mit dem prophezeiten Regen.
Da blieb er doch lieber im Bett liegen. Schnell tippte er eine entsprechende Nachricht an Jeffrey.
Den hatte er bei einem Surfwettbewerb kennengelernt. Leider hatte Jeff damals sportlich gesehen den Boden mit ihm aufgewischt, aber wenigstens hatte er dadurch einen Freund gewonnen, der sich auch fürs Surfen interessierte. Obwohl ebenfalls am Strand aufgewachsen, machten weder Bob noch Justus eine gute Figur auf dem Surfbrett.
Abgesehen von seinen zwei Detektivkollegen würde Peter tatsächlich Jeffrey als seinen besten Freund bezeichnen. Sie hatten beide ähnliche Interessen und der etwas ältere Jeff hatte Peter schon des Öfteren gute Ratschläge erteilt. Auch in Beziehungsangelegenheiten.
Peter ließ sich wieder ins Kissen zurückfallen und schloss die Augen. Doch eigentlich brauchte er gar keinen Ratschlag mehr. Er wusste auch so, dass eine Trennung von Kelly wahrscheinlich im Moment das Beste für sie beide wäre. Das musste er jetzt nur noch Kelly beibringen.
Chapter 7: Changing
Notes:
Diesmal ein Bob-POV :)
Chapter Text
Als Bob zuhause ankam fand er einen Zettel auf dem Küchentisch, der ihm mitteilte, dass seine Eltern mit Freunden zum Sonntagsbrunch verabredet waren. Das kam ihm ganz gelegen.
Er hatte zwar nicht so viel getrunken wie Peter, aber so ganz fit fühlte er sich dennoch nicht.
Bob schnappte sich etwas O-Saft aus dem Kühlschrank und verzog sich in sein Zimmer. Seine Kameraausrüstung lag noch auf seinem Schreibtisch, wo er sie zurückgelassen hatte.
Unschlüssig griff er nach der Kameratasche und drehte sie in den Händen. Normalerweise nutzte er die Sonntage ganz gerne um mit Belichtungsdauer und Kontrasten zu spielen, aber heute hatte er dazu nicht wirklich Lust.
Ein kurzer Blick in den wolkenverhangenen Himmel bestätigte ihn. Es würde wahrscheinlich jeden Moment zum Regnen anfangen.
Bob ließ sich mit der Kamera aufs Bett fallen und klickte sich durch die letzten Bilder, die er geschossen hatte. Bilder vom Strand und Nahaufnahmen der Rosen im Garten seiner Mutter. Ein Bild seiner Eltern, wie sie gemeinsam auf dem Sofa lagen und Nachrichten guckten. Nichts wirklich Interessantes.
Bob scrollte schneller, die Bilder begannen über den kleinen Bildschirm der Kamera zu fliegen wie ein Film. Bis er plötzlich stoppte. Ein Foto von Justus und Peter in der Schrottplatzgarage. Peter lehnte in einem Overall an seinem MG, die Arme vor der Brust verschränkt. Justus stand neben ihm und zog sein ‚Dozier-Gesicht‘ wie Peter es nannte. Was wohl die Erklärung für Peters genervten Gesichtsausdruck war.
Bob lachte in sich hinein. Manchmal war es ihm ein Rätsel, warum Justus und Peter eigentlich befreundet waren. Abgesehen von ihrem Detektivclub hatten sie so gut wie nichts gemeinsam. Naja, und ihrer Freundschaft zu ihm natürlich. Bob klickte langsam weiter. Noch mehr Bilder von Peter in seinen Overall, wie er an seinem MG herumschraubte.
So langsam erinnerte sich Bob wieder. An diesem Tag war es brutal heiß gewesen. Kein Windhauch hatte ihnen etwas Abkühlung gegönnt. Irgendwann hatte Peter das Oberteil des Overalls geöffnet und sich die Ärmel um die Hüften geschlungen.
Bob zoomte etwas näher heran. Mit der vor Schweiß und Motoröl glänzenden Brust neben dem Sportwagen sah Peter aus wie ein Model in einem Akt-Kalender. Kelly würde sich über diese Bilder bestimmt freuen.
Bob schluckte plötzlich. Hastig packte er die Kamera weg. Als er gestern im Scherz Peters Bauch begrapscht hatte, war er überrascht gewesen, wie gut sich die Muskeln unter seinen Fingern angefühlt hatten. Ein wenig zu gut.
Bob stemmte sich vom Bett hoch und ließ sich im Schneidersitz vor dem bodentiefen Spiegel an seinem Kleiderschrank nieder. Kritisch betrachtete er seine Spiegelung. Er sah aus wie immer. Blondes, wuscheliges Haar. Blaue Augen. Bluejeans, weißes Shirt. Er sah aus wie immer, aber er fühlte sich nicht wie immer.
Bob fuhr sich mit einer Hand übers Gesicht. Keine Ahnung was momentan mit ihm los war. Es lief gut für ihn. Er hatte gute Noten, seine Eltern waren echt in Ordnung, er war beliebt und über mangelnden Erfolg bei den Mädchen konnte er sich auch nicht beschweren. Er mochte zwar nicht der Allergrößte sein und von eher schmaler Statur, allerdings schätzten die Mädchen seine ruhige, entspannte Art und seinen Humor.
Apropos Mädchen… Vermutlich sollte er Selina mal schreiben. Als die ihn gestern einfach geküsst hatte, war er zwar überrumpelt, aber nicht abgeneigt gewesen. Sie kannten sich vom Foto-Club der Schule. Selina hatte ein wahnsinnig gutes Auge für Fotos. Abgesehen davon war sie einfach verdammt heiß.
Nein, Bob hatte eigentlich keinen Grund sich zu beschweren. Trotzdem nagte eine gewisse Unzufriedenheit an ihm, die er einfach nicht loswurde.
Kurzentschlossen sprang er auf und lief ins Badezimmer. Dort zog er das Makeup-Kästchen seiner Mutter aus dem Spiegelschrank. Etwas ratlos betrachtete Bob die Vielzahl der Produkte. Mascara konnte er identifizieren. Auch einen Lippenstift und Lipgloss. Aber das war nicht was er suchte. Doch hier – Bob schnappte sich einen schwarzen Stift, auf dem ‚Xtreme Lasting 24hrs Eyeliner‘ stand.
Unschlüssig drehte er ihn zwischen den Fingern. Durch seine Arbeit bei Sax Sandler lernte er viele Musiker und ihre Entourage kennen. Einige davon waren ziemliche Paradiesvögel, die auch off-stage gerne Makeup trugen. Eyeliner tragende Männer waren hier keine Seltenheit.
Bob wandte sich dem Spiegel zu und zog die Haut unterhalb seines Auges ein wenig nach unten.
Er hatte Mädchen schon dabei beobachtet wie sie sich schminkten, daher wusste er wie er den Stift anzusetzen hatte. Vorsichtig fuhr er mit dem Eyeliner über die Haut. Die färbte sich unter seinen Strichen langsam schwarz. Nachdem er zufrieden mit der Intensität der Farbe war, lehnte er sich zurück und betrachtete prüfend sein Spiegelbild.
Sein linkes Auge war nun wesentlich stärker betont als sein rechtes. Irgendwie kam das Blau seiner Augen durch das Schwarz besser zur Geltung, es strahlte regelrecht. Grinsend beugte er sich wieder nach vorne und trug auch noch am anderen Auge Eyeliner auf. Zufrieden mit seinem Werk packte er das Makeup seiner Mutter wieder zurück in den Schrank und schlenderte zurück in sein Zimmer.
Auf dem Weg dahin fischte er sein Handy aus der Hosentasche. Was wohl Jelena zu seinem Makeup sagte? Bob öffnete seine Kamerapp und wählte die Frontkamera aus.
Es dauerte eine Weile bis er den besten Winkel für ein Selfie gefunden hatte, in dem man den Eyeliner auch gut erkennen konnte. Grinsend betätigte er den Auslöser, warf sich auf sein Bett und sendete es Jelena mit einem simplen ‚?‘ als Untertitel.
Obwohl speziell Justus so seine Probleme mit Jelena hatte, war sie mittlerweile eine gute Freundin für Bob geworden. Peter behauptete ja, dass Jelena auf ihn stand. Was er für Schwachsinn hielt. Jelena war viel zu klug und selbstbewusst um für jemanden wie ihn zu schwärmen. Eines Tages würde sie wahrscheinlich Präsidentin oder so.
Ein Vibrieren benachrichtigte ihn über eine neu eingegangene Nachricht. Jelena hatte schon zurückgeschrieben. Sie sendete drei Flammen-Emojis.
Jelly: Oh wow – sieht hammer aus! Was ist der Anlass?
Du: Gibt keinen Anlass, wollte ich nur mal ausprobieren :D
Jelly: Steht dir wirklich. Solltest du öfter tragen ;)
Du: Weiß nicht…Kann ich so wirklich rausgehen?
Jelly: Warum nicht?
Bob ließ das Handy für einen Moment sinken. Ja, warum nicht? Er nagte an seiner Unterlippe.
Du: Will nicht, dass das jemand falsch interpretiert
Jelly: Falsch interpretiert? Meinst du, deine sexuelle Orientierung wegen ein bisschen Farbe um deine Augen vermutet? Come on…
Du: Du weißt doch wie judgy manche sind
Jelly: Meinst du mit „manche“ J&P?
Du: Nein
Du: …
Du: Ja, auch, aber nicht nur
Jelly: Dem Klugscheißer würde es vermutlich erst gar nicht auffallen, und wenn es ihm auffällt, wird er dir höchstwahrscheinlich nur einen Vortrag über die Geschichte des Eyeliners halten. Der im Übrigen bereits von den Alten Ägyptern verwendet wurde fyi.
Bob lachte auf. Wer hier wohl der Klugscheißer war.
Jelly: Peter kann ich da nicht einschätzen. Was denkst du?
Bobs Daumen schwebte unschlüssig über der Tastatur. So oft war das Thema Makeup bei Männern noch nicht aufgekommen. Eigentlich noch nie. Bei Sax war er schließlich immer alleine.
Du: Keine Ahnung. Werde ich wohl sehen wenn es ihm auffällt.
Jelena schickte ihm ein Daumen-hoch-Emoji. Bob legte das Handy beiseite und drehte sich vom Bauch auf den Rücken. Der Eyeliner ließ ihn sich wagemutig fühlen. Was sollte schon passieren? Damit war sein Entschluss gefasst. Er würde morgen zur Schule Eyeliner tragen.
Abschminken konnte er sich immer noch.
Chapter 8: Experimenting
Notes:
Motiviert durch die vielen netten Kommentare, komme ich momentan mit dem Schreiben echt gut voran... Daher bereits jetzt das nächste Kapitel. :)
Chapter Text
Am nächsten Tag war Bob dann doch etwas nervös als er morgens den Eyeliner auftrug. War das wirklich eine gute Idee? Würde er sich nicht lächerlich machen?
Doch dann gab er sich einen Ruck. Wovor hatte er eigentlich Angst? Mehr als ein paar blöde Kommentare hatte er nicht zu befürchten. Und die konnte er ab. Schließlich hatte er notfalls immer noch Justus und Peter, die ihn verteidigten. Das hoffte er jedenfalls. Er wollte das jetzt einfach mal ausprobieren.
Der erste Test war die Reaktion seiner Eltern, die gemeinsam in der Küche frühstückten als Bob den Raum betrat. Betont normal warf er sein übliches „Morgen“ in die Runde, ehe er auf die Kaffeemaschine zusteuerte.
„Morgen“, seine Mutter hob kurz den Blick von ihrer Tasse mit Tee, um ihren Sohn anzusehen. Sie hatte sich schon fast wieder abgewandt, als sie plötzlich stutzte.
„Na nu?“, fragte sie, betrachtete ihn jetzt eingehender. „Hast du dich etwa an meinem Makeup bedient?“
Bob konnte ihren Tonfall nicht recht einschätzen, weshalb er erstmal eine leere Tasse unter der Kaffeemaschine platzierte und das Programm für einen Cappuccino auswählte, ehe er antwortete. „Ja, sorry, wollte ich mal probieren. Hab ja kein eigenes.“ Bob spürte wie er rot anlief.
Seine Mutter wirkte zwar etwas irritiert, zuckte aber schließlich mit den Achseln. „Kein Problem. Mach es nur nicht leer.“ Damit schien für sie das Thema abgehakt, denn sie wandte sich wieder ihrer Teetasse zu.
Bobs Vater, bisher in seine Morgenzeitung vertieft, blickte seinen Sohn über deren Rand hinweg konsterniert an. „Makeup? Sag mal, seit wann schminkst du dich denn, Bob? Hat das wieder etwas mit einem eurer Fälle zu tun?“
„Nein, Dad. Das ist einfach nur so“, Bob griff nach seinem Cappuccino und ließ sich neben seinen Eltern am Küchentisch nieder, wärmte seine Hände an der Tasse. „Ich dachte eben, es sieht gut aus“, fügte er leicht verlegen hinzu.
Bob konnte es nicht sehen, aber Mrs. Andrews verpasste ihrem Mann unter dem Küchentisch einen leichten Tritt gegen das Schienbein. Mr. Andrews räusperte sich mit einem Seitenblick auf seine Frau. So ganz begeistert sah er nicht aus. „Nun ja, wenn es dir gefällt…“, er ließ den Satz in der Luft hängen, senkte dann den Blick wieder auf die Zeitung.
Bob nippte an seinem Kaffee. Okay, die Reaktion seiner Eltern war zwar jetzt nicht übermäßig enthusiastisch ausgefallen, allerdings hätte es auch schlimmer kommen können. Immerhin schienen sie grundsätzlich nichts dagegen zu haben, wenn er Makeup trug. Schließlich war es ja auch nur Eyeliner. Wahrscheinlich wäre speziell die Reaktion seines Vaters anders ausgefallen, wenn er zusätzlich noch Mascara und Lippenstift getragen hätte.
Als Bob den Cappuccino geleert hatte, räumte er die leere Tasse in die Spülmaschine und schnappte sich schließlich seinen Schulrucksack. Mit einem kurzen „Tschüss, bis später“ verabschiedete er sich von seinen Eltern.
Draußen vor seinem Haus wartete bereits Justus auf ihn. Der erste Detektiv war grundsätzlich kein Morgenmensch. Und das sah man ihm auch an. Wahrscheinlich hatte er wieder bis spät in der Nacht über irgendwelchen Fachzeitschriften gebrütet, denn er schien kaum die Augen offen halten zu können. Dementsprechend wunderte es Bob auch nicht, dass Justus sich nach einem genuschelten „Morgen“ in Bewegung setzte, ohne seinen Eyeliner zu bemerken. Wahrscheinlich wäre es ihm nicht mal aufgefallen, wenn Bob ein Clown-Kostüm getragen hätte.
Schmunzelnd folgte er Justus. Aus langjähriger Erfahrung wusste Bob, dass jeder Versuch Konversation zu betreiben, an Justus verschwendet war, weshalb der Schulweg schweigend verlief.
Ausnahmsweise war Bob das auch ganz recht so. Er hielt den Blick auf den Gehweg gesenkt. Umso näher sie der Schule kamen, umso nervöser wurde er. Mittlerweile strömten von allen Seiten Schüler auf die Highschool zu, lachten und tauschten den neuesten Klatsch miteinander aus. Von ihm nahm niemand Notiz. Trotzdem fühlte sich Bob wie auf dem Präsentierteller.
Was eigentlich vollkommen schwachsinnig war. Die Rocky Beach High war zwar nur eine Kleinstadtschule, aber selbst hier gab es Schüler, die mit ihren Outfits und Haarfarben weit mehr auffielen als er mit seinem bisschen Eyeliner.
Peter wartete auf dem Schülerparkplatz auf sie. Er lehnte gegen seinem roten MG, den Blick auf sein Handy gerichtet. Als er Bob und Justus bemerkte ließ er es in der Hosentasche verschwinden.
Peter trug Boots, schwarze Jeans und ein olivfarbenes Langarmshirt. Im Gegensatz zu gestern strahlte heute bereits in der Früh die Sonne vom wolkenlosen Himmel, weswegen der zweite Detektiv die Augen mit einer Pilotensonnenbrille beschattet hatte. Er sah aus wie einem amerikanischen Teenie-Film entsprungen.
Das schien auch Justus aufzufallen, denn er rümpfte die Nase. „Du siehst aus wie Heath Ledger auf dem Cover von ‚10 Things I hate about you‘, Zweiter. Alternativ auch TopGun. Ein bisschen weniger Klischee würde dir gut tun.“
Peter blickte an sich herunter, eher die Sonnenbrille abnahm. Wegen der plötzlichen Helligkeit kniff er die Augen zusammen. „Was soll ich denn sonst tragen, Erster? Unförmige XXL-T-Shirts stehen mir halt nicht so gut wie dir.“
Bob schnappte nach Luft als Justus getroffen zusammenzuckte. „Peter!“
„Was denn?“, Peter faltete die Sonnenbrille zusammen und klemmte sie an den Kragen seines T-Shirts. „Er darf über meinem Kleidungsstil herziehen, aber ich nicht über seinen?“ Noch ehe Bob dazu kam etwas zu antworten, entdeckte Peter den Eyeliner. „Und was hast du da überhaupt um die Augen, Dritter?“
„Eyeliner, Peter. Er trägt Eyeliner. Das sieht man doch.“, Justus hatte sich bereits dem Schulgebäude zugewandt und strebte jetzt zielstrebig darauf zu. Seine Freunde ließ er einfach stehen. Die Art und Weise wie er die Schultern hochzog verriet Bob, dass Peters Kommentar gesessen hatte.
Fairerweise musste man jedoch zugeben, Justus hatte angefangen. Wer austeilte, musste auch einstecken können. Und wann hatte Justus überhaupt sein Makeup bemerkt?
Bob blieb stehen, schüttelte leicht den Kopf. Wenn Justus in dieser Stimmung war, ließ man ihm am Besten in Ruhe bis er sich wieder gefangen hatte.
Seufzend beantwortete Bob Peters Frage, der ebenfalls keine Anstalten machte Justus zu folgen. „Ja, ich trage Eyeliner. Bei Sax tragen einige Männer auch abseits der Bühne Makeup. Ich fand das sieht cool aus und wollte es einfach mal an mir probieren.“ Er zuckte mit den Schultern, als wäre es keine große Sache. Doch innerlich war er weitaus nervöser als er zugeben wollte. Was, wenn Peter sich über ihn lustig machte?
Doch der schien mit den Gedanken wo anders zu sein. „Ach so. Cool. Steht dir. Betont deine Augen.“ Nur kurz betrachtete Peter Bobs Gesicht, dann konzentrierte er sich wieder auf den davoneilenden Justus. „Oh man, so fängt der Tag gut an. Jetzt ist er wieder eine Woche ungenießbar“, schimpfte Peter halblaut vor sich hin. „Aber dann soll er sich einfach seine Kommentare über meine Kleidung schenken, wenn er die Retourkutsche nicht verträgt.“
Einerseits war Bob erleichtert, dass weder Justus noch Peter ein großes Aufheben um sein Makeup machten. Andererseits war er fast ein wenig…enttäuscht? Bob seufzte. Der dritte Detektiv zu sein war manchmal wirklich nicht einfach.
Chapter 9: Hothead
Notes:
Hier das nächste Kapitel mit einem kleinen Cross-over...kind of :D
Chapter Text
Justus knallte sein Mathebuch etwas fester als nötig auf den Tisch, ehe er sich auf seinen Stuhl fallen ließ. Der knarzte unter ihm bedenklich. Was seinen Gesichtsausdruck nur noch mehr verdunkelte.
Peters Worte hallten in seinem Kopf nach. Unförmig und XXL.
Justus lehnte sich in seinem Stuhl zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Das blöde war… Er konnte nicht mal wirklich sauer auf Peter sein. Erstens war seine Bemerkung durchaus zutreffend. Sein T-Shirt war unförmig und XXL. Zweitens hatte er die Retourkutsche mit seinem blöden Spruch über Peters Kleidungsstil wirklich verdient. Er seufzte.
Der ganze Morgen hatte schon beschissen begonnen. Justus altersschwacher Radiowecker schien endgültig das Zeitliche gesegnet zu haben. Denn statt von Musik war er von seiner Tante geweckt worden, die ihren Neffen noch mit den Lockenwicklern im Haar aus dem Bett gescheucht hatte, damit der nicht zu spät zur Schule kam. Was dazu geführt hatte, dass Justus sich noch im Halbschlaf irgendwelche Klamotten gegriffen hatte und ohne Frühstück aus dem Haus geeilt war.
Anscheinend hatte er dabei ein T-Shirt erwischt, das aus der Zeit vor seinem teilweisen Abnehmerfolg stammte. Justus zupfte an dem dunkelgrauen Stoff, der seinen Oberkörper bedeckte. Das T-Shirt war ihm viel zu groß. XXL benötigte er eigentlich schon seit Langem nicht mehr.
Außerdem knurrte sein Magen. Er hatte nicht mal die Zeit gehabt sich einen Kaffee mitzunehmen. Dementsprechend schlecht gelaunt war er. Was wiederum seinen blöden Kommentar in Peters Richtung erklärte.
Justus gab es nicht gerne zu, aber Peter war sein bevorzugter Blitzableiter. Vielleicht weil er wusste, Peter konnte seine Launen eher ab als Bob.
Apropos Bob… Justus war überrascht, dass der neuerdings Eyeliner trug. Ihm war das tatsächlich bereits aufgefallen als er Bob vor dessen Haus abgeholt hatte. Halb schien der dritte Detektiv eine Reaktion zu erwarten, doch Justus hielt seine Miene neutral. Einmal, weil er immer noch damit beschäftigt war richtig wach zu werden. Und andererseits, weil er nicht sicher war, wie er es finden sollte. Es war ungewohnt, aber der der Eyeliner stand Bob. Seine blauen Augen kamen dadurch noch besser zur Geltung. Das würde den Mädchen bestimmt gefallen. Die umschwärmten Bob ja so schon wie die Fliegen.
Der Stuhl neben ihm wurde zurückgezogen und Peter ließ sich darauf nieder. Der zweite Detektiv ignorierte Justus als er sein Schulzeug auf den Tisch legte. Der presste genervt die Lippen zusammen.
Bob war nirgends zu sehen. Wahrscheinlich war er bei seiner Foto-AG. Die AGs überschnitten sich manchmal mit ihrem regulären Stundenplan. Da Bob ein guter Schüler war, der einen Lernrückstand schnell aufholte, war das kein Problem.
Mr. Smith, ihr Mathelehrer, betrat den Raum mit schnellen Schritten. Der dunkelhaarige Lehrer mit dem verkniffenen Gesichtsausdruck hatte schulintern den Namen ‚Snape‘ verpasst bekommen. Ein durchaus zutreffender Spitzname, ging der Lehrer doch gerade mit leistungsschwächeren Schülern nicht gerade zimperlich um.
Justus Magen knurrte erneut. So laut, selbst die Schüler in der Reihe vor ihm konnten es hören. Einige kicherten, leise, denn niemand wollte Snapes Unmut auf sich ziehen. Der war mittlerweile damit beschäftigt, wortlos einige Formeln an die Tafel zu schreiben. Justus spürte wie er rot wurde und unwillkürlich tiefer in seinen Stuhl sank.
Peter neben ihn beugte sich nach vorne und kramte in seinem Rucksack herum. Sekunden später schob er Justus einen Müsliriegel zu. Der blickte erst den Riegel an, dann Peter, ehe er leicht den Kopf schüttelte und den Riegel zurückschob.
Er wollte Peters blöden Müsliriegel nicht. Peter runzelte die Stirn und schubste dann den Riegel erneut zu Justus, etwas vehementer diesmal. „Jetzt nimm den blöden Riegel, Just. Selbst Snape kann deinen Magen knurren hören“, flüsterte er.
Justus schüttelte erneut den Kopf, die Lippen zusammengepresst. Mit zwei Fingern schob er den Müsliriegel zurück auf Peters Seite. Gerade als der erneut danach greifen wollte, donnerte Mr. Smiths Stimme durch das Klassenzimmer und ließ sie beide zusammenzucken. „Mr. Shaw! Es scheint als hätte Mr. Jonas kein Interesse an ihrem Müsliriegel.“ Er schnalzte missbilligend mit der Zunge. „Wie wäre es, wenn sie an der Tafel meine kleine Rechenaufgabe lösen, anstatt sich ihrem Mitschüler aufzudrängen?“
Getuschel machte sich im Klassenraum breit. Sowohl Justus als auch Peter liefen rot an. Wobei es in Peters Fall wahrscheinlich mehr aus Ärger als aus Verlegenheit geschah. Snape und er konnten sich nicht sonderlich gut leiden. Peter war eine Niete in Mathe. Eine Tatsache, die Mr. Smith als persönliche Beleidigung auffasste. Darüber hinaus hasste er aus irgendwelchen Gründen Sportler. Keine guten Voraussetzungen für Peter, Mr. Smiths Kurs zu bestehen.
Der schälte sich nun mit eckigen Bewegungen aus seinem Stuhl und lief vor zur Tafel. Justus nutzte die Zeit um die Aufgabe zu studieren. Oh je. Wenn seit der letzten Mathestunde nicht ein Wunder geschehen war, hatte Peter keine Chance die zu lösen.
Seine Vermutung bestätigte sich, denn der zweite Detektiv starrte mit ratlosem Blick die Tafel an.
„Nun?“ Snape machte eine auffordernde Handbewegung. „Erhellen Sie uns, Mr. Shaw.“
Peters Schultern verspannten sich und er hob das Kinn. „Ich weiß es nicht.“
„Wie war das?“ Snape lehnte sich gegen den Schreibtisch, die Arme vor der Brust verschränkt. Jeder wusste, er hatte Peter verstanden. Er wollte ihn nur weiter schikanieren.
„Ich weiß es nicht!“, wiederholte Peter, lauter diesmal. Er ballte die Hände zu Fäusten.
Mr. Smith gab ein entnervtes Geräusch von sich und richtete dann seine Aufmerksamkeit auf Justus. „Nun, Mr. Jonas – könnten sie ihrem Freund vielleicht…“, er machte eine Kunstpause, „aushelfen?“
Einige Klassenkameraden kicherten. Snape hatte sich bewusst doppeldeutig ausgedrückt.
Justus zählte innerlich bis 10, ehe er antwortete. Wenn er eines nicht leiden konnte, dann war es Ungerechtigkeit. Speziell wenn es um seine Freunde ging. „Natürlich kann ich das. Allerdings erst, wenn ihr Fehler korrigiert ist. Es müsste x³ nicht x² heißen. So wie die Aufgabe an der Tafel steht, kann Peter gar nicht wissen, wie er sie lösen muss. Das haben wir im Unterricht nie behandelt. Korrigiert lautet die Antwort 4.“
Im Klassenzimmer hätte man eine Stecknadel fallen hören. Mr. Smith blickte verblüfft zwischen der Tafel und Justus hin und her, ehe er die Brauen zusammenzog. Offensichtlich hatte er seinen Fehler nun ebenfalls bemerkt. „Es scheint, als gäbe es zumindest eine Person in diesem Klassenzimmer, die ansatzweise Ahnung von höherer Mathematik hat. Danke für den Hinweis, Mr. Jonas. Mr. Shaw – jetzt setzen Sie sich endlich. Verschwenden Sie nicht unsere kostbare Zeit.“
Mr. Smith trat an die Tafel um seinen Fehler auszubessern, während Peter zurück zu seinem Platz schlich. Der zweite Detektiv starrte blicklos vor sich hin als er sich wieder neben Justus fallen ließ.
Der betrachtete ihn aus dem Augenwinkel besorgt. Snape hatte Peter immer schon auf den Kieker, aber so schlimm wie heute war es lange nicht gewesen.
Zögerlich griff Justus hinüber auf Peters Platz und schnappte sich den Müsliriegel. Erstens, weil er wirklich Hunger hatte und zweitens, weil er hoffte, Peter dadurch etwas aufzuheitern. Doch der reagierte gar nicht. Justus sank der Mut. Oh je. So abweisend hatte er Peter noch nie gesehen. Jedenfalls nicht ihm gegenüber.
Chapter 10: Alone together
Notes:
So...Auftritt Kelly. Ich glaube so oft habe ich ein Kapitel noch nie überarbeitet. Ich hoffe ihr seid mit dem Outcome zufrieden :)
Chapter Text
Peter kochte vor Wut. Während er äußerlich eine neutrale Miene aufgesetzt hatte, überzog er innerlich Mr. Smith mit Beleidigungen. Es war nicht das erste Mal, dass ‚Snape‘ Peter vor der versammelten Klasse vorgeführt hatte. Während Peter mit den meisten Lehrern sehr gut klar kam, hatte Mr. Smith ihn seit Beginn drangsaliert.
Wahrscheinlich wurde der während seiner eigenen Schulzeit von Sportlern gemobbt und meinte nun, seinen aufgestauten Frust über sein trostloses Leben an den Schülern auslassen zu können.
Justus stupste ihn aufmerksamkeitsheischend mit dem Knie an, den Müsliriegel kauend, den er vorhin noch verschmäht hatte. Peter wusste, er wollte ihn nur aufmuntern und das Kriegsbeil begraben, aber er war nicht mehr in versöhnlicher Stimmung.
Der zweite Detektiv schob seinen Stuhl weiter nach hinten damit Justus ihn nicht mehr erreichen konnte. Aus dem Augenwinkel bemerkte er wie der enttäuscht das Gesicht verzog. Doch das war Peter im Moment egal.
Hätte Justus gleich den blöden Riegel angenommen, wäre Snape vielleicht nicht auf ihn aufmerksam geworden.
Vom Rest der Stunde bekam Peter nichts mehr mit. Er stellte einfach auf Durchzug und starrte grollend aus dem Fenster. Zu seinem Glück schien es Mr. Smith egal zu sein, ob er zuhörte oder nicht, denn er blieb vor weiteren Demütigungen verschont.
Als endlich die Glocke das Stundenende signalisierte, stürmte Peter Hals über Kopf aus dem Raum. Justus hatte keine Chance ihn abzufangen. Er wollte jetzt wirklich nicht mit ihm über seine mangelnden Mathekenntnisse diskutieren. Das mit Snape eben hatte ihm gereicht.
Seine Mitschüler ignorierend lief Peter schnellen Schrittes den Gang entlang, die Augen stur auf den Boden gerichtet. Erst an einer Tür ganz am Ende des Flures stoppte er seinen Lauf. Mit einem kurzen Blick über die Schulter vergewisserte sich Peter, dass die Luft rein war. Niemand beachtete ihn und Justus hatte er offensichtlich abgehängt.
Hastig drückte er die Tür auf, zwängte sich hindurch und ließ sie wieder hinter sich ins Schloss fallen. Er stand in einem dunklen, engen Treppenhaus. Eigentlich war der Zugang alarmgesichert, aber seit einem Stromausfall Anfang des Jahres funktionierte das elektronische Schloss nicht mehr. Das hatte Peter durch Zufall erfahren als er das Gespräch zweier Lehrer in der Cafeteria mithörte.
Was ihm nun zugutekam.
Peter lief immer zwei Stufen auf einmal nehmend die Treppen hinauf. Der Zugang zum Dach war mit einer schweren Feuerschutztür versperrt. Leise fluchend betrachtete er das Schloss. Ausgerechnet heute hatte er natürlich sein Dietrichset nicht dabei.
Doch als er probeweise die Klinke hinunterdrückte, schwang die Tür zu seiner Überraschung mit einem leisen Quietschen auf.
Nach einem letzten zögerlichen Blick zurück trat Peter hinaus aufs Dach. Er musste wirklich aufpassen, von niemanden erwischt zu werden. Die Schulleitung verstand bei so etwas keinen Spaß.
So leise wie möglich ließ er die schwere Eisentür wieder zufallen. Dadurch abgelenkt bemerkte er zunächst gar nicht: Er war nicht alleine am Dach.
„Na du auch hier?“
Peter zuckte zusammen und wirbelte herum. Kelly lehnte gegen ein Oberlicht, eine Zigarette zwischen den Fingerspitzen.
Peter stieß die Luft aus, die er unwillkürlich angehalten hatte. „Scheiße Kelly, hast du mich erschreckt. Was machst du denn hier?“
Seine Freundin bliess eine Rauchwolke aus und zuckte mit den Schultern. „Ich komme ab und zu hier hoch zum Rauchen“, sie hielt demonstrativ den weißen Glimmstängel in die Höhe. „Ich war dabei, als Peterson und Roland sich über das kaputte Schloss unterhalten haben. Schon vergessen?“ Ihr Blick wurde eine Spur kühler. „Dein Gedächtnis scheint in letzter Zeit allgemein zu wünschen übrig zu lassen.“
Von seiner ersten Überraschung erholt, verdrehte Peter die Augen. „Ich kann mich sehr wohl daran erinnern. Es wundert mich nur, dich hier beim Rauchen zu erwischen. Hast du nicht eigentlich jetzt Chemie-Unterricht?“
Kelly zuckte mit den Schultern. Sie hatte die dunkelblonden Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengefasst und trug wie üblich ihre Cheerleader-Uniform. „Ich schätze, wir sollten gerade beide woanders sein. Besonders, da du mir so offensichtlich nicht begegnen willst.“ Oh man. Sie war eindeutig sauer auf ihn. Kelly rauchte nur, wenn sie unter emotionalem Stress stand.
„Hör zu“, Peter räusperte sich. „Ich weiß, ich bin dir ausgewichen, tut mir leid. Aber wir hatten doch vereinbart, wir lassen uns etwas mehr Freiraum, nicht wahr?“
Kelly stieß ein undamenhaftes Schnauben aus. „Nein, Peter, du wolltest mehr Freiraum. Ich wollte und will einfach nur einen Freund, der mich nicht dauernd in letzter Minute versetzt, weil ihm irgendetwas dazwischengekommen ist.“
Na klar. Jetzt fing sie wieder mit dieser Leier an. Peter verschränkte die Arme vor der Brust, wandte sich von ihr ab. Sie führten dasselbe Gespräch in leichten Abwandlungen immer und immer wieder. Kelly beschwerte sich über zu wenig Zeit zu Zweit und Peter versuchte ihr klar zu machen, sein Tag hatte auch nur 24 Stunden und er musste sich nun mal auch noch um andere Dinge kümmern. Schule. Training. Ihr Detektivunternehmen.
„Vielleicht solltest du dir dann so einen Freund suchen“, stieß er plötzlich zwischen zusammengepressten Lippen hervor. „Denn ich bin es langsam echt leid, es dir nie recht machen zu können.“
Er hörte wie Kelly scharf einatmete. Als er den Kopf wieder drehte, hatte Kelly die Arme um sich geschlungen, einen trotzigen Ausdruck auf dem hübschen Gesicht.
"Wenn du mit mir Schluss machen möchtest, dann tu es, Peter Shaw.“ Sie hob das Kinn. „Ich werde es dir nicht so einfach machen und mich von dir trennen, nur weil du nicht die Eier dazu hast.“
Peter starrte sie verständnislos an. War das irgend so eine Art verquere Mädchenlogik, die er nicht verstand? „Du sagst doch, du bist nicht glücklich mit mir. Wenn dir unsere Beziehung nicht passt, solltest du dir jemanden suchen, der dich glücklich machen kann.“
Kellys große blaue Augen füllten sich mit Tränen. „Idiot! Du stellst dich hier jetzt nicht hin und tust so, als würdest du mir einen Gefallen tun, indem du mich dazu bringst, die Beziehung zu beenden. Du Feigling!“
Peter warf die Hände in die Luft, Ärger kochte in ihm hoch. „Feigling? Okay, wenn du es so willst, dann mache ich eben Schluss!“, schleuderte er ihr entgegen. „Ich will nicht mehr und ich kann nicht mehr. Es ist aus, Kelly!“
Kelly wich vor ihm zurück, ihre Stimme zitterte. „Du bist so ein Arsch, Peter. Wie konnte ich mich jemals in dich verlieben?“ Tränen rannen über ihr Gesicht, als sie auf dem Absatz herumwirbelte und ins Gebäude rannte. Die Feuerschutztür fiel mit einem lauten Knall ins Schloss, ließ Peter zusammenzucken.
Dem wurde erst jetzt so richtig klar, was gerade passiert war. Ungläubig ließ sich Peter auf dem Boden nieder, stützte den Kopf in die Hände. Er hatte gerade mit Kelly Schluss gemacht.
Er holte zittrig Luft. Es war die richtige Entscheidung gewesen. Aber doch nicht so. Er hatte vorgehabt vernünftig mit ihr zu reden, ihr seine Gründe zu erklären. Peter starrte zum zweiten Mal an diesem Tag blicklos in die Ferne.
Seine Langzeitfreundin während des Unterrichts auf dem Dach der Schule abzuservieren hatte nicht auf seiner heutigen Agenda gestanden.
Chapter 11: The real deal?
Chapter Text
Als Bob das Klassenzimmer der Foto-AG betrat hatte er das Makeup um seine Augen schon wieder vergessen. Was in erster Linie daran lag, dass er über Justus und Peters Streit nachgrübelte. Er hasste es, wenn sie sich stritten. Und damit meinte er nicht ihre üblichen kleinen Kappeleien.
Das letzte Mal, als sie eine ernsthafte Meinungsverschiedenheit hatten, hatten Peter und Justus eine ganze Woche nicht miteinander gesprochen. Eine endlos erscheinende Zeitspanne für Bob, der zwischen allen Stühlen hing und keinen seiner Freunde verletzen wollte. Es war unmöglich für ihn, Partei für den einen oder den anderen zu ergreifen. Daher hatte er es sich einfach gemacht. Sie waren beide Idioten.
Bob wurde erst aus seinen Gedanken gerissen als Selina ihn ansprach. „Wow, das sieht ja mega aus.“ Sie pfiff leise durch die Zähne. „Steht dir richtig gut!“
Für einen Moment blinzelte er verwirrt. Dann fiel es ihm wieder ein. Der Eyeliner. Sie sprach vom Eyeliner!
Bob lächelte erfreut. „Danke dir. Ist mal was Neues. Wollte ich einfach ausprobieren.“ Er blickte sich kurz im Klassenzimmer um. Doch es schien, als wäre Selina die Einzige, die sein verändertes Aussehen registriert hatte. Die anderen waren alle bereits mit ihren Kameras beschäftigt. Er beugte sich etwas näher zu ihr. „Du, wegen Samstag…“
Doch Selina machte eine wegwerfende Handbewegung. „Schon gut. Dein Kumpel hat mir die Tour vermasselt“, sie schenkte ihm ein kleines Lächeln, „allerdings sah er aus, als hätte er deine Hilfe wirklich gebraucht. Um seine Freunde muss man sich nun mal kümmern. Justus und Peter, nicht wahr? Peter ist doch mit diesem einen Cheerleader-Girl zusammen…Wie war ihr Name noch?“, sie schnippte mit den Fingern.
„Du meinst Kelly. Peter ist schon seit Ewigkeiten mit ihr zusammen“, beantwortete Bob ihre Frage. „Und ja, naja, er hatte ein bisschen zu viel erwischt. Beziehungsdrama.“ Der dritte Detektiv zog eine Grimasse. Er würde Selina keine Details zu Peters und Kellys Beziehung erzählen, allerdings war es kein Geheimnis wie explosiv die mitunter war.
Selina nickte verständnisvoll. Sie war ein wenig näher an ihn herangerückt. Bob nahm einen Hauch von etwas Fruchtigem war. Vielleicht ihr Shampoo? Er blickte interessiert auf ihren dunklen Scheitel hinab.
Selina war einen ganzen Kopf kleiner als er. Was durchaus erwähnenswert war, denn mit seinen 1, 75 Meter war er nicht gerade der Allergrößte. Sie war geradezu winzig.
Bob räusperte sich. „Du, Selina?“
„Hmm?“ Sie war gerade damit beschäftigt ihre Kamera aus der Hülle zu friemeln.
„Hast du vielleicht Lust auf Kino? Samstag?“ Bob, normalerweise durchaus mit Selbstbewusstsein gesegnet, war nun doch etwas nervös.
Selina blickte auf und für einen Moment schien er Überraschung auf ihrem Gesicht wahrzunehmen. Der Ausdruck verschwand jedoch so schnell wie er gekommen war und machte einem unsicheren Lächeln Platz. „Ich würde sehr gerne, aber ich bin mir nicht sicher ob das eine gute Idee ist.“
Bob runzelte irritiert die Stirn. „Was meinst du?“
„Naja“, Selina zuckte mit den Schultern. Es schien als hätte sie sich wieder gefangen. „Ich bin auf der Suche nach etwas ernsthaftem. Etwas erwachsenem.“ Selina warf ihr Haar über die Schulter. „Und nimm es mir nicht übel, aber du hast dir in den vergangenen Monaten einen gewissen Ruf erarbeitet.“ Sie bedachte ihn mit einem vielsagenden Blick. „Hätte Peter uns am Wochenende nicht unterbrochen, hättest du mich mit nach Hause genommen, nicht wahr?“
Bob starrte sei mit offenem Mund an. „Beschuldigst du mich gerade ein Fuckboy zu sein?“, fragte er ungläubig. „Wer hat dir denn den Scheiß erzählt?“
Wieder hoben und senkten sich ihre Schultern. „Die Mädels tratschen halt. Daher weiß ich auch, dein Kumpel Peter ist kein aussichtsreicher Kandidat auf den Freund-des-Jahres-Awards. Ihr klebt ja ständig aneinander. Ich möchte jemanden, für den ich die Nummer Eins bin.“
Bob wusste gar nicht, wen er zuerst verteidigen sollte. Sich selbst oder Peter. Langsam schüttelte er den Kopf. „Okay, Message angekommen. Vergiss die Frage einfach.“ Bob wandte sich brüsk ab und griff nun ebenfalls nach seiner Kamera.
Dabei ging er in Gedanken die letzten Monate durch. Ja, er hatte sich mit ein paar Mädels verabredet. Einige davon hatte er geküsst. Mit einer hatte er einen One-Night-Stand. Keine große Sache, nachdem er seine Jungfräulichkeit an seine Ex-Freundin Liz verloren hatte. Bob nagte an seiner Unterlippe. Machte ihn das schon zum Fuckboy?
Es hatte schlicht mit keiner so richtig gepasst. Mal abgesehen davon, für regelmäßige Dates hatte er aktuell einfach nicht wirklich Zeit. Die Schule, seine Arbeit bei Sax und ihr Detektivunternehmen verschlangen so gut wie jede Freizeit, die er hatte. Von daher hatte Selina wahrscheinlich recht, wenn sie meinte, er wäre nicht der Richtige für sie.
Wobei es ihn immer noch ein wenig wurmte. Sie hatte ihn geküsst, nicht umgekehrt. Und wenn in dieser Nacht noch mehr zwischen ihnen gelaufen wäre, dann bestimmt nicht, weil er sich ihr aufgedrängt hätte.
Bob hob die Kamera und starrte durch den Sucher, ohne wirklich etwas wahrzunehmen. Ihre heutige Aufgabe lautete „Licht und Schatten“. Normalerweise wäre dieses Thema etwas, das Bobs Fantasie beflügeln würde. Doch heute wollte sich seine Kreativität nicht recht einstellen.
Seufzend ließ er die Kamera sinken und entschuldigte sich, um auf die Toilette zu verschwinden. Eigentlich musste er gar nicht, aber er hoffte durch die Bewegung doch noch eine zündende Idee zum Thema „Licht und Schatten“ zu bekommen.
Es war reiner Zufall, dass Bob gerade dann aus der Tür trat, als eine weinende Kelly daran vorbeistürmte. Sie rannte ihn quasi über den Haufen.
„Hey, hey! Kelly!“, er griff nach ihr, hielt sie fest. „Was ist denn passiert?“
Doch zu seiner Überraschung schlug Kelly erbost seine Hände weg. „Das ist alles nur eure Schuld!“, fauchte sie ihn an, das Gesicht nass von Tränen.
Bob verstand nur Bahnhof. „Was? Was ist unsere Schuld?“
Kelly schluchzte. „Peter hat mit mir Schluss gemacht und das ist ganz alleine eure Schuld!“ Mit diesen Worten rannte sie weiter in Richtung Ausgang, wahrscheinlich wollte sie zu ihrem Auto.
Bob starrte ihr verdattert hinterher. Peter hatte mit Kelly Schluss gemacht? Heute, hier in der Schule? Er schüttelte ungläubig den Kopf.
Bob hatte nicht gedacht, Peter würde sich tatsächlich von Kelly trennen. Er hatte es ernst gemeint, als er sagte, er hielt ihre Beziehung für toxisch und es wäre vermutlich das Beste für alle Beteiligten, wenn sie getrennte Wege gingen. Doch das hatte er in der Vergangenheit auch schon gesagt und war damit bei Peter auf taube Ohren gestoßen. Jetzt hatte er es anscheinend wirklich durchgezogen.
Bob fischte sein Handy aus der Hosentasche und schrieb in ihrem ???-Gruppenchat eine Nachricht an Peter:
Du: Wo bist du, Zweiter?
Chapter 12: Needy
Chapter Text
Justus saß alleine in der Bibliothek und versuchte sich auf sein Biologiebuch zu konzentrieren. Vergeblich. Statt sich mit dem europäischen Laubfrosch zu beschäftigen kreisten seine Gedanken um Peter.
Er hatte nach der Mathestunde keine Chance gehabt mit ihm zu sprechen, so schnell war der zweite Detektiv aus dem Raum gestürmt.ustus klappte frustriert das Biologiebuch zu. Es hatte ohnehin keinen Sinn.
Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Hoffentlich stellte Peter nichts Blödes an. Justus seufzte leise.
Er wusste, Peters größte Unsicherheit waren seine akademischen Leistungen. Während er im Sport das Aushängeschild der Schule war, fielen ihm die anderen Fächer schwer. Speziell die Naturwissenschaften. Die meisten Lehrer waren dazu geneigt ein Auge zuzudrücken, wenn das bedeutete Peter führte die Schule zu einer weiteren Meisterschaft. Bei Snape dagegen war er da an der falschen Adresse.
Grundsätzlich hielt Justus auch nichts davon, Sportlern Sonderrechte einzuräumen. Besonders gut in einer Sportart zu sein sollte einem keine Extrapunkte einbringen. Das war schlichtweg denen gegenüber nicht fair, die dieses Talent nicht hatten und sich deswegen genauso mit dem Schulstoff herumplagen mussten.
Trotzdem konnte er Mr. Smiths Verhalten nicht gutheißen. Faire Benotung war das eine. Einen schwächeren Schüler vor der ganzen Klasse zu blamieren etwas anderes. Fast wünschte sich Justus er hätte Snape so richtig die Meinung gegeigt, statt ihm nur auf seinen Fehler hinzuweisen.
Wobei das wäre Peter wahrscheinlich auch nicht recht gewesen. Er konnte seine Kämpfe selbst austragen. Dafür brauchte er nicht Justus.
Justus Handy, das er vor sich auf den Tisch gelegt hatte, leuchtete auf. Hastig griff er danach. Bob hatte in ihren Chat geschrieben.
Bob: Wo bist du, Zweiter?
Es dauerte nur kurz, dann antwortete Peter.
Peter: Parkplatz
Was machte Peter denn am Parkplatz? Justus runzelte die Stirn Kurzentschlossen stand er auf und sammelte seine Sachen zusammen.
Er hatte den zweiten Detektiv in der Turnhalle vermutet. Dorthin verzog er sich meistens, wenn er niemanden sehen wollte.
Vielleicht sollte er besser mal nach ihm sehen. Bob schien den gleichen Gedanken gehabt zu haben, denn der dritte Detektiv stieß zu ihm, als Justus gerade die Eingangstür der Schule aufdrückte.
Bobs Gesichtsausdruck war besorgt. „Hast du’s schon gehört, Just?“
Justus sah ihn verwirrt an. „Gehört? Ich war dabei.“
„Du warst dabei?“, Bob sah ihn verblüfft an. „Peter hat vor dir mit Kelly Schluss gemacht?“
Justus hielt mitten im Schritt inne sodass Bob fast gegen ihn prallte. „Was? Wann hat Peter denn mit Kelly Schluss gemacht? Ich dachte du redest von Snapes Verhalten heute.“
„Was hat Snape denn gemacht? Keine Ahnung, Kelly ist vorhin heulend an mir vorbeigestürmt und hat mich – oder eher uns beide – beschuldigt, Peter hätte wegen uns mit ihr Schluss gemacht.“ Bob rieb sich mit einer Hand über die Augen, verschmierte dadurch den Eyeliner.
Justus wies ihn nicht darauf hin. Zu verblüfft war er über Bobs Neuigkeit. „Er hat mit Kelly Schluss gemacht? Muss wohl eine Kurschlusshandlung gewesen sein. Snape hat ihn vorhin in der Klasse ziemlich hart rangenommen. Du weißt ja, wie er sein kann.“
Justus und Bob hatten mittlerweile den Parkplatz erreicht. Justus blickte sich suchend um. Während Peters roter MG noch da stand, wo er heute Morgen geparkt hatte, war Kellys weißer Mini verschwunden.
Peter saß in seinem Wagen, Arme und Kopf aufs Lenkrad gebettet. Er sah nicht auf als Bob die Beifahrertür öffnete während Justus hinten einstieg. Erst als beide Türen wieder ins Schloss fielen rührte sich der zweite Detektiv. „Was für ein absoluter Scheißtag…“, murmelte er.
Justus rutschte etwas weiter in die Mitte der Rückbank um zwischen den zwei Vordersitzen hindurchsehen zu können. „Du hast wirklich mit Kelly Schluss gemacht, Zweiter?“, fragte er.
Peter nickte. Als er den Kopf hob und sich zu Justus umdrehte, erkannte der Tränenspuren in seinem Gesicht. Der zweite Detektiv schluckte und wischte sich mit einer Hand hastig über die Augen. „Ja. Ist jedoch nicht ganz so gelaufen, wie ich es geplant hatte.“ Seine Stimme brach am Ende ein wenig, was er mit einem Räuspern zu kaschieren versuchte.
Bob blickte ihn mitfühlend an. „Scheiße. Auch wenn du derjenige warst, der Schluss gemacht hat – Trennungen sind immer mies.“
„Ja…“, Peter starrte für einen Moment gedankenverloren aus der Windschutzscheibe. „Es war im Affekt. Snape hat mich so angepisst und dann kam Kelly wieder mit der alten Leier um die Ecke, ich würde mir zu wenig Zeit für sie nehmen… Da ist mir einfach alles zu viel geworden.“ Er seufzte.
Justus lehnte sich mit den Unterarmen auf die zwei Vordersitze. „Bereust du es, Schluss gemacht zu haben?“, fragte er.
Peter schüttelte den Kopf und rieb sich erneut über die Augen. „Nein. Das war überfällig. Ich hätte es mir nur unter anderen Umständen gewünscht. Ich meine…“, er verdrehte die Augen, „es hört sich so blöd an, aber ich dachte, wir könnten irgendwie Freunde bleiben. Ich möchte nicht, dass sie mich hasst. Versteht ihr was ich meine?“
Bob nickte. „Klar. Ihr wart eine Ewigkeit zusammen und davor befreundet.“
„Ich bin mir sicher, ihr werdet wieder zu einem normalen Umgang miteinander zurückfinden. Vielleicht nicht unbedingt sofort…ähm…“, Justus räusperte sich. Er wollte Peter wirklich aufmuntern, allerdings kannte er auch Kellys Temperament. Und das war nicht von schlechten Eltern.
Sein Gedruckse brachte sowohl Bob als auch Peter zum Schmunzeln.
„Ich weiß was du sagen willst, Erster.“ Peter lehnte sich im Sitz zurück, verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich werde mich wohl auf ein paar wütende Blicke und miese Kommentare von ihr und ihren Mädels einstellen müssen.“
Bob stieß ihn mitfühlend mit der Schulter an. „Keine Sorge, Peter, wir beschützen dich.“
Der verdrehte die Augen. „Haha, wirklich witzig.“
„Das positive für mich an der ganzen Geschichte ist: Ich habe jetzt endlich jemanden, der mit mir feiern geht. Weil sich ein gewisser anderer jemand ja ständig weigert.“ Bob blickte Justus durch den Rückspiegel schmollend an.
Doch Peter winkte ab. „Vergiss es, Dritter. Kein Hot-Boy-Summer für mich. Ich habe erst mal die Schnauze voll von Beziehungen und Frauen.“
„Was, verlegst du dich jetzt auf Männer?“, witzelte Bob.
Doch Peter war nicht zum Scherzen zumute. „Vielleicht sollte ich das wirklich in Erwägung ziehen“, grummelte er vor sich hin. „Ein anderer Kerl würde bestimmt nicht so klammern wie Kelly.“
Justus schüttelte auf dem Rücksitz den Kopf. „Das glaubst du doch selbst nicht, Peter. Männer können genauso klammern wie Frauen.“
Peter und Bob stöhnten gleichzeitig auf. „Man Just, du erkennst einen Scherz nicht mal wenn er dir in den Hintern beißt“, Peter trommelte mit den Fingern ungeduldig aufs Lenkrad. „Das war kein Hate gegen Homos.“
Die Schulglocke enthob Justus einer Antwort. Der laute Ton war auch auf dem Parkplatz gut zu hören. Justus griff nach dem Türöffner. „Wie auch immer. Kommt Kollegen, der europäische Laubfrosch wartet auf uns.“
Doch weder Peter noch Bob rührten sich. Peter starrte mit finsterem Gesicht das gelbe Backsteingebäude an. „Ich habe heute echt die Schnauze voll von Schule. Ihr könnt ja reingehen, aber ich passe.“
Justus und Bob wechselten einen kurzen Blick. „Schwänzt du mit ihm, Dritter?“, fragte Justus.
Bob sah unschlüssig zwischen Peter und dem ersten Detektiv hin und her. Dann zuckte er die Schultern. „Ja, was soll’s. Reicht wenn einer von uns die Stunde mitbekommt.“ Er lehnte sich im Sitz zurück. „Schreibst du für uns mit?“
„Klar.“ Justus fühlte sich nicht wohl dabei, Bob und Peter alleine ziehen zu lassen, allerdings blieb ihm kaum etwas anderes übrig. Es war schon auffällig genug wenn zwei der drei Detektive fehlten. „Ich sage Mrs. Jackson, ihr seid plötzlich krank geworden.“
„Danke, Just.“ Peter schien wirklich erleichtert zu sein, die Schule heute nicht mehr betreten zu müssen.
„Wir sehen uns später, Kollegen.“ Justus drückte kurz Peters Schulter, dann schlüpfte er aus der Autotür und eilte über den Parkplatz zurück zur Schule.
Chapter 13: Unknown Territory
Chapter Text
Bob wartete, bis die Eingangstür zur Schule wieder hinter Justus ins Schloss gefallen war, dann blickte er Peter fragend an. „Wo willst du denn jetzt hin?“
Peter zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, nur erstmal weg von hier.“ Er startete den Motor des MG und fuhr langsam vom Parkplatz. „Meine Mutter ist heute dummerweise zuhause“, brummte er dabei missmutig, „und ich habe wirklich keine Lust, ihr zu erklären, warum ich nicht in der Schule bin.“
„Wir können zu mir gehen.“ Bob schnallte sich an. „Meine Eltern sind beide arbeiten.“ Er betrachtete Peter von der Seite. „Ich hatte eigentlich erwartet, du willst zum Strand. Das ist normalerweise dein Happy Place.“
Peter zuckte mit den Schultern als er den Blinker nach rechts setzte um auf die Hauptstraße abzubiegen. „Ja, keine Ahnung. Ich war halt auch oft mit Kelly am Strand. Da habe ich jetzt irgendwie nicht so Bock darauf.“
Bob nickte verständnisvoll. Danach schwiegen sie beide. Peter war nachvollziehbarerweise nicht in Plauderlaune und Bob war zufrieden damit, einfach aus dem Autofenster zu sehen. Die Fahrt zu seinem Elternhaus war ohnehin nur äußerst kurz.
Peter parkte den MG auf seinem üblichen Stellplatz in der Einfahrt der Andrews. Er und Justus waren so oft hier zu Besuch, Bob musste ihm weder zeigen wo er seine Schuhe hinstellen sollte noch ihn an die Regel seiner Mutter erinnern, die Jacke in den Garderobenschrank zu hängen statt an die äußeren Haken.
Peter schien tief in Gedanken versunken zu sein, denn er sprach erst wieder, als er sich in Bobs Zimmer bäuchlings auf dessen Bett fallen ließ. „Kann ich dich mal was fragen?“
Bob sah ihn neugierig an. „Klar. Was gibt’s?“ Er streckte sich neben Peter auf dem Rücken aus. Im Gegensatz zu Justus besaß der dritte Detektiv nämlich ein Bett, in dem auch zwei Erwachsene bequem Platz fanden.
„Denkst du, wir hängen zu oft miteinander rum?“ Peter zog ein nachdenkliches Gesicht.
„Was meinst du damit?“, fragte Bob verwirrt. „Natürlich sehen wir uns häufig. Wir sind beste Freunde. Wäre seltsam, wenn ich euch weniger häufig sehen würde als…“, er suchte nach einem passenden Vergleich, „keine Ahnung. Jemandem, mit dem ich nicht so eng befreundet bin.“
„Ja, da hast du schon recht. Keine Ahnung. Ich glaube, Kellys Worte haben mich einfach verunsichert. Sie ist ja nicht die Einzige, die sich darüber beschwert, dass wir zu viel Zeit miteinander verbringen.“ Peter drehte sich leicht auf die Seite und stützte den Kopf in die Hand. „Ich weiß, das war auch mit ein Grund, warum mit dir und Liz Schluss war.“
Bob verzog ein wenig das Gesicht. Über seine Exfreundin zu reden gehörte nicht unbedingt zu seiner Lieblingsbeschäftigung. „Das und hundert andere Gründe. Ich finde jedenfalls nicht, dass wir zu viel Zeit miteinander verbringen“, fügte er fast ein wenig trotzig hinzu. „Lass das bloß nicht Just hören. Der ist ohnehin schon gefrustet, weil wir in letzter Zeit keine großen Fälle hatten. Wenn sich an dieser Front nicht bald etwas tut, wird er noch selbst ein Verbrechen begehen, nur um es anschließend lösen zu können.“
Peter lachte auf. „Das würde ich ihm glatt zutrauen.“ Dann streckte er plötzlich die Hand nach Bob aus und rieb mit dem Zeigefinger über die zarte Haut unterhalb seines Auges. „Du siehst aus wie ein Panda, Dritter. Der Eyeliner hält nicht, wenn du dir ständig über die Augen reibst.“
Bob hatte erst automatisch die Augen zusammengekniffen, die er nun vorsichtig wieder öffnete. „Gibst du mir jetzt Makeup-Tipps, Zweiter?“
Peter sah ihn an, einen seltsamen Ausdruck auf dem Gesicht. „Du hast fast die selbe Augenfarbe wie Kelly. Warum ist mir das noch nie aufgefallen?“
Mit der Schnelligkeit eines Sportlers griff Peter mit beiden Händen nach Bobs Gesicht und lehnte sich über ihn, um seine Augen zu studieren.
Bob riss die überrascht auf. Er hatte unwillkürlich die Hände an Peters Brustkorb gelegt um ihn etwas von sich weg zu drücken. „Woah, wovon redest du man? Kelly und ich haben beide blaue Augen, aber das war es auch schon. Ihre sind deutlich heller als meine.“ Er starrte Peter verdutzt an.
Der drehte schweigend Bobs Gesicht in den Händen, sein intensiver Blick betrachtete Bobs Augenfarbe. Peter nagte dabei leicht an seiner Unterlippe. Die Bewegung richtete Bobs Aufmerksamkeit unwillkürlich auf die Lippen des zweiten Detektives. Zum ersten Mal bemerkte er: Peters Oberlippe bildete einen nahezu perfekten Amorbogen.
Bob leckte sich plötzlich nervös über seine eigenen Lippen. Sein Mund schien auf einmal staubtrocken zu sein. Überdeutlich spürte er Peters Körperwärme durch den dünnen Stoff seines T-Shirts. „Peter?“
Durch seinen Namen scheinbar aus seiner Starre gerissen, blinzelte Peter heftig und ließ Bob schlagartig los. „Shit, sorry.“ Der zweite Detektiv räusperte sich. „Du hast recht. Kellys Augen sind heller als deine. Ich habe nur…“, er brach ab.
Bob richtete sich etwas auf. Er hatte das Gefühl seine Wangen glühten. „Schon gut. Kein Ding.“ Er rieb sich mit dem Handballen über die Augen. „Vermutlich täuscht das durch den Eyeliner. Ich sollte mich wahrscheinlich mal abschminken.“
Doch zu seiner Überraschung hielt Peter ihn zurück als er vom Bett aufstehen wollte. „Nein, lass doch. Ist wirklich nicht schlimm.“ Täuschte er sich, oder war Peter ebenso rot angelaufen wie er?
Verunsichert ließ Bob sich zurücksinken. „Sicher? Wenn es dich zu sehr an Kelly erinnert…“
Peter schüttelte den Kopf. „Quatsch, alles gut.“ Er starrte verlegen auf seine Hände hinab. Die Spitze seines rechten Zeigefingers war jetzt leicht schwarz gefärbt durch Bobs verschmierten Eyeliner. „Sorry. Keine Ahnung, was mich gerade geritten hat. Ich bin heute einfach total neben der Spur.“
Bob winkte ab, hatte sich wieder etwas gefangen. „Kein Thema. Abgesehen davon“, versuchte er die Stimmung mit einem Scherz zu lockern, „ich weiß wie schön meine Augen sind. Darin kann man sich schonmal verlieren.“
Peter verdrehte die Augen und zeigte Bob den Mittelfinger. „Träum weiter, Dritter.“
Erleichtert, die seltsame Stimmung vertrieben zu haben, grinste Bob. „Ach nee, du träumst doch genug für uns beide.“
„Jaja…“, Peter schien einen ungerührten Eindruck erwecken zu wollen, machte den aber zunichte, indem er nervös an Bobs Bettdecke herumzupfte.
So lange, bis Bob Peters Hand mit seiner eigenen festhielt. Er sah Peter forschend an. „Zweiter, entspann dich. Das war ein Witz. Natürlich träumst du nicht von mir. Wenn du gerade etwas neben dir stehst, ist das völlig okay. Es sind nur wir zwei hier. Und mir musst du ganz bestimmt nichts vormachen. Also kein Grund auszuflippen, ok?“ Bob drückte ermutigend seine Hand.
Peter antwortete mit einem halbherzigen Lächeln, das seine Augen nicht ganz erreichte. „Ja, klar. Sorry nochmal. Und danke.“
Bob betrachtete Peter noch einen Moment, dann ließ er sich schulterzuckend wieder zurücksinken, verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Durch diese Bewegung rutschte sein T-Shirt etwas nach oben und enthüllte einen schmalen Streifen Haut über seiner Jeans.
Verwundert bemerkte er, wie Peters Blick geradezu magisch davon angezogen zu werden schien. Testweise streckte er sich noch etwas, mehr Haut kam zum Vorschein.
Die Röte auf Peters Wangen vertiefte sich und er wandte blinzelnd den Kopf ab.
Bob runzelte die Stirn. Er spürte wie sich sein Herzschlag beschleunigte und leckte sich leicht über die Lippen. Plötzlich fühlte er sich wagemutig. „Abgesehen von der Sache Samstagnacht ist es schon ne Weile her bei dir, hmm?“ Seine Stimme klang rauer als üblich.
Peter sah ihn kurz an, dann hastig wieder weg. „Wovon redest du?“
„Du weißt wovon ich rede, Zweiter.“ Bob lachte leise. Er bildete sich Peters Reaktion doch bestimmt nicht nur ein. „Wenn du schon auf mich anspringst musst du es echt nötig haben.“
„Ich springe nicht auf dich an! Bist du bescheuert? Du bist ein Kerl! Und mein Kumpel!“ Peter sprang vom Bett auf.
Bob stütze sich auf den Ellenbogen ab. Shit. War er zu weit gegangen? „Komm runter. Es ist völlig okay, wenn du auch mal einen anderen Mann attraktiv…“
„Ich finde Männer nicht attraktiv! Ich bin nicht schwul!“
„Das sagt doch auch keiner! Meine Güte!“ Bob wurde jetzt ebenfalls lauter. „Ich bin’s auch nicht und trotzdem kann ich zugeben, wenn ich einen anderen Mann scharf finde. Nennt sich bi!“
Peter starrte ihn sprachlos an und Bob sank etwas in sich zusammen. Fuck. So hatte er sich das nicht vorgestellt. „Glotz mich nicht an als wäre mir ein zweiter Kopf gewachsen. Ja, ich bin wahrscheinlich bisexuell. Ich weiß es schon eine Weile, aber ich… Keine Ahnung. Ich wusste nicht wie ich es euch sagen sollte, also habe ich gar nichts gesagt. Ist ja nicht so als ob ich bisher etwas mit einem Kerl gehabt hätte.“ Er lief rot an. Schon wieder.
Peter sah zur Tür und Bob hatte das ungute Gefühl er würde gleich Hals über Kopf aus dem Raum stürmen. Hastig rappelte er sich auf. „Peter. Ich weiß, das ist heute echt nicht dein Tag und ich wollte ihn wirklich nicht weiter verkomplizieren aber… Könntest du mich vielleicht mal ansehen?“
Doch Peter schüttelte den Kopf, er war blass geworden. „Scheiße, Bob, ich kann das jetzt gerade nicht.“ Damit stürzte er aus dem Raum.
Chapter 14: Still pole
Notes:
FYI - Ich spamme euch jetzt mit drei Kapiteln auf einmal weil ich so gut mit dem Schreiben vorankomme :)
Chapter Text
FYI - Ich spamme euch jetzt mit drei Kapiteln auf einmal weil ich so gut mit dem Schreiben vorankomme :)
Peter wusste nicht, wie lange er ziellos mit dem MG durch die Gegend fuhr. In seinem Kopf drehte sich alles. Bob war bisexuell? Was. Zur. Hölle? Erst die Sache mit Snape, dann Kelly und jetzt Bobs Enthüllung – Peter war alles zu viel.
Zwischendurch spürte er immer wieder die Vibration seines Handys in der Hosentasche. Wahrscheinlich Bob. Er ignorierte die Nachrichten und Anrufe.
Peter wurde sich seiner Umgebung erst wieder gewahr als vor ihm das Tor zum Schrottplatz auftauchte. Hart trat er auf die Bremse. Mittlerweile musste die Schule aus sein stellte er mit einem raschen Blick auf die Uhr fest.
Kurzentschlossen parkte Peter den MG und stürmte dann zum Haus. Justus sollte eigentlich bereits zuhause sein. Die Türklingel malträtierend trat er vor der Haustür von einem Bein aufs andere.
Die genervte Stimme des ersten Detektives ertönte kurz darauf aus dem Inneren. „Ja doch! Ich komm ja schon! Kein Grund…“, er riss die Tür auf. Als er Peter entdeckte brach er seinen Satz verdutzt ab. „Zweiter? Ist irgendetwas passiert? Wo ist Bob?“
Und Peter platzte einfach damit raus, was ihm auf der Seele brannte. „Bob ist bi! Kannst du das glauben?!“
Justus starrte ihn an, dann blinzelte er. Einmal. Zweimal. „Was…? Echt jetzt, Peter? Du outest Bob einfach so vor mir? Ich bin mir sicher, er hätte es bevorzugt, mir das selbst mitzuteilen.“
Peter rang die Hände. „Ist das dein Ernst? Das ist alles, was du dazu zu sagen hast?“
Justus trat zurück und winkte ihn ins Haus. Wie immer war er die Ruhe selbst. „Jetzt komm erstmal rein. Du bist ja völlig außer dir.“
Peter folgte ihm hoch in sein Zimmer. Dabei kreisten seine Gedanken nach wie vor um Bob. „Ich fass es nicht“, murmelte er vor sich hin, als er sich auf Justus Bett fallen ließ. „Und dann sagt er das einfach so, als wäre das keine große Sache…“
Justus hatte sich auf seinem Schreibtischstuhl fallen lassen, die Arme vor der Brust verschränkt. Jetzt beugte er sich vor und stützte die Ellenbogen auf den Oberschenkeln ab. „Peter. Atme. Du hyperventilierst ja fast.“
Irgendetwas an Justus gewohnten Kommandoton brachte Peter tatsächlich dazu, einmal tief durchzuatmen. Als er die Luft wieder ausstieß schloss er die Augen. „Heute ist einfach wirklich nicht mein Tag, Just.“
„Ich weiß“, Justus räusperte sich, wechselte das Thema. „Ich wollte mich auch noch entschuldigen, der Spruch heute Morgen war echt daneben. Ich hatte verschlafen und deswegen miese Laune. Tut mir leid. Und das mit Snape im Übrigen auch.“
Peter seufzte. „Für Snape kannst du nichts. Der Arsch ist wie er ist und wird sich auch nicht mehr ändern. Und meine Antwort heute Früh war auch nicht besser. Ich schätze in der Hinsicht schenken wir uns beide nichts.“ Zum ersten Mal seit Stunden fühlte sich Peter, als würde er nicht gleich aus der Haut fahren. So sehr sie sich manchmal auf den Senkel gingen, aber Justus ruhige, bestimmte Art war doch sein Ruhepol.
Als er nun aufblickte, bemerkte er, wie Justus ihn ein wenig amüsiert betrachtete. Peter verzog den Mund. „Dich bringt einfach nichts aus der Fassung, oder?“
„Es gibt jede Menge Dinge, die mich aus dem Gleichgewicht bringen. Verschlafen zum Beispiel.“ Justus lehnte sich wieder in seinem Stuhl zurück. „Um zum eigentlichen Grund deiner Aufgebrachtheit zu kommen: Habe ich das vorhin richtig verstanden? Bob hat sich wirklich vor dir geoutet?“
Peter nickte. „Ja. Ich weiß gar nicht…Erst haben wir geredet. Über Kelly und so… Und dann…Und dann…“, er stotterte, wusste nicht wirklich wie er den Satz zu Ende bringen sollte, weshalb er einfach verstummte.
Justus sahn ihn erst irritiert an, zuckte dann jedoch mit den Schultern. „Naja, ist ja auch nicht so wichtig wie genau es dazu gekommen ist.“ Der, der sonst immer Allem auf den Grund ging, ließ ihn vom Haken. Wahrscheinlich hatte er Mitleid mit ihm. Der Tag heute meinte es wirklich nicht gut mit Peter. Oder er wollte die Details gar nicht wissen. Wahrscheinlich glaubte er…
„Wir haben uns nicht geküsst! Wir haben uns nur so angesehen und danach war alles so komisch und als dann sein Shirt… Aber es ist nichts passiert zwischen uns!“, endete Peter. Sein Gesicht glühte.
Justus zog eine Augenbraue hoch. „Okay. Gut zu wissen“, wieder klang vages Amüsement in seinem Ton mit.
Was Peter verärgerte. „Sag mal, bist du gar nicht schockiert? Oder zumindest überrascht?“, fragte er. „Sag bloß, du wusstest es schon?“
„Nein, gewusst habe ich es nicht.“ Justus stand auf um ein paar Schritte im Zimmer auf und ab zu gehen. „Aber es gab gewisse Anzeichen… Von daher bin ich nicht wirklich überrascht. Und erst recht nicht schockiert.“
Peter blinzelte. „Anzeichen? Wovon redest du, Erster?“
„Wann hast du unseren Dritten eigentlich das letzte Mal ein bisschen beobachtet, wenn wir unterwegs waren?“ Justus blieb stehen und verschränkte die Arme hinter dem Rücken. Er hatte sein Doziergesicht aufgesetzt.
Eine Tatsache, die Peters Puls weiter in die Höhe trieb. „Ich neige eigentlich nicht dazu, irgendjemanden meiner Freunde nonstop zu beobachten, Just“, schnappte er.
Justus verdrehte die Augen. „Das tue ich auch nicht, Zweiter. Nichtsdestotrotz kam ich nicht umhin zu bemerken, dass Bob ab und an auch Männern hinterhersieht. Ich habe diesem Tatbestand keine allzu große Bedeutung beigemessen, ich meine…“, er zuckte mit den Schultern. „Was soll’s? Das alleine macht einen ja nicht schwul. Oder bi. Rückblickend betrachtet erscheinen diese Gegebenheiten jetzt natürlich in einem anderen Licht.“
Peter schwieg eine Weile, ließ sich Justus Worte durch den Kopf gehen. Jetzt wo er darüber nachdachte… Vielleicht hatte er es ebenfalls bemerkt. Doch wie der erste Detektiv hatte er es schlichtweg ignoriert. War zu sehr mit sich selbst beschäftigt.
Peter seufzte leise. „Ist ja nicht so, als ob ich irgendetwas dagegen hätte oder so.“ Irgendwie fühlte er sich, als müsste er das klarstellen. „Er hat mich einfach nur auf dem falschen Fuß erwischt.“
Justus ließ sich wieder auf seinem Stuhl nieder. „War das wirklich der einzige Grund für deine Reaktion?“, fragte er. „Oder steckt da noch mehr dahinter?“
Und da war er wieder. Justus im Detektivmodus. Peter hätte sich auch gewundert, wenn er so einfach davonkommen würde. Peter zögerte, nagte an seiner Unterlippe.
„Versprichst du, das nicht Bob zu erzählen?“, fragte er Justus vorsichtig.
Der nickte. „Keine Sorge. Jeder von uns hat doch seine kleinen Geheimnisse.“
Peter schluckte. „Als ich ihn so angesehen habe… Da konnte ich nur daran denken wie schön ich seine Augen finde. Ich dachte erst, sie sehen aus wie Kellys mit dem Eyeliner, aber als ich ihm dann so nahe war… Sie sind von einem dunkleren Blau. Wie das Meer an einem perfekten Tag zum Surfen.“
Justus sah ihn mit einer Miene an, die Peter nicht recht deuten konnte. „Und das hat dich so erschreckt, Zweiter? Du warst ja völlig aufgelöst, als du hier ankamst.“
Peter nickte. „Ich habe so etwas noch nie zuvor gefühlt. Jedenfalls nicht bei einem Jungen. Und erst recht nicht bei Bob.“ Er starrte die Zimmerdecke an. „Fuck.“
Justus gab einen beruhigenden Laut von sich. „Entspann dich. Nur weil du die Feststellung gemacht hast, dass Bob – objektiv betrachtet – ziemlich attraktiv ist, ändert das nicht gleich deine ganze Sexualität.“
Peter drehte den Kopf zu ihm. „Du findest Bob also auch…gutaussehend?“
Justus zuckte mit den Schultern. Zum ersten Mal seit Peter hier angekommen war wirkte Justus ein wenig verunsichert. „Wie ich schon sagte, objektiv betrachtet entspricht unser Dritter durchaus den gängigen Schönheitsidealen.“ Er räusperte sich.
„Hmm“, Peter wandte den Kopf wieder ab. „Ich bin so durcheinander, Just. Ich glaube… Ich glaube, Bob hätte vorhin nichts dagegen gehabt, wenn ich ihn geküsst hätte.“ Schon alleine der Gedanke daran ließ sein Herz schneller schlagen. „Meinst du, ich habe mir das nur eingebildet? Ich habe noch nie darüber nachgedacht, einen Jungen zu küssen. Geschweige denn einen meiner Freunde. Das würde doch alles verkomplizieren, oder? Ich meine, ich steh wirklich auf Frauen. Und ich habe gerade erst mit Kelly Schluss gemacht. Vielleicht drehe ich gerade auch einfach nur wegen der Trennung durch. Aber…seit vorhin denke ich nonstop daran, wie es wäre… Und jetzt wo ich weiß, Bob steht auch auf Männer…“, Peter brach ab und blickte zu Justus hinüber.
Der blickte abwesend aus dem Fenster, knetete mit Daumen und Zeigefinger seine Unterlippe, wie er es immer machte, wenn er nachdachte. „Just? Hörst du mir überhaupt zu?“
„Was? Ach so, natürlich“, Justus drehte den Bürostuhl in Peters Richtung. „Ich will dir nichts vormachen, Zweiter. Sich mit Freunden einzulassen ist selten eine gute Idee. Vor allem, wenn es nur darum geht, es mal auszuprobieren.“
Peter sah den ersten Detektiv forschend an. Justus hielt seinem Blick kurz stand, dann blinzelte er und wandte den Kopf ab. Wurde er etwa rot? „Geht’s dir hier wirklich um Bobs und meine Freundschaft oder um etwas anderes?“, fragte Peter. Er setzte sich auf. „Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich fast sagen, ich höre Eifersucht.“
Chapter 15: Guinea Pigs
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Justus starrte angestrengt aus dem Fenster. „Natürlich ist es keine Eifersucht, Zweiter. Sei nicht albern.“
„Ach nein?“, Peter hatte diesen herausfordernden Ton in der Stimme, der Justus schon so manches Mal zum Verhängnis geworden war. „Was ist es dann?“
„Ich…“, Justus drehte sich wieder zu Peter. „Erinnerst du dich noch daran, als du und Bob beide eine Freundin hattet?“, fragte er leicht trotzig. „Ihr habt unser Detektivunternehmen schmählich vernachlässigt.“ Und mich fügte er in Gedanken hinzu. „Aber zumindest bestand da noch die Chance, dass zumindest einer von euch geruhte, sich Zeit zu nehmen. Wenn ihr jetzt nur noch miteinander rumhängt, weil ihr…“, er räusperte sich, „eine wie auch immer geartete romantische Beziehung eingeht, bin ich schon wieder – und noch mehr – außen vor.“ Er verschränkte die Arme vor der Brust und schob die Unterlippe nach vorne.
Peter sah ihn für einen Moment verblüfft an, dann lachte er leise. „Das ist dein Problem, Erster? Du solltest dich mal sehen mit deinem Schmollmund“, zog er ihn auf. „Versprochen, falls – und das ist ein sehr großes falls – irgendetwas in diese Richtung zwischen Bob und mir passiert, werden wir trotzdem noch genügend Zeit für dich haben. Separat und zusammen. Okay?“
Doch so leicht ließ sich Justus nicht überzeugen. „Das habt ihr letztes Mal auch gesagt und lange haben eure guten Vorsätze nicht angehalten.“
„Komm schon“, Peter schüttelte den Kopf. „Das sind doch alte Kamellen, Just.“
„Ich weiß. Und ich möchte euch auch glücklich sehen“, Justus merkte wie defensiv er klang. „Bob weiß scheinbar mit Sicherheit, er ist bisexuell. Aber so wie ich dich verstehe, hast du heute das erste Mal überhaupt bemerkt, du verspürst eine gewisse Anziehung zu einem anderen Mann. Bist du dir wirklich sicher, es ist eine gute Idee, mit Bob rumzuexperimentieren, nur um dann gegebenenfalls festzustellen, du stehst gar nicht wirklich darauf? Das könnte ihn verletzen. Eurer Freundschaft ernsthaften Schaden zufügen.“
So schien Peter das noch nicht betrachtet zu haben, denn er schwieg eine Weile, sein Gesichtsausdruck düster. „Du hast recht“, murmelte er dann. „Das habe ich nicht bedacht.“
Justus nickte, verspürte eine gewisse Erleichterung. Er hatte leider nicht viele Freunde. Eigentlich nur Peter und Bob. Seine restlichen Kontakte würde er bestenfalls als Bekannte bezeichnen. Er hatte sich schon immer schwer damit getan, Freunde zu finden. Justus war klüger als die Meisten und hielt auch nichts davon, sein Licht unter den Scheffel zu stellen. Was ihm schnell den Ruf als Klugscheißer eingebracht hatte. Sein Übergewicht war dann oft ein weiterer Grund, weshalb er Hänseleien ausgesetzt war. Das hatte sich mittlerweile zum Glück gebessert, nachdem er abgenommen hatte. Doch die Erinnerung daran war noch da. Und an seiner Intelligenz hatte sich auch nichts geändert.
Umso wichtiger waren ihm Peter und Bob, die ihn so akzeptierten, wie er nun mal war. Er hatte grundsätzlich auch nichts dagegen, wenn die Freundinnen hatten. Er war sich ohnehin sicher, speziell Bob erzählte ihm wahrscheinlich nur ein Bruchteil dessen, was tatsächlich mit den Ladies lief. Das Problem an der Geschichte war nur, die Freundinnen beanspruchten – nachvollziehbarer Weise – einen Großteil der Aufmerksamkeit und Freizeit ihrer Freunde. Ein Umstand, mit dem sich Dauer-Single Justus nur schwerlich arrangieren konnte.
Peters Worte rissen Justus aus seinen Gedanken. „Was schlägst du dann vor, Erster? Soll ich es einfach ignorieren? Auf diesen schrägen Tag schieben und nie mehr darüber nachdenken?“ Der zweite Detektiv sah ihn zweifelnd an.
Justus schüttelte den Kopf. „Nein. Jedenfalls nicht, wenn das nicht dein Wunsch ist. Jetzt wo du Single bist, kannst du machen was du willst. Und mit wem du es willst“, fügte er hinzu. „Solange es vielleicht nicht unbedingt Bob ist.“
Peter verzog skeptisch das Gesicht. „Das sagst du so einfach, Just. Ist nicht so, als ob ich einen Haufen bisexueller oder schwuler Typen kenne…“
„Was ist mit Jeffrey?“, fragte Justus.
„Jeff?“ Peter sah ihn verständnislos an.
„Nun, soweit ich das mitbekommen habe, ist der ziemlich…“, Justus suchte nach dem richtigen Wort, „offen, was Erfahrungen mit Mädchen und auch Jungs angeht. Aber keine Ahnung, ob er offiziell geoutet ist. Das weißt du besser als ich.“
Peter schüttelte den Kopf. „Nee ist er nicht. Also, nicht richtig. Ich glaube, er sagt er ist“, Peter formte Anführungszeichen mit den Fingern, „‘heteroflexibel‘. Was auch immer man darunter verstehen möchte.“ Nachdenklich blickte er an die Zimmerdecke. „An Jeff habe ich gar nicht mehr gedacht.“ Er verzog das Gesicht. „Ich muss aber auch ehrlich zugeben, ich habe überhaupt kein Verlangen danach, ihn zu küssen oder so. Das wäre nur strange.“
Justus zögerte. Gerade war ihm eine Idee gekommen. Doch die war eigentlich an Dämlichkeit nicht zu überbieten.
Peter bemerkte sein Zögern. „Was ist, Just?“
„Naja, ich bin auch ein Junge. Offensichtlich“, er wies an sich runter. „Also…“
Der zweite Detektiv sah ihn verwirrt an. „Was meinst du?“
Justus zuckte mit den Schultern. „Du hast gesagt, du würdest gerne mal einen Jungen küssen. Ich bin ein Junge. Ich bin hier. Und soweit ich weiß hetero. Es würde mir also nichts bedeuten. Von daher“, er räusperte sich, „kann ich vielleicht dein Testobjekt sein.“
„Ist das dein Ernst?“ Peter wirkte verblüfft, ein wenig verunsichert.
„Klar.“ Justus versuchte kein großes Ding daraus zu machen. „Es geht doch nur darum, es mal auszuprobieren, nicht wahr? Sieh es als wissenschaftliches Experiment.“ Er stand auf und ging zum Bett hinüber. „Es sei denn, du willst mich nicht küssen. Das ist natürlich auch okay.“ Justus spürte, wie er nervös wurde und machte sich innerlich bereits auf eine Ablehnung gefasst.
Schließlich sah er bei weitem nicht so gut aus wie Bob. Oder Jeffrey. Denn wenn Peter selbst den nicht sonderlich attraktiv fand, würde er ihn wahrscheinlich erst recht nicht küssen wollen.
Justus wollte lieber nicht genauer darüber nachdenken, warum ihm Peters Antwort auf einmal so wichtig war.
Peter blickte zu ihm auf, die Augenbrauen zusammengezogen. „Hattest du überhaupt schon deinen ersten Kuss, Just? Also ich meine keinen Schmatzer im Kindergarten, sondern einen richtigen Kuss.“
Justus zögerte kurz, dann schüttelte er den Kopf. „Nein“, gab er zu. „Aber daraus mach ich mir ohnehin nichts. Der erste Kuss, das erste Mal… Das wird doch alles nur romantisch verklärt und ist in Wirklichkeit total trivial.“
Peter schürzte die Lippen, wodurch Justus Blick unwillkürlich davon angezogen wurde. „Siehst du das wirklich so, Erster?“
Der nickte. „Ja. Keine große Sache.“
Einige spannungsgeladene Sekunden verstrichen, dann nickte Peter langsam. „Okay, wenn das so ist“, er schluckte, „dann würde ich es gerne mit dir ausprobieren.“ Peter griff nach Justus, der sich leicht nach vorne gebeugt hatte, und zog diesen resolut zu sich auf die Matratze. Da das Bett für sie beide etwas schmal war, landete Justus halb auf, halb neben Peter.
„Wow, warte…“, Justus stützte sich rechts und links von Peters Kopf ab. Jetzt wo er es tatsächlich tun sollte, verließ ihn fast ein wenig der Mut. Peter hielt ihn leicht an den Hüften, dort wo sich ihre Körper berührten, spürte Justus die Wärme, die er ausstrahlte.
„Hast du es dir anders überlegt?“, fragte Peter unsicher. „Du musst das nicht tun, Just.“ So nahe wie sie sich waren, reichte ein Murmeln, um sich verständlich zu machen.
„Nein“, Justus schluckte. „Du hast mich nur überrumpelt, das ist alles.“ Er sah Peter forschend in die Augen. „Du sagst mir, wenn ich aufhören soll oder irgendetwas tue, das dir nicht gefällt, ok?“
Peter nickte, seine Hände krallten sich in Justus T-Shirt. Dann senkte Justus den Kopf und küsste ihn.
Chapter 16: Lightning strike
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Als Justus Lippen zum ersten Mal seine berührten, fühlte sich Peter wie vom Blitz getroffen. Er konnte es einfach nicht fassen. Einer seiner ältesten Freunde küsste ihn.
Und was für ein Kuss. Peter hatte eine zögerliche, kurze Berührung seiner Lippen erwartet. Doch Justus überraschte ihn. Der Druck seines Mundes war fest, ganz und gar nicht unsicher. Peter neigte leicht den Kopf, kam Justus Kuss entgegen.
Der hatte sich ein wenig mehr auf Peter sinken lassen, ein Knie zwischen dessen Beine geschoben, um trotzdem noch einen Teil seines Gewichts abzufangen.
Peters Herzschlag beschleunigte sich. Verdammt, fühlte sich das gut an. Das sollte sich nicht so gut anfühlen. Er musste… Er sollte…
Justus zwickte ihn in die Unterlippe, der leichte Schmerz riss ihn aus seiner momentanen Panik.
„Flipp jetzt nicht aus“, flüsterte Justus an seinen Lippen. Peter hatte seine Stimme noch nie so rau gehört. „Entspann dich. Mach die Augen zu.“
Peter wollte protestieren, wollte das Experiment für gescheitert erklären. Doch gerade als er zum Sprechen ansetzte begann Justus leicht an seiner Unterlippe zu saugen.
Das Ziehen an seiner Lippe übertrug sich geradewegs auf seinen Schwanz. Peter atmete scharf ein und schloss die Augen.
Der leise Laut schien Justus zu ermutigen, denn statt den Zähnen spürte Peter nun seine Zunge, die sanft über seine Lippe strich. Ohne weiter darüber nachzudenken öffnete Peter den Mund, gewährte Justus Zugang. Als sich ihre Zungen berührten stöhnte Justus leise auf.
Peter schauderte unter ihm. Er konnte Justus Erektion an seiner Hüfte spüren, die leichten Bewegungen seines Beckens, als er unterbewusst nach mehr Reibung suchte. Justus bewegte sein Knie etwas weiter nach oben, wahrscheinlich nur um einen besseren Halt zu finden. Doch dadurch drückte er geradewegs gegen Peters eigene schmerzhafte Erregung.
„Just…“, Peters Hände glitten über Justus Rücken, krallten sich immer wieder in den Stoff. Er fühlte sich als wäre er unter Drogen gesetzt worden. Das Blut rauschte in seinen Ohren und ihm war auf einmal unglaublich heiß.
„Ich weiß. Lass mich nur…“, Justus klang so atemlos wie Peter sich fühlte. Bevor er wusste wie ihm geschah hatte Justus seine Hände von seinem Rücken entfernt und presste sie über Peters Kopf in die Matratze. Durch diese Bewegung drängten sie sich nun vom Kopf bis zu den Zehenspitzen aneinander.
„Scheiße“, stieß Peter hervor, wandte sich testweise in Justus festem Griff. Wenn er es gewollt hätte, hätte er sich jederzeit befreien können. Doch danach stand ihm gerade wirklich nicht der Sinn. Wenn das hier nur einmal passierte, wollte er es so lange wie möglich ausnutzen. Schließlich musste er sich sicher sein.
Peter leckte sich kurz über die Lippen. Alles was er sehen und fühlen konnte war Justus. „Seit wann bist du so verdammt bossy?“
Justus ragte über ihm auf, ein leichtes Grinsen auf den Lippen. Verschwunden war sein Kindheitsfreund. Diesen Justus kannte er nicht. „Ich bin schließlich das erste Fragezeichen, Zweiter.“ Stolz zeigte sich auf Justus Gesicht. Stolz und etwas anderes. Dunkleres. „Und ich bin immer bossy. Nicht nur jetzt. Solltest du eigentlich gewohnt sein oder?“
Peter erschauerte. Bei Justus Worten zog sich sein Magen zusammen. Er kämpfte ein wenig gegen den Griff um seine Handgelenke, was Justus dazu veranlasste, sie fester in die Matratze zu drücken.
„Hörst du jetzt auf zu quatschen und küsst mich wieder, oder wie sieht’s aus?“, brachte Peter hervor. Wenn er jetzt erneut anfing nachzudenken, was zum Teufel sie hier eigentlich taten, würde er durchdrehen.
Justus brummte zustimmend. Doch statt auf Peters Mund landeten seine Lippen auf dessen Hals. Er übersäte die zarte Haut dort mit Küssen, bis er am Übergang zwischen Hals und Schulter ankam. Peter ahnte was er vorhatte und stöhnte doch unterdrückt auf als Justus ihn erst seine Zähne spüren ließ und dann sanft an der empfindlichen Haut zu saugen begann.
Sie bewegten sich jetzt stärker gegeneinander. Peter fühlte Justus Erektion gegen seine eigene, nur getrennt durch ihre Jeans. Der raue Stoff verstärkte das Gefühl der Reibung nur noch.
Justus keuchte an seinem Hals und Peter drehte den Kopf, suchte und fand seine Lippen zu einem wilden Kuss, dem jede Raffinesse fehlte. Ihre Zähne klackten aneinander in ihrem Versuch, sich noch näher zu kommen. Doch Peter war alles egal. Er konzentrierte sich einzig und allein auf das drängende Gefühl in seinem Unterleib, kam Justus bei jeder Bewegung entgegen.
Der hielt seine Hände noch immer über seinem Kopf, verhinderte somit effektiv, von Peter angefasst zu werden. Justus hatte ihn völlig unter Kontrolle und seltsamerweise schürte das nur seine Erregung.
„Peter…ich…“, Justus brach ihren Kuss um nach Luft zu schnappen. Auf seinen Wangen zeichnete sich Röte ab und er biss sich immer wieder auf die Lippen. Wahrscheinlich in einem Versuch sich zu zügeln.
„Ich auch…“, Peter nickte hastig, kippte das Becken. Der neue Winkel ließ sie beide aufstöhnen.
Oh Gott. Er war so nahe. Peters Finger und Zehen verkrampften sich.
Justus biss ihn erneut in den Hals und der scharfe Schmerz war alles, was es noch brauchte, um Peter über die Klippe stürzen zu lassen. Stöhnend drückte er sich an Justus als sein Orgasmus ihn überrollte. Justus kam im gleichen Augenblick, wimmerte an seinem Hals, als sein Körper sich unter der Wucht seiner Erlösung anspannte.
Für eine Weile war nur ihr schwerer Atem zu hören. Justus hatte mittlerweile Peters Handgelenke losgelassen und der nahm jetzt dankbar die Arme nach unten, rieb leicht über die Male, die Justus Finger an seinen Handgelenken hinterlassen hatte. Er fühlte sich seltsam schwerelos. War er vorhin noch kurz vorm ausflippen, war er jetzt ganz ruhig.
Justus lag auf ihm wie eine warme, schwere Decke. Und wäre das nasse Gefühl in seiner Jeans nicht gewesen, hätte er durchaus noch länger so liegen können. „Just?“, fragte er. Jetzt, wo seine Hände frei waren, konnte er endlich das machen, was er schon die ganze Zeit machen wollte. Mit der einen Hand streichelte er über Justus Rücken, mit der anderen fuhr er durch dessen kurzes dunkles Haar.
„Hmm?“, Justus klang schläfrig. Er hob den Kopf von Peters Schulter und sah ihn an. Für einen Moment wirkte er verwirrt, dann rappelte er sich schlagartig auf und ging von ihm runter. „Ach so, sorry.“ Er stolperte ein paar Schritte vom Bett weg.
Ohne Justus Körperwärme war Peter plötzlich kalt und er schlang die Arme um sich. „Alles gut. Es ist nur…nass“, murmelte er leicht verlegen.
„Ja, stimmt.“, Justus räusperte sich. „Ich schätze, der Ausgang unseres Experimentes war recht eindeutig.“
„Experiment?“ Das Wort wirkte wie ein Eimer kaltes Wasser auf Peter. „Ach so, ja. Das Experiment.“ Plötzliche Scham ließ ihn über und über rot anlaufen. „Ich schätze, ich denke…“, stotterte er.
„Du bist wohl ebenfalls zu einem gewissen Grad bisexuell.“ Justus konstatierte das mit dem Rücken zu ihm, da er sich gerade eine frische Jeans und Unterhose aus dem Schrank holte. Peter konnte seinen Gesichtsausdruck nicht sehen.
In seinem Magen machte sich ein Knoten bemerkbar. „Nur ich? Ich glaube, ich bin hier nicht der Einzige, der unser Experiment ganz gut fand. Oder Erster?“
Justus nahm sich Zeit mit seiner Antwort. Als er sich wieder umdrehte, war seine Miene verschlossen. „Keine Ahnung. Ist nicht so, als ob ich einem Vergleich zu einem Mädchen hätte. Vermutlich wäre es mir mit jedem so gegangen. Der Reiz des Neuen.“
Peter klappte die Kinnlade herunter. Er spürte noch immer Justus Biss an seinem Hals und der stellte sich hin und meinte, es wäre für ihn mit jeder anderen Person genauso gewesen?
Peter erwartete bestimmt keinen Ring oder sonstige Versprechungen – verdammt, was ihn anging sah er sich eigentlich immer noch als hetero an. Aber das gab Justus kein Recht so mit ihm umzuspringen.
„Na klar. Rede dir das nur ein. Du kannst manchmal so ein Arsch sein, Justus!“ Damit stürmte er zum wiederholten Mal am heutigen Tag aus einem Zimmer.
Chapter 17: Covered
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Als Bob am nächsten Morgen aus dem Haus trat, war er ziemlich nervös. Peter hatte sich gestern nicht mehr bei ihm gemeldet. Und auch Justus hatte auf seine Nachricht nicht reagiert. Gut, das musste allerdings nichts heißen. Um drei Uhr morgens an einem Schultag war der erste Detektiv selten wach.
Jetzt stand Justus jedenfalls wie jeden Morgen vor dem Gartentürchen um mit Bob gemeinsam zur Schule zu laufen. Der straffte die Schultern als er neben ihn trat. „Morgen, Erster. Hast du meine Nachricht gelesen?“
Justus runzelte die Stirn und gähnte. „Vorhin, ja. Peter war gestern tatsächlich noch bei mir. Aber von dir hat er nichts gesagt.“ Er sah Bob von der Seite her an. „Warum? Gibt’s irgendetwas, das ich wissen sollte?“
Bob zögerte kurz, dann schüttelte er ein wenig mutlos den Kopf. „Nein, nichts wichtiges“, murmelte er. Justus sah nicht recht überzeugt aus, zuckte dann jedoch mit den Achseln.
Der restliche Schulweg verlief schweigend, jeder der Jungs hing seinen eigenen Gedanken nach. Bob betrachtete Justus unauffällig. Er wirkte heute noch ruhiger als ohnehin schon, der Gesichtsausdruck verschlossen. Hatte Peter wirklich nichts zu ihm gesagt? Bob schluckte nervös und das ungute Gefühl in seinem Magen verstärkte sich. Hätte er Justus einfach die Wahrheit sagen, es hinter sich bringen sollen? Doch seine Kehle war wie zugeschnürt und er brachte kein Wort hinaus. Peters heftige Reaktion auf sein Outing hatte ihn zutiefst verunsichert.
Der zweite Detektiv lehnte wieder an seinem MG als Bob und Justus den Schulhof betraten. Was er als gutes Zeichen wertete. Immerhin ging er ihnen nicht aus dem Weg. Etwas verwundert war er jedoch über Peters heutige Outfitwahl. Zu seiner üblichen Kombination aus T-Shirt und Jeans hatte er sich einen dunkelgrauen Loop-Schal mehrmals um den Hals geschlungen. Aus dem Augenwinkel heraus bemerkte er wie Justus die Stirn runzelte. Im Gegensatz zu gestern verkniff er sich jedoch jeden Kommentar zu Peters Klamotten und beließ es bei einem genuschelten „Morgen“.
„Morgen“, Peter stieß sich von seinem MG ab und schloss sich ihnen an. Bob versuchte Blickkontakt mit ihm herzustellen, doch der zweite Detektiv starrte stur auf den Boden. Oh je. Bobs Mut sank. Innerlich verfluchte er sich selbst. Hätte er doch gestern bloß die Klappe gehalten. Aber nach Peters Blicken… Er war sich so sicher gewesen… Hatte er alles falsch interpretiert? Vielleicht nur gesehen, was er sehen wollte? Bob nagte an seiner Unterlippe. Er war so mit sich selbst beschäftigt, er bemerkte gar nicht, wie auch Justus und Peter jeden Blickkontakt vermieden.
Die erste Stunde am Dienstag war für sie immer eine Freistunde. Meistens nutzten sie die Zeit um in einem leeren Klassenzimmer zu lernen oder in letzter Minute vergessene Hausaufgaben zu erledigen. Heute jedoch schien keinen von ihnen wirklich der Sinn nach Schulkram zu stehen. Überhaupt war es fürchterlich still. Bob blickte zwischen Justus und Peter hin und her. Beide hatten identische missmutige Mienen aufgesetzt. Weshalb Peter so miese Laune hatte, konnte er zumindest erahnen. Warum Justus so schlecht gelaunt war, hatte er jedoch keine Ahnung. Gut, andererseits war der erste Detektiv auch unter normalen Umständen nicht unbedingt ein Sonnenschein.
Geistesabwesend beobachtete Bob wie Peter zum wiederholten Mal an seinem Schal herumfummelte. Für jemanden, der es schon nicht leiden konnte, wenn der T-Shirt-Kragen zu eng am Hals anlag, hatte er den Schal recht straff um den Hals geschlungen. Was wahrscheinlich erklärte, weshalb er ständig daran zupfte.
Bob blinzelte plötzlich. Moment mal. Für einen kurzen Augenblick war der graue Stoff verrutscht und hatte den Blick auf Peters Hals freigegeben.
„Sind das etwa Knutschflecken?“, platzte Bob heraus. Sowohl Peter als auch Justus zuckten zusammen. „Alter, hast du mit einem Vampir geknutscht?“ Er beugte sich vor um einen besseren Blick zu erhaschen.
Peter wich hastig zurück. Er war knallrot angelaufen. „Schrei doch noch lauter, Dritter“, zischte er Bob zu. „Ich glaube draußen auf dem Schulhof haben es einige noch nicht gehört!“
Bob sah ihn verblüfft an, zog verärgert die Augenbrauen zusammen. Trotzdem senkte er die Stimme ein wenig. „Wann hast du dich denn gestern auch noch mit einem Mädchen getroffen?“, fragte er. „Bevor oder nachdem zu bei Justus warst?“ Er konnte nicht verhindern, dass sein Ton ein wenig anklagend klang. Peters Kopf ruckte zu Justus herum und für einen Moment schien sich Panik auf seiner Miene zu zeigen, bis Justus unmerklich den Kopf schüttelte. Bob sah verwirrt zwischen Peter und Justus hin und her. Zum ersten Mal hatte er das Gefühl, hier irgendetwas zu verpassen.
„Ich…habe mich danach noch mit einer getroffen“, murmelte Peter schließlich. Er wickelte sich den Schal vom Hals und Bob riss die Augen auf. Peters ganze linke Halshälfte war von Knutschflecken übersät. Ein besonders dunkler befand sich direkt am Übergang zwischen Hals und Schulter. Bob pfiff leicht durch die Zähne. „Oh wow. Sie scheint ja“, er räusperte sich kurz, „recht leidenschaftlich zu sein. Kennen wir sie?“ Da Bob den Blick auf den zweiten Detektiv gerichtet hielt, entging ihm, wie Justus bei seinen Worten errötete.
„Nein“, Peter wickelte sich den Schal wieder um den Hals. Sein Gesichtsausdruck war nervös. „Ich kenne sie vom Surfen. War eh nur eine einmalige Sache. Ich wollte mich nur…ablenken.“
Ablenken. Bob schluckte. Trotzdem zwang er sich zu einem Lachen. „Tja, du solltest wohl besser Kelly aus dem Weg gehen. Wenn sie das mitbekommt“, er wies auf Peters Hals, „kannst du dich auf etwas gefasst machen. Am gleichen Tag, an dem ihr Schluss macht, noch mit einer anderen ins Bett zu steigen…“, Bob verzog ein wenig das Gesicht. „Und ich soll hier der Fuckboy sein.“
Peter verdrehte die Augen. „Ich habe nicht mit ihr geschlafen“, rechtfertigte er sich. „Wir haben uns nur geküsst und…naja, das ist eben etwas ausgeartet.“ Schon wieder machte sich Röte auf seinem Wangen breit.
Justus, der sich bisher aus dem Gespräch auffallend zurückgehalten hatte, räusperte sich. „Wer nennt dich denn einen Fuckboy, Dritter?“
Bob entging der Themenwechsel nicht, achtete jedoch nicht weiter darauf. „Selina“, er lehnte sich in seinem Stuhl zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. „Anscheinend date ich zu viel.“
Justus runzelte die Stirn. „Und stimmt das denn?“
Bob zögerte mit seiner Antwort. Normalerweise besprach er sein Liebesleben nicht unbedingt mit Justus. Nicht weil er ihm nicht vertraute… Es war nur einfach nichts, wofür sich Justus normalerweise interessierte. „Vielleicht habe ich mich in letzter Zeit mit einigen getroffen, ja. Aber ich hatte nicht mit jeder was“, murmelte er. „Geschlafen habe ich nur mit einer.“
Justus zuckte mit den Schultern. „Na siehst du. Dann lass sie doch reden. Du – und wir – wissen, wie die Wahrheit aussieht.“ Justus lächelte ihn aufmunternd an. „Das reicht doch, oder?“
Bob lächelte zurück, erleichtert. „Ja, da hast du recht.“
Chapter 18: Unspoken questions
Notes:
Hey, fyi - ich habe mir einen Twitter-Account eingerichtet: @begon_ddf :) Dort werde ich es immer posten, wenn ich neue Kapitel hochlade. Vielleicht interessiert das ja den einen oder anderen.
Chapter Text
Justus hatte sein Mathebuch aufgeschlagen, konnte sich jedoch einfach nicht auf die Zahlen und Formeln konzentrieren. Etwas, das ihm bis dato selten passiert war, aber jetzt scheinbar zur Gewohnheit wurde.
Er blickte missmutig zu Peter und Bob hinüber. Während Bob seine Erdkundehausaufgaben durch ging, starrte der zweite Detektiv einfach aus dem Fenster.
Peter ignorierte Justus und das konnte er ihm nicht mal übelnehmen. Sein Hals sah tatsächlich aus als wäre ein Vampir darüber hergefallen. Justus schluckte. Zum Glück kaschierte der Loop-Schal die schlimmsten Spuren. Ihm war selbst nicht klar, was gestern eigentlich in ihn gefahren war. Er hatte Peter – einem seiner besten Freunde – nur dabei helfen wollen, sich über etwas klar zu werden. Stattdessen hatte er selbst ein paar Antworten bekommen. Auf Fragen, die er noch nicht einmal gestellt hatte!
Justus blätterte unwirsch eine Seite weiter. Er hatte nach Peters Abgang die halbe Nacht damit verbracht, Recherche über die menschliche Sexualität zu betreiben. Ein Feld, in dem er eigentlich dachte, sich bereits auszukennen. Wie sich herausstellte, lag er da falsch. Ihm schwirrte der Kopf von den ganzen Informationen, die er erhalten hatte.
Justus lehnte sich zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Er hatte sich bisher noch nie sonderlich Gedanken um seine Sexualität gemacht. Er mochte den weiblichen Körper. Jelenas zum Beispiel. Wenn Bobs Freundin ihm mit ihrer altklugen Art nicht so fürchterlich auf die Nerven gehen würde… Hätte er sie eventuell sogar mal nach einem Date gefragt. Sie konnte es verstandesmäßig definitiv mit ihm aufnehmen – auch wenn er den Teufel tun und das laut aussprechen würde – und Intelligenz fand Justus schon immer sehr anziehend. Neben ihrem durchaus ansehnlichen Dekolleté.
Was nicht erklärte, weshalb er sich gestern auf Peters Hals gestürzt hatte, als wäre er ein Stück Kirschkuchen. Justus rutschte unbehaglich auf seinem Stuhl hin und her. Es hatte sich einfach so gut angefühlt. Und schließlich war es nicht so, als hätte Peter ihn weggestoßen. Ganz im Gegenteil.
Doch jetzt erweckte der zweite Detektiv nicht den Eindruck, als würde er Justus gerne in seiner Nähe haben. Hoffentlich hatte er durch seine dämliche Reaktion gestern keinen irreparablen Schaden an ihrer Freundschaft angerichtet. Er hätte einfach ehrlich zu Peter sein sollen, statt sich in irgendwelche Ausreden zu flüchten. Ihm hatte es auch gefallen. Punkt. Sehr sogar. Ganz egal was das für seine Sexualität bedeutete. Jetzt musste er nur noch den Mut aufbringen das auch Peter zu gestehen.
Bob verlangte nach seiner Aufmerksamkeit, indem er ihn sachte mit dem Knie anstupste. „Hey… Kann ich mal kurz über etwas mit dir reden?“, fragte der dritte Detektiv leise.
Justus nickte. Er ahnte bereits, worüber Bob mit ihm sprechen wollte, war jedoch überrascht, als der aufstand und sich in die entgegengesetzte Ecke des Klassenzimmers verzog. Stirnrunzelnd folgte Justus ihm. Peter, der ihr Verschwinden natürlich mitbekam, sah ihnen irritiert hinterher, drehte dann jedoch hastig den Kopf zurück zum Fenster. Als würde es ihn gar nicht interessieren.
Bob lehnte sich mit der Schulter gegen die Wand, er sah auf einmal ziemlich blass aus.
Justus sah ihn forschend an, spiegelte seine Haltung. „Alles ok?“, fragte er. „Willst du dich vielleicht lieber hinsetzen? Du siehst aus als würdest du jeden Moment umkippen.“
Bob schüttelte den Kopf und leckte sich kurz über die Lippen. „Nein, ich bin nur nervös. Weil ich nicht weiß, ob du genau so scheiße reagierst wie Peter.“
Justus bemühte sich um einen verblüfft-verwirrten Gesichtsausdruck. Einmal mehr kam ihm dabei seine Vergangenheit als Schauspielkind zugute. Bob sollte nicht realisieren, dass er sein Geheimnis längst kannte. „Ich kann dir nicht ganz folgen, Dritter. Worauf hat Peter eine inadäquate Reaktion gezeigt? “
Bob trat unruhig von einem Bein aufs andere. „Es gibt da etwas, das du noch nicht von mir weißt.“
Leicht ungeduldig schüttelte Justus den Kopf. „Ja und? Jeder hat doch seine kleinen Geheimnisse.“
Der dritte Detektiv hielt inne und legte leicht den Kopf schief. „Ach wirklich? Du auch?“
Na super. In seinem Versuch Bob zu seinem Outing zu ermuntern hatte er sich nun selbst in die Bredouille gebracht. Justus versuchte es mit einem leisen Lachen abzutun. „Ja klar, ich auch.“
Bobs Miene war anzusehen, er würde liebend gerne näher auf Justus Geheimnisse eingehen, doch fürs erste schien er sich auf sein eigenes Anliegen zu konzentrieren, denn er räusperte sich. „Naja, jedenfalls, was ich dir sagen wollte: Ich bin…also wahrscheinlich…Keine Ahnung…“ Es war untypisch für Bob, so herumzustammeln. Normalerweise war der dritte Detektiv nicht um Worte verlegen.
Justus legte eine Hand auf seine Schulter und drückte sie leicht. „Beruhige dich, Dritter. Was auch immer es ist – ich reiße dir schon nicht den Kopf ab. Und ich bin mir sicher, auch unser Zweiter wird sich wieder beruhigen.“
Bobs Gesichtsausdruck verfinsterte sich für einen Moment, dann zuckte er geschlagen die Schultern. „Ich bin bi. Bisexuell, meine ich.“ Unwirsch kamen diese Worte, als hätte er sich innerlich bereits auf eine negative Reaktion von Justus eingestellt.
Der wandte für einen Moment den Blick ab, unsicher, wie er reagieren sollte. Nach der ganzen Sache mit Peter gestern, hatte er kaum Zeit gehabt, sich Gedanken um eine angemessene Reaktion auf Bobs Outing zu machen.
Bob schien sein Schweigen misszuverstehen, denn er stieß gekränkt die Luft aus und versuchte sich an ihm vorbeizudrängeln. Hastig griff Justus nach seinem Handgelenk, zog ihn wieder zu sich herum. Über Bobs Kopf hinweg tauschte er einen kurzen Blick mit Peter. Unabhängig davon, was gerade zwischen ihnen schieflief, ging es hier jetzt um Bob. Peter nickte ihm auffordernd zu.
„Jetzt warte doch mal, Dritter. Du lässt mir ja gar keine Zeit, etwas zu sagen.“
Bob entwand sein Handgelenk aus Justus festem Griff und verschränkte die Arme vor der Brust. Es zeigten sich hektische rote Flecken auf seinem Wangen. „Und? Was hast du zu sagen?“
Justus atmete einmal tief durch. „Es ist völlig okay, Bob. Das wollte ich sagen. Ich war nur… ein bisschen überrascht. Ist nicht so, als hättest du bisher irgendwann mal einen Jungen erwähnt.“
Wie er gestern schon zu Peter gesagt hatte, waren ihm Bobs Blicke in die Richtung mancher Männer durchaus aufgefallen. Aber das musste er dem dritten Detektiv ja nicht unbedingt auf die Nase binden.
„Tja, da gab es bisher auch nicht wirklich etwas zu erwähnen.“ Bob schien sich wieder etwas zu entspannen, denn er ließ die Arme fallen. „Es ist also kein Problem für dich?“
Justus schüttelte den Kopf. „Natürlich nicht. Und ich bin mir sicher, es ist auch kein Problem für Peter. Rede einfach nochmal mit ihm, okay?“
Bob zögerte kurz, dann nickte er leicht. „Ja, okay. Mache ich später. Danke, Just.“
„Nicht dafür.“ Das Klingeln der Schulglocke signalisierte das Ende ihrer Freistunde. „Na komm.“ Justus lief zurück zu seinem Platz. Als nächstes hatten sie Erdkunde. „Auf geht’s in den Regenwald von Borneo.“
Chapter 19: Trust me
Notes:
Twitter: @begon_ddf
Chapter Text
Nach Schulschluss enterten die drei Fragezeichen gemeinsam Peters MG um zum Schrottplatz zu fahren. Obwohl die Stimmung zwischen ihnen den ganzen Tag ein wenig angespannt gewesen war, schienen sie alle erpicht darauf, die Wogen zu glätten.
Peter rieb sich geistesabwesend über den Hals. Er hatte sich des Schals entledigt sobald die Fahrertür hinter ihm ins Schloss gefallen war. Er hasste Enge um seine Kehle. Das löste immer ein beklemmendes Gefühl in ihm aus. Allerdings hatte das Stück Stoff seinen Zweck erfüllt: Niemand hatte ihn auf die Knutschflecke angesprochen, die seine Haut dekorierten. Naja, keiner außer Bob.
Peter beobachtete den dritten Detektiv im Rückspiegel, während er den MG routiniert durch die Straßen von Rocky Beach manövrierte.
Bob sah geistesabwesend aus dem Fenster. Peter hatte in der Schule keine Gelegenheit gefunden, Justus unbemerkt zu fragen, worum sich sein Gespräch mit Bob heute Morgen gedreht hatte. Dem Anschein nach hatte sich Bob nun aber ebenfalls vor Justus geoutet. Gut. Ein Geheimnis zwischen ihnen weniger.
Peters Blick glitt nach rechts zu Justus, der selbstvergessen an seiner Unterlippe zupfte. Über irgendetwas grübelte er nach.
Peter war so damit beschäftigt, Justus zu betrachten, dass er die rote Ampel erst im letzten Augenblick bemerkte. Hastig und ein wenig zu heftig trat der zweite Detektiv auf die Bremse. Der MG kam ruckartig zum Stehen und alle drei Jungs wurden nach vorne katapultiert, ehe die Sicherheitsgurte sie wieder zurück in ihre Sitze presste. Hinter ihnen ertönte lautes Hupen.
„Peter!“, schimpfte Bob von der Rückbank. „Was war das denn?“
„Sorry!“ Peter umklammerte das Lenkrad etwas zu fest. „Rote Ampel. Habe ich zu spät gesehen.“
„Wenn das so ist, solltest du eventuell mal über einen Besuch beim Augenarzt nachdenken, Zweiter“, Justus kämpfte mit seinem Sicherheitsgurt, der seine Körpermitte einschnürte.
Peter lag es auf der Zunge, den ersten Detektiv darauf hinzuweisen, er alleine war der Grund für seine Abgelenktheit, aber in diesem Augenblick schaltete die Ampel wieder auf Grün und er fuhr schweigend weiter. Sie hatten sich heute schon seltsam genug benommen. Er musste Bob nicht noch mehr Grund für Argwohn geben.
Am Schrottplatz angekommen, trennten sich ihre Wege für eine kurze Zeit. Während Justus ins Haus eilte, um sich bei Tante Mathilda zurück zu melden, betraten Peter und Bob durch das Kalte Tor die Zentrale.
Sie waren das erste Mal heute alleine und ohne Justus, der die Stille füllte, wurde das Schweigen zwischen ihnen langsam unangenehm. Doch Bob machte keine Anstalten, mit ihm zu reden. Stattdessen steuerte er zielstrebig den Eingang zu seinem Archiv an.
Hastig griff Peter nach seinem Handgelenk und stoppte ihn damit mitten im Schritt. „Hey, jetzt warte doch mal. Wegen gestern…“
Ungewohnt ruppig löste sich Bob von ihm. „Als du einfach abgehauen bist, nachdem ich dir etwas sehr Persönliches mitgeteilt habe und stundenlang nicht mehr erreichbar gewesen bist?“
Peter schluckte. „Ja, schätze schon“, murmelte er kleinlaut. „Das war echt nicht cool von mir. Tut mir wirklich leid.“
Bob betrachtete ihn aus zusammengekniffenen Augen. „Ich muss dich ja echt verunsichert haben, wenn du gleich die nächstbeste…“, Bob räusperte sich, „das nächstbeste Mädchen flachlegst, nur um dir deine Heterosexualität wieder bewusst zu machen.“
Peters Wangen glühten. Allerdings aus anderen Gründen, als Bob vermutete. „Ich habe doch schon gesagt, ich habe nicht mit ihr geschlafen. Nur geknutscht.“
Bob rollte mit den Augen und wandte sich wieder ab. Hastig fügte Peter hinzu. „Es ist wirklich komplett in Ordnung, wenn du auch aus Jungs stehst. Ich… war nur überrumpelt. Gestern war so ein Mind-Fuck. Ich war komplett neben der Spur und habe deswegen anders reagiert, als ich es normalerweise tue.“
Bob murmelte etwas, das sich schwer nach „Wer’s glaubt“ anhörte, doch das ignorierte Peter geflissentlich. „Jedenfalls – meine Reaktion tut mir leid. Entschuldige bitte.“
Der dritte Detektiv seufzte. „Schon gut, vergeben und vergessen. Ich hätte damit vielleicht auch nicht so rausplatzen sollen in dieser…speziellen Situation.“
Peter ließ sich auf die durchgesessene Ledercouch fallen, die schon seit Ewigkeiten in der Zentrale stand. „Okay, dann also Neustart. Du trägst heute deinen Eyeliner gar nicht.“
Bob berührte reflexartig sein Gesicht, dann ließ er die Hand wieder fallen. „Ja, keine Ahnung. Ich hatte heute Morgen irgendwie nicht wirklich den Nerv mich zu schminken.“ Der Grund dafür war klar.
„Hast du ihn dabei?“, fragte Peter, stützte die Ellenbogen auf den Knien ab und beugte sich leicht nach vorne.
Bob stutzte. „Den Eyeliner meinst du?“, er betastete erst die linke, dann die rechte Hosentasche. „Ich glaube ich habe ihn heute Früh eingesteckt…Ja, hier.“ Bob zog den schwarzen Stift aus der Hosentasche und blickte Peter neugierig an. „Warum?“
„Ich dachte nur… Das Schwarz betont deine Augen wirklich gut und ich möchte nicht, dass meine blöde Reaktion gestern dich davon abhält, Makeup zu tragen. Wenn du das denn möchtest.“ Peter räusperte sich.
Das war einer der seltsamsten Unterhaltungen, die er je mit Bob geführt hatte. Die von gestern blieb allerdings ungeschlagen. Da hatte der dritte Detektiv allerdings auch wesentlich selbstbewusster gewirkt als er es jetzt tat, denn er zuckte nur unschlüssig mit den Schultern.
„Weiß nicht. Vielleicht lasse ich das lieber. Es war gestern dann echt strange zwischen uns und naja, ich brauche jetzt eigentlich keine Wiederholung.“
Peters Herz setzte einen Schlag aus. Eigentlich sollte er dankbar sein, doch stattdessen spürte er fast so etwas wie Enttäuschung.
Schnell stand er auf und pflückte Bob den Eyeliner aus der Hand. „Rede doch keinen Quatsch. Es muss nicht strange sein.“ Peter entfernte die Kappe des Stiftes.
Bob sah verwirrt zu ihm auf, die Brauen zusammengezogen. Aufgrund ihrer Größendifferenz von gut 15 cm musste er zu ihm hochsehen. Was nun von Vorteil war.
„Hast du etwas dagegen, wenn ich dich schminke?“, fragte Peter leise.
Bob wirkte überrascht, zögerte ein wenig, dann schüttelte er den Kopf. Er leckte sich kurz über die Lippen. „Nein, schätze nicht. Mach ruhig.“
Peter kam näher. Er hatte noch nie selbst Hand angelegt, hatte allerdings hunderte Male dabei zugesehen, wie Kelly Eyeliner aufgetragen hatte. Das konnte doch also nicht so schwer sein, oder?
Vorsichtig legte er eine Hand an Bobs Kinn, drehte sein Gesicht ein wenig. Seine Wange fühlte sich ein wenig rau unter seiner Handfläche an. Scheinbar hatte Bob sich heute Morgen nicht rasiert. Peter widerstand der Versuchung, weiter über die mit Bartstoppeln bedeckte Haut zu streicheln. Dieses Gefühl war neu für ihn und er wollte es jetzt lieber nicht näher analysieren.
Stattdessen konzentrierte er sich auf seine eigentliche Aufgabe.
Was gar nicht so einfach war, denn Bobs meerblaue Augen betrachteten ihn aufmerksam. „Guck mich nicht so an“, murmelte Peter. „Ich steche dir schon kein Auge aus.“ Vorsichtig setzte Peter den Eyeliner am unteren Wimpernkranz an.
Bob blinzelte heftig. „Der Eyeliner wäre dafür wahrscheinlich auch nicht spitz genug“, bemerkte er trocken. Dann hob er eine Hand und zog mit den Fingerspitzen des Ring- und Mittelfingers die empfindliche Haut unterhalb seines Auges ein wenig nach unten. „So, geht’s jetzt besser?“
Peter nickte. Durch die Straffung der Haut wurde die Wasserlinie sichtbar. Vorsichtig fuhr er mit der Spitze des Eyeliners darüber, färbte sie langsam schwarz.
Bob hielt ganz still, blinzelte nicht. Peter wurde bewusst, wie groß sein Vertrauen in ihn sein musste, um ihn so dicht an sich ranzulassen.
„So“, Peter setzte den Stift ab und betrachtete sein Werk. Für das erste Mal fand er es gar nicht schlecht. Er hatte ein wenig mehr Farbe aufgetragen als Bob es getan hatte, aber dadurch strahlte das Blau seiner Augen nur noch mehr. „Jetzt fehlt noch die andere Seite.“
Bob nickte schweigend und wechselte die Hand vom rechten zum linken Auge. Peter trug den Eyeliner auch dort auf, achtete darauf, genau so viel Farbe zu verwenden.
Zufrieden trat er schließlich zurück. „Fertig. Was sagst du?“, lächelnd schob Peter die Kappe zurück auf den Stift.
Bob betrachtete sich prüfend im kleinen Spiegel über dem Waschbecken. Dann grinste er. „Sieht gut aus, danke. Vielleicht solltest du eine Karriere als Make-Up-Artist in Erwägung ziehen.“
Peter lachte. „Nee, nee, das überlasse ich lieber anderen.“ Impulsiv trat er einen Schritt vor und zog Bob in eine Umarmung. „Mein Verhalten gestern tut mir wirklich leid. Es ist nur…momentan ist alles so verwirrend und...keine Ahnung. Ich will mich nicht mit dir streiten.“
Verdattert blickte Bob zu Peter hoch, erwiderte jedoch seine Umarmung. Früher hatten sie sich öfter berührt und umarmt, seit Eintreten der Pubertät – und dem Interesse am anderen Geschlecht – war das jedoch immer seltener geworden.
Peter spürte, wie Bob ihn an sich drückte. „Ich weiß, was du meinst. Oder ich ahne es zumindest. Manchmal entdecken wir Aspekte an uns, von denen wir selbst überrascht sind. Das muss aber nichts Schlechtes sein, Peter.“
„Ich weiß.“ Peter stützte das Kinn auf Bobs Kopf, der sein Gesicht an seiner Schulter verbarg. Seine Augen und sein Mund waren somit genau auf Höhe des dunkelsten Knutschflecks am Übergang zwischen Hals und Schulter.
„Hat das nicht weh getan?“, wisperte Bob leise. Fast meinte Peter die Berührung von Lippen an seinem Hals wahrzunehmen. Aber das bildete er sich bestimmt nur ein.
Trotzdem schauderte er leicht. „Nein“, antwortete er ebenso leise. „Ich meine, nicht sehr. Ich…mag es manchmal etwas rauer.“
Bob gab ein unbestimmtes Brummen von sich. Peter wurde bewusst, es war vielleicht nicht die allerklügste Idee über seine sexuellen Präferenzen zu sprechen, während er einen seiner besten Freunde im Arm hielt. Vor allem, wenn sein anderer bester Freund für diese Flecken verantwortlich war.
Doch gerade als Peter die Umarmung lösen wollte, hielt Bob ihn für einen Moment fester. Er blickte auf seinen blonden Scheitel hinab. Bobs Gesichtsausdruck konnte er nicht sehen. „Alles okay?“
„Hmm“, Bob seufzte leise. Ein Geräusch, das seltsame Sachen mit Peters Magen anstellte. „Ja. Ich brauche das nur gerade. Man fühlt sich so sicher, wenn du einen hältst. Das ist echt nice, man.“
Wahrscheinlich meinte Bob das auf reine rein kumpel-bro-mäßige Art und Weise, trotzdem errötete Peter bis unter die Haarspitzen. „Freut mich, dass ich gute Umarmungen gebe“, versuchte er zu scherzen. Bob nickte an seiner Schulter.
In diesem Augenblick wurde die Falltür der Zentrale aufgestoßen und Justus dunkler Schopf erschien. „Wenn ihr dann fertig seid mit Kuscheln, Kollegen, hätte ich dann Arbeit für uns. Ich rufe euch schon seit gefühlten Stunden.“ Er war eindeutig genervt.
Chapter 20: Would you?
Notes:
Damit euch über die Feiertage der Lesestoff nicht ausgeht, hier das nächste Kapitel :) Schöne Feiertage und Frohe Ostern an alle, die feiern!
Chapter Text
Als Justus Stimme ertönte löste Peter hastig ihre Umarmung und wich zurück. Bob kniff leicht die Augen zusammen. Für einen Moment hatte er einen beinahe schuldbewussten Ausdruck auf Peters Gesicht wahrgenommen. Oder täuschte er sich?
„Sorry, Just. Wir kommen schon.“ Peter beeilte sich Justus durch die Falltür zu folgen und Bob schloss sich ihm seufzend an.
Draußen wartete bereits Tante Mathilda auf sie. Titus Jonas resolute Ehefrau hatte die Hände in die Hüften gestemmt. Als sie Peters Hals bemerkte, formten sich ihre Lippen kurz zu einem überraschten O. Doch wundersamerweise enthielt sie sich jeden Kommentares. Den Grund dafür lieferte Tante Mathilda auch gleich selbst. Sie brauchte die Jungs mal wieder als Aushilfen. „Peter, Bob! Gut, da seid ihr ja endlich. Wir haben eine ganze Wagenladung Schrott…“
„Antiquitäten, meine Liebe, es sind Antiquitäten! Wahre Schätze! Die Puppe hier zum Beispiel wird ein kleines Mädchen sehr glücklich machen.“ Justus Onkel tauchte hinter ihr auf, schwenkte freudestrahlend eine dunkelhaarige Puppe aus Keramik.
Peter entgleisten bei ihrem Anblick die Gesichtszüge. „Aber…aber Mister Jonas, haben Sie denn nicht Annabelle den Horrofilm gesehen? Ich schwöre, das Ding sieht genauso aus. Eins zu Eins!“
Für einen Moment betrachteten alle Anwesenden die Puppe. Und Bob musste zugeben, die hatte tatsächlich eine frappierende Ähnlichkeit zu Annabelle aus dem gleichnamigen Film.
Doch Onkel Titus winkte ab. „Ach papperlapapp. Die wird in Null Komma Nichts verkauft sein.“ Er strich mit Daumen und Zeigefinger über seinen Schnauzer. „Peter, wenn du schonmal hier bist, könntest du mir vielleicht mit den Möbeln helfen?“ Er wies auf einen mit einer Plane bedeckten Haufen am anderen Ende des Schrottplatzes. „Die müssen ins Trockene geschafft werden.“
„Klar, Mr. Jonas. Hauptsache Sie halten mir diese Mörderpuppe vom Leib.“ Peter schauderte sichtbar.
Justus verdrehte die Augen. „Zweiter, haben wir nicht mittlerweile genug Geister und Gespenster enttarnt? Das ist einfach nur eine alte Puppe.“
Doch der zweite Detektiv schüttelte entschieden den Kopf als er Justus Onkel folgte. „Mörderpuppe. Ich sag’s euch.“
Tante Mathilda schnalzte mit der Zunge. „Wie auch immer. Könntet ihr Beiden bitte den Transporter entladen? Das sollte zu zweit machbar sein. Als Belohnung gibt es später Kirschkuchen!“
Bob nickte, seine Miene hellte sich auf. Auch wenn er die Plackerei ganz und gar nicht schätzte – die Aussicht auf Kirschkuchen dafür umso mehr. Abgesehen davon hatte er vielleicht die Gelegenheit mit Justus über das seltsame Verhalten von ihm und Peter zu sprechen.
Die beiden Detektive schlenderten zu dem alten blauen Transporter, mit dem Onkel Titus seinen Trödel zusammenfuhr. Zum Glück war er nicht so hoch beladen wie Bob befürchtet hatte. Scheinbar war die heutige Tour nicht so erfolgreich wie sonst.
Justus betrachtete ebenfalls die Ladefläche, die Stirn verärgert gerunzelt.
Bob beschloss gleich zum Punkt zu kommen. „Ziehst du so ein Gesicht, weil wir Trödel schleppen müssen oder weil Peter mich umarmt hat?“
Justus ignorierte Bobs Blick als er sich in Bewegung setzte um geschickt auf die Ladefläche des Transporters zu klettern. „Ich kann dir nicht folgen, Dritter. Warum sollte ich schlechte Laune haben, weil Peter dich umarmt?“
Bob lehnte sich mit der Schulter gegen die seitliche Begrenzung der Ladefläche und sah zu Justus hoch. „Keine Ahnung. Sag du’s mir.“
Für einen Moment herrschte spannungsgeladene Stille, dann wandte sich Justus ab und griff wortlos nach einem Holzschaukelpferd. Es war offensichtlich schwerer als gedacht, denn er ächzte leise als er es über die Reeling wuchtete.
Hastig griff Bob danach, taumelte unter dem Gewicht ein paar Schritte zurück, ehe er es fluchend am Boden absetzte. Als er wieder aufblickte, hatte sich Justus schon das nächste Teil gegriffen und hielt es ihm hin.
Okay. Anscheinend wollte er wirklich nicht darüber reden. Bob kannte Justus lange genug um zu wissen, jegliches Nachbohren war jetzt sinnlos. Der erste Detektiv hatte einen legendären Sturkopf. Umso mehr er gedrängt wurde, umso stiller wurde er.
Da war er anders als Peter. Der brauchte ab und an einen kleinen Schubs, damit er den Mund aufmachte. Wenn Bob ein paar Antworten haben wollte, musste Justus jedoch von sich aus anfangen zu reden.
Eine Weile arbeiteten sie schweigend. Seit dem Wochenende hatte die Temperatur zugenommen und obwohl es noch nicht Hochsommer war, kam Bob doch recht schnell ins Schwitzen. Irgendwann zog er sein Shirt aus und stopfte es so gut es ging in die hintere Hosentasche.
Er dachte sich nichts dabei, bis er Justus entgeisterten Blick bemerkte. Irritiert sah er an sich herunter, konnte aber nichts entdecken, was seine Reaktion erklären würde.
Als er den Kopf wieder hob, hatte Justus sich aufs Neue weggedreht, seine Miene noch düsterer als eben.
Jetzt wurde es Bob zu bunt. „Man, Justus!“, donnerte er. „Verrätst du mir jetzt endlich mal, was hier los ist?“
Justus war unter seinen lauten Worten zusammengezuckt und verschränkte jetzt abwehrend die Arme vor der Brust. Er schwieg hartnäckig, aber immerhin flüchtete er sich nicht in Ausreden. Dafür kannten sie sich auch viel zu lange.
„Hör zu“, versuchte es Bob auf eine andere Weise. „Falls meine sexuelle Orientierung doch ein Problem sein sollte, dann…dann…“, er kam ins Stottern.
Bob musste zugeben, er hatte in seinem Kopf kein Szenario durchgespielt, in dem Justus und/oder Peter ernsthaft ein Problem mit seiner Sexualität hatten. Er hatte vermutet, sie würden vielleicht ein wenig Zeit brauchen, um sich daran zu gewöhnen. Was auch vollkommen okay war. Aber sie deswegen zu verlieren… Bobs Kehle zog sich zusammen. „Ist sie ein Problem?“
Justus antwortete nicht gleich. Er starrte eine Weile finster vor sich hin und gerade als Bob es kaum noch aushielt ließ er die Arme fallen und lehnte sich mit dem Rücken gegen die Ladefläche. „Nein, deine Sexualität ist nicht das Problem.“
Er betonte das ‚deine‘ so seltsam, Bob stutzte. „Schön das nochmal zu hören. Aber wessen Sexualität ist dann das Problem?“, hakte er nach.
Wieder dauerte es eine Weile, bis Justus antwortete. Als er es schließlich tat, war es so leise, Bob musste näherkommen, um ihn besser zu verstehen. „Meine eigene, schätze ich.“ Justus fuhr sich mit einer Hand über das Gesicht, er sah auf einmal müde aus.
Bob zog für einen Augenblick überrascht die Augenbrauen zusammen. Mit einem kurzen Blick über die Schulter vergewisserte er sich, dass niemand sonst in der Nähe war. Jedoch schleppten Onkel Titus und Peter noch immer ein einiger Entfernung Möbel und Tante Mathilda war im Haus verschwunden. Wahrscheinlich um den Kaffeeklatsch vorzubereiten.
„Okay, das musst du mir schon näher erklären, Erster. Jetzt kann nämlich ich dir nicht ganz folgen.“ Kurzentschlossen ließ Bob sich im Schatten des Transporters auf den Boden nieder und klopfte einladend neben sich.
Justus folgte zögernd seinem Beispiel. Er rang sichtlich nach Worten. „Dir das zu erklären ist nicht ganz einfach für mich, Bob. Es gibt da ein paar Sachen…und es ist nicht an mir dir das zu erzählen und…“, er brach ab. Justus Jonas erlebte man wirklich selten sprachlos aber jetzt wusste er scheinbar tatsächlich nicht, was er sagen sollte.
Bob ging in Gedanken die Geschehnisse der letzten Tage durch. Was konnte passiert sein, das den sonst so ausgeglichenen Justus dermaßen durcheinanderbrachte? Plötzlich fiel es Bob wie Schuppen von den Augen. Alles ergab auf einmal Sinn. Peters und Justus seltsames Verhalten seit gestern. Justus Genervtheit, als Peter ihn umarmt hatte. „Das Mädchen, das Peters Hals so zugerichtet hat…Das Mädchen war kein Mädchen, nicht wahr?“, fragte Bob langsam. „Das warst du!“
Justus antwortete nicht. Aber das musste er auch nicht. Sein Gesichtsausdruck sagte alles. Bobs Kinnlade klappte nach unten. „Ich wusste, ich habe mir Peters Blick in meine Richtung nicht nur eingebildet!“, stieß er aus. „Er war lowkey angemacht von mir. Und dann ist er zu dir…“
Justus starrte zu Boden. Bob konnte seine Miene nicht wirklich deuten, jedoch meinte er für einen Augenblick so etwas wie Verletztheit zu sehen. Doch der Ausdruck verschwand so schnell wie er gekommen war. „Und ich war halt da. So wird’s wohl gewesen sein“, murmelte Justus.
Bob konnte es nicht fassen. Seine zwei besten Freunde hatten miteinander rumgemacht. Seltsamerweise war er nicht wütend oder verletzt. Nach den Ereignissen der letzten Tage hatte er vielleicht auch ein bisschen Eifersucht auf Justus erwartet. Aber als er jetzt in sich hineinhorchte, fühlte er nichts dergleichen. Nur ein wenig…Neid? Darüber musste er sich wann anders den Kopf zerbrechen.
„Wie ist das passiert?“, fragte er leise.
Jetzt wo das Geheimnis raus war, schien Justus das Bedürfnis zu haben, es sich von der Seele zu reden. „Er stand gestern Abend auf einmal vor meiner Haustür, völlig aus dem Häuschen. Dein Outing und seine plötzliche Reaktion auf dich… Er stand komplett neben sich.“ Justus nagte an seiner Unterlippe. „Nicht zu vergessen, er hatte ja vormittags schon das ganze Kelly-Drama. Es war wahrscheinlich einfach ein bisschen viel auf einmal. Peter meinte, er weiß nicht, warum er so auf dich reagiert hat und ob es nur dem Tag geschuldet war oder ob…“, Justus zuckte mit den Schultern. „Daher habe ich ein Experiment vorgeschlagen. Er würde mich – einen anderen Jungen – küssen und wir sehen, was passiert.“ Sein Gesicht nahm einen trotzigen Ausdruck an. „Ich schwöre, ich habe mir nichts dabei gedacht. Ich wollte ihm nur helfen und dachte nicht, selbst daraus irgendwelche Erkenntnisse ziehen zu können. Und dann ist es irgendwie komplett ausgeartet. Seitdem ist alles anders zwischen uns.“
Bob lachte ungläubig auf. „Ja, wer hätte gedacht, Rummachen mit dem besten Freund würde irgendetwas ändern. Nicht deine klügste Aktion, Erster.“
Justus ließ leicht den Kopf hängen, widersprach jedoch nicht.
„Vorhin, als Peter mich umarmt hast… Warst du da eifersüchtig?“, fragte Bob vorsichtig.
Der erste Detektiv seufzte leise. „Nicht direkt eifersüchtig, eher…neidisch? Es ist albern ich weiß. Du warst es, der ihn so durcheinandergebracht hat. Nicht ich. Aber ja… Ich habe die ganze Nacht und den ganzen bisherigen Tag darüber nachgedacht. Es hat mir gefallen Peter zu küssen und das könnte unsere Freundschaft irreparabel beschädigen. Denn er hat mich geküsst und an dich gedacht.“
Bob wurde gerade einiges klar. Unter anderem auch, warum Justus vorhin so grimmig dreingesehen hatte, als er sein T-Shirt auszog. Sein Körper war schon immer seine größte Unsicherheit und der dritte Detektiv war nun mal kleiner und schmaler als Justus.
Bob leckte sich kurz über die Lippen. „Das glaube ich nicht, Just. Peter sagte vorhin, er mag es rau von Zeit zu Zeit. Nicht unbedingt mein Ding. Ich denke, ihm war sehr bewusst, wer ihn da gerade küsst.“
Justus schüttelte den Kopf. „Spielt ja auch keine Rolle. Das war eine einmalige Sache. Er hat die Antwort, die er haben wollte.“ Er betrachtete Bob von der Seite. „Wie sieht’s bei dir aus, Dritter? Würdest du gerne mit Peter…?“
So direkt danach gefragt, zuckte Bob ein wenig zurück. „Ich…keine Ahnung“, stammelte er. „Manchmal denke ich ja…Und dann schimpf ich mich einen Vollidioten. Wie du auch schon festgestellt hast, das könnte unsere Freundschaft ruinieren. Und bisher hatte er ja zudem eine Freundin. Das war alles nur in meinem Kopf. Außerdem…“, Bob verstummte.
„Außerdem was?“, fragte Justus. Er rupfte ein paar Grashalme aus dem trockenen Boden.
„Ich habe Angst mich zu blamieren.“ Bob wurde rot. „Er hat jetzt schon mit einem Jungen rumgemacht. Ich nicht.“
„Da blamierst du dich bestimmt nicht. Wir haben nur geknutscht, Dritter. Mehr ist nicht passiert.“ Justus wollte ihn mit seinen Worten bestimmt nur beruhigen doch stattdessen brachten sie Bob auf eine Idee.
„Sag mal, Erster?“
„Ja?“
„Würdest du mich auch küssen?“
Chapter 21: Not your toy
Notes:
Ich sag's euch - die nächsten Teile der Geschichte haben mir ordentlich Nerven gekostet. Ich hatte über Ostern schon vier weitere Kapitel geschrieben, nur um gestern 2 1/2 davon wieder den digitalen Lokus runterzuspülen. Hat einfach nicht gepasst. Aber jetzt passt es (hoffentlich).
Und ich weiß, ihr wollt ein bisschen Action zwischen den Jungs... Damit euch mein Character Development-Geschwafel nicht zu sehr langweilt, gibts drei Kapitel auf einmal. Und ich hoffe das dritte Kapitel ist dann auch was für die Spice-Liebhaber ;D
Chapter Text
Justus glaubte sich verhört zu haben. „Wie bitte?“
Doch Bob wiederholte seine Frage. „Würdest du mich auch küssen?“
In Justus machte sich ein seltsames Gefühl breit. „Findest du das irgendwie witzig, Bob?“
Der blinzelte verwirrt. „Witzig? Nein, eigentlich nicht?“
Justus stand auf und klopfte sich den Staub vom Hosenboden. Sein Gesichtsausdruck hatte sich verhärtet. „Ich bin doch nicht euer persönliches Testobjekt.“ Obwohl er versuchte so gelassen wie möglich zu bleiben, vibrierte seine Stimme ein wenig.
Bob erhob sich langsam. „Das…wollte ich damit auch nicht ausdrücken, Just. Ich wollte nur…“
Doch der unterbrach ihn harsch. „Was auch immer sich zwischen dir und Peter entwickeln wird oder auch nicht, das hat nichts mit mir zu tun. Mein Kuss mit ihm gestern war eine einmalige Sache. Ich wollte ein guter Freund sein und hab jetzt selbst etwas, über das ich nachdenken muss. Aber das gibt dir nicht das Recht, mich auszunutzen, um mit Peter gleichzuziehen oder weiter deine Sexualität zu erforschen. Ich bin doch kein Spielzeug!“
Justus war nicht bewusst, wie wütend er war, bis er diese Worte hervorstieß.
Bob hob abwehrend die Hände. „Justus, ich wollte wirklich nicht…“
„Lass es einfach, Bob. Reden wir nicht mehr darüber.“ Justus warf einen kurzen Blick auf die mehr oder weniger leere Ladefläche. „Den Rest schaffst du bestimmt alleine. Ich brauche jetzt etwas Zeit für mich.“ Mit diesen Worten stapfte er davon und ließ Bob einfach stehen, ohne ihm die Gelegenheit für eine Erwiderung zu geben.
Kurz überlegte Justus sich in die Zentrale zu verziehen, dafür hätte er allerdings an Onkel Titus und Peter vorbeigemusst. Darauf hatte er nun wirklich keine Lust. Die würden nur Fragen stellen.
Deswegen steuerte er das Haus an. Er hatte die Hoffnung, unbemerkt in sein Zimmer schleichen zu können, doch leider streckte Tante Mathilda den Kopf aus der Küche, sobald er die Haustür hinter sich ins Schloss drückte.
„Oh, seid ihr schon fertig?“, fragte sie.
Justus schüttelte den Kopf und starrte auf seine Schuhspitzen. „Noch nicht ganz. Aber…mir geht’s nicht so gut, deswegen wollte ich mich etwas hinlegen.“ Das war noch nicht mal richtig gelogen. Ihm war wirklich nicht sonderlich wohl. Nur hatte das nichts mit einer Erkrankung zu tun.
„Wirklich?“ Tante Mathilda kam aus der Küche und legte ihrem Neffen prüfend die Hand auf die Stirn. „Hmm, Fieber hast du jedenfalls nicht.“
Für einen Moment atmete Justus tief den vertrauten Geruch seiner Tante ein. Kirschkuchen und das Parfüm, das sie schon seit Ewigkeiten benutzte. Vertraut. Zuhause. Justus schluckte hart. Er brauchte nicht aufzusehen, um zu wissen, Tante Mathilda musterte ihn besorgt. Er wollte ihr keinen Anlass zur Beunruhigung geben.
„Nein, wahrscheinlich bin ich einfach nur übermüdet. Habe heute Nacht nicht viel Schlaf bekommen“, murmelte er. „Ein, zwei Stunden Schlaf und alles ist wieder gut.“
Seine Tante gab einen zweifelnden Laut von sich, hielt ihn aber nicht auf, als er auf die Treppe zusteuerte. Er war schon fast oben angekommen, als sie nochmal seinen Namen rief. „Justus?“
„Ja?“, Justus drehte sich halb um.
Tante Mathilda stand am Treppenanfang und sah mit gerunzelter Stirn zu ihm hoch. „Ist wirklich alles in Ordnung? Diese monströsen Flecken an Peters Hals…und trägt Bob etwa neuerdings Make-Up? Ihr Jungs steckt doch nicht in Schwierigkeiten oder?“, fragte sie. „Dein Onkel und ich wissen, in eurem Alter kann manchmal alles ziemlich kompliziert und überwältigend sein. Ich möchte dir nur sagen, Titus und ich sind immer für dich da. Du kannst mit uns über alles reden, falls du Fragen oder Sorgen hast.“
Justus Augen begannen zu brennen. Zum Glück war er bereits weit genug von ihr entfernt, damit sie den Glanz in seinen Augen nicht sah. Er räusperte sich. „Klar, das weiß ich doch. Aber es ist wirklich nur die Müdigkeit. Trotzdem danke, Tante.“ Damit wandte er sich hastig ab und sprang immer zwei Stufen auf einmal nehmend weiter die Treppe hinauf.
In seinem Zimmer angekommen schloss er erleichtert die Tür hinter sich und lehnte sich seufzend dagegen. Ein, zwei weitere liebevolle Sätze von Tante Mathilda und er wäre wahrscheinlich in Tränen ausgebrochen. Er konnte sich nicht wirklich daran erinnern, wann er zuletzt geweint hatte.
Justus wischte sich kurz über die Augen, dann ließ er sich ins Bett fallen. Seine Tante und sein Onkel hatten schon oft angeboten, das alte Bett gegen ein neues, breiteres auszutauschen, doch bisher hatte er nie die Notwendigkeit gesehen.
Bis auf Peter und Bob übernachtete nie jemand hier und ihr Schlafarrangement funktionierte seit Jahren hervorragend.
Er schluckte und schlang die Arme um sein Kopfkissen, knautschte es zusammen. Das Gespräch mit Bob hallte noch immer in seinem Kopf wider.
„Er war lowkey angemacht von mir und dann ist er zu dir…“
„Ich habe mir seinen Blick nicht nur eingebildet…“
„Würdest du mich auch küssen? Ich will mich nicht blamieren.“
Himmel nochmal. Als er Peter angeboten hatte, sein Testobjekt zu sein, war er sich der Tragweite seiner Entscheidung absolut nicht bewusst gewesen. Er hatte nicht gelogen, als er zu Bob sagte, er wollte Peter nur helfen. Bevor sie sich geküsst hatten, hatte er nicht wirklich erwartet, dabei irgendetwas zu fühlen.
Die wenigen Küsse, die er bisher mit Mädchen getauscht hatte waren…schön. Ja, es war angenehm und Justus hatte eine gewisse Erregung verspürt. Aber diese Küsse waren nichts im Vergleich dazu, was er bei Peter gefühlt hatte. Seine komplette Welt – und Selbstidentifikation – wurde aus den Angeln gehoben.
Vielleicht fühlte es sich deswegen so mies an zu wissen, Peters Erregung war hauptsächlich durch die Situation mit Bob vorher entstanden. Er hatte die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, etwas Entspannung zu finden. Welcher Teenager-Junge würde das schließlich nicht? Und es war ja nicht so, als ob er Justus zu irgendetwas gezwungen hätte.
Justus drehte sich vom Bauch auf den Rücken und winkelte einen Arm hinter dem Kopf an. Es war auch nicht Peters Schuld, wenn er Bob attraktiver fand als ihn. Justus blickte bitter an sich runter. Obwohl er schon einmal mehr Gewicht mit sich herumgeschleppt hatte, war er immer noch weit davon entfernt so schlank zu sein wie Bob.
Apropos Bob. Justus presste die Lippen zusammen. Er hatte es kaum fassen können, mit welcher Selbstverständlichkeit der ihn gefragt hatte, ob Justus ihn auch küssen könne. Als ob es keine große Sache wäre.
Wobei…für Bob war es vermutlich wirklich keine große Sache. Er fand Justus schließlich nicht auf diese Weise anziehend. Nicht so wie Peter. Für ihn war er einfach nur ein Paar männlicher Lippen, die man sich für Übungszwecke ausborgen konnte wie geliehene Inlineskates.
Dass an diesem Paar Lippen aber auch noch der Rest von Justus hing – ein Mensch mit Gefühlen – schien ihm nicht bewusst zu sein. Oder es war ihm egal.
Letzteres wollte Justus eigentlich nicht glauben. Bob war normalerweise der Sensibelste von ihnen. Umso mehr hatte ihn seine unverblümte Frage überrascht. Das war normalerweise so gar nicht Bobs Art.
Justus seufzte. Aber was war dieser Tage schon normal?
Chapter 22: Messed up
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Ächzend stellte Peter die letzte Kommode ab, die er gemeinsam mit Onkel Titus unter den kleinen Unterstand am Rande des Schrottplatzes geschleppt hatte. „So“, erleichterte richtete er sich wieder auf. „Das war dann alles.“
„Danke dir, Peter. Ihr Jungs seid uns wirklich eine große Hilfe.“ Onkel Titus stützte mit einer Hand seinen Rücken. Seit einem Bandscheibenvorfall vor einigen Jahren musste er vorsichtig sein, wie viel Gewicht er hob. Nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für einen Schrottplatzbesitzer.
Peter wusste noch genau, wie besorgt Justus damals um seinen Onkel gewesen war. Nach dem Verlust seiner Eltern war er zu nichts zu gebrauchen, wenn einer seiner engen Bezugspersonen im Krankenhaus war. Auch wenn es sich nur um eine Routine-OP handelte.
Was Peter jedoch mehr als verständlich fand. Daher hatte er auch absolut kein Problem damit, Onkel Titus beim Tragen der Möbel zur Hand zu gehen. Er hatte momentan ohnehin nichts Besseres zu tun. „Kein Problem, Mr. Jonas. Damit spare ich mir schon das Krafttraining im Fitnessstudio.“
Ihr Gespräch wurde unterbrochen als Bob zu ihnen unter die Überdachung trat. Justus war nirgends zu sehen. „Seid ihr auch fertig?“, fragte Peter, wischte seine staubigen Hände notdürftig an seiner Jeans ab. „Just ist schon reingegangen?“
Bob nickte. „Ja, er ist schon ins Haus. Meinte, es geht ihm nicht so gut. Tante Mathilda hat Kirschkuchen gebacken, aber den lässt er heute glaube ich ausfallen.“
Peter war schlagartig alarmiert. Justus und kein Kirschkuchen? Auf der Herfahrt war doch noch alles in Ordnung gewesen? Irgendwas musste vorgefallen sein.
Doch bevor er dazu kam, bei Bob nachzuhaken, bemerkte er wie der unauffällig das Kinn hob, um auf Onkel Titus zu weisen.
Okay. Was auch immer passiert war, es war scheinbar nichts, das für die Ohren von Justus Onkel bestimmt war.
„Zweiter, mir fällt gerade ein, wir müssen unbedingt noch…den alten Aktenschrank in der Zentrale umräumen, bevor wir reingehen.“ Bobs Ausrede, nicht mit Onkel Titus zurück ins Haus kehren zu müssen, war zumindest für Peter recht offensichtlich.
Aber Onkel Titus nickte nur. Entweder bemerkte er die Lüge wirklich nicht, oder er war klug genug zu erkennen, wann er unerwünscht war. „Na klar, Jungs. Dann sehen wir uns gleich.“
Peter wartete, bis sich Justus Onkel weit genug entfernt hatte, dann wandte er sich mit einem fragenden Gesichtsausdruck an Bob.
Doch der schüttelte den Kopf. „Nicht hier.“ Peter bekam ein mulmiges Gefühl als er Bob durch das Kalte Tor in die Zentrale folgte. Bob machte ein so ernstes Gesicht wie selten. Sie waren doch kaum eine Stunde voneinander getrennt gewesen. Was war vorgefallen?
Bob ließ sich auf Justus Schreibtischstuhl fallen, während sich Peter auf die durchgesessene alte Ledercouch fallen ließ.
„Verrätst du mir jetzt, was eigentlich los ist?“, fragte Peter. „Warum geht es Justus auf einmal nicht gut? Vorhin war doch noch alles okay?“
Bob sah nebenbei bemerkt auch nicht aus wie das blühende Leben. Er beugte sich vor und stützte die Ellenbogen auf den Knien ab. „Ich glaube, ich habe Mist gebaut. Unabsichtlich. Ich wollte eigentlich etwas ganz anderes ausdrücken und Just hat das in den völlig falschen Hals bekommen.“
Jetzt wusste Peter zwar, Justus war sauer auf Bob – allerdings nach wie vor nicht warum. „Kannst du mir eventuell etwas Kontext geben, Dritter?“, fragte er. „Ich verstehe nur Bahnhof.“
Bob seufzte. „Na schön. Ich weiß, das mit deinem Hals war kein Mädchen. Sondern Justus.“
Für einen Moment schien die Zeit stillzustehen. Peters Gesichtsausdruck fror ein und ihm war abwechselnd heiß und kalt. „W-was?“, brachte er hervor, viel zu quietschig.
Bob lehnte sich in seinem Stuhl zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. „Justus hat nichts verraten. Ich bin selbst darauf gekommen und sein Schweigen war dann Antwort genug.“
Fuck. Fuckfuckfuck. Peter leckte sich kurz über die Lippen. Was zur Hölle sollte er sagen? „Ich…ich war gestern wirklich verwirrt. Die Trennung von Kelly…und dann…“, die Situation in Bobs Zimmer. Peter sprach es nicht aus, aber er war sich sicher, Bob wusste auch so, was er ausließ. „Dann bin ich zu Justus. Und…und…“, er stammelte nur.
Bob fuhr sich mit einer Hand über das Gesicht. „Ich weiß. Nachdem ich es erraten hatte, hat Justus mir erzählt wie es dazu gekommen ist.“
Peter ließ sich langsam gegen die Lehne zurücksinken. In seinem Kopf drehte sich alles.
Trotzdem konnte er es sich nicht verkneifen zu fragen: „Hat er dir auch erzählt, wie er mich danach mehr oder weniger rausgeworfen und gesagt hat, mit jedem anderen wäre es genauso gewesen?“
Bob zog eine Augenbraue hoch. „Nein, das hat er wohl vergessen zu erwähnen.“
Für einen Moment herrschte Schweigen in der Zentrale. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach, doch Peter spürte wie Bob ihn unauffällig musterte.
„Ich weiß, was du jetzt denkst, Dritter.“ Er verschränkte die Arme vor der Brust.
Bob spiegelte seine Haltung. „Was denke ich denn?“
„Dass ich irgendwie bi bin oder so. So wie du.“ Peter rieb sich mit einer Hand über den Oberarm.
„Der Gedankengang ist naheliegend, ja.“ Der sonst so diplomatische Bob war heute ungewohnt direkt. Er beschönigte nichts.
„Das weiß ich aber nicht“, stieß Peter hart hervor. „Bis gestern habe ich mir noch nie Gedanken um irgendeinen Jungen gemacht. Und dann kommst du mit deinem Outing ums Eck und alles geht den Bach runter.“
„Ach, jetzt ist es also meine Schuld?“ Bobs Stimme klang gepresst.
„Nein. Ja, irgendwie schon. Aber nicht direkt.“ Peter merkte selbst wie dämlich er sich anhörte.
Bob warf ihm einen undefinierbaren Blick zu als er aufstand um in der Zentrale auf und ab zu laufen. „Wenn und falls du auch Männer anziehend findest, hat das absolut nichts mit meinem eigenen Outing zu tun, Zweiter. Das als Ausrede für deine Verwirrung her zu nehmen ist echt arschig. Das alles ist auch nicht einfach für mich.“ Er blieb ruckartig stehen und sah Peter wütend an.
Der wand sich unter seinem Blick. Natürlich wusste er, Bob hatte recht. Aber es zu wissen und es zuzugeben waren zwei verschiedene Paar Stiefel.
„Ich bin momentan einfach völlig von der Rolle, okay? Es tut mir leid, falls ich dich verletzt habe. Das war nicht meine Absicht. Ich glaube, ich habe einfach eine komplette Identitätskrise.“
„Die haben wir alle.“ Bob ließ sich schwer auf Justus Schreibtischstuhl fallen. „Ich hab’s gerade eben auch völlig mit Justus vermasselt.“
Froh erstmal vom Haken zu sein, beugte sich Peter wieder vor. „Was ist denn passiert?“
Bob seufzte und blickte die Decke an. „Ich habe ihn gebeten, mich zu küssen.“
Peter blinzelte. „Bitte was?“
„Du hast schon richtig gehört“, trotzig kamen diese Worte. „Ich wollte, dass Justus mich küsst.“
Peter starrte Bob einfach nur an. Er wusste überhaupt nicht, wie er reagieren sollte. Sollte er eifersüchtig sein? Falls ja, auf wen? Sollte es ihm egal sein? Sein Blick glitt zur Falltür. Das war der schnellste Weg aus der Zentrale.
Bob schien seinen Gedankengang zu erraten, denn er sprang auf und stellte sich demonstrativ auf die Luke. Der Wohnwagen hatte noch andere Ausgänge, aber die Message war klar. „Oh nein, du haust nicht wieder ab. Wir reden jetzt darüber.“
Doch Peter hatte das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen. Fühlte sich so eine Panikattacke an? Er atmete mehrmals tief ein, versuchte verzweifelt seinen rasenden Puls in den Griff zu bekommen. Trotzdem fühlte sich seine Kehle wie zugeschnürt an. Er hatte unwillkürlich die Augen geschlossen und öffnete sie erst wieder als er Bobs Hände auf seinen Unterarmen spürte.
„Atme, Peter. Du hyperventilierst ja.“ Der dritte Detektiv hatte sich vor ihm hingekniet, sah nun besorgt zu ihm auf. „Versuche im selben Rhythmus zu atmen wie ich, okay?“
Peter gehorchte. Er hatte gerade einfach nicht die Kraft zu widersprechen oder sich von Bob zu lösen. Nicht wenn er das Gefühl hatte zu ersticken.
Bob atmete langsam und tief ein und aus und fiel es Peter am Anfang noch schwer, merkte er doch, wie seine eigenen Atemzüge langsam ebenfalls ruhiger wurden. Irgendwann hatte er sich vorgebeugt und die Stirn auf Bobs Schulter gelegt, der daraufhin die Arme um ihn schlang. Er spürte wie Bob mit einer Hand seinen Nacken kraulte, die andere strich über seinen Rücken.
„Geht’s wieder?“, murmelte Bob an seinem Ohr, als Peter Anstalten machte sich wieder aufzurichten.
„Ja“, Peters Kehle war wie ausgedörrt und dementsprechend kratzig klang seine Stimme. „Danke. Ich hatte das Gefühl ich kann nicht mehr atmen.“
Bob sah mitfühlend zu ihm auf. Mittlerweile mussten ihm bestimmt die Beine eingeschlafen sein, aber er blieb wo er war. „Tut mir leid, das war wirklich nicht meine Absicht.“
Peter räusperte sich. „Hör zu, ich schätze du hattest eine Weile Zeit um dich an deine Bisexualität zu gewöhnen. Die hatte ich bisher nicht. Ich weiß nur, ich fühle auf einmal all diesen krassen Scheiß. Die ganzen letzten Tage waren eine einzige emotionale Achterbahnfahrt für mich.“ Er schluckte. Peter fühlte sich wie ausgewrungen. „Gib mir einfach mal eine Pause, bitte. Okay?“
Bob nickte und setzte sich auf seine Fersen zurück. „Klar. Sorry“, murmelte er. „Das wollte ich nicht.“
Chapter 23: Blame me
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Bob hasste es, es zuzugeben, aber er war kurz davor in Tränen auszubrechen. Als er ungelenk aufstand, kribbelten eine Million Ameisen in seinen Beinen.
Vorsichtig begann er ein wenig auf und ab zu laufen, rieb mit beiden Händen über seine Oberschenkel um den Blutfluss anzuregen. Er hatte gar nicht bemerkt, wie seine Beine eingeschlafen waren, während er versucht hatte, Peter aus seiner Panik zu holen.
Der saß jetzt scheinbar völlig erschöpft auf der Couch, den Kopf in die Hände gestützt. Eine neue Welle des Schuldgefühls überrollte Bob und er wand sich ab. So ein Mist. Erst hatte er es irgendwie geschafft Justus vor den Kopf zu stoßen und jetzt das hier.
Dabei hatte Justus ihn völlig falsch verstanden. Er wollte ihn nicht als Testobjekt missbrauchen, das hatte er gar nicht nötig. Bob wusste längst, er stand auch auf Jungs.
Ja, er wollte mit Peter gleichziehen. Aber nicht aus dem Grund, den er Justus genannt hatte. Das war nur ein Vorwand gewesen.
Er hatte keine Angst davor, sich bei einem potentiellen Kuss zwischen Peter und ihm zu blamieren. Er war neidisch darauf, dass Peter und Justus etwas teilten, woran er keinen Anteil hatte. Das war neu. Und er mochte es nicht.
Bob war wütend auf sich selbst. Wenn er gestern einfach den Mund gehalten hätte, wäre das alles nicht passiert. Es wäre überhaupt nicht nötig gewesen, Justus und Peter zum jetzigen Zeitpunkt von seiner Bisexualität zu erzählen. Es war schließlich nicht so, als ob er irgendwie die Aussicht auf einen festen Freund hätte. Oder sich überhaupt mit einem Jungen treffen würde.
„Warum wolltest du, dass Justus dich küsst?“, fragte Peter leise hinter ihm.
Bob drehte sich zu ihm um, schob die Hände in die Hosentaschen. „Weil ich wissen möchte, wie es ist, einen Jungen zu küssen“, antwortete er. „Und ich bin ehrlich gesagt ein wenig verletzt von seiner Reaktion. Dir bietet er es ohne weiteres an, aber bei mir tut er so, als wäre ich ein Arsch, weil ich überhaupt gefragt habe. Er sei doch nicht unser Testobjekt, hat er gesagt.“ Bob verschränkte die Arme vor der Brust.
Peter schwieg kurz. „Ich meine, aus Justus Sicht… Unser Verhalten ihm gegenüber war vielleicht wirklich nicht ganz fair. Wir haben ihn in etwas reingezogen, das eigentlich zwischen uns war.“ Er blickte zu Bob hoch.
„Wir?“, fragte Bob leicht ungläubig. „Wer ist denn gestern aus meinem Zimmer gestürmt und schnurstracks zu ihm?“
Peter ließ sich gegen die Sofalehne zurückfallen. „Kannst du mir das wirklich übelnehmen?“, fragte er. „Ich habe jemanden gebraucht, der mich irgendwie wieder…“, er suchte nach dem richtigen Wort, „runterbringt. Erdet, wenn du so willst. Darin ist Justus normalerweise gut.“ Er nagte an seiner Unterlippe.
Bob nickte leicht. „Ja, ich weiß was du meinst.“ Langsam ließ er sich wieder auf Justus Schreibtischstuhl nieder.
Peter beobachtete ihn aufmerksam. „Jetzt wo Justus abgelehnt hat - du hast doch jetzt nicht vor loszugehen und dir den erstbesten schwulen Typen zu schnappen, nur um es hinter dich zu bringen, oder?“
Bob zuckte ein wenig ertappt zusammen. Es war ein Beweis wie gut sie sich kannten, wenn Peter so einfach seine Gedanken lesen konnte. Er zuckte mit den Schultern. „Es gibt genügend Apps für One Night Stands. Allerdings bin ich nicht offiziell out, also… Keine Ahnung.“
Peter sah ihn ungläubig an. „Das kann doch jetzt nicht wirklich dein Ernst sein.“
Bob verschränkte die Arme vor der Brust. „Kann dir doch egal sein. Wenn du unbedingt auf mich aufpassen willst, sende ich dir meinen Standort.“
Sein Gegenüber schüttelte resolut den Kopf. Um seinen Mund hatte sich ein sturer Zug gebildet. „Nein.“
Bob zog die Augenbrauen hoch. „Ist nicht so, als ob du da irgendetwas mitzureden hättest, Zweiter.“
„Du bist unvernünftig!“, warf Peter ihm vor. „Ich bin mir sicher, du findest irgendwann einen…“, er stolperte ein wenig über die Worte, „süßen Jungen, mit dem du alles ausprobieren kannst, was du möchtest. Aber doch nicht von so einer dubiosen Dating-App, nur weil du meinst, du hättest irgendetwas aufzuholen. Justus würde das auch nicht wollen.“
„Auch Justus werde ich nicht um Erlaubnis fragen, verdammt nochmal!“, brauste Bob auf. „Er hatte seine Gelegenheit. Er hat Nein gesagt. Thema erledigt.“ Er stand auf.
Peter erhob sich ebenfalls und kam näher. „Das kannst du doch unmöglich ernst meinen!“
Bob hob stur das Kinn. „Doch. Umso länger ich darüber nachdenke, umso besser finde ich die Idee. Warum emotionale Verwicklungen riskieren, wenn man einfach nur…Sex haben kann?“
Peter stand jetzt direkt vor ihm. Sein Gesicht hatte sich verfinstert. „Versuchst du gerade, mich dazu zu manipulieren, dich zu küssen?“
„Was? Spinnst du jetzt?“, Bob warf die Hände in die Luft. „Ich glaube, dein Geknutsche mit Justus ist dir zu Kopf gestiegen. Ja, vielleicht finde ich dich anziehend als…als Mann, aber es gibt noch mehr Männer auf diesem Planeten. Und da sind bestimmt genügend dabei, die mich küssen wollen, ohne dass ich sie erst dazu manipulieren muss“, stieß er hervor.
Bob spürte Peters Hände an seinen Hüften, der zweite Detektiv stieß ihn leicht zurück, gegen den Schreibtisch. „Nein“, wiederholte er. „Keine Dating-Apps.“
Der entschlossene Ausdruck auf seinem Gesicht fachte erst recht Bobs Widerstand an.
„Nicht deine Entscheidung!“ Er versuchte Peter von sich wegzudrängen. Der bewegte sich keinen Millimeter.
Peter war einen guten Kopf größer als er und wesentlich muskulöser. Es war nicht das erste Mal, dass Bob es mit einem größeren und stärkeren Gegner zu tun hatte. Aber das hier war eine ganz andere Situation. Die Luft zwischen ihnen schien zu flimmern.
Bob leckte sich kurz über die Lippen. Peter hatte noch immer die Hände an seinen Hüften, hielt ihn gegen den Schreibtisch gedrückt. „Du wolltest doch Zeit, nicht wahr?“, erinnerte er Peter. „Vor 5 Minuten saßt du noch da drüben und hast hyperventiliert bei dem Gedanken an Bisexualität.“
„Ich weiß“, in Peters Wange zuckte ein Muskel. „Weil weder du noch Justus mir eine gottverdammte Pause lasst.“ Mit diesen Worten beugte er sich vor und presste seine Lippen auf Bobs. Der keuchte erschrocken auf, seine Finger krallten sich in die Vorderseite von Peters Shirt.
Der Kuss war in keiner Weise sanft. Peter eroberte seinen Mund als würde er ihm gehören. Er war wütend und ließ diese Wut jetzt an ihm aus. Doch auch Bob war sauer.
„Au!“, Peter wimmerte, als Bob ihn in die Unterlippe biss. Fest. Er zog den Kopf zurück und betastete mit einer Hand seine Lippe. Die Glut in seinen Augen ließ Bobs Magen sich zusammenziehen. Trotzdem hob er das Kinn und blickte Peter herausfordernd an.
„Arsch.“ Die Hand, die eben noch seine malträtierte Lippe berührt hatte, landete wieder an Bobs Hüften. „Du wolltest einen Kuss, du bekommst einen Kuss.“
Bobs Protest wurde durch Peters Lippen erstickt. Und um ehrlich zu sein…sein Widerstand schmolz zusehend. Denn dafür war der Kontakt ihrer Lippen viel zu gut. Bob war zwischen dem Schreibtisch und Peter eingeklemmt, hatte keine Möglichkeit zu entkommen. Was vermutlich eigentlich Panik in ihm auslösen sollte, aber aus irgendwelchen Gründen das genaue Gegenteil bewirkte. Seine Erregung wuchs so schnell wie das Blut in seinen Schwanz floss.
Peter keuchte leise als er Bobs Erektion an seinem Oberschenkel spürte. „Du machst mich wahnsinnig“, sein Griff um Bobs Hüften verstärkte sich, er schob ihn hoch bis er mehr oder weniger auf der Schreibtischplatte saß.
Dann stützte er sich rechts und links von Bob ab und sah ihn an. Bob hatte diesen Gesichtsausdruck noch nie an ihm gesehen und er schluckte, plötzlich nervös. So langsam bekam er eine vage Ahnung davon, wie es sich für eine Frau anfühlte, einen wütenden, erregten Mann vor sich zu haben, dem sie körperlich unterlegen war.
„Ich habe keine Ahnung, was neuerdings zwischen uns abgeht. Aber eins weiß ich sicher“, er legte eine Hand in Bobs Nacken, zog leicht an den Haarfransen und brachte ihn damit dazu den Kopf in den Nacken zu legen. „Wenn du’s nötig hast, kommst du zu mir. Oder Justus. Keine Dating-App. Verstanden?“
Bob nickte leicht. Sein Herzschlag dröhnte in seinen Ohren und die Enge seiner Jeans drückte unangenehm gegen seine Erektion. Peter beugte sich vor, rieb sachte die Nasenspitze an seiner. Die sanfte Geste stand im scharfen Kontrast zu seinen harten Worten. „Sag es.“
„Verstanden“, brachte Bob hervor. Er erkannte sich selbst nicht wieder. Wahrscheinlich hätte er in diesem Moment alles gesagt um Peter zu besänftigen.
„Gut.“ Peter gab ihm einen letzten Kuss, dann zog er sich zurück, ließ sich wieder auf die Couch fallen.
Bob rutschte langsam vom Schreibtisch. Wow. Jetzt, wo Peter etwas Abstand zwischen sie gebracht hatte, konnte er endlich wieder ein wenig klarer denken.
Peter beobachtete ihn aufmerksam. „Geschockt?“
Bob konnte seinen Tonfall nicht ganz deuten. Er schüttelte langsam den Kopf. „Nein. Aber jetzt versteh ich, was du mit rau meintest. Und warum es zwischen Just und dir so…ausgeartet ist. Er gibt nicht so leicht auf. Das muss spektakulär gewesen sein.“
Sie atmeten beide tief ein und Peter legte eine Hand auf seine Erektion. Kurz huschte etwas über sein Gesicht, so schnell, Bob konnte nicht erkennen, was es war.
Peter biss sich auf die Lippe. „Okay. Scheiß drauf. Was bringt es mir, das Offensichtliche zu leugnen. Ich stehe auch auf Männer.“
Bob ließ sich langsam wieder auf den Schreibtischstuhl nieder. „Flippst du jetzt wieder aus?“
Peter schüttelte den Kopf. „Nein. Ich schätze, über dieses Stadium bin ich mittlerweile hinaus. Oder gerade zu geil dafür.“ Er stemmte sich hoch, fuhr sich mit einer Hand durch sein rotbraunes Haar. „Aber ich muss jetzt trotzdem mal los. Ich soll heute daheim eigentlich noch rasenmähen.“
„Oh, okay. Dann viel Spaß.“ Bob lächelte unsicher. „Bis morgen in der Schule?“ Zum Glück war Mittwoch der letzte Tag vor den Schulferien.
„Ja, wir sehen uns am Parkplatz.“ Peter hatte sich schon abgewandt, dann zögerte er und kam nochmal zurück.
„Bis morgen.“ Er streifte mit den Lippen sanft über Bobs. „Vergiss nicht, was du mir versprochen hast.“
Mit diesen Worten war er verschwunden und ließ einen perplexen Bob zurück.
Chapter 24: Wondering
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Am nächsten Morgen lief Justus alleine zur Schule statt auf dem Weg Bob abzuholen. Er hatte ihm nur eine kurze Nachricht geschrieben, sie würden sich in der Schule treffen.
Irgendwie wollte er momentan nicht mit Bob alleine sein. Bestimmt würde er darüber reden wollen, was gestern vorgefallen war und darauf hatte Justus keine Lust. Er war immer noch ein wenig wütend deshalb.
Peter wartete wie immer an seinen MG gelehnt auf sie. Auch heute hatte er ein Halstuch umgelegt um die Flecken an seinem Hals zu kaschieren. Doch diesmal war er nicht alleine. Madison, ein Mädchen aus ihrer Stufe, stand neben ihm. Die Beiden waren in eine angeregte Unterhaltung vertieft.
Peter schien irgendetwas witziges gesagt haben, denn Madison warf den Kopf in den Nacken und lachte.
„Schläft er mit ihr?“
Justus zuckte zusammen, als auf einmal eine weibliche Stimme neben ihm erklang. Er hatte überhaupt nicht mitbekommen wie Kelly sich genähert hatte.
„Ich wüsste nicht“, antwortete Justus ihr wahrheitsgemäß, rückte den Gurt seiner Schultasche zurecht.
„Peter redet normalerweise nicht mit dir über solche Sachen, aber ich will Bob nicht fragen.“ Kelly verschränkte die Arme vor der Brust und beobachtete mit zusammengekniffenen Augen Peter und Madison. „Als ob es nicht jedem aufgefallen ist, als er gestern plötzlich mit dem Schal aufgetaucht ist. Er trägt Schal nicht mal im Winter. Ich habe die Jungs darüber reden hören. Scheinbar ist er mal verrutscht und man hat ohne Ende Knutschflecke gesehen. Weißt du, mit wem er rumgemacht hat? Noch am selben Tag, als wir uns getrennt haben?“ Sie schien möglichst ungerührt wirken zu wollen, doch Justus nahm ein leichtes Zittern in ihrer Stimme war.
Er biss sich kurz auf die Unterlippe. „Wie du schon sagtest, Peter redet mit mir nicht über solche Dinge. Ich war genauso überrascht wie du, als er mit den Flecken aufgetaucht ist.“ Er sah keinen Grund, deren Existenz zu leugnen. Kelly wusste es ohnehin.
„Hmm.“ Kelly stieß ein Schnauben aus. „Ich wette es war Alicia. Diese Bitch ist schon seit Jahren hinter Peter her. Das ist genau ihr Niveau, ihn sich gleich am Tag unserer Trennung zu krallen.“
Justus hatte keine Ahnung, wer diese Alicia war oder was sie getan hatte, aber er konnte mit Sicherheit sagen: Sie war jedenfalls nicht für die dunkelroten Male an Peters Hals verantwortlich.
Er räusperte sich. „Eure Trennung tut mir leid. Vielleicht wird das ja eines Tages wieder.“
Kelly betrachtete ihn von der Seite. „Das waren jetzt zwei Lügen in zwei Sätzen, Jonas. Untypisch für dich.“
Justus wandte den Blick von Peter ab und drehte sich zu Kelly. Peters Exfreundin mochte vielleicht viele Klischees einer typischen Cheerleaderin erfüllen, aber sie war klüger als viele ihr zutrauten. Inklusive ihm.
„Du hast recht“, antwortete er. „Ich hielt eure Trennung für überfällig und ich werdet vermutlich eher nicht nochmal zusammenkommen. Besser?“
Kelly schnaubte. „Nein. Aber wenigstens bist du jetzt ehrlich.“
Von ihrem Platz am Rande des Schulhofes konnten sie sehen, wie Bob durch das Nordtor geschlendert kam. Er sah ein wenig müde aus. Statt Kontaktlinsen trug er heute seine Brille.
Als Peter ihn entdeckte, richtete er sich schlagartig auf. Madison neben ihm schien plötzlich vergessen, was die mit einem irritierten Stirnrunzeln quittierte.
Kelly lachte halblaut. „Tja, Willkommen in meiner Welt, Süße. Sobald er einen seiner Boyfriends sieht, bist du uninteressant für ihn.“
Justus tat sein Bestes keine Regung zu zeigen. Kelly meinte es als Scherz. Sie hatte keine Ahnung, was in den letzten Tagen alles passiert war.
„Weißt du, manchmal glaube ich, Sex war das Einzige, was Peter von mir wollte“, Kelly sprach weiter und Justus wurde es zunehmend unbehaglich. „Für alles andere hatte er euch. Wirklich zu schade, dass ihr nicht schwul seid.“ Sie beobachtete ihn aufmerksam, lauerte auf eine Reaktion.
Justus starrte zurück, forschte seinerseits in ihrem Gesicht. Versuchte sie nur ihn zu reizen oder hatte sie irgendeinen…Vibe zwischen ihnen aufgeschnappt? Er wüsste allerdings nicht, wann das gewesen sein könnte.
„Tja, das sind wir aber nicht“, antwortete er knapp.
Bob war nun zu Peter und Madison getreten, unterhielt sich mit ihnen.
Justus bekam ein komisches Gefühl im Bauch. Wann immer Peter Madison nicht ansah, betrachtete er Bob mit einer Intensität, die man selbst von hier drüben wahrnehmen konnte.
Bobs Verhalten machte es auch nicht besser. Er schien bewusst Abstand von Peter zu halten, doch die kurzen Blicke, sobald der Madison anguckte, sprachen Bände. Was war gestern noch zwischen ihnen passiert?
„O-kay?“, Kelly zog die Augenbrauen zusammen. „Das ist neu. Hat Peter nach unserer Beziehung etwa so die Schnauze voll von Frauen, dass er ihnen gleich ganz abgeschworen hat? Wobei Bob hat sich in den letzten Monaten, was man so hört, durch so viele Betten geschlafen, das ist eigentlich unwahrscheinlich. Oder überkompensiert da jemand?“ Sie sah Justus an.
Der wünschte sich in einem Mauseloch verschwinden zu können. Wo war das dämliche Blondinen-Klischee, wenn man es mal brauchte? „Ich habe keine Ahnung, wovon du redest, Kelly. Schönen Tag dir noch!“ Justus machte, dass er wegkam.
Doch seine Situation wurde nicht wirklich besser, als er sich der Gruppe um Peter anschloss. Die Schulglocke signalisierte den Beginn des Unterrichts und die Schüler verschwanden nach und nach in den Klassenzimmern.
Da es der letzte Tag vor den Ferien war, passierte im Unterricht nicht mehr viel. Was wohl auch gut so war, denn Peter und Bob hätten davon mit Sicherheit nicht viel mitbekommen.
Justus beobachtete mit zunehmender Verwunderung das Verhalten seiner Freunde.
Für andere, die sie nicht so gut kannten, schien ihr Umgang miteinander wahrscheinlich wie immer zu sein. Doch er bemerkte deutliche Verhaltensunterschiede. Die Art, wie Peter Bob musterte, als der sich gähnend streckte. Wie Bob sich kurz auf die Lippen biss, als sich ihre Finger berührten, während er Peter einen Stift gab.
Justus kam sich zunehmend überflüssig vor. Er war ohnehin stiller als Bob und Peter, aber heute sagte er besonders wenig. Was keinem von Beiden aufzufallen schien.
Hatte Bob gestern etwa Peter nach einem Kuss gefragt, nachdem Justus Nein gesagt hatte? Und hatte der zugestimmt?
Als Peter aufstand, um zur Toilette zu gehen und Bob mit einem anderen Mitschüler in ein Gespräch vertieft war, nutzte Justus die Gunst der Stunde und folgte ihm unauffällig.
Peter pinkelte tatsächlich, als er nach ihm den Toilettenraum betrat und sich mit einem kurzen Rundumblick vergewisserte, dass sie alleine waren. Justus lehnte sich mit dem Rücken an die Tür. „Hast du Bob geküsst?“
„Woah!“ Peter zuckte zusammen, sein Kopf schnellte zu Justus herum. Um ein Haar hätte er vor lauter Schreck neben das Urinal gepinkelt. Hastig drehte er sich zurück. „Justus! Hast du sie noch alle?!“, zischte Peter. Er blickte über die Schulter zurück, während er den Reißverschluss seiner Jeans schloss. „Kann man hier nicht mal in Ruhe pissen gehen?“
Justus ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen. „Hast du nun, oder hast du nicht?“
Peter lief zum Waschbecken, um sich die Hände zu waschen. „Warum?“, fragte er, während er den Wasserhahn aufdrehte.
„Warum?“, Justus blinzelte. „Weil ihr euch mit den Augen auszieht, vielleicht? Jeder, der euch gut kennt, sieht die Verhaltensänderung. Sogar Kelly.“
„Was?“ Peters Kopf ruckte hoch. „Wann hast du denn mit Kelly gesprochen?“
„Heute Morgen vor Schulbeginn“, antwortete Justus.
Peter zog ein paar Blätter aus dem Papierhandtuchspender und trocknete sich die Hände ab. Seine Miene war ein wenig angespannter als noch vor wenigen Sekunden. „Shit.“
Chapter 25: Not good enough?
Chapter Text
„Du sagst es.“ Justus betrachtete ihn mit einer Miene die Peter nicht recht deuten konnte. War er sauer? Falls ja, auf wen?
Er lehnte sich mit dem Hintern gegen das Waschbecken und verschränkte die Arme vor der Brust. „Er wollte sich irgendeinen Creep von einer Dating-App suchen.“
„Bob?“, fragte Justus verblüfft.
„Nee, der Weihnachtsmann“, blaffte Peter zurück. „Natürlich Bob. Nachdem du nein gesagt hast, hat er sich einen alternativen Plan einfallen lassen, um seine Erfahrungen zu machen.“
Für einen Moment herrschte Schweigen. Peter hätte nicht geglaubt, den Tag mal noch zu erleben, an dem der erste Detektiv tatsächlich sprachlos war. Heute schien es so weit zu sein. „Du sagst gar nichts?“
Justus wechselte das Standbein. „Wahrscheinlich ist die LGBTQ+-Community von einer Kleinstadt wie Rocky Beach, die auf derartigen Apps vertreten ist, recht überschaubar. Creeps gibt es immer. Bob ist ja nicht dämlich. Vielleicht ist das ja gar keine schlechte Idee.“
Peter entgleisten die Gesichtszüge. „Das kann doch unmöglich dein Ernst sein.“
„Doch, eigentlich schon.“ Justus schob die Hände in die Hosentaschen. „Besser als mich dazu zu benutzen. Oder dich. Das alles hat schon genug Unruhe in unsere Freundschaft gebracht.“
Darum ging es hier also. Peter schüttelte leicht den Kopf. „Weißt du, Just, ich bin in den letzten Tagen mehr als einmal komplett ausgerastet deswegen. Und ich kann nicht behaupten, mich schon völlig mit dem Gedanken arrangiert zu haben. Aber ich bin auch nicht komplett delusional. Ich hätte weder auf meinen Kuss mit dir, noch auf den mit Bob reagiert, wie ich reagiert habe, wenn ich wirklich 100% straight wäre. Wäre einfach nicht passiert.“
Justus Gesichtsausdruck wurde eine Spur trotzig. „Was willst du mir damit sagen? Ich habe Bob nicht geküsst und ich will ihn auch zukünftig nicht küssen. Das mit dir war einfach ein…Ausrutscher. Ich wollte ein guter Freund sein.“
„Ein Ausrutscher?“, Peter setzte dazu an, ihm zu widersprechen, überlegte es sich dann aber anders. „Klar. Keine Ahnung. Vielleicht hast du ja sogar recht. Vielleicht bist du straight. Ich stecke ja nicht in deiner Haut.“ Er stieß sich vom Waschbecken ab. „Ich weiß nur eins, ich werde nicht dabei zugucken, wie einer meiner besten Freunde irgendwelche Typen aus dem Internet abschleppt, wenn wir in der gleichen Situation stecken und uns gegenseitig helfen können.“
„Ihr wollt euch outen? Und daten?“, fragte Justus ungläubig.
Peter ruderte ein wenig zurück. „Nein. Also ich nicht. Aber ich habe diesen Aspekt von mir entdeckt, den ich nicht ignorieren will. Ich habe nach Kelly ohnehin erstmal die Schnauze voll von Mädels. Und Beziehungen generell. Warum sollte ich nicht ein wenig herumexperimentieren? Im Privaten. Ich bin genug ausgeflippt deswegen. Es tut doch keinem weh.“
„Es tut keinem weh?“, fragte Justus angespannt. „Was ist mit Bob? Er weiß scheinbar, bisexuell zu sein. Was ist, wenn er Gefühle für dich entwickelt? Romantische Gefühle? Denk doch mal daran, was das für eure Freundschaft bedeuten könnte und nicht ausschließlich mit deinem…“, er gestikulierte in Richtung von Peters Schritt.
„Schwanz, Justus. Das Wort, das du suchst, lautet Schwanz.“ Peter verdrehte die Augen.
„Und glaubst du wirklich, ich bin mir des Risikos nicht bewusst? Der Gedanke, Bob aus Versehen zu verletzen und ihn deswegen zu verlieren, jagt mir eine Scheißangst ein.“ Er schwieg kurz. „Ich habe mich die halbe Nacht deswegen hin und her gewälzt und bin immer wieder zum gleichen Ergebnis gekommen. Ich kann es nicht nicht tun. Wenn Bob es auch möchte, bin ich dabei.“
Justus sah auf einmal leicht grünlich im Gesicht aus. Peter musterte ihn besorgt. „Alles ok, Just?“
„Nein, nichts ist okay.“ Plötzlich stürzte Justus nach rechts und stieß die nächstgelegene Toilettenkabine auf. Das nächste was Peter hörte, war, wie er sich würgend erbrach.
Oh shit. Hastig kam Peter näher, öffnete vorsichtig die Kabinentür. Der Geruch ließ seinen eigenen Magen rebellieren. Justus würgte immer noch.
„Just…“ Peter versuchte bewusst durch den Mund zu atmen. Er konnte sich aufgrund der Enge der Toilettenkabine nicht neben Justus stellen, weshalb ihm nichts anderes übrigblieb als ihm von hinten eine Hand auf die Schulter zu legen. Er spürte wie sich Justus Schultermuskulatur verspannte als er sich wieder übergab.
Damit schien das Schlimmste überwunden zu sein, denn Justus richtete sich zögerlich auf. Er war kreidebleich.
„Geht’s wieder?“, fragte Peter besorgt, tätschelte ein wenig ungelenk Justus Schulter.
„Schätze schon…“, Justus griff sich ein paar Blätter Toilettenpapier um sich den Mund abzuwischen, ehe er die Toilettenspülung betätigte. Dabei vermied er die ganze Zeit Peters Blick.
Hinter ihnen öffnete sich die Tür zum Toilettenraum. Derek, ein Spieler aus Peters Fußballmannschaft, kam pfeifend hereingeschlendert. Als er Peter und Justus in der Kabine sah, blieb er überrascht stehen. „Ey, was ist denn hier los?“
Peter wies mit dem Daumen auf Justus. „Just wollte sich sein Frühstück nochmal durch den Kopf gehen lassen.“
„Morgenübelkeit, hä?“, grunzte Derek. Er lief zum nächstgelegenen Urinal. „In welchem Monat ist er denn? Fünfter? Man sieht’s ja schon deutlich.“
„Halt’s Maul, Mann!“ Peter war von Natur aus eigentlich kein gewalttätiger Typ, aber gerade eben war er mehr als bereit Derek mit einem wohlplatzierten Karatekick zum Schweigen zu bringen.
Das hätte er vermutlich auch getan, wenn sich Justus Finger nicht wie ein Schraubstock um sein Handgelenk geschlossen hätten. Der erste Detektiv sah nicht auf. Er hatte sich wieder mehr über die Toilette gebeugt, scheinbar kämpfte er mit einer neuen Welle von Übelkeit.
Derek blickte über die Schulter zurück während er pinkelte. „Komm runter. Ich werd’s keinem sagen.“ Er grinste. „Hab gehört du hast Kelly abserviert. Meinst du, ich kann’s mal bei ihr versuchen? Scheinst ja schon Ersatz gefunden zu haben. Schal bei dem Wetter ist ein bisschen auffällig, Bro.“ Er wies mit einer Hand auf Peters Hals.
Justus Griff verstärkte sich als Peter versuchte einen Schritt auf Derek zuzumachen. „Derek, übertreib es nicht“, stieß er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. „Halt dich von Kelly fern. Und lass Justus in Ruhe.“
Derek verdrehte die Augen als er seinen Gürtel wieder schloss. „Okay, Okay. Aber ich kann nicht garantieren, dass sie sich von mir fernhält.“ Er schlenderte nach einem letzten Blick auf Peter und Justus lachend aus dem Raum. Ohne sich vorher die Hände zu waschen natürlich.
„Was für ein Arschloch!“, wütete Peter. „Na warte, wenn wir das nächste Mal eins gegen eins spielen, wird er sein blaues Wunder erleben!“
Justus rappelte sich langsam auf. Er drückte sich an Peter vorbei aus der Kabine, um am Waschbecken seinen Mund mit Wasser auszuspülen. Noch immer hatte er kein Wort gesagt.
„Erster?“, fragte Peter. „Vergiss Derek. Er ist einfach nur ein Vollidiot, der nicht weiß, wann er besser seinen Mund halten sollte.“
„Er hat doch recht.“ Bitterkeit färbte Justus Stimme. „Also nicht mit dem Schwangerschaft-Schwachsinn. Aber eine Frau im fünften Monat ist auch nicht dicker als ich.“
„Justus. Das stimmt doch gar nicht.“ Wie immer, wenn die Sprache auf Justus Gewicht kam, fühlte sich Peter äußerst unwohl. Er wusste nie, was er sagen sollte.
„Ich dachte immer, wenn ich erstmal abgenommen hätte, würde alles anders werden“, murmelte Justus. „Dabei bin ich derselbe geblieben. Nur in einem etwas dünneren Körper. Ich werde nie gut genug sein.“
Peter wünschte sich inständig, Bob wäre hier. Er wüsste, was zu tun wäre. „Was redest du denn, Erster? Du…du bist toll. Genauso wie du bist.“
„Lass gut sein, Peter.“ Justus wandte sich zur Tür, das Gesicht verschlossen. „Lass uns einfach zurück ins Klassenzimmer gehen.“
Chapter 26: Far away
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Bob blickte zum wiederholten Male zur Tür. Der Unterricht ging längst weiter, aber von Justus und Peter war keine Spur zu entdecken.
Er spielte nervös mit dem Stift in seiner Hand. Den ganzen Morgen schon herrschte eine äußerst seltsame Stimmung zwischen ihnen. Die Luft zwischen ihm und Peter schien geradezu elektrisiert zu sein. Bob konnte nur noch daran denken, wie Peter ihn geküsst hatte. Und dem Ausdruck auf seinem Gesicht nach zu urteilen, schien es ihm ähnlich zu gehen.
Justus dagegen hatte kaum ein Wort mit ihnen gewechselt. Seit er Bob heute Morgen geschrieben hatte, sie würden sich in der Schule treffen, hatte er ein ungutes Gefühl im Bauch.
Justus schien wirklich wütend auf ihn zu sein. Er musste unbedingt mit ihm reden, aber hier in der Schule konnte er das knicken. Zu viele potentielle Lauscher.
Andererseits war auch er nicht hundert Prozent im Reinen mit Justus. Seine harsche Abfuhr ihm gegenüber hatte gestern ziemlich gesessen. Daher freute er sich nicht unbedingt darauf, seine Frage und Justus Reaktion darauf nochmal anzusprechen.
Er sah auf, als die Tür aufging. Endlich kamen Justus und Peter zurück. Doch als er ihre Mienen bemerkte, schwante ihm böses. Während Justus Gesichtsausdruck nahezu versteinert wirkte, sah Peter betroffen aus.
Bob lehnte sich zu ihm hinüber nachdem er seinen Platz neben ihm wieder eingenommen hatte. „Zweiter, weshalb guckt ihr beide so?“, wisperte er. „Was habt ihr so lange auf dem Klo gemacht?“
Doch Peter schüttelte nur den Kopf. „Nicht hier“, nuschelte er. „Erzähl ich dir nach der Schule.“
Na ganz toll. Bob ließ sich zurück in seinen Sitz fallen. Das versprach ein langer Tag zu werden.
Bob hatte das Ende eines Schultages noch nie so herbeigesehnt wie heute. Da es der letzte Schultag vor den Ferien war, ging ihr Unterricht zum Glück nur bis zur Mittagspause.
Während Peter und Justus in der letzten Unterrichtsstunde Biologie hatten, hatte er sich mit der Foto-AG getroffen. Was im Grunde verschwendete Zeit gewesen war, denn heute wollte ihm partout kein Bild gelingen. Er war einfach zu abgelenkt.
Nachdem die Schulglocke das Ende des Unterrichts verkündet hatte, raffte er hastig seine Sachen zusammen und eilte zum Parkplatz. Dort fand er allerdings nur Peter vor. Justus konnte er nirgends entdecken.
„Peter?“, fragte er leicht atemlos. „Wo ist Just? Wollten wir nicht nach der Schule zu dir gehen?“
Peter bedeutete ihm schweigend einzusteigen. Bob gehorchte mit gerunzelter Stirn, warf seinen Rucksack auf die Rückbank des MG. Peter tat es ihm gleich, dann startete er den Wagen. Ohne ein Wort zu sagen steuerte er den MG vom Parkplatz.
„Peter?“, drängte Bob.
„Er ist nach Hause“, antwortete Peter knapp.
„Warum das denn?“, fragte Bob. Er wurde langsam ungeduldig. „Kannst du mir jetzt endlich sagen, was zur Hölle auf dem Klo passiert ist?“
Der zweite Detektiv gab ein undefinierbares Knurren von sich. „Derek, dieses Arschloch, ist passiert. Er ist reingekommen, als Justus gekotzt hat und meinte, dumme Witze über Morgenübelkeit reißen zu müssen. Er sähe ja schließlich aus wie im fünften Monat.“
„Justus hat gekotzt?“ Bob riss überrascht die Augen auf. „War er deswegen heute die ganze Zeit so still? Weil er krank ist?“
„Ich denke, er ist nicht wirklich krank“, Peter bog nach rechts ab. „War wahrscheinlich eher, weil er sich so aufgeregt hat.“
Bob betrachtete Peter von der Seite. Der starrte aus der Windschutzscheibe, das Gesicht grimmig verzogen. „Über unseren Kuss?“, vermutete Bob. „Hast du es ihm gesagt?“
Peter nickte. „Ja. Und auch, dass ich es wieder tun möchte.“
Für einen Moment verschlug es Bob die Sprache. Peter wollte ihn wieder küssen? „Wirklich?“, fragte er leise. Kurzzeitig vergaß er seine Sorge um Justus. „Du möchtest mich wieder küssen?“
„Ja“, Peter musste an einer roten Ampel anhalten, was ihm die Gelegenheit gab, sich zu Bob zu drehen. „Ich…Keine Ahnung. Ich weiß nicht, ob ich wie du bisexuell bin. Aber…“, er schluckte, „ich möchte es herausfinden. Und dich von Creeps aus dem Internet fernhalten. Zwei Fliegen mit einer Klappe.“
Bob schüttelte leicht den Kopf. Typisch Peter. Sein Beschützerinstinkt war schon immer stark ausgeprägt.
Peter missverstand seine Kopfbewegung. „Du willst nicht?“ Er klang angespannt. Hinter ihnen hupte ein Auto und Peter setzte den MG hastig wieder in Bewegung. Er war so auf ihr Gespräch konzentriert gewesen, er hatte das Umschalten der Ampel gar nicht bemerkt.
„Doch!“ Das kam ein wenig zu schnell. Bob räusperte sich, er spürte wie er errötete. Aus dem Augenwinkel bemerkte er ein Grinsen, das an Peters Mundwinkeln zupfte. Er schlug ihm gegen den Oberschenkel. „Sei nicht so selbstgefällig, Zweiter. Das steht dir nicht.“ Er verdrehte die Augen.
„Bin ich nicht“, Peters Miene verdüsterte sich wieder. „Jedenfalls, wegen Justus. Der Scheiß, den Derek gesagt hat, ging ihm scheinbar echt an die Nieren. Er sagte irgendetwas in die Richtung, er wäre nie gut genug, egal wie viel er abnehmen würde.“
„Shit.“ Bob lehnte sich betroffen in seinem Sitz zurück. „Gut genug für wen?“, fragte er. „Wie hat er das gemeint?“
„Keine Ahnung“, Peter zuckte mit den Schultern. „Für dich, mich, uns, die Gesellschaft…Ich weiß es nicht. Er ist so verdammt sensibel, was seine Figur betrifft und ich weiß nie, was ich dazu sagen soll.“
Bob schwieg einen Augenblick. „Ich weiß nicht, ob wir viel tun können, außer ihm immer wieder zu sagen, er ist gut so, wie er ist. Und es uns völlig egal ist, ob er mehr oder weniger wiegt. Er muss sich wohlfühlen, das ist das wichtigste.“
Peter trommelte mit den Fingern auf das Lenkrad. „Er sagt auch immer noch, das zwischen ihm und mir war eine einmalige Sache und ein Ausrutscher.“ Er warf Bob einen kurzen Seitenblick zu. „Ist es…ist es okay, wenn ich mit dir darüber rede? Ist das weird?“, fragte er unsicher. „Soll ich aufhören?“
„Nein“, Bob schüttelte sofort den Kopf. „Ich meine, vermutlich sollte es weird sein. Aber das ist es nicht. Justus ist uns beiden wichtig. Ich will auch, dass es ihm gut geht.“ Er betrachtete Peter für einen Moment. „Möchtest du ihn wieder küssen? So wie mich?“
Peter antwortete nicht gleich. Er schien mit sich selbst im Clinch zu liegen. Dann seufzte er. „Ja. Und das sollte ich nicht. Ich glaube, ich werde einfach langsam wahnsinnig.“
Sie waren vor Peters Elternhaus angekommen. Der zweite Detektiv parkte den MG am Straßenrand, was Bob die Gelegenheit verschaffte seine Gedanken zu sortieren.
Peter sah ihn über das Dach des Autos besorgt an als sie ausstiegen. „Bob? Bist du jetzt wütend auf mich?“
„Lass uns erstmal reingehen.“ Bob schloss die Autotür. Ihm schwirrte der Kopf und er konnte gerade beim besten Willen nicht sagen, was er darauf antworten sollte.
Peter nickte, sein Gesichtsausdruck so verunsichert wie Bob sich fühlte. Sie schwiegen beide, als sie die wenigen Meter zum Haus gingen. Drinnen empfing sie ebenfalls Stille. Peters Dad war noch arbeiten und seine Mom besuchte eine Freundin.
Sie waren alleine. Bob schluckte. Er wusste momentan nicht, ob das gut oder schlecht war.
In Peters Zimmer angekommen setzte er sich im Schneidersitz auf den Boden während Peter sich aufs Bett fallen ließ.
Peter räusperte sich, brach ihr Schweigen. „Wenn mir vor einer Woche jemand erzählt hätte, ich würde meine zwei besten Freunde küssen – freiwillig – und es auch noch wiederholen wollen, ich hätte denjenigen eingewiesen. Ich…Ich weiß wie verrückt sich das anhört. Ich verstehe mich selbst nicht wirklich. Und mir tut es leid, falls ich dir damit wehgetan habe. Ich…willst du jetzt überhaupt noch etwas mit mir zu tun haben?“
Bob blickte zu ihm auf. „Sagt dir der Begriff Polyamorie etwas?“, fragte er.
Peter stutzte. „Ist das nicht, wenn man mit mehreren Personen eine Beziehung führt? Oder so ähnlich?“
Bob nickte. „Genau.“ Er stockte kurz. „Nach den Ereignissen der letzten Tage und speziell gestern, habe ich zu diesem Thema ein bisschen recherchiert.“
Peter sah verwirrt aus. „Du meinst…du, ich und…Justus?“
„Ist dir denn der Gedanke nicht gekommen?“, fragte Bob. „Spätestens nach heute?“
Peter zögerte. „Ja schon, aber…ich habe das gleich wieder verworfen. Das ist doch Wahnsinn. Das würde bestimmt niemals funktionieren. Vor allem nicht, wenn nur ich das möchte.“
Bob stand auf, zu unruhig um länger sitzen zu bleiben. „Weißt du, es gibt bei Polyamorie verschiedene Konstellationen. Es gibt Dreier-Beziehungen, in denen jeder mit jedem eine romantische Beziehung führt. Und dann gibt es Beziehungen, in der zum Beispiel zwei Menschen eine romantische Beziehung mit einer Person führen, aber nicht zusätzlich miteinander. Kannst du mir folgen?“
„Kann ich.“ Peter sah nachdenklich aus. „Du meinst, ich wäre diese Person, mit der sowohl du als auch Justus eine…Beziehung habt – aber nicht miteinander?“
Bob nickte. Abwesend rieb er sich über die Brust, dort wo sein Herz schlug. Es schmerzte ein wenig. Aber nicht wegen Peter. „Justus hat auf diese Art und Weise offensichtlich kein Interesse an mir. Was zugegebenermaßen… Es tut ein bisschen weh, dass er für dich vielleicht mehr als Freundschaft empfinden könnte, aber nicht für mich. Weil ich es mir durchaus vorstellen könnte.“ Er schluckte. „Sonst hätte ich ihn nicht nach einem Kuss gefragt.“
Peter stand auf. „Ich glaube, momentan sind wir beide von einer Beziehung zu Justus so weit entfernt wie die Erde von der Sonne. Vergiss nicht, er hat auch zu mir gesagt, es war eine einmalige Sache.“ Er zog ihn in eine Umarmung und Bob schlang die Arme um Peter, lehnte sich an ihn.
Eine Weile standen sie einfach nur so da, hielten einander fest.
Chapter 27: Date me
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Nach der Schule war Justus so schnell er konnte verschwunden. Ihm war immer noch schlecht. Dereks Worte erklangen in einer Endlosschleife in seinem Kopf, prügelten weiter auf sein ohnehin angeschlagenes Selbstbewusstsein ein.
Er hatte Glück, dass niemand zuhause war, als er die Haustür aufschloss. Ein Blick auf sein Gesicht und Tante Mathilda wüsste, es war irgendetwas nicht in Ordnung. So hatte Justus die Gelegenheit sich in sein Zimmer zu verziehen und seine Wunden zu lecken. Und was tat er, damit er sich besser fühlte?
Die Schokolade schmeckte bitter in seinem Mund, er konnte sich jedoch nicht davon abhalten, in einen weiteren Riegel zu beißen. Was machte es auch schon? Auf ein Kilo mehr oder weniger kam es nun wirklich nicht an.
Nachdem er den letzten Riegel verputzt hatte, warf er sich seufzend auf sein Bett. Peters Worte in der Toilette kamen ihm in den Sinn. Ich kann es nicht nicht tun.
Klar. Justus musste zugeben, objektiv betrachtet war Bob wirklich gutaussehend mit den blonden Haaren und den meerblauen Augen. Zudem war er offensichtlich auch an Peter interessiert. Wer könnte es ihm also verdenken, wenn er seine Sexualität weiter mit ihm erforschen wollte?
Es sollte ihn nicht so verletzen, wie es tat. Er hatte Peter mehrfach gesagt, zwischen ihnen war es eine einmalige Sache. Erst vorhin wieder.
Justus hatte es einfach nicht über sich gebracht, Peter zu gestehen, wie sehr ihr Kuss ihm gefallen hatte. Nicht, wenn der gerade davon sprach, Bob wieder küssen zu wollen.
Justus wälzte sich vom Bauch auf den Rücken. Was wäre wohl passiert, wenn er zugestimmt hätte, Bob zu küssen? Hätte es ihm gefallen? Vielleicht sogar noch besser als der Kuss mit Peter?
Andererseits…er stand zu dem, was er zu Bob gesagt hatte. Er war kein Versuchsobjekt, das jeder mal benutzen konnte. Und offensichtlich war das das Einzige, was Bob in ihm sah. Ein Versuchsobjekt,
Als hätten seine Gedanken ihn beschworen, vibrierte Justus Handy auf dem Nachttischkästchen. Ein Videoanruf von Bob. Für einen Moment war er versucht, den Anruf unbeantwortet zu lassen.
Doch Justus war nicht feige. Er konnte Bob nicht ewig aus dem Weg gehen. Missmutig nahm er den Anruf an. Bob erschien auf dem Display. Nach dem, was Justus im Hintergrund erkennen konnte, saß er wohl in Peters Zimmer. Natürlich.
„Hey, Just…“ Bob versuchte sich an einem Lächeln, das ihm nicht ganz gelang. „Ich war mir nicht sicher, ob du rangehst.“
Justus gab ein undefinierbares Brummen von sich. „Wo ist Peter?“
„Duschen.“ Bob wechselte von der Frontkamera zur Hauptkamera, schwenkte einmal durch Peters leeres Zimmer, ehe sein Gesicht wieder erschien. „Er wollte uns etwas Privatsphäre geben.“
Privatsphäre. So so. Justus setzte sich in seinem Bett auf, lehnte sich mit dem Rücken gegen die Wand. „Habt ihr geredet? Du und Peter? Über das Arrangement, das er im Sinn hat?“
Bob nickte. „Ja. Just, was das betrifft, ich…“, er biss sich auf die Lippen.
„Du brauchst nichts zu sagen.“ Justus Stimme klang selbst in seinen eigenen Ohren hölzern. „Es ist ein großes Risiko für eure Freundschaft, miteinander herumzuexperimentieren. Andererseits ist es naheliegend. Ihr kennt euch sehr gut und findet euch offensichtlich auch auf eine sexuelle Art und Weise anziehend. Ob der Nutzen das Risiko überwiegt, müsst ihr selbst wissen.“
Bob zog eine Augenbraue hoch. „Das war das höflichste ‚Ihr könnt mich mal‘, das ich jemals gehört habe.“
„Was soll ich denn sagen, Bob?“, fragte Justus unwirsch. „Ich habe dir erzählt, wie ich den Kuss mit Peter fand, oder nicht?“
„Ja, aber du hast auch gesagt, du wärst nicht eifersüchtig auf mich“, antwortete Bob. „Aber nimm es mir nicht übel, Erster, die Eifersucht tropft dir doch aus allen Poren.“
Getroffen zuckte Justus zusammen. Für einen kurzen Moment war es still. „Das ist nicht wahr, Bob“, murmelte Justus schließlich. „Es ist keine Eifersucht, die ich fühle.“
„Sondern?“ Der dritte Detektiv ließ ihn nicht vom Haken. Er schien fest entschlossen zu sein, eine Antwort aus ihm herauszukitzeln.
„Ich will euch einfach nicht verlieren, Bob!“, brach es aus Justus heraus. „Wenn ihr etwas miteinander anfangt, werdet ihr nur noch zu zweit herumhängen wollen. Und wenn das zwischen euch schief geht, werdet ihr nicht mehr miteinander reden. So oder so, die drei Fragezeichen wären Geschichte! Und ich wäre alleine“, fügte er leiser hinzu.
„Ach Justus…“ Bob wirkte bekümmert. „Das stimmt doch überhaupt nicht.“ Er zögerte kurz. „Ich habe dich gefragt, ob du mich küssen möchtest, nicht wahr?“
„Ja und?“, fragte Justus verdrossen. „Auch nur, weil Peter mich schon als Testobjekt benutzt hat und du mit ihm gleichziehen wolltest.“
Bob schüttelte heftig den Kopf. „Das ist nicht wahr, Justus. Ich…ich habe es dir damals nicht gesagt, weil…“, er leckte sich kurz über die Lippen, „ich mich nicht so verletzlich zeigen wollte, aber weder habe ich ein Testobjekt benötigt, noch wollte ich mit Peter gleichziehen. Also nicht wirklich.“
„Was?“ Justus war verwirrt. „Warum hast du mich dann gefragt?“
Bob lachte ein wenig humorlos. „Warum wohl? Nachdem ich von eurem Kuss erfahren hatte, konnte ich nur noch daran denken, wie es wohl sei, dich zu küssen. Mein Kopfkino ist mehr oder weniger Amok gelaufen. Ich brauch kein Testobjekt mehr, Justus. Ich weiß doch längst, ich bin bisexuell. Ich habe dich gefragt, ob ich dich küssen kann, weil ich es einfach wollte. Genauso wie Peter.“
Justus verschlug es zum zweiten Mal am heutigen Tag die Sprache. Er konnte einfach nicht fassen, was Bob gerade eben gesagt hatte.
„Wenn das irgendwie ein Witz sein soll…“, seine Stimme klang reichlich dünn.
Bob seufzte. „Nein, Erster, das ist kein Witz. Sondern die reine Wahrheit. Und wenn wir schonmal bei der Wahrheit sind: Es ist okay, wenn du mich nicht auf diese Art und Weise siehst, sondern nur Peter.“ Er verzog kurz das Gesicht. „Aber ich muss einfach zugeben, es tut ein bisschen weh, okay? Ich werde drüber wegkommen, mach dir keinen Kopf. Nur, es dauert vielleicht ein bisschen.“
Justus dummes Herz raste. „Das meinst du wirklich ernst?“
Bob nickte. „Ja, das ist mein voller Ernst.“
Doch Justus Unsicherheiten saßen zu tief, um ihm das einfach so zu glauben. „Du sagst das doch nur wegen Peter.“
Offensichtlich strapazierte er damit den Geduldsfaden des dritten Detektives. „Justus, jetzt lass doch Peter da mal raus. Das hat mit ihm überhaupt nichts zu tun. Das ist eine Sache zwischen dir und mir.“ Ihm kam eine Idee. „Okay, Vorschlag. Offensichtlich reichen dir meine Worte nicht, damit du mir glauben kannst. Dann lass es mich dir beweisen. Geh auf ein Date mit mir.“
„Ein Date?“ Justus entgleisten ein wenig die Gesichtszüge. „Du willst ein Date mit mir?“
„Habe ich doch gerade gesagt.“ Bob bemühte sich sichtlich ein Augenrollen zu unterdrücken. „Und nochmal: Wenn du mich nicht auf diese Weise siehst, akzeptiere ich das. Aber dann nimm nicht Peter als Ausrede und sage es mir jetzt. Aber wenn du mir eine Chance gibst“, Bob lächelte leicht, „dann geh auf ein Date mit mir.“
Justus kämpfte mit sich selbst. Sah er Bob so? Meinte der seine Worte wirklich ehrlich oder tat er das nur um an Peter ranzukommen? Es gab wohl nur eine Möglichkeit das herauszufinden.
„Okay“, stimmte Justus nach einem kurzen Zögern zu. „Ein Date. Nur du und ich.“
Bobs ernste Miene hellte sich sichtlich auf und Justus hatte ein seltsames Gefühl im Magen. Wäre er poetischer veranlagt, würde er es vermutlich Schmetterlinge im Bauch nennen. „Super. Ich…freue mich wirklich.“ Bobs Lächeln wurde sanfter. „Ich schicke dir die Details, in Ordnung?“
Justus nickte. „Okay. Ich…freue mich auch.“
Bob verschwand von seinem Display und Justus ließ sich aufs Bett zurückfallen. Oh man. Worauf hatte er sich da nur eingelassen?
Chapter 28: Feeling you
Notes:
So, bevor es mit dem JxB-Date süß wird, wird es erstmal spicy...1,8k BxP-Smut für euer Wochenende - you're welcome :)
Chapter Text
„Du hast ihn nach einem Date gefragt?“, Peter lehnte sich in den Türrahmen.
Bob sah von seinem Handy auf. „Ja. Er ist viel zu unsicher, um meinen Worten einfach zu glauben. Ich schätze, ich muss wohl Taten sprechen lassen.“
„Was hast du vor?“ Peter lief zu seinem Kleiderschrank. Nach dem Duschen hatte er sich nur schnell ein Handtuch um die Hüften geschlungen und sein Haar ein wenig trocken gerubbelt. Vereinzelt perlten noch Wassertropfen über seinen nackten Oberkörper.
Er spürte Bobs Blick auf sich. „Ich versuche darüber nachzudenken, aber du machst es mir nicht gerade leicht, Zweiter.“
Überrascht drehte sich Peter zu Bob um. Der hatte sich zurückgelehnt, die Hände hinter sich auf dem Boden abgestützt und grinste leicht.
Peter wurde bewusst, er stand tatsächlich halbnackt vor Bob. Früher hatte er sich darüber nie Gedanken gemacht. Er hatte sowohl Bob als auch Justus mehrfach nackt gesehen, wenn sie sich umgezogen hatten. Keine große Sache.
Nur war Bobs Blick, der langsam über ihn glitt, ganz und gar nicht freundschaftlicher Natur.
Peters Wangen röteten sich leicht. „Ich…Sorry. Soll ich ins Bad gehen zum Umziehen?“
„Nein.“ Bob lachte. „Ich kann ja die Augen zu machen.“
Okay, diese ganze Sache zwischen ihnen mochte ja neu sein, aber Peter merkte, wenn Bob ihn verarschte. „Idiot!“ Er verdrehte die Augen. Kurzentschlossen ließ er das Handtuch fallen und registrierte befriedigt, wie Bob dadurch das Lachen im Halse stecken blieb.
Trotzdem griff er hastig nach einer frischen Unterhose, Joggingshorts und T-Shirt und schlüpfte hinein. Peter fühlte sich wohl in seiner Haut, das bedeutete jedoch nicht, er hatte überhaupt keine Unsicherheiten.
Als er sich wieder zu Bob umdrehte, war der aufgestanden. Den Ausdruck auf seinem Gesicht konnte man nur als angeturnt bezeichnen. „Weißt du, ein Gutes hat die ganze Sache ja.“
Peter wusste nicht ganz, worauf er hinauswollte. „Was meinst du?“
Bobs Lippen verzogen sich zu einem breiten Grinsen. „Jetzt kann ich dich nach Herzenslust begaffen, ohne mir wie ein Spanner vorzukommen.“
Sein lockerer Tonfall entlockte auch Peter ein Lachen. Seine Verlegenheit verschwand. „Ach ja? Und was ist, wenn ich nicht nur auf meinen Körper reduziert werden möchte?“, fragte er gespielt schmollend.
„Das würde ich doch niemals tun, Zweiter.“ Bob kam näher. Er legte eine Hand auf Peters Schulter, die andere fuhr sanft über seine Brust bis sie auf seinen Bauchmuskeln zum Liegen kam. „Aber ich muss schon sagen, ich steh auf dieses Sixpack.“
Besagtes Sixpack spannte sich unter seiner Berührung an und Peter schluckte. Langsam griff er nach Bobs Hüften, zog ihn an sich. Er wehrte sich nicht. Wie gestern rieb Peter sachte ihre Nasenspitzen aneinander. „Willst du rummachen, Andrews?“
Bob grinste. „Andrews? Ich glaube, so hast du mich noch nie genannt.“
„Neue Situation, neuer Name.“ Peter drängte Bob zurück, bis der mit den Unterschenkeln an sein Bett stieß.
Bob blickte zu Peter auf, er schien zu verstehen, dass er etwas brauchte, um ihre Freundschaft von ihrer sexuellen Beziehung abzugrenzen. Ein herausforderndes Funkeln erschien in seinen Augen. „Na gut. Aber so einfach wie gestern mache ich es dir heute nicht, Shaw.“
In einer fließenden Bewegung entwischte er Peters Griff und plötzlich war Peter es, der sich eingekeilt zwischen Bett und Bob wiederfand.
Das wurde langsam interessant. Peter versuchte wieder nach Bob zu greifen, doch der schubste einmal kräftig gegen seine Brust. Überrumpelt fiel Peter aufs Bett. Sekunden später war Bob über ihm. „Hab dich.“ Seine blauen Augen funkelnden amüsiert.
„Mich überrascht definitiv.“ Doch Peter wäre nicht der Sportler, der er war, wenn er eine kleine Herausforderung nicht zu schätzen wüsste.
Ohne zu zögern schnappte er sich Bob und drehte sie, pinnte ihn aufs Bett.
„Peter!“ Bobs Finger krallten sich in den T-Shirt-Stoff an seinem Rücken.
„Was?“ Peter legte die Stirn an seine. „Bin ich zu schwer?“ Er stütze sich zwar mit den Armen und einem Bein ab, nichtdestotrotz lastete ein Hauptteil seines Gewichtes auf Bob.
„Nein.“ Bob wand sich leicht unter ihm. Eine Bewegung, die Peters Erregung schürte. „Aber das ist unfair. Du bist stärker als ich.“
Peter konnte seinen Ton nicht ganz deuten, weshalb er sich ein wenig zurückzog. „Du, ich würde nie irgendetwas gegen deinen Willen tun. Das weißt du, oder?“
Bob verdrehte die Augen. „Na klar, du Gentleman. Glaub es mir, ich mag vielleicht schwächer sein als du, aber wenn mir irgendetwas nicht passt, würdest du es definitiv merken. Es ist nur…ungewohnt für mich. Im Bett der Schwächere zu sein.“
Peter verstand. Na klar. Bob war, wie er auch, bisher nur mit Mädchen zusammen gewesen. Und obwohl er kleiner als er und Justus war, war er immer noch größer als das Durchschnitts-Mädchen und auch kräftiger.
„Ach so, das meinst du. Ungewohnt…gut oder ungewohnt schlecht?“, fragte er.
Als Antwort schlang Bob Arme und Beine um Peter, presste sie gegeneinander. „Ungewohnt eben. Könntest du jetzt bitte aufhören, dir um meine Gefühlswelt Gedanken zu machen und mich endlich küssen?“
Peter lachte, ein wenig atemlos. Bob machte sehr klar, er musste nicht behütet werden. Ihr darauffolgender Kuss war dementsprechend auch alles andere als sanft.
Hatte Bob gestern noch ihm die Führung überlassen, wahrscheinlich aus Überraschung, blieb er heute nicht so passiv.
Peter musste seine ganze Kraft aufwenden, um ihn unter sich zu halten. Eine Tatsache, die ihn mehr anmachte als es vermutlich sollte. Für einen Moment abgelenkt, verschaffte er Bob die Gelegenheit, auf die er lauerte. Und bevor er sich versah lag er wieder auf dem Rücken und Bob thronte auf seiner Körpermitte.
Er atmete schwer, die Lippen rot und geschwollen von ihren Küssen. Ein Anblick, der einen neuerlichen Schauer der Erregung durch Peter schickte.
„Darf ich?“, fragte Bob, griff nach seinem T-Shirt.
Peter nickte und hob die Arme, sodass Bob ihm sein Shirt über den Kopf ziehen konnte.
„Hmm, das wollte ich sehen.“ Bob fuhr mit einer Hand über seine nunmehr entblößten Bauchmuskeln. Die spannten sich unter seiner Berührung an.
Allerdings war sein Sixpack nicht das einzige Körperteil, das aktuell unter Spannung stand. Peter bewegte unwillkürlich leicht die Hüften. Bob musste definitiv spüren wie erregt er war. Die Jogginghose tat nichts um seinen Zustand zu verbergen.
„Andrews, du hast mir gestern schon blaue Eier verpasst.“ Peters Hände schlossen sich um Bobs Hüften. „Ich habe echt gelitten.“ Zu Kelly hätte er so etwas nie gesagt. Aber Bob war ein anderer Mann. Er wusste mit solchen Sprüchen umzugehen.
„Frag mich mal.“ Bob begann seinen Hals zu küssen, die Seite, die Justus verschont hatte. „Aber ich bin mir sicher, du hast eine Lösung für dein Problem gefunden, nicht wahr?“ Er saugte sachte an der Haut, nur kurz, aber es war genug damit sich die Berührung direkt auf Peters Schwanz übertrug. „Hast du an mich gedacht, als du es dir selbst gemacht hast?“
Gott verdammt. Wer hätte gedacht, Bob war so ein Dirty Talker?
Peter setzte sich auf, schlang die Arme um ihn. „Was glaubst du denn?“, fragte er, blickte in Bobs lustverhangene blaue Augen. „Ich bin so hart gekommen wie noch nie in meinem Leben.“
Bob öffnete den Mund um zu antworten und Peter nutzte die Gelegenheit um ihn wieder zu küssen. Bob stieß ein atemloses kleines Stöhnen aus als sich ihre Zungen berührten.
Das Geräusch elektrisierte Peter geradezu. Shit. Wenn er nicht aufpasste, war das hier schneller vorbei als er es wollte. Widerwillig brach er ihren Kuss und atmete einmal tief durch.
„Was ist?“ Bob griff nach seinem Kinn und zwang Peter damit, ihn anzusehen. Er atmete schwer.
„Sorry. Ich versuche nur, etwas Selbstbeherrschung zurückzugewinnen“, murmelte Peter. „Du bist viel zu gut…in allem“.
„Selbstbeherrschung wird überbewertet.“ Ohne viel Federlesens streifte sich Bob sein eigenes T-Shirt über den Kopf. Dann drückte er Peter zurück in die Matratze.
Ihre nackten Oberkörper rieben gegeneinander, ein Gefühl, das Peters Schwanz zucken ließ.
„Bob. Shit. Ich mein es ernst“, Peter schnappte zwischen zwei Küssen nach Luft. „Wenn du so weiter machst werde ich nicht mehr lange durchhalten.“
Doch Bob dachte gar nicht daran ihm eine Atempause zu geben. Stattdessen fühlte Peter, wie er eine Hand in seine Jogginghose und unter den Rand seiner Boxershorts schob. Als sich Bobs Finger um seine Erektion schlossen stöhnte Peter auf. Er konnte es einfach nicht unterdrücken.
Ungestüm stieß er in die Enge, die Bobs Faust bot. „Bob…Ich…“
„Lass los“, flüsterte Bob an Peters Lippen und mehr brauchte es nicht mehr. Sein Körper verkrampfte sich als sein Orgasmus aus ihm herausbrach, eine Welle der Lust nach der anderen überrollte ihn. Bob blieb bei ihm, pumpte weiter seinen Schwanz und verlängerte damit seine Lust.
Erst als Peter ermattet stillhielt, löste Bob die Hand von seiner erschlaffenden Erektion um seine Jeans zu öffnen. „Man, du siehst so scharf aus, wenn du kommst. Ich liebe es, wie sich dein Schwanz in meiner Hand anfühlt. Ich wusste nicht, wie anders als meiner er sich anfühlen würde.“
Bob schlang die Finger um seine eigene Erektion und Peter beobachtete in Post-Orgasmus-Trägheit wie er sich selbst streichelte. Sein Blick zuckte immer wieder von Peters Gesicht zu seinem nackten Oberkörper.
Peter spannte probeweise erneut seine Bauchmuskeln an und registrierte befriedigt, wie Bob bei dem Anblick aufstöhnte. „Fuck, ja.“ Es dauerte nicht mehr lange und Bob warf den Kopf in den Nacken, einen entrückten Ausdruck auf dem Gesicht als er kam. Warme Nässe bedeckte Peters Bauch und Brust, ließ ihn kurz zusammenzucken.
Für einen Moment war nur Bobs schwerer Atem zu hören, dann ging er langsam von Peter runter und ließ sich neben ihn fallen. Peter streckte unwillkürlich den Arm nach ihm aus und Bob kuschelte sich an ihn. „Jetzt muss ich nochmal duschen“, nuschelte Peter, doch es steckte keine Kraft hinter seiner Beschwerde.
Vermutlich sollte er ausflippen, weil sich Bobs Sperma auf seinem Oberkörper befand. Und ja, es war ein ungewohntes Gefühl. Aber komischerweise störte es ihn nicht so, wie es wahrscheinlich sollte.
„Ups. Sorry.“ Bob klang nicht so als würde es ihm sonderlich leidtun. Peter blickte amüsiert auf sein schläfriges Gesicht hinab. „Dazu muss ich allerdings aufstehen, Andrews.“
„Hast du nicht irgendwo Taschentücher?“, grummelte Bob verstimmt.
Peter lachte. „Ich bin gleich wieder da.“ Sorgfältig darauf bedacht nicht noch mehr Sauerei zu veranstalten krabbelte er aus dem Bett und sprang zum zweiten Mal an diesem Tag unter die Dusche. Diesmal allerdings nur kurz, denn die Gewissheit von Bob in seinem Bett war zu verlockend um unnötig Zeit zu verschwenden.
Der war beinahe eingeschlafen als Peter sich wieder neben ihn kuschelte nachdem er sich frische Sache angezogen hatte.
„Sag bloß, du bist so jemand, der nach dem Sex sofort ins Koma fällt“, neckte Peter ihn.
„Niemals.“ Bobs Beteuerung wäre überzeugender gewesen, wenn sie nicht von einem Gähnen begleitet worden wäre.
Peter drückte einen sanften Kuss auf seine nackte Schulter. Dabei blickte er auf seinen Radiowecker. Zum Glück dauerte es noch ein bisschen, bis seine Eltern zurückkommen müssten. Nicht auszudenken, wenn sie ihn und Bob kuschelnd im Bett vorfinden würden.
Langsam ließ Peter sich wieder zurücksinken. „Bob?“
„Hmm?“ Der Angesprochene öffnete die Augen. „Ach jetzt bin ich wieder Bob?“
Peter knuffte ihn leicht in die Seite. „Bevor wir…abgelenkt wurden, wolltest du dir ein Date für unseren Ersten überlegen.“
Bob drehte sich auf die Seite und sah ihn an, er wirkte wieder ein wenig wacher. „Da brauche ich nicht mehr lange zu überlegen. Ich denke, ich kenne das perfekte Date für Just.“
„Ach echt? So schnell? Was hast du dir denn ausgedacht?“, fragte Peter erstaunt.
Doch Bob grinste nur und gab ihm einen raschen Kuss. „Lass dich überraschen, Zweiter. Die
Details kann Justus dir danach selbst erzählen.“
Chapter 29: First Date Prt. 1
Notes:
Hier kommt das BxJ-Date in drei Kapiteln :) Lasst mich doch wissen, was ihr von Mr. Andrews Idee haltet :)
Chapter Text
Es war zwei Tage her. Vor zwei Tagen hatte Bob gesagt, er würde ihm die Details für ihr Date texten. Seitdem herrschte Funkstille. Justus legte verstimmt zum wiederholten Mal an diesem Tag sein Handy beiseite.
Weil Ferien waren, sah er Bob nicht mal in der Schule. Auch mit Peter hatte er nur ganz kurz geschrieben. Er war damit beschäftigt seinen Großeltern im Garten zur Hand zu gehen und hatte deswegen keine Zeit. Sagte er jedenfalls.
Justus erhob sich und begann unruhig auf und ab zu laufen. Viel Platz dafür hatte er in der Zentrale nicht. In die hatte er sich verkrochen nachdem ihm in seinem Zimmer die Decke auf den Kopf gefallen war. Nicht mal Tante Mathilda und Onkel Titus brauchten momentan seine Hilfe. Meckerte er sonst oftmals über die Arbeit auf dem Schrottplatz, wäre er heute erleichtert gewesen, etwas zu tun zu haben. Irgendetwas, das ihn von Bob und diesem vermaledeiten Date ablenkte.
Justus blieb stehen und starrte nachdenklich vor sich hin. Bestimmt war Bob klar geworden, er sah Justus einfach nur als guten Freund. Wahrscheinlich traute er sich nicht, ihm die Wahrheit zu sagen und mied deswegen den Kontakt. Der dritte Detektiv war kein Lügner. Egal wie sehr er das mit Peter wollte, er würde Justus keine Anziehung vorspielen, die nicht da war, nur um an Peter ranzukommen.
Davon ging Justus jedenfalls aus. Er ließ sich wieder auf seinen Schreibtischstuhl fallen und griff erneut nach seinem Handy. Stirnrunzelnd wählte er seinen privaten Chatverlauf mit Bob aus.
Etwas das er heute bestimmt schon fünfzig Mal gemacht hatte. Und diesmal war Bob online. Dann offline. Dann wieder online. Wahrscheinlich schrieb er mit irgendjemandem. Mit Peter vielleicht? Oder irgendeinem Mädchen?
Justus verdrehte über sich selbst die Augen. Er benahm sich lächerlich. Was hatte er eigentlich erwartet? Bobs Bitte um ein Date war einfach nur aus der Situation heraus geschehen. Er hatte sich hinreißen lassen und wusste jetzt nicht, wie er aus der Nummer wieder rauskam. Justus sollte ein guter Freund sein und ihn vom Haken lassen.
Kurzentschlossen begann Justus zu tippen:
Es ist total okay, wenn du kein Date mit mir möchtest. Sag es einfach.
Nein, das klang zu jämmerlich. Er löschte den Text wieder.
Bob? Hast du unser „Date“ vergessen?
Das war auch nicht besser. Frustriert wollte er das Handy schon sinken lassen, als er bemerkte wie Bobs Status von ‚Online‘ zu ‚schreibt…‘ wechselte.
Gebannt starrte Justus auf den Bildschirm. Doch erstmal tat sich nichts. Schrieb Bob einen Roman? Er beobachtete wie sich mehrmals ‚schreibt…‘ mit ‚online‘ abwechselte. Immer noch keine Nachricht.
Justus wurde es zu dämlich. Er legte das Handy weg. Wie um ihn zu verhöhne, vibrierte es eine Sekunde später um ihm den Eingang einer neuen Nachricht anzuzeigen. Justus starrte das kleine Gerät finster an, die Arme vor der Brust verschränkt. Es vibrierte erneut.
Justus wollte Bobs Nachrichten unbedingt lesen. Und irgendwie auch nicht. Es gab eigentlich nur zwei Varianten: Bob bat ihn tatsächlich um ein Date oder er entschuldigte sich dafür, dieses Thema überhaupt aufgebracht zu haben. Langsam griff Justus nach dem Mobiltelefon und aktivierte den Bildschirm. Bobs Nachrichten erschienen:
Hey Just :) Wegen unserem Date… Würde es dir diese Woche abends mal passen?
Ich freue mich wirklich darauf. Ich denke, es wird dir gefallen.
Justus schluckte. Bob wollte wirklich ein Date mit ihm. Mit ihm, Justus Jonas. Nach einem kurzen Zögern schrieb er zurück.
Hi Bob. Ich muss momentan nicht auf dem Schrottplatz helfen, also bin ich flexibel. Sag einfach, wann es für dich am besten passt.
So. Das klang doch recht neutral. Er drückte auf Senden. Bobs Antwort kam prompt:
Morgen Abend. 19 Uhr. Ich hole dich ab. X
Kein Wort darüber, was sie unternehmen würden. Ein wenig verdrossen sah Justus den Bildschirm an. Er hasste Überraschungen. Was Bob sehr wohl wusste. Er setzte gerade zu einer Antwort an, als eine weitere Nachricht kam:
Ich weiß, du kannst Überraschungen nicht leiden
Trotzdem nur so viel: Zieh normale Klamotten an. Iss zu Abend. Kein Kino. Den Rest erfährst du morgen
Du wirst es überleben
Widerwillig musste Justus nun doch ein wenig lächeln. Es schien als hätte Bob seine Gedanken gelesen.
Das will ich auch schwer hoffen, Dritter. Bis morgen.
Nachdenklich legte Justus das Handy weg. Was Bob wohl geplant hatte? Das klassische Abendessen & Kino-Date war schonmal ausgeschlossen.
Vielleicht…bowlen oder so? Andererseits wusste Bob, er hatte keinerlei Talent für irgendeine körperliche Betätigung abgesehen von Schwimmen. Ein Konzert? Bob bekam manchmal Freikarten von Sax Sandler, dem Musikproduzenten, für den er von Zeit zu Zeit arbeitete. Allerdings hatten er und Bob einen ziemlichen unterschiedlichen Musikgeschmack.
Justus gab auf. Er musste sich wohl tatsächlich überraschen lassen.
Der nächste Tag kam für Justus Geschmack viel zu langsam. Obwohl er für seine Verhältnisse relativ lange schlief, zogen sich die Stunden bis zum Abend wie Kaugummi.
Er hatte bereits gegen 17 Uhr geduscht, einfach um etwas Zeit totzuschlagen, und stand nun unschlüssig vor seinem Kleiderschrank. Was zog man zu einem ersten Date mit seinem besten Freund seit Kindertagen an? Bob hatte gesagt normale Klamotten. Aber zu leger war wahrscheinlich auch nicht das Wahre.
Justus griff sich eine schwarze Jeans und schlüpfte hinein. Ganz in Schwarz wollte er sich jedoch auch nicht kleiden. Er ging schließlich nicht auf eine Beerdigung.
Schlussendlich streifte er sich ein dunkelgrünes T-Shirt über. Es war wie die Jeans ein wenig enganliegender als er es bevorzugte, weswegen er beides bisher auch nicht getragen hatte. Dazu noch seine übliches graues Jeanshemd als Jacke. Justus drehte sich unschlüssig vor dem Spiegel hin und her. Es stand ihm eigentlich ganz gut. Für seine Verhältnisse fand er sich ganz passabel.
Sollte er vielleicht noch irgendetwas mit seinen Haaren anstellen? Viele Möglichkeiten blieben ihm da nicht. Es war relativ kurz. Versuchsweise fuhr er mit einer Hand hindurch, verstrubbelte sein Haar etwas.
Nein. Er sah aus wie eine Katze, der das Fell abstand. Schnell strich er die schwarzen Strähnen wieder glatt. Besser.
Justus blickte auf die Uhr. 18 Uhr. Er hatte noch immer eine Stunde Zeit, bis Bob ihn abholen würde.
Punkt 19 Uhr. Unten klingelte es an der Haustür. Justus atmete einmal tief durch. Mit jeder verstreichenden Minute war seine Nervosität gestiegen. War er sonst stehts darum bemüht die Contenance zu behalten, konnte man ihn nun guten Gewissens als Nervenbündel beschreiben.
Er hörte Tante Mathildas Stimme vom Fuß der Treppe. Offensichtlich hatte sie Bob bereits die Tür geöffnet. „Oh, hallo Bob. Du siehst ja schick aus. Was habt ihr Jungs denn heute vor?“
Justus linste vorsichtig um die Ecke des Flures. Er konnte sich Tante Mathildas Einschätzung nur anschließen. Bob trug dunkelbraune Boots, eine dunkelblaue Jeans in Kombination mit einem weißen T-Shirt und darüber eine Lederjacke im gleichen Braunton wie seine Schuhe. Das Outfit stand ihm wirklich gut.
„Danke, Tante Mathilda. Ach, nichts Besonderes. Eine kleine Party bei einem Freund von mir.“ Bob log ohne mit der Wimper zu zucken. Beziehungsweise hoffte Justus mal schwer, er log. Er hatte nun wirklich keine Lust, ihr Date auf der Party eines von Bobs Musikerfreunden zu verbringen.
Langsam lief er die Treppe hinunter. Bob und Tante Mathilda bemerkten ihn gleichzeitig.
„Da bist du ja, Justus.“ Seine Tante schien über seine Klamottenauswahl hocherfreut zu sein. „Na sieh mal einer an. Die Mädchen auf der Party werden hin und weg von euch sein.“
Justus errötete ein wenig. Er log seine Tante nur äußerst ungern an, aber zugegebenermaßen gab ihm ihre Reaktion neues Selbstbewusstsein. „Danke, Tante. Warte nicht auf mich, ja?“
Bob lächelte ebenfalls. „Toll siehst du aus, Just.“
Das Kompliment konnte Justus nur zurückgeben. „Danke, du aber auch. Können wir?“
„Klar.“ Bob klimperte zur Bestätigung mit seinen Autoschlüsseln. Sie verabschiedeten sich von Tante Mathilda, die ihnen noch viel Spaß wünschte und traten auf die Veranda.
„Hey erstmal.“ Bob zog ihn in eine kurze Umarmung, die Justus ein wenig ungelenk erwiderte.
„Hey“, antwortete er leicht verlegen. „Danke fürs abholen.“
„Gerne.“ Sie schlenderten Seite an Seite zu Bobs gelben VW-Käfer, den er am Straßenrand vor den Toren des Schrottplatzes geparkt hatte. Der Himmel war heute wolkenbedeckt und es war windig. Kein guter Zeitpunkt für Outdoorunternehmungen.
Als sie eingestiegen waren, blickte Justus ihn neugierig von der Seite an. „Verrätst du mir jetzt, was wir vorhaben?“
Chapter 30: First Date Prt. 2
Chapter Text
„Noch nicht.“ Bob startete den Motor und fädelte den Käfer in den laufenden Verkehr ein. Kein großes Kunststück in einer Kleinstadt wie Rocky Beach. Trotzdem gab es ihm einen Augenblick Zeit, seine Gedanken zu sammeln.
Bob war nervöser als er es erwartet hatte. Nachdem seine Vorbereitungen für ihr Date abgeschlossen waren, hätte er sich eigentlich entspannt zurücklehnen können. Er war recht zuversichtlich, Justus würde seine Idee gefallen.
Trotzdem hing eine Menge davon ab. Falls das heute schiefging, gab Justus ihm vermutlich keine zweite Chance mehr. Ihre Freundschaft würde daran zwar hoffentlich nicht zerbrechen – jedenfalls konnte Bob sich das nicht vorstellen – allerdings wäre es wahrscheinlich eine Zeit lang ziemlich verkrampft zwischen ihnen. Vor allem, wenn sie beide eine romantische Beziehung zu Peter führten.
Bobs Finger schlossen sich für einen Moment fester ums Lenkrad, bis er sich bewusst dazu zwang, sich zu entspannen. Es würde schon alles gut gehen.
Als er den Kopf zu Justus drehte, sah der ihn aufmerksam an. Dem ersten Detektiv entging selten etwas und mit Sicherheit nicht seine Anspannung.
„Ich bin nervös“, bekannte Bob daher ohne viel drumherum zu reden. „Vermutlich sollte ich dir das nicht sagen, aber du merkst es ja sowieso.“
„Ich bin es auch“, antwortete Justus leise. „Vor allem, weil ich nach wie vor nicht weiß, was du geplant hast.“ Der leicht schmollende Unterton in seiner Stimme brachte Bob zum Lächeln. Typisch Erster. Seine Anspannung ließ ein wenig nach.
„Nur Geduld, Justus. Nur Geduld.“ Er steuerte den Käfer auf den Highway Richtung Santa Monica. Es war nicht viel Verkehr, daher kamen sie zügig voran. Schon bald tauchten die ersten Häuser von Santa Monica auf. Zwischendurch unterhielten sie sich über dieses und jenes, hielten ihr Gespräch aber bewusst oberflächlich. Offensichtlich wollte keiner von ihnen ein potentiell schwieriges Thema anschneiden.
„Das College-Viertel?“ Justus sah mit gerunzelter Stirn aus dem Fenster. Draußen wurde es langsam duster. „Du hast das mit der Party bei einem Freund von dir doch nicht wirklich ernst gemeint, oder?“
Bob schnaubte. „Also bitte, hältst du mich für so dämlich? Natürlich nicht.“ Er blinkte und bog nach rechts auf den Parkplatz des Santa Monica Colleges ab.
„Drescher Hall?“ Justus blickte verwirrt an dem Gebäude empor, vor dem Bob den Käfer nun parkte. „Ich muss zugeben, Dritter, ich habe keine Ahnung was das hier wird.“
Bob schmunzelte ein wenig. Bisher ging sein Plan wunderbar auf. „Das sollst du ja auch nicht, Just. Komm mit.“
Sie stiegen aus und Bob führte Justus zum Eingang des Gebäudes. Davor wartete ein Mädchen mit einem Wust von roten Locken. Sie trat frierend von einem Bein aufs andere. Ihr Gesicht hellte sich auf als sie Bob entdeckte. „Bob, da seid ihr ja endlich.“
„Hey Jacky.“ Bob grinste. „Sag bloß du hast mich so vermisst.“
Jacky boxte ihm leicht gegen den Oberarm. „Spar dir dein Süßholzgeraspel.“ Sie ließ einen Schlüsselbund in seine geöffnete Hand fallen. „Du schuldest mir was, das ist dir klar, nicht wahr?“
„Meine ewige Dankbarkeit ist dir sicher.“ Bob schloss die Finger um die Schlüssel. „Du bekommst sie morgen wieder.“
Jacky betrachtete sie prüfend. „Ihr macht da drin doch nichts kaputt, oder? Du weißt, ich brauch den Job hier.“
„Quatsch“, beruhigte Bob sie. „Wir müssen für einen Fall recherchieren. Das College ist chronisch pleite, deswegen gibt es auch keine Videoüberwachung. Habe ich alles überprüft. Niemand wird merken, dass wir überhaupt da waren.“
„Okay, gut.“ Jackys Schultern entspannten sich etwas. „Dann hau ich jetzt ab und überlass euch eurer Recherche. Viel Spaß.“ Sie schlang kurz die Arme um Bob, winkte Justus zu und joggte schließlich vom Parkplatz.
Bob wandte sich wieder Justus zu, klimperte ein wenig mit den Schlüsseln. Justus hatte die Stirn gerunzelt, er nagte an seiner Unterlippe. Wie immer, wenn er nachdachte. Sein Blick folgte Jacky. „Wer war das denn, Dritter?“
„Jacky“, antwortete Bob. „Sie arbeitet neben dem Studium für das College und hat deswegen den Generalschlüssel.“ Während er sprach erklomm er die wenigen Stufen zur Eingangstür von Drescher Hall.
Justus folgte ihm. „Woher kennst du sie? Sie ist doch bestimmt vier, fünf Jahre älter als wir.“
Bob sperrte die Tür auf und winkte ihn ins Innere. Niemand war zu hören oder zu sehen. „Von einer von Sax Partys. Sie datet den Gitarristen einer Band, die bei Sax unter Vertrag steht.“
„Ach so.“ Täuschte er sich, oder hörte sich Justus ein wenig erleichtert an? Bob drehte sich zu ihm um. „Was dachtest du denn? Dass ich mal etwas mit ihr hatte? “
Justus zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Ich frage ja nur.“
Bob schüttelte leicht den Kopf. Justus brachte Trust-Issues auf ein ganz neues Level. „Nein, ich hatte nie etwas mit ihr. Sie ist glücklich vergeben und davon abgesehen nicht mein Typ.“ Er griff nach Justus Hand und verschlang ihre Finger miteinander. „Mein Typ hat momentan schwarzes Haar und braune Augen.“
Justus Wangen färbten sich leicht rot. „Oder braunes Haar und grüne Augen, nicht wahr?“ Doch er zog seine Hand nicht zurück.
Innerlich seufzte Bob. Oh Mann. Da hatte er noch ein ganzes Stück Arbeit vor sich. Trotzdem beschloss er sich erstmal auf das Positive zu konzentrieren. Justus schien nichts dagegen zu haben, seine Hand zu halten.
Ohne zu antworten zog Bob Justus mit sich. Die Flure, die sie durchquerten, lagen verlassen da. Durch die Fenster schien gerade noch genug Tageslicht damit sie kein Licht anmachen mussten.
Schließlich stoppte Bob vor einer Tür. Verblüfft las Justus das Schild über dem Eingang. „John Drescher Planetarium? Das Planetarium?“ Er sah Bob verwirrt an.
„Ja, ich möchte dir etwas zeigen.“ Er schloss auch diese Tür auf und führte Justus in die kreisrunde Projektorhalle. In Ermangelung eines Fensters war es hier drin stockdunkel. Doch statt den Lichtschalter zu betätigen, drückte Bob auf ein Bedienfeld rechts neben der Tür. Sofort erwachte der Projektor in der Mitte des Raumes zum Leben. Sekunden später erschien ein Sternenhimmel über ihren Köpfen.
Justus legte staunend den Kopf in den Nacken. Genau die Reaktion, die Bob sich erhofft hatte. Er schloss die Eingangstür und bedeutete Justus, sich in einen der bequemen Sessel niederzulassen.
Darunter hatte er einen kleinen Korb mit verschiedenen Süßigkeiten und Dosen mit Cola platziert, den er jetzt hervorzog. Er reichte Justus eine der Dosen und öffnete dann seine eigene. „Auf einen schönen Abend.“
Justus schien noch immer nicht recht zu wissen, was er von der ganzen Sache halten sollte, stieß jedoch nach einem kurzen Zögern mit ihm an. „Auf einen schönen Abend.“
Sie tranken beide einige Schlucke. Dann stellte Bob zögerlich seine Dose weg. Jetzt kam der Teil, den er auf keinen Fall vermasseln durfte. „Justus, was ich dir zeigen wollte…Ich weiß, du bist ein sehr rationaler Mensch. Zahlen, Daten, Fakten sind dein Ding und Taten bedeuten dir mehr als Worte. Was das Zwischenmenschliche betrifft, sind die Fakten aber manchmal nicht ganz so eindeutig.“ Er griff wieder nach Justus Hand. „Ich habe deswegen nach einer Metapher gesucht, um dir zu zeigen, wie ich dich sehe. Wie ich uns sehe. Und wie ich uns gemeinsam mit Peter sehe.“ Er verzog ein wenig das Gesicht. „Ich weiß, es ist nicht perfekt. Vielleicht ist es auch kompletter Schwachsinn. Vielleicht aber verstehst du dann, was ich bisher nicht in Wort fassen kann.“
Justus sah ihn aufmerksam an, danach auf ihre verschränkten Finger. Er streichelte sanft mit dem Daumen über Bobs Handrücken. Nur kurz, aber durch die leichte Berührung entspannten sich Bob ein bisschen.
Das Sternenlicht malte Licht und Schatten auf Justus Gesicht, ließ ihn ein wenig geheimnisvoll aussehen. „Ich bin gespannt, was du mir zeigen möchtest. Und Bob?“ Er lächelte kaum merklich. „Du weißt, ich bin von Haus aus nicht unbedingt romantisch veranlagt, aber…“, er legte den Kopf in den Nacken und betrachtete den projektierten Sternenhimmel über ihren Köpfen, „das ist wirklich schön. Sie funkeln sogar. Draußen sieht man heute bestimmt keinen einzigen Stern am Himmel mit all den Wolken. Wer hatte schonmal ein ganzes Planetarium komplett für sich?“
Bob richtete sich unter Justus lobenden Worten auf. Es gefiel ihm! Er hatte ein wenig gefürchtet, es mit seinem Kitsch zu übertreiben, aber scheinbar wusste Justus die Geste zu schätzen. „Ich freue mich, wenn es dir gefällt.“ Bob drückte kurz Justus Hand ehe er aufstand um zum Bedienfeld des Projektors zu gehen.
Es dauerte kurz, bis er die richtige Filmsequenz gefunden hatte, dann drückte er auf Start. Die Sterne über ihren Köpfen begannen zu rotieren.
Bob ließ sich wieder neben Justus nieder, griff erneut nach seiner Hand. „Okay, Film ab.“
Chapter 31: First Date Prt. 3
Chapter Text
Justus hatte keine Ahnung, was ihn erwartete, als die Sterne sich zu einem Bild verdichteten. Die ganze Decke des kreisrunden Raumes wurde als Projektionsfläche für den Film benutzt. Er musste immer wieder den Kopf drehen, um alles zu erfassen. Dadurch entstand der Eindruck, sie befänden sich mitten im Geschehen. Sie beide, alleine in der Mitte des Universums.
Mittlerweile spielte leise Musik und die Sterne hatten sich in eine Darstellung der Erde verwandelt. Ein Erzählerstimme setzte ein. „Bestimmt kennen Sie dieses Bild alle. Es handelt sich um den Planeten, auf dem wir alle leben – die Erde. Doch die Erde ist nicht der einzige Himmelskörper, über den wir uns heute unterhalten wollen.“
Die Kamera zoomte etwas zurück. Hinter der Erde tauchte die Sonne auf. „Die Sonne ist der Stern, der der Erde am nächsten ist und das Zentrum unseres Sonnensystems bildet. Sie ist ein durchschnittlich großer Stern im äußeren Drittel der Milchstraße. Da außer der Sonne alle anderen Sterne sehr weit von uns entfernt sind, erscheinen sie uns lediglich als die bekannten punktförmigen Himmelskörper am Firmament.“
Für einen Moment verschwand die Darstellung der Erde und die Sonne füllte das Bild. Taghelles Licht erleuchtete den Raum. „Ohne die Sonne gäbe es kein Leben auf diesem Planeten, jedenfalls nicht so wie wir es heute kennen. Die Sonne ist eine gigantische Energiequelle, die Licht und Wärme ins Weltall strahlt. Ein Teil ihrer Strahlung erreicht auch die Erde. Diese Energie erwärmt unsere Atmosphäre, den Erdboden und die Meere.“
Justus runzelte die Stirn. Bob hatte gesagt, es handele sich um eine Metapher. Eine Metapher wofür?
„Die Erde umkreist die Sonne. Dabei legt sie eine Strecke von rund 30 Kilometern pro Sekunde zurück. Trotzdem dauert es 365 Tage, bis die Erde die Sonne einmal umkreist hat.“ Der Raum verdunkelte sich wieder etwas als sich die Kameraperspektive erneut veränderte.
Die Erde erschien wieder. „Die Sonne ist jedoch nicht der einzige Himmelskörper, der Einfluss auf das Leben auf der Erde nimmt.“ Zwischen Sonne und Erde tauchte jetzt der Mond auf. „Die Anziehungskraft, die die Sonne auf die Erde ausübt, ist aufgrund der großen Sonnenmasse zwar ungefähr 200-mal so groß wie die des Mondes, aber weil die Sonne deutlich weiter von der Erde entfernt ist als der Mond, ist die Gezeitenkraft der Sonne kleiner als die des Mondes. Die Anziehungskraft des Mondes wirkt wie ein Magnet und bestimmt so die Gezeiten. Der Mond stabilisiert außerdem die Erdachse. Wäre er nicht da, könnte die Erdachse unter Umständen kippen.“
Justus drehte den Kopf und sah Bob an. Zwei Himmelskörper und ihr Einfluss auf die Erde. Beide gleichermaßen wichtig für das Leben auf dem blauen Planeten. Natürlich. Das hatte Bob mit seiner Metapher gemeint.
Justus drückte kurz Bobs Hand. Er musste zugeben, er war beeindruckt.
Der Erzähler sprach weiter. „Der Mond leuchtet. Aber er leuchtet nicht selbst, so wie die Sonne, sondern er wird von der Sonne angestrahlt. Genau wie die Erde auch. Was wir sehen, ist der Teil des Mondes, der von der Sonne erhellt wird. Die Sonne beleuchtet dabei stets nur eine Hälfte der Mondkugel. Wir sehen jedoch immer einen anderen Ausschnitt: Der Mond steht nämlich nie an der gleichen Stelle, sondern dreht sich um die Erde. Und auch die Erde dreht sich - um sich selbst und um die Sonne. Je nachdem, wo sich der Mond, die Erde und die Sonne gerade befinden, sehen wir am Himmel etwas anderes.“
Erde, Sonne und Mond begannen sich zu bewegen, kreisten umeinander, genauso wie der Erzähler es beschrieb. „Faszinierend, finden Sie nicht auch? Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Wir hoffen, Sie bald wieder bei uns im Planetarium begrüßen zu dürfen.“
Die Himmelskörper verschwanden und machten wieder dem Sternenhimmel Platz.
Justus atmete tief durch. Aus irgendwelchen Gründen fühlte er sich auf einmal ein wenig zittrig. „Just?“, fragte Bob leise, streichelte sanft mit dem Daumen über seinen Handrücken. „Alles in Ordnung?“
„Ja.“ Justus drehte sich zu ihm. „Ich bin nur…ein bisschen überwältigt, schätze ich.“
Bob richtete sich etwas in seinem Sitz auf. Er schien Justus Satz nicht ganz einordnen zu können. „Hast du…hast du verstanden, was ich dir mit diesem Film sagen wollte?“
„Ich denke schon.“ Justus biss sich kurz auf die Unterlippe. „Ich bin die Erde, Peter die Sonne und du der Mond, nicht wahr? Der Film war eine Metapher für unsere jeweilige Beziehung zueinander.“
Bob nickte leicht, sah ihn forschend an. „War das zu dick aufgetragen? Habe ich es übertrieben?“
„Nein.“ Justus sah hinauf zu den Sternen. „Tatsächlich bin ich fasziniert von deinem Einfallsreichtum. Es zeigt, wie viele Gedanken du dir um uns und unsere Beziehung gemacht hast. Nicht nur seit Kurzem. Du hast das schon länger im Kopf, nicht wahr?“
Bob räusperte sich kurz. „Du hast recht. Seit ich meine Bisexualität realisiert habe, habt ihr in meinen Träumen und Vorstellungen immer eine Rolle gespielt. Ich konnte es nur ganz gut verbergen, schätze ich.“
Justus nickte. Definitiv. Er hatte jedenfalls keine Ahnung gehabt und Peter vermutlich auch nicht. „Polyamorie?“
„Polyamorie“, bestätigte Bob. Er sah auf ihre Hände hinab. „Seitdem…Seitdem mir dieser Gedanke kam, habe ich zu dem Thema Recherche betrieben. Bücher gelesen. Nur hätte ich halt nie gedacht…“, er blickte wieder auf. „Es war immer nur in meinem Kopf, weißt du? Ein geheimer Wunschtraum. Aber als dann Peter mit Kelly Schluss gemacht hat und ich mich ihm gegenüber geoutet habe…“
„Kam der Stein ins Rollen“, beendete Justus seinen Satz für ihn. „Und dein Wunschtraum hatte auf einmal das Potential Realität zu werden.“
„Genau.“ Bob atmete tief durch. „Kennst du das Gefühl, wenn etwas schon zum Greifen nahe ist, aber gerade so außerhalb deiner Reichweite?“
Das konnte Justus nicht behaupten, allerdings verstand er trotzdem, was Bob sagen wollte. „Das muss außerordentlich frustrierend sein.“
„Ja.“ Bob betrachtete eingehend sein Gesicht. „Ich will dich nicht unter Druck setzen. Wenn…wenn du mehr Zeit brauchst, um dir darüber klar zu werden, was und ob du etwas anderes als Freundschaft für mich empfindest, dann ist das völlig in Ordnung. Oder wenn du sagst, du siehst mich einfach nur als Freund. Das muss ich akzeptieren.“
Langsam stand Justus auf, brachte etwas Abstand zwischen sich und Bob. Er brauchte kurz einen Moment zum Nachdenken. Geistesabwesend legte er den Kopf in den Nacken und betrachtete die Sterne. Die Erde brauchte nicht nur die Sonne, sondern auch den Mond, damit alles seinen geregelten Gang ging. Wenn er die Erde war und Peter die Sonne…
Er drehte sich zu Bob. Der hatte sich in seinem Stuhl zurückfallen lassen, die Arme vor der Brust verschränkt. Sein Gesichtsausdruck machte deutlich, er rechnete bereits mit einer Abfuhr.
„Danke für das Date, Bob.“ Justus kam wieder näher. „Es war toll. Das beste erste Date, das ich mir hätte wünschen können. Ich weiß das wirklich zu schätzen.“
Bob blickte unschlüssig zu ihm auf. „Wird das jetzt eine ‚Lass uns Freunde bleiben‘-Rede?“ Seine Worte kamen vermutlich ein wenig schärfer heraus als sie eigentlich gemeint waren.
Justus wurde klar, er war nicht der Einzige mit Ängsten und Unsicherheiten. Bob und Peter mochten vielleicht erfahrener in Beziehungsangelegenheiten sein, das bedeutete jedoch nicht, sie konnten nicht verletzt werden.
„Nein.“ Justus griff nach Bob und zog ihn auf die Füße. „Einfach nur ein ehrliches Danke.“
Bob legte eine Hand an sein Gesicht, streichelte mit dem Daumen sachte über seine Wange. Aufgrund ihrer Größendifferenz musste er ein bisschen zu Justus aufsehen, wenn sie sich so nahe waren. „Dann…darf ich dich jetzt küssen, Justus Jonas?“
Justus nickte, kam Bob entgegen. Der zögerte keine Sekunde. Ihr erster Kuss war sanft, kaum mehr als eine kurze Berührung ihrer Lippen. Bob hielt sich zurück, ließ ihn das Tempo bestimmen.
Sie küssten sich immer und immer wieder, die Sterne über ihnen ihre einzigen Zeugen.
Küssen mit Bob war ganz anders als mit Peter. Aber deswegen nicht weniger schön. Justus neigte leicht den Kopf und Bob verstand sofort, verstärkte den Druck seines Mundes auf Justus Lippen.
War die Begegnung zwischen ihm und Peter von Hitze und Lust erfüllt gewesen, war dieser Kuss hier viel sanfter und romantischer. Trotzdem ahnte Justus, Bob konnte auch anders, wenn er wollte. Er zügelte sich noch immer. Wahrscheinlich um Justus nicht zu überfordern.
Langsam brach Justus ihren Kuss, lehnte die Stirn an Bobs. „Du, diese Bücher über Polyamorie… Kann ich mir die vielleicht mal ausleihen?“
Es dauerte kurz, dann lachte Bob leise. „Na klar. Die kannst du dir gerne ausleihen.“ Gleich darauf wurde sein Tonfall wieder etwas ernster. „Heißt das, du gibst mir – und uns – eine Chance?“, fragte er.
Sie standen noch immer dicht zusammen, die Arme umeinandergeschlungen. Justus nickte. „Ja, ich… Peter hatte recht, als er sagte, er kann es nicht nicht tun. Ich möchte sehen, wohin das mit uns führt. Mit uns dreien.“
Bob lächelte breit, deutliche Erleichterung und Freude spiegelte sich auf seinem Gesicht. „Gott, ich freu mich so.“ Er gab Justus einen erneuten Kuss. „Das ist alles, wovon ich jemals geträumt habe.“
Justus bremste ihn nur ungern, aber es gab noch eine Person, mit der er vorher reden musste. „Ich dämpfe deinen Enthusiasmus ja nur äußerst ungern, Dritter, aber erstmal muss ich mit Peter sprechen. Das letzte was ich zu ihm bezüglich unseres Kusses gesagt habe, war, es sei eine einmalige Sache gewesen.“ Er nagte an seiner Unterlippe. „Ich hatte schon den Eindruck, es hat ihm auch gefallen und er hätte nichts gegen eine Wiederholung, aber ich kann es nicht als gegeben voraussetzen. Schließlich hatte er bis vor wenigen Tagen noch eine Freundin.“
Bob lächelte, einen wissenden Ausdruck in den Augen. „Ich denke, ich kenne seine Antwort bereits, aber du hast recht. Wenn das zwischen uns allen und miteinander funktionieren soll, ist jede einzelne Beziehung wichtig. Das heißt, du und Peter müsst euren Mist auch auf die Reihe bekommen. Aber da bin ich ganz zuversichtlich.“
„Das hoffe ich.“ Justus blickte wieder in den sternenübersäten Himmel. „Das hoffe ich wirklich.“
Chapter 32: Potential Danger
Notes:
Vielen Dank für 100 Kudos! Und vielen Dank auch an alle, die mir Kommentare zu meiner Story hinterlassen - das ist es, was mich zum weiterschreiben motiviert :)
Es folgen zwei Zwischenkapitel, bevor wir dann zum ersten (heißersehnten) Throuple-Date kommen.
Chapter Text
Peter lag auf seinem Bett und scrollte durch Social Media. Eine eher untypische Samstagabend-Beschäftigung für ihn. Normalerweise war er am Wochenende selten zuhause. Doch heute hatte er sich irgendwie zu nichts aufraffen können.
Justus und Bob hatten heute ihr Date und er hatte immer noch keine Ahnung, was Bob sich hatte einfallen lassen. Das Einzige, was er wusste, war, Bob hatte Justus um 19 Uhr abgeholt.
Jetzt war es kurz nach 21 Uhr. Bisher hatte keiner von beiden ihm geschrieben und auch online waren sie seitdem nicht mehr. Jedenfalls nicht auf Whatsapp. Das bedeutete wohl, das Date lief gut. Oder war zumindest keine komplette Katastrophe.
Peter aktualisierte zum wiederholten Mal seinen Instagram-Feed. Nachdem er das zuletzt vor fünf Minuten getan hatte, gab es erwartungsgemäß nichts Neues.
Einen Impuls folgend gab Peter Kellys Namen in die Suchleiste ein. Nach ihrer Trennung vor nicht ganz einer Woche hatte sie ihn auf sämtlichen Kanälen blockiert. Peter war das mehr oder weniger nur durch Zufall aufgefallen. Ihr Whatsapp-Profilbild in seiner Chatliste zeigte statt dem bisherigen Bild von ihr nur noch den blau-weißen Standard-Avatar.
Er hatte ohnehin nicht vorgehabt ihr zu schreiben und war zudem durch das ganze Justus-Bob-Chaos abgelenkt gewesen.
Warum er jetzt trotzdem nach ihrem Profil suchte, wusste er selbst nicht so genau. Vielleicht Langeweile. Zu seiner Überraschung tauchte sie tatsächlich in seinen Suchergebnissen auf.
Kelly musste seine Blockierung offensichtlich wieder rückgängig gemacht haben. Neugierig tippte er auf ihren Namen.
Sie hatte ihn aus ihrer Bio genommen und sämtliche gemeinsamen Bilder gelöscht. Gut, das war zu erwarten gewesen. Aber sie hatte seit ihrer Trennung auch nichts mehr gepostet. Er hatte vermutet, irgendein Selfie mit dem Titel ‚Fuck him. Better off alone.‘ oder ähnliches vorzufinden. Seltsam.
Der farbige Ring um ihr Profilbild zeigte allerdings eine neue Story an. Peters Daumen schwebte unschlüssig darüber. Wenn er sich die Story anguckte, sah sie es. Andererseits… Warum nicht? Peter hatte mit ihr Schluss gemacht. Es war seine Entscheidung gewesen. Er hatte keinen Grund sie zu meiden.
Kurzentschlossen berührte er ihr Profilbild und die Story erschien. Sekunden später wünschte er sich, er hätte es nicht getan. Ungläubig sah Peter dabei zu, wie seine Ex-Freundin in einer Feuerschale etwas verbrannte, das verdächtig nach einem Fußball-Trikot mit seinem Namen darauf aussah. Musikalisch unterlegt war das Ganze mit Taylor Swift‘s We are never ever getting back together.
Unglaublich. Peter ließ das Handy sinken und versuchte sich daran zu erinnern, welche Habseligkeiten er sonst noch bei Kelly deponiert hatte. Ein paar weitere Klamotten und diverse Drogerieprodukte. Zum Glück nichts, woran er über Gebühr hing.
Er schnaubte. Gut, sollte sie das Zeug seinetwegen verbrennen, wenn es ihr dann besser ging. Kellys Reaktion zeigte ihm nur, die Trennung war die richtige Entscheidung. Mit Verrückten führte man keine Beziehung.
Sein Handy piepte. In der Erwartung, es wäre Bob oder Justus, griff Peter hastig danach. Doch als er den Bildschirm aktivierte, entdeckte er eine Instagram-Nachricht von Kelly:
Gefällt dir was du siehst? :)
Das konnte jetzt doch nicht ihr verdammter Ernst sein. Wie hatte sie so schnell bemerkt, dass er ihre Story angesehen hatte? Kurz war er versucht die Nachricht einfach zu ignorieren, doch das wollte er nun doch nicht auf sich sitzen lassen:
Es könnte mir nicht egaler sein.
Die Nachricht wurde sofort als gelesen markiert. Offensichtlich hatte sie auf seine Antwort gewartet.
Natürlich, wie könnte es auch anders sein. Tauchst nur einen Tag nach unserer Trennung mit Knutschflecken am Hals in der Schule auf. Habe ich dir überhaupt je irgendetwas bedeutet?
Na ganz toll. Selbst nach ihrer Trennung ging es mit den Vorwürfen weiter. Trotzdem hatte er jetzt einen Anflug von schlechtem Gewissen. Wahrscheinlich musste sie sich so einiges deswegen anhören.
Ich habe dich nie betrogen. Was ich nach unserer Trennung tue, hat nichts mehr mit dir zu tun.
Die Antwort kam prompt:
Und das soll ich dir glauben?
Peter seufzte. Okay, wenn er die Sache aus Kellys Perspektive betrachtete, hätte er da eventuell auch so seine Zweifel.
Es ist die Wahrheit. Glaube es, oder lass es bleiben.
Doch Kelly ließ es nicht auf sich beruhen:
Wer war es? Alicia?
Shit. Was sollte er darauf antworten? Er konnte schlecht irgendeinen Mädchennamen nennen. Und die Wahrheit erst recht nicht sagen.
Das geht dich nichts an
Kelly sah die Nachricht, antwortete jedoch nicht mehr.
Nur hatte Peter das dumme Gefühl, einen Fehler gemacht zu haben. Wenn Kelly einmal Blut geleckt hatte, war sie unerbittlich. Sie wollte unbedingt herausfinden, mit wem er am Tag ihrer Trennung herumgemacht hatte. Sie würde ihn mit Argusaugen beobachten. Und Peter hatte noch nie von sich behauptet, ein guter Schauspieler zu sein. Seine veränderte Beziehung zu Justus und Bob geheim zu halten würde eine extreme Herausforderung werden.
Er nagte an seiner Unterlippe. Der Gedanke, gegen seinen Willen geoutet zu werden, ließ ihn in Angstschweiß ausbrechen. Und dann nicht nur mit einem, sondern gleich zwei Jungen? Das wäre ein Skandal wie es ihn an der Schule noch nie gegeben hatte.
Grundsätzlich war ihre Schule nicht homophob. Peter kannte zwei, drei Schüler, die sich geoutet hatten. Soweit er das beurteilen konnte, wurden sie in Ruhe gelassen.
Allerdings war auch keiner von ihnen im Fußballteam. Die Sprüche, die da stellenweise in der Umkleidekabine gerissen wurden, waren ziemlich unter der Gürtellinie. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Peter hatte sich daran nie aktiv beteiligt, dagegen vorgegangen war er aber auch nicht. Was ihn jetzt wohl zu einem ziemlichen Heuchler machte.
Abwesend fuhr er sich mit einer Hand über die verblassten Knutschflecke an seinem Hals, dann weiter runter über seine Brust. Wenn das Date zwischen Justus und Bob gut lief, wollten sie ihn dann überhaupt immer noch dabeihaben? Objektiv betrachtet hatten sie mehr miteinander gemeinsam als mit ihm.
Wieder piepte sein Handy in seiner Hand, diesmal jedoch in einer anderen Tonlage und auch länger. Ein Bild von Bob erschien auf dem Display. Na endlich! Rasch nahm er den Anruf an. „Hey Bob, wie lief’s?“
Bob schien im Auto über die Freisprechanlage zu telefonieren, denn Peter hörte Motorengeräusche im Hintergrund.
„Super!“ Er klang geradezu euphorisch. „Genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich konnte Justus endlich davon überzeugen, dass ich es ernst meine.“
Peter stand von seinem Bett auf und fuhr sich mit der freien Hand durchs Haar. „Klasse. Habt ihr…habt ihr euch geküsst?“
Bob lachte. Ein glückliches, unbeschwertes Lachen. „Ja, es war toll. Also ich fand’s toll. Und ich denke, er fand’s auch gut.“
Peter schwieg für einen Moment. Entdeckte er gerade doch eine gewisse Eifersucht?
„Peter?“, fragte Bob. „Bist du noch dran?“
„Ja, klar, sorry.“ Zu aufgewühlt um stehen zu bleiben begann Peter in seinem Zimmer auf und ab zu gehen. „Was genau war jetzt eigentlich euer Date?“
„Das wird dir Justus erzählen.“ Bob klang wieder eine Spur ernster. „Ich kann dich bis hier denken hören, Zweiter. Was ist los?“
Peter zögerte mit seiner Antwort. „Euer Date ist klasse gelaufen, das freut mich wirklich für euch. Es ist nur… Keine Ahnung. Insecurities and overthinking. Hatte vorhin auch einen Zusammenstoß mit Kelly.“
Bob schien bei sich zuhause angekommen zu sein, denn das Motorengeräusch erstarb. Sekunden später war seine Stimme deutlicher am Telefon zu hören. „Mit Kelly? Wann hast du die denn getroffen?“
Täuschte er sich, oder klang Bob auf einmal nicht mehr so glücklich?
„Ich habe sie nicht getroffen. Habe den Fehler gemacht mir ihre Insta-Story anzusehen, nachdem ich entdeckt hatte, nicht mehr von ihr blockiert zu sein. Sie hat ein Trikot von mir verbrannt, kannst du dir das vorstellen?“
„Warum bist du überhaupt auf ihr Profil? Ich dachte die Nummer ist durch?“
Darum ging es doch jetzt gar nicht! Peter gestikulierte ungestüm mit der freien Hand. „Natürlich ist die Nummer durch, nach der Aktion erst recht. Ich war halt neugierig. Danach hat sie mir jedenfalls geschrieben. Sie will unbedingt wissen, mit wem ich am Tag unserer Trennung rum gemacht habe.“
„Was hast du gesagt?“, fragte Bob.
Peter zuckte mit den Schultern. „Ich habe geantwortet, das geht sie nichts an. Aber du kennst doch Kelly. Wenn sie etwas rausfinden will, macht sie dem FBI Konkurrenz.“
„Shit.“ So langsam schien Bob zu verstehen, warum er so besorgt war. „Meinst du, sie würde uns outen, nur um dir eins reinzuwürgen? Ist sie so mies?“
Peter rieb sich unschlüssig übers Gesicht. „Ich weiß es nicht, Bob. Sie denkt vermutlich, ich hätte sie während unserer Beziehung betrogen. Du weißt, was man über rachsüchtige Frauen sagt.“
„Na ganz toll.“ Bob seufzte. Seine Euphorie schien verflogen zu sein.
„Tut mir leid. Ich wollte dir nicht die Stimmung ruinieren“, murmelte Peter.
„Hast du nicht“, beruhigte Bob ihn. „In guten wie in schlechten Zeiten, hmm?“
Jetzt musste Peter doch ein wenig lachen. „Habe ich irgendwie unsere Hochzeit verpasst, Dritter?“
„Nee. Soweit ich informiert bin, sind Eheschließungen zwischen mehr als zwei Personen in Kalifornien leider nicht erlaubt.“ Er konnte Bobs Grinsen quasi durchs Telefon hören.
Mehr als zwei… Peter fasst wieder neuen Mut. „Das heißt“, murmelte er, „auch nach deinem tollen Date mit Justus möchtest du nach wie vor auch mit mir… Und Justus auch?“
„Natürlich.“ Bob klang ernsthaft verwundert. „Deswegen klingst du so seltsam? Hast du gedacht, Justus und ich wollen dich nicht mehr dabeihaben?“
„Der Gedanke ist mir gekommen, ja.“ Peter klang selbst in seinen eigenen Ohren unsicher.
„Quatsch. Ich war doch derjenige, der die ganze Polyamorie-Idee überhaupt aufgebracht habe. Das ist es, was ich will. Mit dir und Justus. Und Justus will das Gleiche. Er möchte es dir nur selbst sagen.“
„Okay. Gut.“ Peter ließ sich wieder auf sein Bett sinken. „Dann…sehen wir uns, wenn Justus mit mir gesprochen hat?“
„Genau. Denk bis dahin nicht zu viel über alles nach. Es wird alles gut werden. Aber halte dich um Himmels Willen von Kelly fern. Blockiere sie am besten.“
Bob klang so überzeugt, sein Optimismus färbte auf Peter ab. „Mache ich. Danke dir, Dritter.“
„Gerne. Und jetzt schlaf gut.“ Bob gähnte. „Ich bin fix und fertig.“
Peter grinste. „Dann wünsche ich angenehme Träume, Andrews“
Bob lachte. „Werde ich haben, Shaw.“
Damit war die Leitung tot und Peter wieder alleine. Das Gespräch mit Bob hatte zwar geholfen, aber viel Schlaf bekam er diese Nacht trotzdem nicht.
Chapter 33: Keeping a secret
Chapter Text
Erst am Nachmittag des nächsten Tages machte sich Justus auf den Weg zu Peter. Ursprünglich hatte er vorgehabt noch gestern Nacht bei ihm vorbei zu schauen, hatte sich dann allerdings mit Blick auf die Uhr dagegen entschieden. Abgesehen davon hatte er erstmal seine Gedanken sammeln müssen.
Er bewunderte nach wie vor Bobs Sonne-Erde-Mond-Metapher. Sie passte wirklich wie die Faust aufs Auge. Es war geradezu faszinierend. Bob hätte sich wirklich kein besseres erstes Date für ihn einfallen lassen können.
Justus biss sich kurz auf die Lippen. Und ihr Kuss erst… Eigentlich hatte er sich immer gefragt, warum die Menschen so ein Bohei um Sex und andere körperliche Intimitäten machten. Jetzt verstand er es. Mit dem richtigen Partner konnte es süchtig machen.
Dabei war der Kuss mit Peter und der Kuss mit Bob so unterschiedlich, wie, nun ja, Tag und Nacht. Aber er konnte beim besten Willen nicht sagen, welcher Kuss ihm besser gefallen hatte. Zum Glückte musste er sich auch nicht entscheiden. Jedenfalls, wenn neben dem Mond und der Erde auch die Sonne ihr Einverständnis gab.
An Peters Haus angekommen, kamen ihm dessen Eltern entgegen.
„Hallo, Justus.“ Mr. Shaw klimperte mit seinen Autoschlüsseln. „Du willst bestimmt zu Peter. Der schraubt in der Garage an seinem MG herum. Irgendetwas scheint wieder nicht zu funktionieren.“
„Ah, danke für die Info, Mr. Shaw.“ Justus blieb für einen Moment stehen. „Sie machen einen kleinen Sonntagsausflug?“
„Nur ein wenig die Küste entlang, das schöne Wetter heute genießen.“ Mrs. Shaw schien außerordentlich gut gelaunt zu sein. „Darauf freue ich mich schon die ganze Woche.“
„Dann wünsche ich Ihnen viel Spaß!“ Justus winkte dem Ehepaar Shaw nach als sie in Mrs. Shaws knallrotem Cabriolet davonbrausten. Tatsächlich spielte ihm ihr kleiner Ausflug außerordentlich in die Karten. Auf diese Weise konnte er ungestört mit Peter sprechen.
Justus umrundete das Haus bis die große Doppelgarage der Shaws in Sicht kam. Das linke Garagentor stand offen, darin der MG. Peter hatte sich über die geöffnete Motorhaube gebeugt, so in seine Arbeit vertieft, er bemerkte Justus nicht einmal.
Er trug einen blauen Overall, dessen Ärmel er sich um die Hüften geschlungen hatte, dazu ein ölbeflecktes weißes T-Shirt.
„Hey, Zweiter.“
Peter zuckte zusammen, der Schraubenschlüssel, den er in der Hand gehalten hatte, fiel klirrend zu Boden. „Justus! Verdammt nochmal, erschreck mich doch nicht so!“
„Ein guter Detektiv sollte sich immer seiner Umgebung gewahr sein.“ Justus kam langsam näher. Er hatte keine Ahnung von Autos, trotzdem warf er einen interessierten Blick in den Motorraum des MG.
„Ja, ja, du mich auch“, brummte Peter, hob dabei den Schraubenschlüssel auf. „Hab mich schon gefragt wann du auftauchst.“
Justus konnte seinen Tonfall gerade nicht ganz deuten. Vermutlich sollte er sich aber bemühen, Peter nicht zu verärgern. „Ist es momentan ungünstig?“, fragte er. „Soll ich später wieder kommen?“
„Nein, passt schon. Ich komme gerade ohnehin nicht weiter. Muss wahrscheinlich ein wirklicher Fachmann ran.“ Peter ließ krachend die Motorhaube des MGs zufallen.
Justus machte sich gar nicht erst die Mühe zu fragen, was genau kaputt war. Für Autos hatte er sich noch nie interessiert. Sie mussten ihn zuverlässig von A nach B bringen, das war’s. Peter dagegen liebte Autos und konnte stundenlang über Motoren fachsimpeln.
Justus folgte Peter ins Haus. Dessen Hände waren ebenso ölbefleckt wie sein Shirt, weswegen er zunächst das Badezimmer ansteuerte.
„Bekommst du das Öl nur mit Seife überhaupt runter?“, fragte Justus durch die geöffnete Badezimmertür.
Peter schäumte gerade seine Hände ein. Er warf Justus einen genervten Blick über die Schulter zu. „Normalerweise schon. Wie wäre es, wenn du einfach in meinem Zimmer auf mich wartest, während ich mich schnell wasche?“
„War ja nur eine Frage“, murmelte Justus, beschloss jedoch Peters Aufforderung Folge zu leisten und in seinem Zimmer auf ihn zu warten.
Es dauerte auch gar nicht lange bis Peter wieder auftauchte. Er hatte seine Schrauber-Klamotten gegen Jeans und Hoodie getauscht und hielt zwei Dosen Cola in den jetzt mehr oder weniger sauberen Händen.
Eine Dose Cola warf er Justus zu, der sie gerade noch erwischte. Nein, ein Sportler würde definitiv nicht mehr aus ihm werden.
„Dein Date mit Bob lief gut?“, fragte Peter. Nachdem Justus sich auf seinem Schreibtischstuhl niedergelassen hatte, ließ er sich aufs Bett fallen.
Justus nickte. Die Erinnerung ließ ihn lächeln. „Ja. Ich war zugegebenermaßen ziemlich skeptisch, aber es war toll. Wir waren in einem Planetarium.“
„Planetarium?“ Peter stutzte. „Kann man da nicht Sterne angucken oder so?“
„Unter anderem.“ Justus öffnete seine Cola-Dose und trank einen Schluck. „Aber abgesehen vom Sternenhimmel hat er mir noch einen Film über Sonne, Mond und Erde gezeigt.“ Aus dem Gedächtnis begann er die wesentlichen Fakten des Films abzuspulen.
Er merkte erst, Peter interessierte das kein Stück, als der ihm rüde ins Wort fiel. „Just! Justus! Jetzt halte doch mal die Luft an. Es freut mich ja wirklich, wenn er deinen Geschmack getroffen hat, aber mir brauchst du das nicht vortragen.“ Er rollte mit den Augen.
„Aber Peter“, protestierte Justus. „Sonne, Mond und Erde ist doch nur eine Metapher. Jetzt hör mir doch mal zu. Siehst du nicht die Parallelen?“
„Die Parallelen wozu?“ Peter runzelte die Stirn.
„Na zu uns.“ Manchmal war er wirklich unglaublich begriffsstutzig.
„Zu uns?“ Peter schien es immer noch nicht zu kapieren.
„Na klar. Du bist die Sonne, ich bin die Erde und Bob ist der Mond. Als ich das erstmal verstanden hatte, war ich völlig fasziniert von Bobs Erkenntnis. Zwischen der Sonne…“
Wieder unterbrach Peter ihn. „Ich bin also die Sonne.“ Er sah Justus an, als hätte der nicht mehr alle Latten am Zaun.
„Ja, du bist die Sonne, ich die Erde und Bob der Mond in dieser Metapher. Das wollte ich dir doch gerade erklären.“ So langsam begann Justus sich ein wenig zu ärgern. Er versuchte Bobs geniale Metapher für Peter nachvollziehbar darzulegen und der probierte nicht mal, es zu verstehen.
„Gut, dann bin ich eben die Sonne.“ Peter zuckte mit den Schultern.
Justus blinzelte überrascht. „Einfach so? Du willst nicht mal wissen, warum?“
Peter trank einige Schlucke von seiner Cola, ehe er antwortete. „Ehrlich gesagt, nein. Ich muss nicht alles verstehen und nicht alles wissen, was zwischen dir und Bob abgeht. Wenn ihr euch mit dieser Sonne, Mond, was auch immer-Sache wohlfühlt, bin ich auch cool damit.“
Justus lehnte sich für einen Moment in seinem Stuhl zurück, dann seufzte er leise. „Zweiter, manchmal machst du mich einfach wahnsinnig.“
Peter grinste. Dann stand er langsam auf, kam näher und stützte sich links und rechts von Justus auf seinem Schreibtisch ab. „Das beruht auf Gegenseitigkeit, Erster. Zum Beispiel, wenn du mir erklären möchtest, wie ich meine Hände am besten von Öl befreie. Als ob ich meine Hände nicht seit Jahren von Öl reinigen müsste.“
„Ich habe dir überhaupt nichts erklärt“, widersprach Justus. „Ich habe dir nur eine einfache Frage gestellt. Und abgesehen davon“, er blickte auf Peters Hände hinab, „so wie die aussehen, solltest du deine Reinigungsmethode nochmal überdenken.“
„Du musst immer das letzte Wort haben. Einfach unglaublich.“ Justus kam nicht mehr dazu, zu protestieren, denn er spürte Peters Lippen auf seinen. Wie ihr erster Kuss war auch der hier alles andere als sanft. Keiner von ihnen hielt sich zurück und als Justus den Kuss schließlich brach, atmeten sie beide schwer.
„Ich… Daraus schließe ich, du bist einverstanden mit einer polyamorösen Beziehung zwischen dir, mir und Bob?“, fragte Justus. Er musste einfach sichergehen.
Peter nickte. „Ja. Du, Bob und ich. Wenn ihr mich dabeihaben wollt.“
„Natürlich wollen wir das.“ Justus sah Peter verblüfft an. „Bob sowieso, schließlich war die ganze Polyamorie-Sache seine Idee. Aber ich will es auch. Hast du daran etwa gezweifelt?“
Peter zuckte leicht mit den Schultern. „Naja, ich dachte nur… wenn man ehrlich ist, habt ihr mehr Gemeinsamkeiten miteinander, als mit mir. Keine Ahnung.“
Justus schüttelte den Kopf. „Das würde ohne dich gar nicht funktionieren. Was wäre denn unser Universum ohne die Sonne? Ein recht trostloser Ort.“
Peter lachte ein wenig in sich hinein. „Okay, ich verstehe vielleicht die Hintergründe und Zusammenhänge nicht ganz und nein“, hob er die Stimme an, als Justus erneut den Mund aufmachte, „das war keine Aufforderung sie mir zu erklären. Aber ich bin gern eure Sonne. Das klingt irgendwie cool.“ Peter küsste ihn wieder, sanfter diesmal.
Erleichterung durchströmte Justus. Er lächelte unwillkürlich. „Wow. Ich hätte nie gedacht, meine erste Beziehung wäre polyamorös. Und dann auch noch mit zwei anderen Jungs.“
Peter ließ sich wieder aufs Bett sinken. „Denk da am besten nicht allzu genau darüber nach. Den Fehler habe ich gestern gemacht und wäre fast ausgerastet. Ich… wir sind uns doch einig, das Ganze geheim zu halten, oder?“ Plötzlich klang er nervös.
Justus zögerte kurz. „Darüber haben Bob und ich uns noch nicht ausgetauscht. Aber keiner von uns ist geoutet. Und ich meine, es geht ja auch eigentlich niemanden etwas an, oder? Wir stecken ohnehin die ganze Zeit zusammen. Eigentlich ist also alles wie immer.“
Peter nickte, sichtlich erleichtert. „Genau. Eigentlich ist alles wie immer. Nur mit mehr Knutschen.“
Das brachte sie beide zum Lachen.
Chapter 34: Throuple 1
Notes:
Sooo, hier kommt das Throuple-Date. Etwas anders, als ich es eigentlich geplant hatte, aber die Jungs haben eben ihren eigenen Kopf lol
Ich bin die nächsten vier Wochen im Ausland, deswegen kommt das nächste Update erst Mitte Juni. Aber es kommt - versprochen!
Chapter Text
Zugegebenermaßen – Bob war nervös. Ein Glück bekamen es seine Eltern nicht mit, wie er im Flur auf und ab tigerte. Die besuchten heute nämlich eine Theaterpremiere und würden erst spät in der Nacht zurück sein. Somit hatte er momentan sturmfrei.
Was ihm mehr als gelegen kam, hatte er doch für heute Justus und Peter zu sich eingeladen. Zum ersten Mal, seit sie alle drei zugestimmt hatten, eine Beziehung zu führen. Miteinander. Zu dritt. Eine Tatsache, die Bob nach wie vor nicht ganz fassen konnte. Er erwartete noch immer, jede Sekunde aus einem Traum zu erwachen. Niemals hatte er ernsthaft damit gerechnet, seine Fantasie würde Realität werden.
Zum wiederholten Male checkte er sein Äußeres im Garderobenspiegel. Er hatte sein blondes Haar mit ein wenig Gel zerwuschelt und etwas Eyeliner aufgetragen. Zum einen, um sein Selbstbewusstsein zu pushen, zum anderen, weil er das Gefühl hatte, Justus und Peter schienen es zu mögen.
Es klingelte an der Haustür. Bob blickte kurz auf seine Armbanduhr. Zum Glück hatte er nicht bis zur letzten Minute gewartet, um sich fertig zu machen. Jemand war überpünktlich. Er hatte eigentlich mit Justus gerechnet, doch zu seiner Überraschung war es Peter, der vor der Tür stand.
„Hey, Dritter“. Peter drückte ihm einen kurzen Kuss auf den Mund, ehe er sich an ihm vorbeidrängelte um an der Garderobe die Schuhe auszuziehen.
„Hey.“ Bob stieß die Haustür wieder ins Schloss. „Du bist heute ja mal überpünktlich.“
Peter zuckte mit den Schultern, grinste leicht verlegen. „Ich weiß. Keine Ahnung, ich war fertig und hatte keine Lust, noch länger zuhause rumzusitzen.“
Jetzt bemerkte Bob auch die Flasche, die Peter in den Händen hielt. „Tequila?“, fragte er überrascht. „Wo hast du denn den Schnaps her?“
„Aus der Bar meiner Eltern geklaut.“ Peter wiegte die Flasche in der Hand. „Die steht da schon ewig ganz hinten. Wahrscheinlich wissen sie nicht mal, dass sie eine hatten.“
„Okay?“ Bob zog eine Augenbraue hoch. „Hast du vor heute ein Besäufnis zu veranstalten?“
Wie selbstverständlich lief Peter ihm voraus in die Küche und öffnete den Kühlschrank. Triumphierend fischte er daraus ein Netz mit Zitronen. „Nein, natürlich nicht.“ Die Zitronen in den Händen haltend, drehte er sich wieder zu Bob um. „Ich dachte nur…um die Nerven zu beruhigen.“ Seine Wangen röteten sich ein wenig.
Bob wurde klar, er war nicht der Einzige, der vor dem heutigen Abend nervös war. Wahrscheinlich waren sie das alle. Diese Erkenntnis entspannte ihn komischerweise.
„Schneid mal die Zitrone auf, Peter.“ Bob öffnete kurzentschlossen einen der Küchenschränke und griff nach drei Schnapsgläsern, die er über den Küchentresen zu Peter schlittern ließ.
Peter folgte seiner Aufforderung. „Sollten wir nicht auf Justus warten?“ Er leckte sich etwas Zitronensanft von den Fingern, verzog aufgrund der Säure das Gesicht.
„Du weißt doch, er ist nicht so der Fan von Alkohol. Falls er auch Tequila möchte, kann er sich ja bedienen.“ Bob trat neben Peter, einen Salzstreuer in der Hand haltend.
„Na gut.“ Peter öffnete die Tequilaflasche und füllte zwei der Schnapsgläser mit der goldgelben Flüssigkeit.
Derweil griff sich Bob eine der Zitronenscheiben. „Sollen wir…?“ Er wedelte mit der Zitronenscheibe. „Ich meine…“
„Lecken, beißen, schlucken?“ Peter lachte. „Na, wenn dann schon richtig.“
Er schnappte sich die Zitronenscheibe aus Bobs Hand und rieb sie über dessen Halsbeuge. Bob zuckte leicht zusammen, der Zitronensaft kühl gegen die Wärme seiner Haut. Peter nahm ihm auch den Salzstreuer ab und schon spürte Bob wie Salz auf seine Haut traf.
„So gehört sich das“, brummte Peter. Er wartete Bobs Erwiderung gar nicht ab, stattdessen beugte er sich zu ihm hinunter und fuhr mit der Zunge über die Mischung aus Salz und Zitronensaft auf seinem Hals. Bobs Finger krallten sich unwillkürlich in Peters Shirt, suchten nach Halt.
Peter zog sich zurück, biss in die Zitronenscheibe, die er in der Hand gehalten hatte und kippte schlussendlich den Schnaps hinunter. Er schauderte sichtlich. „Urg, der erste Schnaps ist immer der schlimmste.“
„Dann sollten wir uns wohl mit dem Trinken beeilen, damit es nicht mehr ganz so schlimm ist, hmm?“ Bob löste die Finger von Peters Shirt und schnappte sich nun seinerzeit Salz und Zitronenscheibe.
Zufrieden bemerkte er, wie Peter kurz den Atem anhielt, als er das Salz von seinem Hals leckte. Der erste Tequila brannte in seiner Kehle und er hustete leicht.
„Kein Tequila-Fan, Dritter?“, fragte Peter amüsiert, hatte die Arme um seine Hüfte geschlungen und zog ihn jetzt gegen seine Brust. Bob ließ es geschehen, legte seinerseits die Arme um Peters Hals.
„Nicht wirklich, nein.“ Bob strich federleicht mit den Lippen über Peters. „Aber wenn ich deswegen Salz von deiner Haut lecken darf, nehme ich es in Kauf.“
Für einen Moment hielt Peter ihn fester, etwas loderte in seinen Augen auf, dann schob er Bob sichtbar widerwillig von sich und trat einen Schritt zurück. „Ich glaube, wir sollten lieber auf Justus warten.“ Er räusperte sich. „Wäre unfair, ohne ihn anzufangen, oder?“
Bob wollte für einen Moment protestieren. Bestimmt hatte Justus nichts dagegen. Die Wärme des Schnapses in seiner Magengrube ließ ihn wagemutig werden. Aber Peter hatte recht. Es war ihr erstes Date zu Dritt. Sie sollten wirklich auf Justus warten.
Tief durchatmend nickte er. „Du hast recht. Sorry.“
Peter grinste leicht. „Schon gut. Es fällt mir auch schwer, mich zurückzuhalten.“
Zum Glück klingelte es in diesem Augenblick erneut an der Haustür. Das musste jetzt Justus sein. Bob eilte in den Flur um die Tür zu öffnen.
„Hey Dritter.“ Justus betrachtete ein wenig verblüfft Bobs erhitztes Gesicht, dann trat ein wissender Ausdruck in seine Augen und er grinste. „Ich nehme an, Peter ist schon hier?“
Bob fuhr sich verlegen mit einer Hand durchs Haar. „Ja, ist er. Komm rein.“
Justus trat in den Hausflur und streifte sich die Schuhe von den Füßen. Er wirkte nicht verärgert, eher belustigt. Trotzdem hatte Bob das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen. „Es war nur…wir waren beide so nervös und Peter hat Tequila mitgebracht und…“, Bob leckte sich über die Lippen, schmeckte noch immer Salz.
„Tequila?“ Justus runzelte die Stirn. „Wo hat er den denn her?“
„Aus der Bar meiner Eltern“, rief Peter aus der Küche, hatte ihr Gespräch scheinbar mitgehört. „Willst du auch einen?“
Zu Bobs Überraschung nickte Justus als sie zurück in die Küche schlenderten. „Warum nicht? Ich denke, ich könnte einen vertragen.“
„Wirklich?“ Peter griff nach einem kurzen Zögern nach dem verbliebenen dritten Schnapsglas und füllte es mit Tequila. "Du weißt, wie man den trinkt, oder?“
Er schob abgesehen vom Tequilaglas auch den Teller mit Zitronenscheiben und den Salzstreuer in Justus Richtung.
„Natürlich, Zweiter. Ich bin mit dem Ritual durchaus vertraut. Allerdings bevorzuge ich ihn pur.“ Bob riss die Augen auf als Justus sich ohne zu zögern den Tequila schnappte und ihn hinunterkippte. Er verzog nicht mal das Gesicht.
Peter gluckste leise. „Respekt, Erster. Ich bin beeindruckt.“
Justus stellte das Glas ab. „Wirklich, Peter? Das ist alles, was es braucht, um dich zu beindrucken?“
Peter grinste als er nach Justus griff und ihn an sich zog. Seine nächsten Worte hörte Bob nur gedämpft. „Was soll ich sagen, Erster? Ich bin halt leicht zu haben.“
Bob hatte keine richtige Vorstellung davon gehabt, wie wohl ein Kuss zwischen Justus und Peter aussehen könnte. Wenngleich seine Fantasie keine Probleme damit gehabt hatte, die Lücken auszufüllen.
Doch die Realität übertraf alles, was er sich ausgemalt hatte. Weder Justus noch Peter hielten sich zurück. Sie schienen für einen Moment sogar komplett seine Anwesenheit vergessen zu haben. Ihn störte das nicht. Er war viel zu sehr damit beschäftigt, den Anblick zu genießen.
Chapter 35: Throuple 2
Chapter Text
Es war eigentlich alles wie immer – und doch komplett anders. Sie hatten sich mit dem Tequila in Bobs Zimmer zurückgezogen und spielten MarioKart. Das hieß, Peter und Bob spielten und Justus sah zu. Er hatte sich auf Bobs Bett ausgestreckt, Peter und Bob saßen auf dem Boden davor.
Während Bob noch zwei, drei Tequila-Shots getrunken hatte, war Peter mittlerweile auf Cola umgestiegen.
„Ha!“ Bob jubelte laut, als Luigis Gokart vor Marios über die Ziellinie sauste.
„Das ist unfair!“, protestierte Peter. „Du lenkst mich die ganze Zeit ab!“
Bob drehte sich lachend zu ihm, sein Grinsen ganz und gar nicht schuldbewusst. „Ach wirklich? Ich wüsste nicht womit.“
„Wie du mich anguckst!“ Peter warf den Controller zur Seite. „Das ist definitiv nicht jugendfrei.“ Denn jedes Mal, wenn er zur Seite geblickt hatte, hatte Bob ihn angesehen, als würde er ihn mit den Augen ausziehen. Wahrscheinlich entfaltete der Schnaps bei ihm langsam seine Wirkung.
„Du bist doch nur ein schlechter Verlierer.“ Peter stieß mit dem Rücken gegen das Bett, als sich Bob aufrappelte, um sich auf seinen Schoß niederzulassen. Sein Kuss schmeckte nach Tequila. Peter schlang die Arme um ihn und öffnete den Mund. Als sich ihre Zungen berührten seufzte Bob leise, drückte sich stärker an ihn. Er war anschmiegsam wie ein Kätzchen sobald Alkohol durch sein System zirkulierte. Eine Tatsache, über die sich Peter ganz bestimmt nicht beschweren würde.
Stattdessen stand er auf und schob die Hände unter Bobs Hintern, der automatisch die Beine um ihn schlang, den Kopf an seinem Hals vergraben. In solchen Situationen kamen ihm seine Größe und Stärke sehr zupass.
„Rutsch mal ein bisschen, Just.“ Peter drehte sich zum Bett. Justus schien halb weggedöst gewesen zu sein, denn er brauchte einen Moment, bis er realisierte, was Peter vorhatte.
Peter legte Bob aufs Bett, der sich von ihm löste, nur um sich an Justus zu kuscheln. „Peter ist gemein zu mir“, maulte er zwischen zwei Küssen.
Justus betrachtete erst ihn amüsiert, dann Peter. Er wirkte ein wenig verschlafen. „Ich schätze, ihr seid fertig mit Spielen?“
Peter streckte sich auf dem Bett aus, schmiegte sich an Bobs Rücken, der sich zu Justus gedreht hatte. „Nein, eigentlich fangen wir gerade erst an.“
Justus sah für eine Sekunde verwirrt aus, dann schien ihm zu dämmern, was Peter meinte. „Ach wirklich?“
„Hmm.“ Peter begann Bobs Nacken zu küssen, einen Arm schlang er um dessen Hüfte. „Willst du mitspielen?“
Justus schüttelte den Kopf über Peters Albernheit, ließ es aber nichtsdestotrotz zu, als Bob ihn wieder zu sich zog um ihn zu küssen.
Peter beobachtete sie während er sachte über Bobs Hüfte und Bauch strich. Der Anblick machte ihn wahrscheinlich mehr an, als es sollte. Er hätte nie geglaubt, zwei Jungs beim Küssen zuzusehen, würde einmal diese Gefühle in ihm auslösen. Und erst recht nicht Justus und Bob.
Bob bewegte sich, griff nach Peters Hand und legte sie auf seinen Schritt. Da er nur eine Jogginghose trug, konnte Peter problemlos seinen harten Schwanz ertasten. Hätte ihn das vor zwei Wochen noch ausflippen lassen, schloss er jetzt die Finger darum und biss Bob sachte in den empfindlichen Bereich zwischen Schulter und Hals. „Du bist ja schon hart.“
Bob drückte seinen Hintern fester gegen Peters Unterkörper. „Ja, und ich bin nicht der Einzige.“ Er klang leicht atemlos.
Peter tauschte einen kurzen Blick mit Justus. Der wirkte jetzt deutlich wacher. Er legte eine Hand in Bobs Nacken, zupfte an den blonden Fransen dort. „Wie viele Shots hast du nochmal getrunken, Dritter?“
Doch Bob verdrehte nur die Augen. „Ich bin angetrunken, nicht wasted. Ich weiß sehr genau, was ich tue.“ Wie um das zu beweisen, schlängelte er eine Hand zwischen Justus und sich, griff zu. Justus atmete scharf ein. „Hey, das ist nicht fair.“ Er schnappte sich Bobs Hand und pinnte sie über dessen Kopf auf die Matratze.
Bob wand sich in seinem festen Griff, was Justus dazu veranlasste, auch seine zweite Hand nach oben zu ziehen und dort festzuhalten.
Peter lachte leise über Bobs empörtes Gesicht. „Das hat er mit mir auch gemacht, als wir uns das erste Mal geküsst haben“, wisperte er dicht an Bobs Lippen. „Macht einen wahnsinnig, nicht wahr?“
Er konnte der Versuchung einfach nicht widerstehen. Nach einem kurzen Kuss auf den Mund landeten seine Lippen erst auf Bobs Hals, saugten und bissen dort, ehe er sich weiter nach unten vorarbeitete.
„Peter, Justus! Zwei gegen einen ist nicht fair!“ Doch so sehr Bob auch lamentierte, er machte keine Anstalten, ernsthaft gegen Justus Finger um seine Handgelenke anzukämpfen.
„Schieb ihm das Shirt hoch, Zweiter.“ Justus blickte zu Peter hinunter, der mittlerweile an Bobs Hosenbund angekommen war und sanfte Küsse auf dem entblößten Streifen Haut zwischen Jogginghose und T-Shirtsaum drückte.
„Bossy“, murmelte Peter, gehorchte aber nichtsdestotrotz. Mit jedem Zentimeter, den er von Bobs Oberkörper enthüllte, stieg seine eigene Erregung. Bob musste frisch geduscht sein, denn er konnte den Geruch nach einem Männer-Duschgel wahrnehmen. Ein betörender Duft, der Peter dazu brachte, den Kopf an Bobs Bauch zu reiben.
Als er schließlich auf der Höhe seiner Nippel angekommen war, atmete Bob schwer.
Peter warf einen kurzen Blick zu Justus, der ihm mit einem kurzen Nicken zu verstehen gab, weiterzumachen. „Ich bin hier nicht sonderlich empfindlich.“ Er kratzte mit einem Fingernagel über Bobs rechten Nippel. „Wie sieht’s bei dir aus?“
Bobs Antwort war ein leises Stöhnen, das Peter zum Grinsen brachte. „Hmm, eindeutig empfindlich.“
Justus griff nach Bobs Shirt und zog es ihm über den Kopf, weshalb er seine Handgelenke kurz loslassen musste. Doch selbst als Bob die Gelegenheit hatte, die Hände runterzunehmen, ließ er sie über seinen Kopf. Über Justus Gesicht huschte ein befriedigtes Lächeln.
Peter verdrehte die Augen, stieß ihn leicht mit der Schulter an. „Ach komm schon, selbst im Bett willst du uns noch rumkommandieren, Erster?“
„Ja. Das macht Spaß.“ Und ehe er sich versah, war auch Peter sein T-Shirt losgeworden. Er hatte nicht mal Zeit zu protestieren. Selbst wenn er es gewollt hätte.
Bob sah zu ihnen auf, sein Blick glitt wie eine Liebkosung über Peters nackten Oberkörper. Dann drehte er den Kopf zu Justus. „Was ist mit dir, Just? Gleiches Recht für alle.“
Doch Justus zögerte. Peter lehnte sich zu ihm und verwickelte ihn in einen langen Kuss. „Es sind nur wir“, murmelte er an Justus Lippen. „Keinen Grund für Schüchternheit. Denn wir wollen dich wirklich, wirklich nackt sehen.“
„Ja“, Bob nickte zustimmend. „Bitte Justus.“
Justus schien zwar nicht hundertprozentig überzeugt zu sein, streifte aber dennoch sein T-Shirt ab. Wie auf ein geheimes Signal hin, griffen sowohl Peter als auch Bob nach ihm, um ihn in die Matratze zu drücken.
Bob kniete links von Justus und Peter rechts, als sie seinen nackten Oberkörper mit Küssen übersäten.
„Peter, Bob!“ Justus versuchte lachend sie abzuwehren. „Das…das kitzelt!“ Er schnappte nach Luft.
Bob drückte einen Kuss knapp unterhalb seines Bauchnabels, seine Finger schlossen sich um den Rand von Justus Jeans. „Darf ich?“, fragte er leise.
Peter wartete gespannt auf seine Reaktion. Justus blickte unsicher zwischen ihm und Bob hin und her. Einem Instinkt folgend, öffnete Peter seine eigene Jeans und begann sie sich mitsamt Unterhose von den Beinen zu strampeln.
Sowohl Justus als auch Bob hatten ihn bereits nackt gesehen, aber das hier war fundamental anders. Denn er war nicht nur nackt, er war auch erregt. Bob, der erkannt hatte, was Peter vorhatte, folgte seinem Beispiel. Schon bald knieten sie beide splitterfasernackt vor Justus.
Der schluckte sichtlich, sein Blick glitt abwechselnd über ihn und Bob. Dem Ausdruck auf seinem Gesicht nach zu urteilen, gefiel ihm was er sah.
Peter drehte leicht den Kopf. Bobs Schwanz war im erigierten Zustand ein wenig länger als seiner, dafür schmaler. Er schluckte. Das Verlangen, ihn zu berühren, überwältigte ihn fast.
Justus griff langsam nach dem Knopf seiner Jeans und öffnete ihn. Bob, der darauf nur gewartet hatte, half ihm sofort dabei, die Hose loszuwerden. Jetzt waren sie alle drei nackt.
Bob legte sich wieder hin, streckte die Arme nach ihnen aus. „Kommt her, ihr zwei.“
Peter und Justus gehorchten, kuschelten sich links und rechts neben Bob.
Doch Peter war zu erregt, um lange still zu liegen. Er begann mit der Fingerspitze kleine Kreise um Bobs Bauchnabel zu ziehen. Der zuckte unter seiner Berührung.
„Wenn du etwas streicheln möchtest, streichel das.“ Wie schon zuvor griff Bob nach seiner Hand und legte sie auf seine Erektion. Nur mit dem Unterschied, jetzt waren keine Klamotten mehr im Weg.
Peter küsste Bobs Hals, saugte sanft an der Haut. „Ich schulde dir noch einen Handjob, hmm?“ Er schloss die Finger um Bobs Schwanz und bewegte sie probehalber auf und ab. Er hatte nicht wirklich Ahnung davon, was er hier machte, tat einfach, was sich auch für ihn gut anfühlte.
Bob stöhnte leise. „Ja, genau so. Bitte.“
Justus stützte sich auf der anderen Seite auf einen Ellenbogen ab, sein Blick zuckte von Bobs Gesicht zu Peters Hand. „Das sieht so scharf aus.“ Er biss sich kurz auf die Lippen. „Darf ich auch mal?“
Bob verschränkte die Hände hinter dem Kopf, die Wangen gerötet. „Natürlich.“
Peter zog die Hand zurück und jetzt waren es Justus Finger, die sich um Bobs Erektion legten. Bob wimmerte leise als Justus mit dem Daumen über seine Eichel glitt, ehe er begann zu pumpen.
Peter nagte an seiner Unterlippe. Justus hatte recht. Er hatte noch nie etwas erotischeres gesehen. Von da an wechselten sie sich ab. Während Justus Bob streichelte, küsste Peter ihn und umgekehrt. Bob konnte kaum die Hüften stillhalten, zu sehr schien er ihre Berührungen zu genießen. Seine Bauchmuskeln spannten sich an, wann immer er darum kämpfte, die Beherrschung nicht zu verlieren.
„Warte…Stopp“, Bob setzte sich auf einmal auf, tiefe Atemzüge hoben seine Brust.
Justus sah ihn erstaunt an, zog seine Hand zurück. „Irgendetwas nicht in Ordnung, Dritter?“
„Wenn ihr so weiter macht, komm ich zu schnell.“ Bob fuhr sich mit einer Hand durchs Haar.
Peter sah amüsiert zu ihm auf. Es juckte ihn in den Fingern, erneut nach Bobs Erektion zu greifen. „Dich zum Kommen zu bringen, ist so ziemlich das Ziel.“
Bob boxte ihn leicht gegen die Brust. „Idiot. Ich wollte fragen…“, er drehte sich zu Justus, stotterte leicht, „d-darf ich dir einen blasen? Dein Erster sein?“
Justus lief schlagartig knallrot an während Peter scharf einatmete. Die Vorstellung von Bobs Mund auf Justus ließ seine eigene Erektion zucken.
„Du musst nicht“, Bob griff nach Justus Händen, streichelte mit den Daumen sachte darüber. „Ich frag mich nur schon so lange, wie es ist…und Peter weiß schon wie ein Blowjob sich anfühlt.“ Er blickte über die Schulter kurz zu ihm. Peter nickte ermutigend. Er konnte es kaum erwarten, Bobs Lippen um seinen Schwanz zu fühlen, aber er verstand, warum er Justus zuerst gefragt hatte.
„Möchtest du das wirklich?“ Justus leckte sich kurz über die Lippen.
Bob nickte heftig. „Ja. Unbedingt.“
„Dann…okay.“ Justus machte Anstalten, sich hinzulege, hielt dann aber inne. „Ähm…wie willst du mich…also…?“
„Leg dich einfach hin“, Peter drückte gegen Justus Brust. „Genieß es und lass Bob machen.“ Er konnte der Versuchung nicht widerstehen. Er hatte Justus bisher kaum berührt, weswegen er jetzt die Chance nicht ungenutzt verstreichen ließ, mit der Hand sanft über Justus Brust bis zu seinem Schwanz zu streichen. Justus‘ war ein wenig kürzer als seiner, allerdings dicker. Peter schloss die Finger darum, streichelte ihn. Justus keuchte leise, schloss kurz die Augen. „Wenn du so weiter machst, wird Bob nicht mehr viel von mir haben“, brachte er hervor.
„Hände weg, Zweiter.“ Bob schlug leicht auf Peters Arm. „Küss ihn lieber.“
Peter gehorchte und ließ sich neben Justus nieder, der einen Arm um ihn schlang. Justus küsste ihn, weshalb Peter fast den Moment verpasst hätte, als Bob die Lippen um Justus Schwanz schloss. Aber nur fast, denn plötzlich löste Justus sich von ihm. „Oh man, das fühlt sich gut an.“
Peter blickte an ihnen hinab. Bobs Kopf bewegte sich über Justus steifen Schwanz, er hatte die Augen halb geschlossen, schien offensichtlich zu genießen was er tat.
„Gefällt dir das, Bob?“, fragte Peter rau. Er umfasste seine eigene Erektion, drückte sie leicht. Leider steigerte das nur seine Erregung. „Machst du mit mir weiter, wenn du mit Justus fertig bist?“
Bob sah zu ihm auf, die blauen Augen lustverhangen. Seine Lippen spreizten sich weit um Justus Schwanz. Als er nickte, schauderten sowohl Peter als auch Justus.
„Bob…“ Wenn die Art und Weise, wie Justus Hüften zuckten, irgendetwas aussagte, würde er nicht mehr lange durchhalten. Bob bewegte den Kopf schneller, nahm seine Hand zur Hilfe, offensichtlich entschlossen, Justus zum Höhepunkt zu bringen. „Bob! Ich…ich…“, Justus versuchte sich zurückzuziehen, doch Bob schüttelte den Kopf. Seine Wangen höhlten sich als er an seiner Erektion saugte. Das war alles, was es noch brauchte. Justus kam mit einem unterdrückten Schrei, sein Körper verspannte sich, als sein Orgasmus ihn schüttelte.
Bob blieb bei ihm, streichelte ihn weiter, bis Justus keuchend eine Hand auf seinen Kopf legte, um ihn zu stoppen.
Bob zog sich zurück, fuhr sich mit dem Handrücken über den Mund. Peter betrachtete ihn fasziniert. Er hatte geschluckt. Er hatte wirklich geschluckt. Bei seinem ersten Blowjob. Kelly hatte das nie getan. „Dritter, du kleine Schlampe.“
Bob zeigte ihm den Mittelfinger. „Wenn ich dir auch noch einen blasen soll, würde ich auf meine Wortwahl achten, Zweiter.“
„Wow…“, Justus zog ihre Aufmerksamkeit wieder auf sich. Er hatte die Augen geschlossen, ein befriedigtes Lächeln auf den Lippen. „Nachdem alle Männer so scharf auf Blowjobs sind, war mir klar, sie fühlen sich gut an, aber das…“ Er setzte sich auf, griff nach Bob und küsste ihn. Sich selbst auf Bobs Lippen schmecken zu können, schien ihn nicht zu stören. „Danke“, wisperte er. „Das war wirklich toll.“
Bob errötete unter dem Lob. „Gerne. Freut mich, wenn es dir gefallen hat.“
„Da waren es nur noch zwei.“ Peter griff ungeduldig nach Bob und zog ihn auf sich. Zum ersten Mal pressten sie sich splitterfasernackt aneinander. Als Bob ihn küssen wollte, drehte Peter jedoch im letzten Moment den Kopf weg.
„Was ist?“ Bob stützte sich rechts und links von seinem Kopf ab, blickte verdutzt auf ihn hinunter. Dann schien er zu verstehen. „Ach was“, er zog eine Augenbraue hoch. „Küsst du mich jetzt nicht mehr, weil ich Justus Sperma geschluckt habe?“
Peter hielt ihn fest, als Bob von ihm runter gehen wollte. „Jetzt warte doch mal. Sorry. Es ist nur…“, er zögerte. „Das ist wirklich…intim.“
„Intim?“ Justus hatte sich auf die Seite gedreht, seine Atmung beruhigte sich nur langsam. „Alles was wir hier tun, ist wirklich intim.“
Die Sache war…für Justus war es das vermutlich tatsächlich. Peter sah hilfesuchend zu Bob. Aber der musste doch verstehen, es gab durchaus noch Abstufungen von ‚intim‘.
Doch Bob schien die Lust vergangen zu sein. Er saß auf der Bettkante und griff gerade nach seiner Jogginghose.
Chapter 36: Throuple 3
Chapter Text
Bob spürte wie Peter ihm am Rücken berührte. „Bob. Komm schon.“
Unwillig schüttelte er seine Hand ab und stand auf, um seine Jogginghose hochzuziehen. „Du wolltest eklig sagen, Peter. Nicht intim.“
„Das stimmt doch gar nicht. Leg mir keine Worte in den Mund.“ Peter griff nach Bobs Bettdecke, wollte sich wahrscheinlich bedecken.
Allerdings lag Justus darauf, der auch keine Anstalten machte, sich zu bewegen. Er hatte die Brauen zusammengezogen. „Warum wolltest du Bob nicht küssen, Zweiter?“
Peter fühlte sich sichtlich in die Ecke gedrängt, denn seine Schultern verspannten sich. „Muss ich mich jetzt jedes Mal rechtfertigen, wenn ich etwas nicht machen möchte?“
Justus setzte sich jetzt ebenfalls auf. „Nein. Ich meine…ich kann es in gewisser Weise nachvollziehen…also, naja…“ Er hielt inne, als er Bobs wütenden Blick bemerkte.
„Ach was, bin ich zu versaut für euch? Ich Schlampe?“ Das ging definitiv in Peters Richtung.
Justus räusperte sich. „Dritter, komm wieder her. Wenn Peter sich damit nicht wohl fühlt, ist das so. Das hat nichts mit dir zu tun. Oder mit mir.“
Bob verschränkte die Arme vor der Brust. Sein Kopf sagte ihm, Justus hatte recht. Es ging um Grenzen. Die waren wichtig. Jeder von ihnen hatte das Recht, Grenzen zu setzen. Trotzdem konnte er es nicht ändern, sich herabgewürdigt zu fühlen. Er hatte nichts Falsches getan.
Bob leckte sich kurz über die Lippen. Er konnte Justus noch immer schmecken. Zugegebenermaßen hatte er kurz mit einem Würgereflex gekämpft. Es war vielleicht nicht der tollste Geschmack auf Erden, aber auch nicht weiter dramatisch. Nicht, wenn es Justus so gut gefallen hatte. Der hatte kein Problem damit gehabt, ihn danach zu küssen. Aber offensichtlich hätte es anders ausgehen, wenn es Peters und nicht sein eigenes gewesen wäre.
„Ich geh mal Zähne putzen“, murmelte Bob. Er hörte Justus hinter sich seufzen, reagierte aber nicht darauf. Niemand kam ihm nach als er seine Abendtoilette erledigte. Eine weitere Sache, die ihn wurmte.
Zurück in seinem Zimmer hatten sich sowohl Justus als auch Peter wieder angezogen. Sie schienen geredet zu haben, verstummten allerdings als er zurückkam.
Angespannt sammelte Bob sein T-Shirt vom Boden auf.
Peter stand auf und trat auf ihn zu. „Ich hätte dich nicht Schlampe nennen dürfen, okay?“ Er schluckte. „Das war wirklich nicht böse gemeint.“
„Lass stecken, Zweiter“, murmelte Bob, sah Peter nicht an. Er hatte keine Lust zu diskutieren. „Ich bin lieber eine Schlampe als prüde.“
Peter zuckte zusammen. Sein dahingeworfener Satz hatte offensichtlich gesessen. Die Bettdecke raschelte als Justus sich bewegte. „Hey, ihr zwei. Das läuft gerade in eine sehr ungute Richtung. Sagt nichts, was ihr morgen bereut.“
Bob schnaubte nur und wollte sich an Peter vorbeidrängeln. Doch der dachte gar nicht daran, ihn vorbeizulassen. Stattdessen packte er ihn und schubste ihn mit dem Rücken gegen die Tür. Hart.
Bob funkelte ihn wütend an. „Was soll das?“
„Ich bin nicht prüde!“, stieß Peter zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. „Sorry, wenn ich vielleicht etwas länger brauche, um diesen Poly-Kram auf die Kette zu bekommen. Tut mir echt leid.“
Er hörte sich überhaupt nicht an, als würde es ihm leidtun. Bob hob das Kinn. „Klar. Und mir tut es leid, wenn ich ganz versessen darauf bin, es mit euch beiden zu treiben.“ Wieder versuchte er an Peter vorbeizukommen, aber er hatte keine Chance. Bob verspürte nicht übel Lust, ihn dahin zu treten, wo es wirklich weh tat.
„Warum bist du jetzt so zickig?“ Peter stützte sich rechts und links von ihm an der Tür ab, kesselte ihn damit ein. Wie vor kurzem in der Zentrale, als er ihm verboten hatte, eine Dating-App zu nutzen.
„Ich bin nicht zickig, man.“ Er verschränkte störrisch die Arme vor der Brust. „Ich will mich einfach nur hinlegen und pennen.“
Peter sah ihn ungläubig an. „Dein Ernst? Du konntest doch noch nie schlafen, wenn wir uns gestritten haben.“
Eine durchaus zutreffende Beobachtung, allerdings keine, die Bob gerade zugeben wollte. „Wir streiten doch nicht. Wir legen Grenzen fest. Hat Justus doch gesagt.“
Justus fuhr sich im Hintergrund mit einer Hand durchs Haar. „Bob…zieh mich da jetzt bitte nicht mit rein. Ich möchte die Nacht eigentlich in guter Erinnerung behalten.“
Bob warf die Hände in die Luft. Oder jedenfalls versuchte er es, denn er blieb an Peters Armen hängen. Wütend schubste er Peter von sich. „Und ich wohl nicht? Ich hab mich so darauf gefreut und jetzt gebt ihr mir beide ein Scheißgefühl. Danke für nichts! Warum geht ihr nicht einfach?“
Justus rührte sich nicht vom Fleck. „Ich geh jetzt ganz bestimmt nicht. Ich habe deinen Mund auf mir verdammt nochmal geliebt.“ Er fluchte so gut wie nie, aber wenn er es tat, war es ein Signal, er meinte es zu 100%. „Und ich kann es kaum erwarten, den Gefallen zu erwidern. Wenn du mich lässt.“
Bob sah zu ihm hinüber, ein bisschen versöhnlicher gestimmt. „Wirklich?“
„Ja.“ Justus klopfte neben sich. „Ich hab eigentlich gehört, nach dem Sex kuschelt man. Komm her, bitte.“
Bob zögerte kurz, dann folgte er Justus Aufforderung. Auf halbem Weg zum Bett hielt ihn Peters Stimme auf. „Na klasse. Und was ist jetzt mit mir?“
Bob drehte sich zu ihm um. „Ich habe Zähne geputzt. Das Einzige, was du schmecken wirst, ist Minze. Du kannst mich also wieder küssen“, schnappte er.
Peter ballte eine Hand zur Faust. „Meine Güte, wenn es so eine Riesensache für dich ist, küss ich dich das nächste Mal, wenn du Justs Ladung noch im Mund hast. Macht dich das dann glücklich?“
Bob antwortete nicht, aber sein Gesicht sprach Bände. Alles, was er jetzt sagen könnte, würde alles nur noch schlimmer machen. Dabei war ihm bewusst, es ging ihm gar nicht so sehr um die Kuss-Sache. Peter hatte ihn eine Schlampe genannt. Und das hatte weh getan. Vielleicht nochmal zusätzlich, weil er auch von den Mädels in der Schule als Fuckboy betitelt worden war. Er schlief sich nicht durch die Betten. Ja, er hatte seinen Spaß, aber warum auch nicht? Diese Gerüchte waren alle völlig übertrieben. Er hatte einfach nur versucht, Justus erste Blowjob-Erfahrung so gut wie möglich zu machen. Es war ja nicht so, als hätte er das schon tausende Male gemacht.
Peter schien auch zu merken, er hatte es übertrieben. Seine Faust öffnete sich. „Es tut mir leid.“ Seine Stimme klang rau. „Das hätte ich nicht sagen sollen. Moon, wirklich, ich wollte dich nicht Schlampe nennen. Ich…habe eigentlich versucht, dir ein Kompliment zu machen und dafür die völlig falschen Worte gewählt. Du bist so selbstsicher, was deine Sexualität betrifft. Davon bin ich noch so weit entfernt wie…die Sonne vom Mond. Sei bitte nicht mehr wütend auf mich.“
Bob merkte auf als Peter ihn ‚Moon‘ nannte. Justus hatte ihm von ihrem Planetarium-Date erzählt, allerdings zu Bob gemeint, Peter hätte nicht wirklich Interesse an seiner Sonne-Erde-Mond-Metapher gezeigt. Scheinbar hatte er doch zugehört und wandte sie jetzt an.
Bob seufzte. Wie konnte er da noch sauer sein? Er trat auf Peter zu, schlang die Arme um ihn und schmiegte sich gegen seine Brust.
Peter umarmte ihn sofort, vergrub den Kopf an seinem Hals. Er murmelte etwas, das Bob nicht verstand, aber das musste er wohl auch nicht. Als sie sich jetzt küssten, zeigte Peter keine Zurückhaltung. Im Gegenteil, er eroberte seinen Mund geradezu.
Schwer atmend löste sich Bob von ihm. „Wenn du auf deinen versprochenen Blowjob aus bist, muss ich dich enttäuschen. Vielleicht morgen früh.“ Er war nicht mehr wütend, aber so ganz hatte er die Enttäuschung über Peters Wortwahl noch nicht abgeschüttelt.
„Das ist schon okay.“ Peters Hände schoben sich unter seinen Hintern und hoben ihn hoch. Automatisch schlang Bob die Beine um ihn. Wie schon einmal früher am Abend trug Peter ihn zum Bett, setzte ihn aber nur darauf ab, statt ihn hinzulegen. Dann ging Peter langsam vor ihm auf die Knie, sah zu ihm auf. „Es ist völlig okay, wenn du keinen Bock hast. Aber ich möchte… Darf ich dir einen blasen?“ Er lief rot an.
Bob starrte ihn mit offenem Mund an. Justus neben ihm lachte leise. „Okay, das kam unerwartet. Ich bin stolz auf dich, Zweiter.“ Er beugte sich vor um Peter einen Kuss zu geben, der ihn dankbar erwiderte. Justus flüsterte leise etwas, das wohl nur für Peters Ohren bestimmt war, ehe er sich wieder zurückzog. Ihnen Raum gab.
Peter legte die Hände auf Bobs Oberschenkel, wartete noch immer auf seine Antwort.
„Du…du musst das nicht tun, Zweiter“, stotterte Bob. „Du musst mir nichts beweisen oder so.“
Peter schüttelte den Kopf. „Das ist es nicht. Ich will es einfach. Aber“, er grinste schief, „ich werde vermutlich eher nicht schlucken.“
Jetzt musste Bob doch ein wenig Lachen. „Schon okay. Das musst du auch nicht.“
Peter zupfte am Bund seiner Jogginghose. „Also? Darf ich?“
Bob nickte und stand auf damit Peter ihm die Hose mitsamt Unterhose runterziehen konnte. Als er wieder saß, schloss Peter die Finger um seinen Schwanz. Bob war noch nicht wirklich steif, das änderte sich jedoch schnell, als Peter begann ihn zu pumpen.
Bob bemerkte Justus hinter sich. „Entspann dich und lehn dich an mich.“ Justus schob die Beine links und rechts von ihm auf den Boden, schlang die Arme um Bob und diente ihm somit als menschliche Lehne.
Bob biss sich auf die Lippen. Er genoss Justus Umarmung, seine starke Präsenz im Rücken. Mittlerweile war er vollständig hart.
Peter blickte zu ihm auf, ein wenig verunsichert. Einem Instinkt folgend, legte Bob eine Hand auf seinen Hinterkopf. Nicht zu fest, er berührte ihn kaum. Die andere Hand legte er um seine Erektion. „Komm“, ermunterte Bob Peter. „Du hast schon Blowjobs bekommen. Du weißt wie es geht.“ Er fuhr mit der Spitze seines Schwanzes Peters Unterlippe nach. Der zögerte kurz, öffnete dann aber folgsam den Mund. Als sich seine Lippen das erste Mal um Bobs Schwanz schlossen, stöhnten sie beide auf.
Die Vibration ließ Bob schaudern. „Das ist so gut“, murmelte er. Peter begann langsam den Kopf zu bewegen, nahm so viel wie es ging von Bob in den Mund, bis er fast würgte.
„Mach langsam“, Bob fuhr mit den Fingern durch Peters Haar. „Nur so viel, wie sich für dich gut anfühlt.“ Peter nickte, zog sich etwas zurück. Er benutzte jetzt zusätzlich seine Hand, wichste Bob im selben Rhythmus wie er den Kopf bewegte. Mit der freien Hand öffnete Peter ein wenig ungelenk seine eigene Hose, schob sie hastig in die Kniekehle und schlang die Finger um seine Erektion.
Er wimmerte leise. Ein Geräusch, das Bob unglaublich anturnte. „Ja. Genau so.“ Er legte den Kopf in den Nacken, gab Justus damit die Gelegenheit, seinen Hals mit Küssen und sanften Bissen zu bedecken. Er konnte Justus Erregung gegen seinen unteren Rücken spüren, etwas, das ihn zusätzlich anmachte.
Peter saugte an seiner empfindlichen Spitze und Bob hatte alle Mühe, die Hüften still zu halten, nicht in die warme, nasse Enge zu stoßen. Seine Hände krallten sich in die Bettdecke. „Peter, ich…“, mehr brachte Bob nicht heraus, aber Peter verstand die Warnung auch so. Er löste die Lippen von Bob, pumpte ihn mit der einen und sich selbst mit der anderen Hand. Bobs Orgasmus überwältigte ihn, er stöhnte auf als sich sein Körper verspannte. Peter kam kaum eine Sekunde nach ihm, sein Gesicht vor Lust verzerrt.
Für einige Momente war nur ihr schwerer Atem im Zimmer zu hören. Dann löste sich Justus leise lachend von Bob, der daraufhin prompt nach hinten umfiel. „Nun, das nenne ich mal spektakulär.“ Er öffnete Bobs Nachttischkästchen und fischte zwei Packungen Taschentücher hervor, die er Bob und Peter zuwarf.
Erschöpft säuberte Bob sich notdürftig. Wahrscheinlich sollte er duschen gehen, aber dazu hatte er nun wirklich keinen Bock mehr. Als Peter leise ächzend aufstand, griff Bob nach ihm und zog ihn auf sich.
Peter ließ sich fallen, presste damit kurz die Luft aus Bobs Lungen. „Uff…“, Bob schlang die Arme um ihn, streichelte sanft seinen Rücken. „Danke“, flüsterte er. „Das war klasse.“
Peter schmiegte das Gesicht an seinen Hals. „Danke, gleichfalls.“
Justus, der sich hinter ihnen ausgestreckt hatte, klopfte neben sich. „Na kommt. Legt euch richtig hin, damit ich auch mit kuscheln kann.“
Und so endete der Abend doch noch versöhnlich. Bob lag zufrieden zwischen Justus und Peter, die ihre verschränkten Hände direkt über seinem Herzen abgelegt hatten. Bob hatte sich noch sie so wohl gefühlt in seiner Haut wie gerade jetzt.
Keiner von ihnen bemerkte die Flut an Nachrichten, die auf Peters und Bobs stumm geschalteten Handys eingingen. Es würde für sie ein böses Erwachen geben.
Chapter 37: Outed
Notes:
Hier bin ich wieder mit einem neuen Kapitel :) Der Song heißt Dirty Thoughts von Chloe Adams.
Chapter Text
Als Peter am nächsten Morgen aufwachte, schliefen Justus und Bob noch. Justus lag auf dem Rücken, alle Viere von sich gestreckt, nahm er einen Großteil des Bettes ein. Das war es vermutlich auch, was Peter geweckt hatte. Er war kurz davor von der Matratze zu fallen.
Gähnend schob er Bob etwas näher zu Justus, versuchte eine bequemere Position zu finden. Doch einmal wach fiel es ihm schwer wieder einzuschlafen. Durch die geschlossenen Jalousien drang bereits Tageslicht. Wieviel Uhr war es eigentlich?
Peter angelte sein Handy von Bobs Nachttischkästchen. Bob bewegte sich neben ihn, seufzte leise, schien aber nicht aufzuwachen.
Für einen kurzen Moment betrachtete Peter sein Gesicht. Er wirkte friedlich im Schlaf. Jetzt lächelte Bob sogar leicht.
Unwillkürlich hoben sich auch Peters Mundwinkel. Er hatte das Gefühl, sie hatten gestern einen wichtigen Schritt in ihrer Beziehung gemacht. Auch wenn es immer noch seltsam war. Sie waren schon so lange befreundet. Diese Freundschaft in eine…Liebesbeziehung zu verwandeln, würde vermutlich seine Zeit dauern.
Nachdenklich blickte Peter zu Justus hinüber. Er und Bob waren definitiv einer der wichtigsten Menschen in seinem Leben. Und er liebte sie. Freundschaftlich gesehen. Von Liebe im romantischen Sinne konnte er jetzt noch nicht sprechen. Dafür war es schlicht zu früh.
Rückblickend betrachtet war er definitiv eifersüchtig gewesen, als Bob angekündigt hatte, sich auf einer Dating-App umsehen zu wollen. Der Gedanke von ihm mit irgendeinem anderen Typen – außer Justus - behagte ihm gar nicht. Warum es ihm nichts ausmachte, Bob mit Justus zu teilen, wusste er nach wie vor nicht so recht. Es war einfach so. Vielleicht, weil sie immer schon ein Dreiergespann gewesen waren, ihre Dynamik vertraut? Ohne Justus würde definitiv etwas fehlen.
Die Sache mit Justus war... Peter kam nicht umhin zu bemerken, zwischen ihnen gab es eine sexuelle Spannung. Hatte es vielleicht immer schon gegeben und sie hatten es nur nie realisiert. Aber Liebe oder Verliebtsein? Das war dann doch nochmal etwas anderes. Während Justus sein romantisches Date mit Bob gehabt hatte, hatten sie sich bisher noch nicht alleine verabredet. Jedenfalls nicht auf ein Date.
Peter kuschelte sich wieder ins Bett, den beiden anderen den Rücken zugekehrt, um sie durch den Lichtschein seines Handydisplays nicht aufzuwecken. Vielleicht sollte er Justus mal nach einem richtigen Date fragen? Oder sollte er besser warten, bis der von sich aus auf ihn zukam? Hielt er ein offizielles Date zwischen ihnen überhaupt für notwendig?
Abgelenkt von seinen Überlegungen, brauchte Peter einen Moment, bis er es bemerkte. Er stutzte. „Was zur Hölle…“, murmelte er halblaut. Seine Benachrichtigungen – sie waren im dreistelligen Bereich?
Irritiert zog Peter die Statusleiste seines Handys hinunter und überflog die Einträge. Insta, Whatsapp, TikTok… Die Zeilen hörten gar nicht mehr auf. Mit einem zunehmend unguten Gefühl las er die Nachrichtenvorschauen.
„Bist du das wirklich…“
„@lukeymm hat dich markiert“
„Hast du das Video…“
„@jennyoo6 gefällt ein Video, in dem du markiert wurdest“
„Alter?? Was geht denn…“
Wahllos tippte er auf eine der Markierungen. Es handelte sich scheinbar um ein TikTok. Als das Video begann und die Musik einsetzte, entgleisten Peters Gesichtszüge.
„I get dirty thoughts about you
They geht worse when I’m without yout
Does that mean that I’m going to hell?
Or are you thinking them as well, well“ erklang ein beliebter TikTok-Song. Ungläubig beobachtete Peter sich selbst und Bob in der Küche, wie sie Tequila tranken und sich dabei gegenseitig Salz von ihrer Haut leckten. Aber es kam noch schlimmer.
„When I’m lonely
All the corners of my mind start racing
Things that should be kept in the basement
Spend my time trying to erase them“
Peter wusste, was passieren würde. Schließlich war er dabei gewesen. Trotzdem, als sein Video-Ich Bob an sich zog und der die Arme um ihn schlang, setzte er sich schlagartig auf. Die Kamera zoomte näher, das Video lief jetzt in Zeitlupe. Sie küssten sich.
„But when you hold me
In the fantasy it’s so convincing
I shouldn’t think the things I’m thinking
But now I’ve gone and let them sink in“
Durch die Zeitlupe wirkte ihr Kuss viel leidenschaftlicher, als er in Wirklichkeit gewesen war. Das Video endete und begann von vorne. Peter war unfähig, es zu stoppen. Irgendjemand hatte sie gefilmt! Jemand war draußen vor dem Küchenfenster gestanden und hatte den Moment auf Video gebannt. Entsetzt zuckte sein Blick zu der Anzahl der Likes und Kommentare. Das TikTok schien über Nacht viral gegangen zu sein. Es hatte bereits zehntausende Likes und hunderte Kommentare.
Neben ihm rührte sich Bob. „Man Zweiter“, nuschelte er verschlafen. „Was machst du denn? Musst du jetzt unbedingt Musik hören? Wie spät ist es überhaupt?“
„Wir wurden gefilmt!“ Bei Peters Ausruf zuckte auch Justus aus dem Schlaf hoch, starrte ihn erschrocken an.
„Sieh doch, Dritter!“ Er drückte Bob sein Handy in die Hand. Das Video lief noch immer in Dauerschleife.
Bob, noch ohne Kontaktlinsen, blinzelte heftig und rieb sich mit einer Hand den Schlaf aus den Augen. Peter erkannte genau den Moment, in dem es bei ihm klickte.
„Was zum Teufel…“ Genau wie Peter vorhin, klappte Bob die Kinnlade hinunter. Entsetzt starrte er auf das Handy-Display. „Aber, aber…“, stotterte Bob, ließ Peters Handy fallen und griff nach seinem eigenen Telefon. Falls überhaupt möglich, wurden seine Augen noch größer. Zweifelsohne hatte er die gleiche Anzahl an Benachrichtigungen bekommen wie Peter.
Es gab keinen Zweifel: Irgendjemand hatte sie durch das Küchenfenster gefilmt und ihren Kuss auf TikTok hochgeladen.
Peter begann zu schwitzen. Ihre TikTok-Accounts waren beide verlinkt worden, die Tags eindeutig. #rockybeach #rockybeachhigh #boyxboy #cheater
„Wir sind geoutet worden…“, ganz leise kamen diese Worte von Bob. Er schien durch die Kommentare zu scrollen. „Unsere Insta-Accounts…unsere Namen…alles hier.“
Mit zitternden Fingern öffnete Peter ebenfalls die Kommentarspalte.
„OMG Kelly tut mir SO leid… Er hat sie mit seinem besten Freund betragen? #cheater“
„Scheint so, als wären Fußbälle nicht die einzigen Bälle, mit denen Shaw gerne spielt :D“
„Die sind schwul? Das erklärt einiges“
Peter wurde schlecht. Das durfte doch alles nicht wahr sein. Seine Gedanken rasten. Irgendjemand musste ihm zu Bob gefolgt sein. Aber wer? Kelly? Die Schlussfolgerung war naheliegend, aber aus irgendwelchen Gründen traute er es ihr nicht zu. Sein Trikot zu verbrennen war eine Sache, ihn – und Bob – zu outen eine andere.
Bob schien das jedoch anders zu sehen. „Kelly, dieses Miststück!“, wütete er. Er war aus dem Bett aufgestanden und zog jetzt die Rollläden hoch. Helles Sonnenlicht blendete Peter und er kniff die Augen zusammen. „Wenn ich die erwische, mache ich sie einen Kopf kürzer. Mädchen hin oder her.“ Bob lief im Zimmer auf und ab, hektische rote Flecken auf den Wangen.
Peter schluckte hart. Einmal. Zweimal. Blinzelnd senkte er den Blick wieder auf sein Handy. Er hatte gerade den Chat seiner Fußballmannschaft geöffnet. Derek, dieses Arschloch, hatte das Video natürlich in die Gruppe geschickt.
„Willst du uns das vielleicht mal erklären, Captain?“
Fuck.
Chapter 38: Closeted
Chapter Text
Justus blickte angespannt zwischen Peter und Bob hin und her. Hatte er – aus dem Schlaf aufgeschreckt – am Anfang noch gar nicht begriffen, was eigentlich los war, war es ihm jetzt umso klarer. Über Bobs Schulter hatte er das Video gesehen. Ihre Beziehung war kein Geheimnis mehr. In einer Kleinstadt wie Rocky Beach verbreitete sich Klatsch und Tratsch mit Lichtgeschwindigkeit. Schon bald würde es jeder in der Schule wissen.
Und Peter war aufgrund seiner sportlichen Errungenschaften auch den Eltern ihrer Mitschüler ein Begriff. Zumindest, wenn die den Sportteil der Lokalzeitung lasen. Möglicherweise hatten bereits Bekannte ihrer Eltern das Video gesehen.
„Ihr müsst zuallererst mit euren Eltern reden“, brachte er hervor. Bob stoppte mitten im Schritt und Peter starrte ihn an wie ein Reh im Scheinwerferlicht. „Mittlerweile sind nicht nur mehr Teenager auf TikTok unterwegs“, Justus stand ebenfalls auf, konnte einfach nicht mehr länger sitzen bleiben. „Sie sollten es besser von euch erfahren und nicht von irgendjemand anderen.“
Peter ließ das Handy sinken. „Aber…aber…“, stotterte er. „Was soll ich ihnen denn sagen? Ich meine…ich weiß doch gar nicht…und…“, er blickte hilflos zu Bob.
Der verschränkte die Arme vor der Brust. Ließ sie wieder fallen. Verschränkte sie erneut. „Sieh mich nicht so an, Zweiter. Ich hatte nicht vor, meinen Eltern in absehbarer Zeit von meiner Bisexualität zu erzählen. Ich habe keine Ahnung, was ich ihnen sagen soll.“
Justus räusperte sich. Er versuchte die Stimme der Vernunft zu sein, auch wenn ihm das gerade schwerfiel. „Warum sagt ihr ihnen nicht die Wahrheit?“
„Welche Wahrheit denn?“, fragte Peter. Er erhob sich hastig vom Bett, fuhr sich mit einer Hand durch sein rotbraunes Haar. „Dass ich mit meinen zwei besten Freunde rummache und jetzt mit einem davon erwischt worden bin?“ Er lachte humorlos. „Ja, genau.“
„Das meinte ich nicht.“ Justus straffte die Schultern. „Ich bin in dem Video zum Glück nicht zu sehen. Das ist unser Vorteil. Somit betrifft es nur dich und Bob.“ Er maß Peter mit festem Blick. „Das wird definitiv Wellen schlagen – große Wellen – aber nichts im Vergleich dazu, wenn sie uns zu dritt gefilmt hätten.“
Peter schluckte sichtlich.
„Was schlägst du vor, Just?“, fragte Bob. Er war näher gekommen. „Wir sollen unseren Eltern erzählen, Peter und ich wären in einer Beziehung?“
„Was heißt hier wären?“, fragte Peter dazwischen, bevor Justus dazu kam zu antworten. „Sind wir das denn nicht?“
Bob zuckte unwirsch mit den Schultern und rieb sich mit einer Hand über den Arm. „Wer hat denn gerade erst wieder gesagt, er wüsste gar nicht, was das mit uns eigentlich ist?“
Ohne groß nachzudenken schlang Justus einen Arm um Bob und zog ihn an sich. „Komm schon, Dritter. Du bist Peter gerade nicht fair gegenüber.“ Bob versuchte sich aus seiner Umarmung zu winden, doch Justus hielt ihn entschlossen fest. „Es entwickelt sich hier gerade alles in Lichtgeschwindigkeit, und damit muss man erstmal klarkommen.“
Denn zugegebenermaßen, er war unendlich erleichtert, nicht auf dem Video zu sehen zu sein. Den Skandal, den das verursacht hätte, wollte er sich gar nicht ausmalen. Sein Onkel und seine Tante hatten ein Geschäft, das ohnehin mehr schlecht als recht lief. Nicht auszudenken, wenn noch mehr Kunden wegblieben, weil ihr Neffe in einer polyamorösen Beziehung mit zwei anderen Männern war. Er schluckte.
Peter betrachtete ihn mit einem wissenden Gesichtsausdruck. „Du bist gerade heilfroh, erst später gekommen zu sein, nicht wahr?“
Was nützte es, das zu leugnen. Justus nickte leicht. „Ja. Ich meine, der Schrottplatz…“
Bob machte sich resolut von ihm los, unterbrach damit seinen Satz. „Ihr geht mir beide auf die Nerven!“, stieß er hervor. „Wenn ihr solchen Schiss hattet, dass es rauskommt, hättet ihr es einfach sein lassen sollen!“
Jetzt wurde auch Justus leicht ungehalten. „Dritter, was soll das denn jetzt? Wir waren uns doch einig, unsere veränderte Beziehung geheim zu halten.“
Bob schnaubte. „Ja, für den Moment. Aber doch nicht für immer. Ich dachte, wir würden uns irgendwann gemeinsam outen. Es kommt mir gerade so vor, als hättet ihr das nie vorgehabt.“
Justus wechselte einen raschen Blick mit Peter. Die Art und Weise, wie der die Lippen zusammenpresste, sagte ihm alles, was er wissen musste. „Bob, wir hatten doch überhaupt keine Gelegenheit, über irgendetwas nachzudenken oder konkrete Pläne zu schmieden. Es ging alles so schnell. Und Peter kommt gerade erst aus einer Beziehung. Ich hatte noch nie eine. Wir wollten es einfach langsam angehen lassen…“
Doch Bob winkte ab. „Tja, das hat sich ja wohl erledigt. Jedenfalls für Peter und mich. Du hast gerade noch einmal Schwein gehabt.“
Justus zuckte unter seinen harschen Worten zusammen, wusste allerdings auch nicht, was er darauf erwidern sollte.
Bob wandte sich an Peter. „Okay, kannst du mir jetzt mal verraten, wie du dir das vorstellst? Haben wir nur mal rumgemacht, um es auszuprobieren? Sind wir zusammen? Was willst du?“
Peter blickte zwischen Bob und Justus hin und her. Er sah aus als stünde er völlig neben sich. „Die Jungs in der Mannschaft haben das Video gesehen. Ihr wisst nicht, was in Umkleidekabinen abgeht. Ich will nicht aus der Mannschaft fliegen. Das…das geht einfach nicht.“
„Ich fass es nicht.“ Bob fuhr sich mit beiden Händen durch sein blondes Haar. „Ganz ehrlich, verschwindet. Ich muss jetzt mit meinen Eltern reden.“
Justus versuchte es erneut. „Bob, ich weiß…“
„Lass es einfach, Justus!“ Bob blitzte ihn wütend an, doch seine Stimme klang gefährlich wacklig. „Ich will jetzt einfach alleine sein. Bitte geht jetzt.“
Nach einem kurzen Zögern begann Justus wortlos seine Klamotten vom Boden zu sammeln. Peter tat es ihm gleich. Kaum waren sie in ihre Hosen und T-Shirts geschlüpft, schob sie Bob auch schon zum Zimmer hinaus und knallte ihnen die Tür vor der Nase zu.
„Fuck.“ Peter griff sich an den Kopf. „Das darf doch alles echt nicht wahr sein.“ Er sah elend aus.
Justus ging es nicht anders. Schweigend verließen sie das Haus der Andrews, begegneten dabei zum Glück niemanden. Justus hätte beim besten Willen nicht gewusst, was er hätte sagen sollen. Und das passierte ihm wirklich selten.
Vor Peters rotem MG blieben sie stehen. Justus betrachtete besorgt sein blasses Gesicht. „Was wirst du jetzt machen?“
Peter zuckte mit den Schultern, lehnte sich gegen das Auto. „Keine Ahnung. Ich muss meinen Eltern irgendwie das mit dem Video beibringen, ohne dass sie viele Fragen stellen. Und das selbe mit den Jungs aus der Fußballmannschaft.“ Er schluckte hart.
Justus unterdrückte das Bedürfnis ihn anzufassen, schob stattdessen die Hände in die Hosentaschen. „Sie können dich deswegen nicht aus der Mannschaft schmeißen. Es gibt Antidiskriminierungsrichtlinien…“
Peter unterbrach ihn mit einem Kopfschütteln. „Just, nimm es mir nicht übel, aber du hast absolut keine Ahnung, wie es im Sport zugeht. Es sollte nicht mehr so sein, aber hier ist ‚schwul‘ immer noch eine Beleidigung. Und Derek ist schon ewig scharf auf meine Position. Das ist ein gefundenes Fressen für ihn.“ Peter presste die Zähne zusammen.
Innerlich fluchte Justus. Der heutige Tag entwickelte sich zum reinsten Alptraum.
„Wirst du mit Kelly reden?“, fragte er Peter nach einer kurzen Pause. „Ich meine, die Indizien…“
Peter blickte zu Boden. „Sie hat mich wieder überall geblockt, nachdem ich die Story mit meinem Trikot gesehen hatte.“ Er hielt einen Moment inne. „Das Ding ist…“
„Du traust ihr so eine Aktion nicht zu?“, vollendete Justus seinen Satz. Peter nickte.
Nachdenklich biss sich Justus auf die Unterlippe. „Überlass Kelly mir. Ich werde mit ihr reden. Ich kann momentan ohnehin nichts anderes tun.“
Peter sah ihn für einen Moment überrascht an, nickte dann jedoch. Offensichtlich war er nicht scharf darauf, seine Ex-Freundin zu konfrontieren. „Okay. Danke. Dann…fahr ich jetzt wohl mal heim.“ Er wirkte, als wäre er auf dem Weg zu seiner Exekution.
Justus zog eine Hand aus der Hosentasche und legte sie auf Peters Schulter. Er drückte sie leicht. Mehr wagte er in der Öffentlichkeit nicht. War sich auch nicht sicher, ob Peter momentan mehr zugelassen hätte. „Wir bekommen das hin“, sagte er mit mehr Entschlossenheit als er fühlte. „Wir alle drei.“
Peter schenkte ihm ein leichtes Lächeln. „Dein Wort in Gottes Gehörgang, Erster. Denn momentan habe ich Gefühl, alles geht katastrophal den Bach runter.“
Chapter 39: Fleeing
Chapter Text
Als Bob Justus und Peter mehr oder weniger rausgeschmissen hatte, ließ er sich bäuchlings auf sein Bett fallen. Ihm war elend zumute. Obwohl seine Eltern sich nie in irgendeiner Weiße homophob geäußert hatten, graute ihm vor diesem Gespräch. Wenn er wenigstens hätte sagen können, er war in einer Beziehung mit Peter. Aber dessen Reaktion hatte ihm gerade sehr deutlich gemacht, davon waren sie meilenweit entfernt.
Offensichtlich waren Peter und Justus mehr daran interessiert, ihre Sexualität zu erforschen, als tatsächlich ihre Freundschaft zu einer Beziehung zu vertiefen.
Keine Ahnung, warum ihm das so mitnahm. Justus hatte ja recht, wenn er sagte, es war alles sehr schnell gegangen zwischen ihnen. Vielleicht zu schnell.
Bob löschte eine Benachrichtigung nach der anderen, ohne sie zu lesen. Er hatte einfach gerade keinen Nerv sich mit den Auswirkungen ihres Outings zu befassen. Doch er konnte es nicht ewig hinausschieben.
Soweit er wusste, hatten seine Eltern die TikTok-App nicht auf ihren Handys, allerdings war es nur eine Frage der Zeit, bis irgendjemand sie auf das Video ansprach.
Mit einem mulmigen Gefühl im Magen raffte Bob sich vom Bett auf und schlich ins Erdgeschoss. Besser er brachte es einfach hinter sich.
Seine Eltern saßen in der Küche beim Frühstück. Im Hintergrund lief leise Musik, sein Vater hatte sich in die Zeitung vertieft, während seine Mutter gerade ein Brötchen schmierte.
Sie hoben beide den Kopf, als Bob die Küche betrat. Sein Vater faltete die Zeitung zusammen und legte sie beiseite. „Guten Morgen. Sind Peter und Justus schon weg?“
Bob nickte stumm und glitt auf den Stuhl neben seiner Mutter. Sein Hals war wie zugeschnürt.
„Alles okay?“ Mrs. Andrews betrachtete ihren Sohn prüfend. „Du bist ja ganz blass. Wirst du etwa krank?“ Schon fühlte er ihre Finger auf der Stirn.
Bob schob ihre Hand beiseite. „Mom, lass das. Ich bin nicht krank. Es ist nur…“, er schluckte.
„Was hast du denn?“ Mr. Andrews sah Bob irritiert an. „Ich muss zugeben, du benimmst dich in letzter Zeit reichlich seltsam. Du bist doch sonst nicht so.“ Zweifelsohne spielte er damit auf den Eyeliner an. Bobs Mut sank.
Vielleicht musste er seinen Eltern ja gar nichts sagen? Warum unnötig die Pferde scheu machen? Wenn sie das Video sahen, würden sie ihn schon darauf ansprechen. Dann konnte er immer noch die Karten auf den Tisch legen. Bis dahin würde er einfach so tun, als wäre gar nichts passiert.
„Sorry“, Bob schüttelte den Kopf. „Wir haben nach den Ferien Unmengen an Aufgaben und Prüfungen, auf die wir uns vorbereiten müssen. Ich weiß gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Deswegen sind Just und Peter schon gegangen. Sie müssen auch noch lernen.“ Er log seine Eltern nicht gerne an, aber manchmal war es einfach notwendig.
Seine Eltern tauschten einen kurzen Blick, schienen dann jedoch zu entscheiden, das Thema fallen zu lassen. Seine Mutter zuckte mit den Schultern und schob ihm das Brötchen zu, das sie gerade geschmiert hatte. „Na gut. Dann wirst du den Tag wohl ebenfalls mit Lernen verbringen?“
Bob schnappte sich dankbar das Marmeladenbrötchen und biss hinein. „Ja, aber ich fahr dazu zu Jelena“, nuschelte er mit vollem Mund. „Sie kann mir Mathe erklären.“ Das war nur halb gelogen. Jelena hatte ihm tatsächlich schon in Mathe geholfen.
Abgesehen davon, musste er dringend mit ihr reden. Sie hatte das TikTok bestimmt ebenfalls schon gesehen. In der ganzen Nachrichtenflut war auch eine Nachricht von ihr gewesen, meinte Bob sich zu erinnern. Er hatte sie ungelesen weggeklickt.
Nach dem Frühstück schnappte sich Bob alibimäßig seinen Schulrucksack, wünschte seinen Eltern noch einen schönen Tag und machte, dass er wegkam.
Jelena und ihr Vater wohnten in einer Villa in den Bergen zwischen Santa Monica und Rocky Beach. Da er sie bereits mehrfach besucht hatte, fand Bob die Zufahrtsstraße zum Haus ohne Probleme. Jelenas Vater war ein Mann, der seine Privatsphäre zu schätzen wusste. Die Abbiegung lag so versteckt, er war am Anfang oft vorbeigefahren.
Als er die Ente vor der Villa zum Stehen brachte, flog die Haustüre auf und Jelena erschien. Wieder mal bewunderte er, wie geschickt sie mit ihrem Rollstuhl umging. In der Zeit, die er zum Aussteigen brauchte, war sie bereits zu ihm gerollt.
„Hey…“, Bob blickte plötzlich verunsichert zu ihr hinunter. „Sorry für mein unangekündigtes Aufkreuzen…“
Doch Jelena winkte ab. „Kein Ding. Im Gegenteil, ich hatte gehofft, du würdest dich melden. Junge, Junge, was ist denn bei dir los?“ Ohne auf seine Erwiderung zu warten, setzte sie ihren Rollstuhl erneut in Bewegung und steuerte den Garten an.
Um seiner Tochter einen größtmöglichen Bewegungsradius zu verschaffen, hatte Mr. Charkov die ganze Anlage rollstuhlfreundlich gestaltet. Jelena hatte keine Probleme, sich auf den breiten, ebenen Wegen fortzubewegen. Daher versenkte Bob auch die Hände in den Hosentaschen, als er ihr zu einer kleinen Sitzgruppe im Schatten folgte, statt ihr beim Schieben des Rollstuhls zu helfen. In dieses Fettnäpfchen war er nur beim ersten Mal getappt. Jelena hatte sehr deutlich gemacht, sie würde schon um Hilfe bitten, wenn sie sie tatsächlich benötigte. Seitdem behielt er seine Hände bei sich.
Seufzend ließ er sich auf einen der bequemen Stühle fallen, streckte die Beine von sich. Jelena schwieg, drängte ihn nicht, obwohl sie zweifelsohne vor Neugier platzte.
Bob leckte sich kurz über die Lippen. „Du hast das TikTok gesehen?“
Jelena nickte. „Klar. Wer nicht? Das ist in aller Munde.“
Fuck. Bob rutschte tiefer in den Sitz.
Jelena betrachtete ihn besorgt. „Ich hatte mich schon gewundert… Dieses TikTok, das habt ihr nicht selbst hochgeladen, oder?“
Bob schüttelte heftig den Kopf. „Nein, natürlich nicht.“ Er presste die Lippen zusammen. „Irgendjemand ist Peter zu mir nach Hause gefolgt und hat uns gefilmt.“
Jelena pfiff leise durch die Zähne. „Ach du scheiße. Ich war mir nicht sicher… Ich dachte, es wäre vielleicht Teil eines Falles.“
„Ich wünschte, es wäre so.“ Bob lehnte sich zurück, verschränkte die Arme vor der Brust. Das wünschte er sich tatsächlich. „Aber nein. Kein Fall.“
Jelena schob sich eine Haarsträhne hinter die Ohren. „Okay, jetzt mal ganz von vorne. Wie ist das denn passiert?“
Bob seufzte leise. „Naja… Ich…ich weiß schon eine ganze Weile, dass ich bisexuell bin.“ Er biss sich kurz auf die Lippen. „Und meine Gefühle gegenüber Peter“, und Justus, ergänzte er in Gedanken, „sind schon länger nicht mehr rein freundschaftlicher Natur. Ich…ich habe das aber bis vor kurzem ignoriert.“ Bob sah auf, begegnete Jelenas Blick. Sie wirkte nicht, als würde sie ihn verurteilen. Sie sah nur neugierig aus.
„Aber Peter hatte doch eine Freundin, oder nicht? Wie hieß sie noch?“
„Kelly.“ Bob starrte auf seine Schuhspitzen. „Er hat Schluss mit ihr gemacht, kurz bevor das mit uns angefangen hat.“
„Ach so“ Jelena legte den Kopf schief. „Also hat Peter Kelly nicht betrogen?“
„Nein, das würde er niemals tun.“ Bob schüttelte den Kopf. „Ihre Beziehung ist eigentlich schon lange nicht mehr gut gelaufen. Irgendwann hatte er die Faxen dicke. Das hatte mit mir gar nichts zu tun.“
Jelena blies die Backen auf. „Oh wow. Harter Tobak. Zugegebenermaßen, ich dachte eigentlich, Peter wäre so hetero wie Wasser nass. Hat mich echt überrascht.“
Bob lehnte sich wieder nach vorne, ein wenig angefressen. „Und bei mir hat es dich nicht überrascht, oder wie?“
Sie betrachtete ihn für einen Moment. „Sorry, aber seit du mich das mit dem Eyeliner gefragt hast, habe ich mir so meine Gedanken gemacht.“
„Warum?“, schnappte Bob. „Weil sich Heteros nicht schminken dürfen?“
Jelena verdrehte die Augen. „Komm mir jetzt nicht so, Robert. Du weißt genau, was ich meine.“
Seinen vollen Namen aus ihren Mund zu hören, ließ ihn zusammenzucken. Bob starrte zu Boden. „Ich weiß nicht, was ich tun soll.“ Und dabei hatte er ihr noch nicht mal von der Sache mit Justus erzählt.
„Peter hat euer unfreiwilliges Outing nicht gut aufgenommen?“, fragte Jelena. „Wer hat denn dieses Video von euch jetzt eigentlich hochgeladen? Wisst ihr das?“
Bob zuckte mit den Schultern. „Nicht wirklich, nein. Und nein, wir wissen nicht mit Sicherheit, wer es hochgeladen hat. Ich würde ja vermuten, es war Kelly. Sähe ihr ähnlich, Peter zu folgen und uns zu outen, nur um ihm eins reinzuwürgen.“
Jelena sah ihn betroffen an. „Shit. Das tut mir echt leid.“ Sie legte eine Hand auf seinen Arm und drückte ihn kurz. „Aber ich bin mir sicher, das renkt sich alles wieder ein.“
Bob scharrte mit der Fußspitze im Kies. „Weißt du, auch ich wollte mich eigentlich nicht outen. Aber jetzt, wo es raus ist, kotzt es mich an, dass Peter deswegen so ausflippt.“
Jelena biss sich kurz auf die Lippen. „Wie lange weißt du schon, dass du auch auf Jungs stehst?“, fragte sie ihn.
„Keine Ahnung.“ Bob zuckte mit den Schultern. „Vielleicht ein Jahr oder so?“
Jelena lehnte sich in ihrem Rollstuhl zurück. „Und wann ist es Peter klar geworden? Hatte er vor dir schonmal Interesse an einem Jungen?“
Bob ahnte, worauf sie hinauswollte. Dementsprechend verdrossen kam seine Antwort. „Er sagt, erst, als das mit uns angefangen hat. Also vor ein paar Wochen.“
Sie drückte erneut seinen Arm. „Ich verstehe dich, aber ich muss zugeben, ich verstehe auch ihn. Das muss unglaublich viel auf einmal für Peter sein. Die Trennung von Kelly, die Erkenntnis, er steht auch auf Jungs, eure veränderte Beziehung… Da kann man schonmal durchdrehen.“
Bob schob ihre Hand weg und stand auf. „Na toll. Bin ich jetzt hier der Arsch, weil ich ihn überfordere? Ich habe das scheiß Video nicht hochgeladen!“
„Ist schon klar. Und nein, bist du nicht. Aber auf Peter sauer zu sein, bringt gar nichts. Du solltest dir deine Wut lieber für denjenigen aufsparen, der euch überhaupt erst in diese Situation gebracht hat.“
„Kelly.“ Bob lief einige Schritte auf und ab.
Jelena zuckte mit den Schultern. „Wenn sie es denn gewesen ist.“
„Wer soll es sonst gewesen sein?“, fragte Bob, drehte sich wieder zu ihr um. „Wer sollte ein Motiv haben, uns gegen unseren Willen zu outen?“
„Keine Ahnung.“ Jelena schenkte ihm ein flüchtiges Grinsen. „Ihr seid hier die Detektive. Nicht ich. Das werdet ihr schon herausfinden.“
Jetzt musste auch Bob unwillkürlich leicht grinsen. Doch sein Lächeln erlosch, als sie weitersprach. „Wo war eigentlich Justus bei all dem? Ich könnte mir vorstellen, er war von diesen Entwicklungen zwischen euch alles andere als begeistert, oder?“
Bob zögerte. Er konnte Justus nicht ebenfalls outen. Das ging einfach nicht. Wenn, dann musste er es selbst tun. Daher flüchtete er sich wieder in Halbwahrheiten. „Am Anfang hat er uns davon abgeraten, da hast du recht. Aber nach und nach war es okay für ihn.“
Jelena zog eine Augenbraue hoch. „Echt jetzt? Das hört sich so gar nicht nach Jonas an.“
Bob ließ sich wieder auf den Stuhl fallen. „Ist aber so.“ Er lachte leise. Es klang selbst in seinen Ohren gekünstelt. „Es geschehen noch Zeichen und Wunder.“
Jelena schüttelte den Kopf, wechselte dann jedoch zum Glück das Thema. Leider zu keinem, das ihm besser behagte. „Wissen es eure Eltern schon? Ich meine, die Chancen sind hoch, dass irgendjemand sie auf das Video anspricht. Das hat ganz schön viele Aufrufe.“
Er zuckte zusammen. „Nein“, murmelte Bob kleinlaut. „Ich…ich wollte es ihnen heute früh beim Frühstücken beichten, habe aber gekniffen.“
Sie sah ihn verständnisvoll an. „Das muss unglaublich schwierig sein. Allerdings, besser sie erfahren es von dir, als von irgendwelchen dritten Personen.“
Bob seufzte leise. „Genau das gleiche hat Justus auch gesagt.“
Jelena schenkte ihm ein schiefes Grinsen. „Das wiederum klingt sehr nach Jonas.“
Chapter 40: Encouraging
Chapter Text
Als Peter den MG startete, hatte er tatsächlich vor, nachhause zu fahren. Warum er stattdessen 20 Minuten später am Strand parkte, konnte er sich selbst nicht recht erklären.
Wobei, eigentlich schon. Er hatte Schiss.
Fluchend lehnte Peter den Kopf gegen die Rückenlehne, umklammerte das Lenkrad fester. In seiner Hosentasche vibrierte in regelmäßigen Abständen sein Handy. Obwohl er niemanden geantwortet hatte, hielt sie das nicht davon ab, ihn weiter mit Nachrichten zu bombardieren. Er wollte gar nicht wissen, was mittlerweile in seiner Fußball-Gruppe geschrieben worden war.
Da Peter die Augen geschlossen hatte, bemerkte er Jeffrey erst, als der an die Fensterscheibe klopfte. Das Geräusch ließ ihn zusammenzucken. Jeff schien vom Surfen zu kommen, denn er hatte sein Surfbrett unter den Arm geklemmt, sein blondes Haar dunkel vor Nässe.
Peter öffnete die Fahrertür und schwang die Beine aus dem Auto, blieb jedoch sitzen. Jeffrey betrachtete ihn mit einem Gesichtsausdruck, den Peter nicht recht deuten konnte.
„Ich schätze, du hast das TikTok schon gesehen, hmm?“, fragte er leise.
Jeffrey nickte. Nach einem kurzen Blick über die Schulter, lehnte er sein Surfbrett gegen den MG, umrundete den Wagen und ließ sich schließlich auf den Beifahrersitz fallen. Zeitgleich mit Peter zog er die Autotür ins Schloss.
Für einen Augenblick herrschte Stille im Wagen, ehe Jeffrey das Wort ergriff. „Also, eigentlich bin ich ja echt beleidigt. Du machst mit Bob rum, wenn du mich haben könntest?“
Für einen Moment starrte Peter Jeffrey an, als wäre dem ein zweiter Kopf gewachsen. Beinahe hätte er übersehen, wie dessen Mundwinkel zuckten.
Aufstöhnend legte Peter den Kopf aufs Lenkrad. „Alter, ich bin gerade echt nicht in Stimmung für Scherze.“
Er spürte, wie Jeffrey ihm eine Hand auf den Rücken legte. „Sorry not sorry.“ Er klang belustigt. „Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“
Peter drehte das Gesicht zu Jeff. „Mein Leben ist ein Scherbenhaufen und ich soll trotzdem lachen?“, fragte er leicht gereizt.
Jeffrey zuckte mit den Schultern und lehnte sich zurück. „Naja, ich meine, du kannst auch heulen. Ändert halt aber auch nichts an den Tatsachen.“
Peter verzog missmutig das Gesicht. „Toll. Die Tatsache ist, dass ich gerade von irgendeinem Arsch gegen meinen Willen vor aller Welt geoutet worden bin.“
„Das ist natürlich scheiße.“ Jeffrey nickte. „Und das tut mir auch echt leid für dich.“
Peter wartete, doch es kam nichts weiter. „Ich höre da ein Aber.“
Jeff schenkte ihm ein schiefes Grinsen. „Aber immerhin hast du einen echt heißen Freund, der dich über die Ungerechtigkeit der Welt hinwegtrösten kann? Der Kuss sah wirklich scharf aus.“
„Jeffrey!“ Peter schlug ihm auf den Oberschenkel. „Ist das dein verdammter Ernst?! Ich hab eine existenzielle Krise und du sabberst über Bob?“
Ungerührt lachte Jeffrey. „Jetzt mach mal halblang, Peter. Gegen seinen Willen geoutet zu werden ist definitiv scheiße. Aber nicht das Ende der Welt. Jedenfalls nicht in deinem Fall. Wir leben in Kalifornien im Jahre 2022 und so wie ich deine Eltern kennengelernt habe, werden sie ihr einziges Kind deswegen wohl kaum in Schimpf und Schande aus dem Haus jagen. Und unsere Surfclique erst recht nicht. Du weißt doch, wie entspannt die sind. Wenn sie mit meinen Eskapaden kein Problem haben, dann erst recht nicht mit dir.“
Peter sah ihn ungläubig an. „Machst du dich gerade über mich lustig? Mein Platz in meiner Fußballmannschaft…“
Doch Jeffrey ließ ihn gar nicht ausreden. „Ganz ehrlich, wenn sie ihren besten Scorer rauswerfen, ist das ihr Verlust und nicht deiner. Die sind nicht die einzige Mannschaft in Rocky Beach. Fußball spielen kannst du auch woanders.“
„Aber nicht auf dem Level!“ Jeffrey schien überhaupt nicht zu verstehen, was eigentlich das Problem war. „Meine Noten sind nicht gut genug für ein Begabtenstipendium. Der Sport ist die einzige Chance auf ein Stipendium, die ich habe. Meine Eltern haben Geld zurückgelegt für meine Collegeausbildung, aber ein zusätzliches Stipendium würde sie deutlich entlasten.“
Jeffrey zog erstaunt die Augenbrauen hoch. „Als wir uns das letzte Mal unterhalten haben, wusstest du überhaupt noch nicht, ob du dich an einer Uni einschreiben willst. Du sagtest, das Community College wäre auch okay.“
„Ich weiß, was ich gesagt habe. Aber Bob und Justus werden sich ganz bestimmt nicht am Community College einschreiben.“ Peter starrte blicklos aus dem Fenster.
Erst als sich Jeffreys Schweigen in die Länge zog, drehte er den Kopf wieder zu ihm. „Was?“
Jeff räusperte sich. „Sag mal, wie ernst ist das denn mit dir und Bob? Das klingt, als würdest du gedanklich schon die Hochzeit planen.“
Peter lief rot an. „Quatsch. Tu ich überhaupt nicht. Aber Fernbeziehungen finde ich scheiße und...keine Ahnung.“ Er verstummte.
Jeffrey schüttelte leicht den Kopf. „Ich würde vorschlagen, du schaltest erstmal einen Gang runter. Rede mit deinen Eltern und mit deiner Mannschaft. Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“
Als Antwort gab Peter nur ein Brummen von sich.
„Wann hat das mit dir und Bob überhaupt angefangen?“, fragte Jeffrey. „Du hast mir doch gefühlt erst vor einem Monat erzählt, du hast mit Kelly Schluss gemacht. Und nun machst du mit einem Typen rum? Und wer hat das TikTok überhaupt hochgeladen?“
Jetzt musste Peter vorsichtig sein, was er erzählte. Er leckte sich flüchtig über die Lippen. „Das mit uns hat kurz nachdem mit Kelly Schluss war angefangen. Nicht vorher wohlgemerkt“, stellte er klar. „Bob hat mir gestanden, dass er bi ist…Und irgendwie hat dann eines zum anderen geführt. Und wir wissen nicht, wer es hochgeladen hat. Bob vermutet, Kelly ist mir zu ihm gefolgt. Aber das will ich nicht glauben.“
Jeffrey lachte auf. „Echt jetzt? Er sagt ‚Hey du, ich steh auch auf Typen‘ und deine erste Reaktion ist ‚Cool, lass uns rummachen!‘?“
Wieder röteten sich Peters Wangen. „Lach mich nicht aus man. Ich schwöre, ich habe vorher nie darüber nachgedacht, wie es mit einem anderen Jungen wäre. Aber als Bob mir das gesagt hat, habe ich die Vorstellung von ihm und mir einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommen.“ Mit ein wenig Schützenhilfe von Justus Kuss, der bei ihm sämtliche Sicherungen hatte durchbrennen lassen.
„Krass.“ Jeffrey fuhr sich mit einer Hand durchs Haar. „Und zum Thema Kelly, nimm es mir nicht übel, aber ich traue ihr so eine Aktion durchaus zu.“
„Keine Ahnung. Justus will sie damit konfrontieren. Dann werden wir ja sehen, was sie sagt.“ Peter verschränkte die Arme vor der Brust. „Jeff?“
„Hmm?“
„Wann hast du eigentlich gemerkt, dass du bi bist?“
Jeffrey zuckte mit den Schultern. „Bi? Keine Ahnung, ob ich das bin. Ich meine, ja, technisch gesehen wahrscheinlich schon. Aber ich hatte bisher nur Beziehungen mit Frauen. Das mit den Jungs war nie etwas Ernstes. Meistens auf Partys.“
Peter nagte an seiner Unterlippe. „Bob hat mich heute gefragt, was wir den Leuten sagen sollen. Über unsere Beziehung. Ich glaube, ich habe ihn mit meiner ausweichenden Antwort ziemlich verletzt.“
„Ich meine, du hast gerade erst eine Beziehung hinter dir. Ich find es verständlich, wenn du dich nicht gleich in die nächste Beziehung stürzen möchtest.“ Jeff neigte leicht den Kopf. „Ihr könntet es natürlich als so eine Art Freundschaft Plus-Ding laufen lassen. Aber ich muss ehrlich zugeben, ich denke, dafür bist du nicht der Typ. Oder?“
„Nein.“ Peter trommelte mit den Fingern aufs Lenkrad. „Ich weiß, du liebst lockere Geschichten. Heute die, morgen den. Aber das bin nicht ich. Entweder ganz oder gar nicht.“
„Na, dann hast du doch schon deine Antwort, was ihr den Leuten sagen solltet. Nach dem, was du erzählt hast, sieht Bob das ja genauso wie du. Ihr seid zusammen und fertig.“ Jeff grinste. „Scheiß auf die Meinung von anderen. Alles wird sich finden.“
Peter atmete einmal tief durch. Jeffrey hatte ihm neuen Mut gemacht. „Du hast recht. Wir leben im Jahre 2022. Ich werde mich nicht verleugnen. Ich bin, wer ich bin.“
„Das ist die richtige Einstellung.“ Jeffrey reckte ihm den hochgestreckten Daumen entgegen.
„Danke dir.“ Peter lächelte ihn an. „Das musste ich hören.“
Jeff grinste. „Gerne. Auch wenn ich mir damit eigentlich ins eigene Fleisch schneide. Wenn es mit Bob nicht klappt, könnte ich es bei dir versuchen. Jetzt, wo auch Typen in Frage kommen.“
Peter verdrehte die Augen. Jeffrey flirtete aus Gewohnheit, er meinte es nicht ernst. Glaubte er jedenfalls. „Come on, du könntest mit mir doch gar nicht umgehen.“
Jeff lehnte sich etwas über die Mittelkonsole, suchte Peters Blick. Seine Mundwinkel zuckten belustigt, aber seine braunen Augen hatten sich etwas verdunkelt. „Oh, du hast ja keine Ahnung, wie gut ich mit dir umgehen könnte.“
Kam es ihm nur so vor oder war die Temperatur im Wagen gerade etwas gestiegen? Peter räusperte sich, seine Finger schlossen sich fester um das Lenkrad, als er Jeffreys Blick erwiderte. Er wollte einfach kein Schisser mehr sein. „Falls das mit Bob nicht klappt, komme ich darauf zurück. Deal?“
Für einen Moment musterte Jeffrey ihn, sichtlich überrascht. Dann grinste er breit. „Deal.“
Chapter 41: Not as planned
Notes:
Hi zusammen, Sorry für das späte Update und leider auch nur ein Kapitel... Ich war/bin krank. Aber so langsam wird es wieder und dann kommen auch die Updates wieder im gewohnten Umfang. :)
Chapter Text
Justus nagte an seiner Unterlippe. Er stand im Schatten eines Hauseinganges auf der gegenüberliegenden Seite von Kellys Elternhaus.
Bis vor zwei Minuten war er noch fest entschlossen gewesen, ihr heute einen Besuch abzustatten. Jetzt war er sich nicht mehr so sicher, ob das eine gute Idee war.
Justus neigte nicht zu vorschnellen Entscheidungen und impulsiven Handlungen. Er dachte die Dinge zu Ende, bevor er etwas tat. Was momentan auch das Problem war.
Sein Besuch bei Kelly konnte fürchterlich in die Hose gehen. Je nachdem, in welcher Verfassung sie war. War sie Peter tatsächlich gefolgt, hatte ihn und Bob gefilmt und es dann für alle Welt bei TikTok veröffentlicht?
Er erinnerte sich an Kellys durchdringenden Blick während ihres kurzen Gespräches vor Schulbeginn. Hatte sie da bereits etwas geahnt?
Realistisch betrachtet wusste Justus, das war eigentlich unmöglich. Aber trotzdem nicht vollumfänglich auszuschließen.
Er schob die Hände in die Hosentaschen. Egal, wer das TikTok hochgeladen hatte, Peter und Bob waren out. Daran gab es nichts mehr zu rütteln. Und er…nicht.
Justus verzog den Mund. Das machte die ganze Sache zwischen ihnen noch komplizierter. Zum wiederholten Mal checkte er sein Handy. Keine neue Nachrichten – weder von dem einem noch von dem anderen. Normalerweise waren keine Nachrichten gute Nachrichten, aber in diesem Fall… Seufzend schob er das Smartphone zurück in die Hosentasche.
So wie er Peters und Bobs Eltern kannte, konnte er sich eine negative Reaktion eigentlich nicht vorstellen. Überrascht? Mit Sicherheit. Aber wütend oder enttäuscht? Nein, eher nicht. Trotzdem konnte man einem Menschen natürlich immer nur vor die Stirn sehen.
Für einen kurzen Moment stellte Justus sich vor, wie wohl das Gespräch verliefe, wenn er sich vor Tante Mathilda und Onkel Titus outen würde. Wie würden sie reagieren? Er hatte keine Ahnung.
Das stand aktuell aber auch nicht zur Debatte. Justus fühlte sich einfach nicht bereit dafür. Er musste bei allem, was er tat, auch daran denken, seine Tante und Onkel führten ein Geschäft. Rocky Beach war eine Kleinstadt. Sollten aufgrund seiner Handlungen, zahlende Kundschaft wegbleiben, würde er sich das nie verzeihen. Die Geschäfte liefen auch so schon mehr schlecht als recht.
Langsam löste sich Justus von der Hauswand, an der er gelehnt hatte. Er würde den Besuch bei Kelly vertagen. Auch wenn eine kleine Stimme in seinem Kopf flüsterte, das sei feige. Justus ignorierte sie.
Es war vermutlich wirklich besser, die ganze Sache mal ein bisschen sacken zu lassen. Zunächst abzuwarten, wie Bobs und Peters Outing von ihrem Umfeld aufgenommen wurde. Ihre Eltern waren nämlich das eine, Peters Fußballmannschaft das andere. Zugegebenermaßen, er wollte momentan wirklich nicht in seiner Haut stecken.
Vermutlich machte ihn das wirklich zum Feigling. Ein Gedanke, mit dem er sich nur schwerlich arrangieren konnte.
Er wandte sich gerade zum Gehen, als hinter ihm Kellys ungläubige Stimme ertönte. „Justus? Was schleichst du denn hier rum?“
Ertappt fuhr Justus herum. Er war so in Gedanken versunken gewesen, er hatte ihr Näherkommen nicht mal bemerkt. So viel zum Thema ein guter Detektiv hatte immer seine Umgebung im Blick.
Kelly sah mitgenommen aus. Sie hatte ihr blondes Haar zu einem zerzausten Knoten hochgesteckt und trug einen Hoodie ihrer Schule, der für ihre zierliche Gestalt viel zu groß war. Peters?
„Ich…“, Justus schluckte, dann riss er sich zusammen. „Ich wollte eigentlich mal nach dir sehen. Wusste nur nicht, ob das jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist.“
Kelly schnaubte. Ihre Augen waren rot gerändert, ihr Gesicht blass und ungeschminkt. Justus hatte sie bisher noch nie ohne Make-Up gesehen. „Erzähl keinen Stuss, Jonas. Du willst wissen, ob ich dieses blöde TikTok hochgeladen habe.“
Jack winselte leise. Der kleine Malteserrüde, der zu ihren Füßen saß, blinzelte aus schwarzen Knopfaugen zu Kelly hoch. Scheinbar kamen sie gerade von ihrer morgendlichen Gassi-Runde. Kelly beugte sich zu ihm hinab und streichelte beruhigend sein weißes Fell.
Justus räusperte sich. „Ja, auch das will ich wissen. Aber die Situation muss auch für dich nicht einfach sein. Zu fragen, wie es dir geht, gebietet somit der Anstand.“ Das zumindest konnte er ihr zugestehen.
Kelly lachte bitter. „Wie großzügig von dir. Du tust so, als würde es dich interessieren und ich tue so, als ob es mir gut geht. Fabelhaft geradezu.“ Sie zog sich die Pulloverärmel über die Hände, als wäre ihr kalt. „Und um deine erste Frage zu beantworten: Nein, ich habe das Video nicht hochgeladen. Du bist nicht der Erste, der mich das heute gefragt hat.“
Es machte wenig Sinn, zu versuchen, Kelly von seiner Ernsthaftigkeit zu überzeugen. Sie glaubte ihm nicht, hatte hierfür auch keinen Grund. In der Vergangenheit waren sie mehr als einmal aneinandergeraten. Meistens wenn es darum ging, wer mehr von Peters Zeit beanspruchen konnte.
Doch es war wirklich nicht so, als ob Justus Kelly leiden sehen wollte oder ähnliches. Er hatte per se nichts gegen sie.
„Wenn du es nicht warst, wer war es dann, Kelly?“, fragte Justus. „Wer hat Bob und Peter geoutet?“
Kelly zuckte mit den Schultern. „Ganz ehrlich – ich weiß es nicht. Und eigentlich ist es mir auch egal.“
Justus betrachtete sie für einen Moment. Sie wirkte aufrichtig, aber das konnte täuschen. „Nur damit du es weißt – und ich denke, das wird er dir auch nochmal persönlich sagen – Peter hat dich nicht betrogen. Das mit Bob hat erst nach eurer Trennung angefangen.“
Kelly blickte zu Boden, schniefte leise. „Weißt du, Jonas, selbst falls das stimmt… Nur weil es ungefähr eine Stunde nach unserer Trennung gewesen ist, tut es deswegen nicht weniger weh. Ich kann es einfach nicht fassen.“
Mitleid mit Kelly zu haben, hatte heute nicht unbedingt auf seiner Agenda gestanden, aber er konnte das Gefühl auch nicht abschütteln. Vor allem, weil es tatsächlich Justus gewesen war, den Peter nach ihrer Trennung zuerst geküsst hatte.
„Ich kann nicht für Peter sprechen, aber ich denke, es tut ihm wirklich leid, wie das alles gelaufen ist.“ Für Justus war es jedenfalls so. „Ich bin mir sicher, er hätte es dir selbst gesagt, hätte man ihm die Chance gelassen. Keiner von beiden hatte vor, sich zum jetzigen Zeitpunkt zu outen. Sie sind auch ziemlich fertig. Peters Mannschaft…“, er brach ab.
Kelly nickte leicht. „Das ist auch das Einzige, was mich momentan davon abhält, ihm die Augen auszukratzen. Zu wissen, dass das so ganz bestimmt nicht geplant war.“
Für einen Moment schwiegen sie beide. Dann fragte Kelly: „Haben sie es dir selbst gesagt?“
Das war eine schwierige Frage. Die ganze Sache zwischen ihnen hatte ja mit ihm und Peter angefangen. Und nicht mit Peter und Bob. Justus schob die Hände in die Hosentaschen. „Ja. Ich habe es schon gewusst. Wir kennen uns zu gut und verbringen zu viel Zeit miteinander, als dass ich es nicht bemerkt hätte.“
Kelly hob den Kopf. „Warum bist du so entspannt? Ich hätte einen Tobsuchtsanfall erwartet. Du hasst es, wenn jemand anderes Peters Aufmerksamkeit beansprucht. Und jetzt wollen sie vermutlich auch mal Zeit ohne dich verbringen, das heißt, beide haben weniger Zeit für dich.“
Justus versuchte eine neutrale Miene aufzusetzen. „Glaub es mir, den Tobsuchtsanfall hatte ich schon. Ich war alles andere als begeistert.“ Er zuckte mit den Schultern. „Ich bin alles andere als begeistert. Aber was soll ich machen? Sie haben sich…“
„Verliebt?“, fragte Kelly. Ihre Stimme zitterte. „Ist das Wort, das du suchst, verliebt?“
Justus starrte auf seine Schuhspitzen. „Ja, vermutlich wollte ich das sagen.“
Chapter 42: Library Peace
Notes:
Hier kommen die nächsten drei Kapitel :) Ich weiß, die Fic ist momentan etwas redelastig, aber nur so geht die Story voran... Das nächste Update (sollte Ende der Woche kommen) ist dann auch wieder etwas für meine Smut-Fans :)
Chapter Text
Als Bobs Handy in der Halterung am Armaturenbrett einen eingehenden Anruf signalisierte, zuckte der erstmal zusammen. Er war gerade wieder auf dem Weg nach Hause. Hatten seine Eltern etwa…?
Nein. Der Anruf kam nicht von seinen Eltern – sondern von Peter. Nervös nahm er das Gespräch an, betätigte die Freisprechfunktion. „Hey Peter.“
„Hey“, antwortete ihm Peters Stimme leicht blechern. Er schien bereits realisiert zu haben, dass Bob im Auto saß. „Bist du nicht zuhause?“
Bob musste an einer roten Ampel anhalten. Dafür war er sehr dankbar, verschaffte es ihm doch die Möglichkeit, für einen Moment seine Gedanken zu ordnen. „Nee“, antwortete er gedehnt. „Ich komm gerade von Jelena…“
Für einen kurzen Moment war Stille in der Leitung, dann war wieder Peter zu hören. „Du hast es deinen Eltern noch nicht gesagt?“
„Nein.“ Bob trommelte mit dem Daumen auf das Lenkrad. Die Ampel sprang um und er schaltete hastig. „Hast du es deinen schon gesagt?“ Welchen anderen Grund könnte Peter sonst haben, ihn anzurufen? Sie hatten sich heute Morgen nicht unbedingt im Guten getrennt.
„Auch nicht.“ Bob brauchte Peter nicht vor sich sehen, um zu wissen, er fuhr sich gerade bestimmt mit einer Hand durch sein rotbraunes Haar. „Ich war bei Jeffrey.“
Bob stutzte kurz. Jeffrey? Er konnte gar nicht sagen warum, aber diese Information ließ ihn unwillig den Mund verziehen. Doch es war naheliegend. Jeffrey und Peter waren schon lange befreundet und standen sich nahe. „Okay. Und?“
„Uuund möglicherweise hat der mir etwas den Kopf zurechtgerückt.“ Peter klang zögerlich. „Können wir uns vielleicht irgendwo treffen und nochmal reden? Ich meine, bevor wir mit unseren Eltern sprechen?“
Bob schwieg für einen Moment, dann räusperte er sich. „Können wir. Vielleicht war meine Reaktion heute Morgen auch nicht ganz angebracht. Jelena…“, er brach ab. „Egal. Erzähl ich dir später. Wo willst du dich treffen?“ Ihre Elternhäuser waren aus offensichtlichen Gründen raus. Die Zentrale? Aber da war vermutlich Justus. Bob hatte irgendwie das Gefühl, dieses Gespräch sollten sie besser nur zu zweit führen.
„Keine Ahnung“, antwortete Peter. „Irgendwelche Vorschläge, wo wir ungestört sind?“
Bob überlegte für einen Moment, dann kam ihm eine Idee. Das war zwar nicht optimal, aber besser als nichts. „Die Bibliothek? Um die Uhrzeit sollte dort so gut wie nichts los sein.“
„Die Bücherei?“ Peter klang nicht begeistert, seufzte dann jedoch schicksalsergeben. „Klar. Schaffst du in einer Viertelstunde vor dem Eingang?“
Bob warf einen Blick auf die Uhr. Das bekam er hin. „Ja. Aber wir treffen uns drinnen. Vor den Büchern über die Entstehung der Erde. Da ist erfahrungsgemäß am wenigsten los.“
Peter stöhnte auf. „Ja, weil alle, die das interessiert, bereits mausetot sind. Wo ist das? Du weißt doch, ich kenne mich in der Bücherei null aus. Das ist dein Metier.“
Bobs Mundwinkel hoben sich leicht. „Du wirst mich schon finden, Zweiter. Bis gleich.“ Bevor Peter nochmals protestieren konnte, beendete Bob das Gespräch.
Wie immer, wenn Bob sich in einer Bibliothek aufhielt, überkam ihm eine seltsame innere Ruhe. Der Geruch nach Büchern. Der Staub, der flimmernd in der Luft tanzte, wenn die Sonne durch die Fenster fiel. Konnte man sich einen friedlicheren Ort vorstellen?
Bob war nicht unbedingt religiös, aber Bibliotheken waren für ihn wie Kathedralen. Hier fühlte er sich… sicher.
Er hatte sich im hintersten Eck der Bücherei auf dem Boden zwischen zwei Regalen niedergelassen und wartete auf Peter. Mrs. Smith – die Bibliothekarin – kannte ihn schon und hatte nur grüßend genickt, als er vorbeigelaufen war. Sie hatte sich gerade in einen Roman vertieft. Den Umschlag nach zu urteilen, irgendetwas mit Elfen. Mrs. Smith war ein großer Fan von Fantasy-Literatur. Hoffentlich würde ihre Lektüre sie davon abhalten, ihn und Peter für einen Plausch zu stören. Denn soweit Bob gesehen hatte, war er gerade der einzige Besucher weit und breit.
Gerade, als er sein Handy aus der Tasche ziehen wollte, um auf die Uhr zu sehen, erklangen zögerliche Schritte im Gang, verharrten schließlich. Sekunden später erschien Peter zwischen den Regalen. Als er Bob entdeckte, stieß er ein erleichtertes Seufzen aus. „Da bist du. Das ist ja wirklich im allerletzten Eck.“
Bob musste unwillkürlich grinsen, klopfte neben sich auf den Boden. „Du hast mich gefunden. Herzlichen Glückwunsch.“
Peter verdrehte die Augen, ließ sich dann aber neben Bob nieder. „Danke, danke.“
Bob legte einen Zeigefinger auf die Lippen. „Leiser, Zweiter. Hier müssen wir uns ruhig verhalten.“
Das brachte ihm ein leichtes Kopfschütteln von Peter an, er senkte jedoch glücklicherweise trotzdem die Stimme, als er weitersprach. „Du, weshalb ich mit dir reden wollte…“
Bob unterbrach ihn. „Warte kurz, bitte. Erst wollte ich mich entschuldigen. Jelena hat ein paar Dinge gesagt, die mir zu denken gegeben haben. Ich war heute Morgen nicht fair. Zu keinem von euch. Das tut mir leid.“
Peters Augen wurden groß. „Du hast ihr von uns erzählt?!“
Hastig schüttelte Bob den Kopf. „Nein. Ich meine, ja. Also von dir und mir. Das wusste sie ja ohnehin. Nicht von dir, mir und Justus.“
Peters Schultern entspannten sich sichtlich. „Ach so. Ja, das habe ich Jeffrey auch erzählt. Er hat mehr oder weniger gesagt, ich soll mich nicht so anstellen. Mein Outing sei nicht das Ende der Welt.“ Er nagte an seiner Unterlippe.
Bob zog die Knie an und schlang die Arme darum. „Hast du schon etwas von deiner Fußballmannschaft gehört?“
„Nein. Also, die haben bestimmt etliches zu sagen. Aber ich habe den Chat stummgeschaltet und die Nachrichten bisher nicht gelesen.“ Peter sah elend aus.
Bob handelte instinktiv. Er lehnte den Kopf gegen Peters Schulter. „Es tut mir wirklich leid. Für dich steht mehr auf dem Spiel, als für mich. Oder Justus. Deswegen war meine Reaktion heute Morgen überzogen.“
Peter schlang einen Arm um ihn, drückte kurz die Lippen gegen Bobs Schläfe. Die zärtliche Geste stellte seltsame Sachen mit seinem Magen an. „Das ist alles nicht deine Schuld. Du wärst wahrscheinlich besser dran mit jemandem, der out and proud ist.“
Bob richtete sich auf und sah Peter an. „Das wärst aber nicht du“, brachte er hervor. „Und ich will mit niemandem anderen zusammen sein, als mit dir. Und Justus. Egal wie schwierig es ist.“
Statt einer Antwort küsste Peter ihn. Es war ein zärtlicher, inniger Kuss, der alles ausdrückte, was Peter nicht aussprechen konnte. Als er Bob auf seinen Schoß zog, wehrte er sich nicht, schmiegte sich stattdessen in seine Arme.
Peter seufzte leise in ihren Kuss, strich mit den Händen leicht über seinen Rücken, bis sie an seiner Hüfte zum Liegen kamen. Er brach die Verbindung ihrer Lippen, um den Kopf gegen Bobs Stirn zu lehnen. „Ich habe noch nie in einer Bücherei rumgemacht. Gefällt mir“, spöttelte er.
„Was?“ Bob lachte verblüfft auf, schlug sich dann hastig eine Hand auf den Mund, um das Geräusch zu unterdrücken.
Peter lachte jetzt ebenfalls. „Ich wette, du hast hier schon mit Mädchen geknutscht. Stimmt’s?“
Bob biss sich leicht auf die Unterlippe. „Möglicherweise…?“
„Tja, ich schätze, es gibt schlimmere Orte dafür.“ Peter legte den Kopf in den Nacken, blickte an dem deckenhohen Bücherregal nach oben.
„Vermutlich.“ Bob betrachtete ihn. „Also, wollen wir es unseren Eltern vielleicht…gemeinsam sagen? Als…als Paar? Wenn das für dich okay ist?“
Er hatte sich schon halb auf eine Abfuhr eingestellt, da nickte Peter endlich. „Ja. Wenn ich mich schon outen muss, will ich dich dabei an meiner Seite haben. Als dein fester Freund. Also kein Geknutsche mehr mit Mädels in dunklen Büchereiecken!“
Das klang äußerst entschieden und nun doch ein wenig eifersüchtig. Bob legte grinsend den Kopf an Peters Schulter. „Okay, okay. Versprochen.“
„Will ich auch schwer hoffen.“ Peter streichelte wieder seinen Rücken. „Ich kann in einer Beziehung ein besitzergreifender Arsch sein, Bob. Das muss dir klar sein.“
Bob zog sich ein wenig zurück und sah Peter irritiert an. „Ich habe eigentlich nicht vor dir – beziehungsweise euch – Anlass zur Eifersucht zu geben.“
„Das weiß ich.“ Peters Gesichtsausdruck war ernst geworden. „Aber du merkst manchmal gar nicht, wenn du flirtest.“
Bobs Stirn legte sich in Falten. „Zweiter, es gibt einen Unterschied zwischen besitzergreifend und Kontrollfreak. Ich meine, Kelly…“
„Hat sich oft genug über mich beschwert deswegen, das hast du mitbekommen“, beendete Peter seinen Satz. „Nur dass sie umgekehrt keinen Deut besser war. Du dagegen bist in dieser Beziehung – soweit ich das beurteilen kann – eher entspannt. Wahrscheinlich brauche ich ab und zu Justus, der mich wieder auf den Boden zurückholt, wenn ich es zu sehr übertreibe. Das letzte was ich will, ist, dich einzuengen.“
„Wir bekommen das schon hin.“ Bob drückte Peter einen besänftigenden Kuss auf die Lippen. „Es wird wahrscheinlich eine Weile dauern, bis sich alles eingespielt hat. Wir müssen eben miteinander reden. Kommunikation ist der Schüssel.“
Peter lehnte stöhnend den Kopf gegen seinen Hals. „Du hörst dich an wie so ein Beziehungsratgeber, Dritter.“
Bob grinste leicht. „Ich habe tatsächlich einige Bücher zu diesem Thema gelesen. Jetzt hat Justus sie gerade.“
„War ja klar“, grummelte Peter. „Ihr Nerds.“
Bob erhob sich widerwillig. „Na komm, es nützt ja nichts. Bringen wir es hinter uns.“
Chapter 43: We love you
Chapter Text
Peter war so nervös wie noch nie in seinem Leben. Je näher sie seinem Elternhaus kamen, desto angespannter wurde er.
Bob und er hatten vereinbart, es erst Peters Eltern zu sagen und dann weiter zu Bobs zu fahren.
Rational wusste Peter, er musste es hinter sich bringen. Das Video war dort draußen und es war nur eine Frage der Zeit, bis irgendjemand seine Eltern darauf ansprach. Es war nicht fair, sie ins offene Messer laufen zu lassen. Aktiv erwähnen würde er das TikTok allerdings nicht. Am Ende wollten seine Eltern es noch sehen. Darauf konnte er nun wirklich verzichten. Wenn und falls sie es sahen, wollte er definitiv nicht dabei sein. Wahrscheinlich würde er ansonsten vor Scham sterben.
Seine Kehle fühlte sich wie zugeschnürt an, als er hinter Bobs Ente auf seinem üblichen Platz vor dem Haus parkte. Auch Bob sah beim Aussteigen nicht unbedingt euphorisch aus, wenngleich er sich zumindest an einem aufmunternden Lächeln versuchte.
Peter rechnete ihm das hoch an. Er musste sich wirklich in Erinnerung rufen, er steckte nicht alleine in dieser Situation. Er hatte Bob. Und Justus. Seine besten Freunde und nun waren sie sogar mehr als das.
Als Peter die Haustür aufsperrte, schlug ihm sein Herz nichtsdestotrotz bis zum Hals. „Mom? Dad?“, rief er. Seine Stimme klang ein wenig höher als sonst und er räusperte sich hastig. Bob griff nach seiner Hand, drückte sie leicht. Dankbar erwiderte Peter den Druck.
„Küche“, kam die Antwort seiner Mutter. Peter folgte ihrer Stimme, zog Bob dabei hinter sich her.
Sein Vater saß am Küchentisch, seine Mutter schien gerade mit den Vorbereitungen für das Mittagessen beschäftigt zu sein. Beide blickten auf, als Peter und Bob die Küche betraten.
Mrs. Shaw entdeckte ihre verschränkten Hände zuerst. Sie runzelte kurz die Stirn, schien sich dann allerdings nichts weiter dabei zu denken. „Hallo ihr zwei. Das Essen ist in ungefähr zwanzig Minuten fertig. Willst du mitessen, Bob?“
Bob blickte hilfesuchend zu Peter, offensichtlich unsicher, wie er ihre Frage beantworten sollte. Der trat von einem Bein auf das andere, noch immer Bobs Hand umklammernd. „Danke, Mom. Aber wir wollen dann noch zu Bobs Eltern. Ich esse heute Abend davon.“
Sein Vater ließ stirnrunzelnd die Zeitung sinken. „Alles okay, Peter? Du klingst ehrlich gesagt ein bisschen seltsam.“
Peter leckte sich kurz über die Lippen. „Ich habe euch doch von meiner Trennung von Kelly erzählt.“
Sowohl sein Vater als auch seine Mutter nickten, nun eindeutig verwirrt. Mr. Shaw blickte auf Bobs Hand in Peters, aber nach wie vor schien der Groschen nicht zu fallen. „Hast du. Gibt’s da etwas neues?“
Peter schüttelte den Kopf. „Nein. Ich meine… nicht direkt. Aber ich bin wieder in einer Beziehung.“ Er hob ihre verschränkten Hände. „Mit Bob.“
Es dauerte einen Moment, dann fingen sowohl Mr. als auch Mrs. Shaw an zu lachen. „Na klar.“ Peters Dad schnappte sich wieder seine Zeitung. „Heute ist doch gar nicht der erste April. Aber netter Versuch.“
Peters Wangen färbten sich rot. Sie lachten ihn aus? Das konnte doch echt nicht wahr sein. „Mom, Dad“, stieß er zwischen zusammengepressten Zähnen hervor. „Wir versuchen uns hier gerade verdammt nochmal zu outen!“
Das Lachen verebbte langsam. Mr. Shaw zog irritiert die Augenbrauen zusammen, die Zeitung vergessen. „Bitte was? Ich muss wirklich sagen, ich finde das kein angemessenes Thema, um seine Eltern veräppeln zu wollen, Peter. Abgesehen davon, achte auf deine Ausdrucksweise.“
„Ich will euch auch nicht veräppeln.“ Peter zog Bob näher zu sich, schlang einen Arm um seine Schulter. „Bob und ich sind wirklich zusammen. Ganz im Ernst.“ Wie zum Beweis gab Peter ihm einen kurzen Kuss.
Als er sich wieder zu seinen Eltern drehte, hatten beide einen gleichermaßen ungläubigen Gesichtsausdruck aufgesetzt. Mit dieser Offenbarung hatten sie offensichtlich nicht gerechnet.
Peters Mutter war die Erste, die wieder sprach. „Okay. Das ist wirklich euer Ernst. Meine Güte.“ Sie legte das Geschirrtuch, das sie in der Hand gehalten hatte, beiseite um sich neben ihrem Mann an den Tisch zu setzen. Dabei machte sie eine auffordernde Geste zu den zwei verbleibenden leeren Stühlen. „Setzt euch doch bitte.“
Bob reagierte zuerst, zog Peter mit sich zum Tisch und schob ihn mehr oder weniger auf den Stuhl neben sich.
Peter konnte seine Nervosität kaum verbergen, den Blick auf das Gesicht seines Vaters geheftet. Der hatte noch kein Wort gesagt. „Dad, ich…“, er brach ab, suchte nach den richtigen Worten. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, flüsterte er schließlich. „Es ist einfach passiert. Ich bin mit einem Jungen zusammen.“
„Aber“, sein Vater runzelte die Stirn, „du warst doch bisher nur mit Mädchen zusammen? Oder haben wir da etwas verpasst? Woher kommt das denn jetzt auf einmal?“
Peter schluckte. „Ja, ich war bisher nur mit Mädchen zusammen und auch nur an Mädchen interessiert. Aber…“, er blickte zu Bob, „das hat sich geändert, Dad. Ich…Ich bin wahrscheinlich bisexuell.“ So jetzt war es raus.
Seine Mutter schien zu merken, wie nahe er den Tränen war, denn sie griff hastig nach seiner freien Hand, drückte sie. „Ach Peter.“ Ihre Stimme war erstickt von Emotionen. „Du weinst ja fast. Hattest du etwa so große Angst, mit Bob nach Hause zu kommen?“
Peter zuckte langsam mit den Schultern. Bob wollte seine Hand zurückziehen, ihm wahrscheinlich ein bisschen mehr Raum geben, doch Peter hielt sie fest. Er brauchte diesen Halt jetzt. „Keine Ahnung. Die Jungs in der Fußballmannschaft werden vermutlich nicht begeistert sein…und da hängt mein Sportstipendium für die Uni dran.“ Gegen Ende war seine Stimme immer leiser geworden.
„Peter.“ Sein Vater klang so streng, Peter zuckte unter seinem Namen zusammen wie unter einem Peitschenschlag. Mr. Shaw hatte sich in seinem Stuhl zurückgelehnt. „Zunächst einmal – du bist unser Sohn. Wir lieben dich. Ganz egal, wen du mit nachhause bringst.“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Wir mögen Bob sehr gerne. Das weißt du. Wenn sich eure Freundschaft zu etwas anderem entwickelt hat, dann wünsche ich euch dabei alles Glück der Welt. Auch wenn ich das nun wirklich nicht habe kommen sehen. Vermutlich werden wir eine Weile brauchen, um uns daran zu gewöhnen.“
Peter atmete zittrig ein und seine Mutter schniefte. Er versuchte gerade wirklich, sich zusammenzureißen, aber sein Vater machte es ihm echt nicht leicht. Der war noch nicht fertig. „Und was das Stipendium betrifft – auch das werden wir irgendwie hinbekommen. Falls es überhaupt zum äußersten kommt. Wir bekommen alles hin. Solange du glücklich bist.“
Das war’s. Peter konnte seine Tränen einfach nicht länger zurückhalten. Die ganze Anspannung, die er seit seinem ersten Kuss mit Justus gefühlt hatte, brach sich Bahn.
Er merkte erst, dass er weinte, als seine Mutter ihn umarmte, um ihm sanft in den Armen zu wiegen. Dabei murmelte sie beruhigenden Unsinn, wie früher, als er ein kleines Kind gewesen war und sich das Knie aufgeschlagen hatte.
Es dauerte eine ganze Weile, bis Peter sich wieder beruhigt hatte. Danach fühlte er sich allerdings, als wäre er ungefähr eine Tonne leichter. Seine Eltern waren nicht wütend auf ihn. Sie unterstützten ihn. Er war noch nie in seinem Leben so erleichtert gewesen.
Als er sich von seiner Mutter löste, hatte auch sie glänzende Augen. Sie wischte ihm die letzten Tränen von den Wangen. „Mom, lass das“, Peter schob ihre Hände lachend weg, nun doch etwas peinlich berührt. Er war schließlich erwachsen. Naja, fast jedenfalls. Er sollte nicht mehr in den Armen seiner Mutter heulen wie ein Kleinkind.
Doch als er zu Bob hinüberblickte, machte der nicht den Eindruck, als würde er ihn verurteilen. Im Gegenteil. Auf seinem Gesicht zeigte sich nichts als Verständnis und Zuneigung.
Peter räusperte sich. „Danke für eure Unterstützung. Das bedeutet mir wirklich viel.“
Seine Mutter nickte und drückte ein letztes Mal seine Hand. „Wir lieben dich, Peter.“ Sie lehnte sich zurück. „Wollt ihr jetzt wohl zu Bobs Eltern, um es auch ihnen zu sagen?“
Bob nickte, sprach zum ersten Mal seit ihrer Ankunft wieder. „Ja, wollen wir. Ich kann nur hoffen, sie reagieren genauso unterstützend wie ihr.“
Mr. Shaw schien da wenig Zweifel zu haben. „Bestimmt. Alles andere kann ich mir bei deinen Eltern eigentlich nicht vorstellen. Ich schätze, sie werden genauso überrascht sein wie wir.“
Bob grinste leicht. „Tja, Kinder sind halt immer für eine Überraschung gut, was?“
Mrs. Shaw lachte. „Das stimmt definitiv. Jeden Tag etwas neues.“
Chapter 44: Not surprised
Chapter Text
Als Bob hinter Peter aus dem Haus trat und die Tür hinter ihnen ins Schloss zog, betrachtete er ihn lächelnd.
Peter wirkte deutlich erleichtert, hatte sogar ein Lächeln auf den Lippen. Nur seine leicht rot geränderten Augen verrieten die durchlebten Emotionen.
Sie schwiegen auf dem Weg zu ihren Autos, für einen Moment hing jeder seinen eigenen Gedanken nach. Jetzt wo Peters Outing gegenüber seinen Eltern so gut gelaufen war, hatte Bob Zeit, sich Gedanken über sein eigenes zu machen.
Und Gott – war er nervös. Bisher hatte er den Gedanken irgendwie verdrängt, war zu sehr mit Peter beschäftigt gewesen, aber jetzt realisierte er es mit voller Wucht. Er würde sich gleich bei seinen Eltern outen. Ihm war schlecht.
„Flippst du gerade aus?“, fragte Peter, musterte ihn aufmerksam. Sie waren an Bobs Ente angekommen.
Bob lehnte sich gegen die Fahrertür, verschränkte die Arme vor der Brust und schluckte. „Vielleicht…ein bisschen…“, flüsterte er schließlich, ohne Peter anzusehen.
Peter zog ihn in seine Arme. Durch ihren Größenunterschied konnte Bob quasi in seiner Umarmung verschwinden. Früher hatte es ihn sehr gestört, dass sowohl Justus als auch Peter deutlich größer waren als er. Heute sah er auch die Vorteile darin. Zum Beispiel jetzt, wenn er sich vor der Welt verstecken wollte.
„Alles wird gut, Dritter“, murmelte Peter an seinem Ohr. „Deine Eltern werden bestimmt so cool reagieren, wie meine. Hast du doch gehört. Du brauchst dir gar keine Gedanken zu machen.“
Bob konnte nichts dagegen tun, er gab einen unwilligen Laut von sich. „Hättest du mir das einfach so geglaubt, wenn ich dir das vor zwei Stunden gesagt hätte?“
Er spürte Peters Brust vibrieren, als er lachte. „Okay, ich verstehe, was du meinst. Nein, hätte ich nicht. Du musst es wohl einfach ebenfalls hinter dich bringen.“
„Hmm.“ Bob hörte sich nicht sonderlich überzeugt an.
Peter schob zwei Finger unter sein Kinn, zwang ihn damit, ihn anzusehen. „Ich verspreche, ich werde dir genauso die Hand halten, wie du mir. In Ordnung? Ich lass dich nicht alleine.“
Bob nickte, dann zog er Peter am T-Shirt zu sich herunter, um sich einen Kuss zu stehlen. Eigentlich hatte er nur eine kurze Berührung ihrer Lippen im Sinn gehabt, um sich etwas Mut zu holen, doch Peter intensivierte den Kuss und drängte ihn zurück gegen die Ente.
Jetzt, wo er offiziell auch gegenüber seinen Eltern geoutet war, schien er kein Problem damit zu haben, im Vorgarten seines Elternhauses rumzuknutschen.
Und zugegebenermaßen… Aktuell war Bob jeder Aufschub recht. Daher schlang er auch die Arme um Peters Hals, schmiegte sich an ihn und ließ sich von ihrem Kuss mitreißen. Als sich ihre Zungen berührten, verstärkte sich Peters Griff an seiner Hüfte.
„Du hast mir gestern einen Blowjob versprochen, Dritter“, flüsterte Peter zwischen zwei Küssen an Bobs Lippen. „Lass uns zu deinen Eltern fahren, damit wir danach zu Justus können. Ich will nicht länger warten.“
Bob, mittlerweile leicht atemlos, brach ihren Kuss, sah zu Peter hoch. „Wie hoch stehen die Chancen, noch eine Weile um mein Outing herumzukommen, wenn ich dir hier und jetzt einen blase?“ Er schob eine Hand zwischen sie, rieb provozierend über die Beule in Peters Jeans.
„Bob!“ Peter griff hastig nach seiner Hand, zerrte sie nach oben auf seine Brust. „Nicht hier und nicht jetzt. Später.“
Bob tat für einen Moment so, als würde er schmollen. „Ach komm schon, Zweiter. Lass mich ran.“
Das brachte ihm einen strengen Blick von Peter ein. „Erst zu deinen Eltern. Ich weiß, du schindest nur Zeit. Und abgesehen davon“, er drückte Bob einen kurzen Kuss auf die Lippen, zog sich aber zu seinem Leidwesen sofort wieder zurück, „können wir das auch so jetzt nicht tun. Wir haben noch nicht mit Justus darüber gesprochen, was erlaubt ist und was nicht, wenn nur zwei von uns zusammen sind.“
„Sicher, dass du keine Bücher über Poly-Beziehungen gelesen hast?“ Bob sah verblüfft zu Peter auf. So viel Rücksichtnahme und Vernunft hatte er ihm in Bezug auf Sex gar nicht zugetraut.
Peters Wangen färbten sich leicht rosa. „Was? Weil ich nicht nur mit dem Schwanz denke? Das kommt ab und an mal vor, ja.“ Er klang leicht säuerlich.
„Tut mir leid, so war das nicht gemeint.“ Bob streichelte mit einer Hand entschuldigend über Peters Brust. „Du hast völlig recht. Lass uns jetzt zu meinen Eltern fahren.“
Bobs Eltern werkelten gerade im Garten, als er die Ente vor dem Haus parkte. Peter hatte sich dazu entschlossen, bei ihm mitzufahren. Von Peter zu Justus waren es nur wenige Gehminuten, da konnte er später auch heimlaufen und den MG stehen lassen.
„Bereit?“, fragte Peter nachdem Bob den Motor ausgeschaltet hatte. Er fühlte sich alles andere als gewappnet, trotzdem nickte er. Es brachte ja doch nichts, es noch länger hinauszuzögern.
Rückblickend betrachtet hatte Bob sich umsonst Sorgen gemacht. Seine Eltern nahmen sein Outing sehr gelassen auf. Anscheinend hatten sie etwas Derartiges schon vermutet. Was Bob – bei aller Erleichterung – doch etwas wurmte. Seine kleines Experiment mit dem Eyeliner hatte verdammt nochmal nichts mit seiner Sexualität zu tun. Allerdings würde er deswegen jetzt nicht anfangen mit ihnen zu streiten. Diese Diskussion hob er sich für ein anderes Mal auf.
„Mom, Dad? Da ist noch was.“ Bob winkte Peter zu sich heran, der sich bisher im Hintergrund gehalten hatte. „Der Grund warum ich mich ausgerechnet jetzt oute…“, er griff nach Peters Hand, strich mit dem Daumen sanft über seinen Handrücken. „Naja…“
Seine Mutter blickte verwirrt auf ihre verschränkten Hände, dann wurden ihre Augen groß, als der Groschen fiel. „Ihr seid ein Paar?“, reichlich ungläubig klang dieser Ausruf. „Hat Peter sich etwa deswegen von Kelly getrennt?“
„Ja und nein. Die Trennung von Kelly und mir hatte gar nichts mit Bob zu tun. Unsere Beziehung hat erst danach angefangen.“ Peter räusperte sich. „Ich habe mich heute auch vor meinen Eltern geoutet. Das zwischen Bob und mir geht schon ein bisschen und wir wollen uns nicht mehr länger verstecken.“
Das war nur halb gelogen, dachte sich Bob. Ohne dieses TikTok hätte es wahrscheinlich noch eine ganze Weile länger gedauert, bis sie sich geoutet hätten. So war ihnen gar keine andere Wahl geblieben. Was jedoch noch lange nicht hieß, dass er es auch gegenüber seiner Eltern erwähnen musste. Vielleicht hatte er ja doch Glück und sie bekamen es niemals zu Gesicht. Oder falls doch, sprachen ihn zumindest nicht darauf an.
„Na, wer hätte das gedacht“, meldet sich sein Vater zu Wort, sein Gesichtsausdruck wechselte von verblüfft zu neugierig. „Was sagt denn Justus dazu? Er ist in solchen Dingen ja manchmal ein bisschen…eigen.“
Da mussten sowohl Bob als auch Peter ein wenig schmunzeln. Mr. Andrews traf den Nagel auf den Kopf. Sie tauschten einen kurzen Blick, dann antwortete Bob. „Er war tatsächlich der Erste, dem wir es gesagt haben, Dad. Und naja… Am Anfang war er nicht so begeistert. Aber jetzt hat er sich, denke ich, mittlerweile daran gewöhnt.“
Mr. Andrews legte zweifelnd den Kopf schief. So ganz schien er Bob seine Worte nicht abzukaufen, wurde jedoch von seiner Frau unterbrochen. „Ach, ich freu mich so für euch, Jungs.“ Sie klatschte in die Hände. „Wenn ich so darüber nachdenke, habt ihr eigentlich immer schon wahnsinnig gut zusammengepasst. Aber da hat man ja wirklich Scheuklappen auf.“
Die Euphorie seiner Mutter ließ Bob erröten. „Ja, danke, Mom. Aber wir wollen da eigentlich kein großes Ding draus machen, weißt du?“
Sein Vater lachte. „Hast du Angst, deine Mutter dekoriert den Vorgarten mit Regenbogenfahnen?“
Bob verbarg den Kopf an Peters Schulter, der wie selbstverständlich einen Arm um ihn schlang. „Ich liebe euch für euren Support – aber bitte nicht. Echt nicht.“
Bob wusste, er und Peter hatten riesiges Glück mit ihren Familien. Egal wie nervös sie im Vorfeld gewesen waren, tief in ihrem Inneren hatten wohl beide gewusst, sie hatten zumindest von dieser Seite keine großen Schwierigkeiten zu erwarten.
Was nicht hieß, alles war Friede-Freude-Eierkuchen. Er war sich sicher, speziell seine Mutter würde noch einige Fragen an ihn haben, erwischte sie ihn erstmal alleine. Sie sprach bereits jetzt von Enkelkindern und dabei war er noch nicht mal volljährig!
Aber all das konnte für den Moment warten. Jetzt hatten sie erstmal dieses erste Outing hinter sich gebracht. Alles andere würde sich im Laufe der Zeit finden.
Chapter 45: Together
Notes:
Passend zu der Hitze draußen, wird es auch hier heiß ;)
Chapter Text
Mittlerweile war es später Nachmittag und Justus hatte immer noch nichts von Peter und Bob gehört. Auf seine Nachrichten reagierten sie auch nicht.
Justus ließ entnervt das Handy sinken und drehte sich vom Bauch auf den Rücken. Draußen war ein wolkenloser, sonniger Tag und statt hier in seinem Zimmer rumzuhängen, sollte er wohl eher mal sehen, ob er sich irgendwie auf dem Schrottplatz nützlich machen konnte. Trotzdem konnte er sich nicht dazu durchringen, aufzustehen. Lieber lag er weiter hier rum und ging im Kopf verschiedene Szenarien durch. Eines hanebüchener als das andere, das war ihm selbst klar. Aber solange er nichts von Peter und Bob gehört hatte, konnte er das Gefühl der Unruhe und Besorgnis nicht abschütteln.
Unten klappte die Haustür. Justus lauschte angespannt. Hatten Tante Mathilda oder Onkel Titus irgendetwas vergessen? Nein, Sekunden später erklangen Schritte auf der Treppe und Stimmen im Flur. Er setzte sich auf, gerade rechtzeitig, um zu sehen wie Bob seine Zimmertür aufriss und gefolgt von Peter ins Zimmer stürmte.
„Hey, warum bist du denn nicht draußen?“ Justus fühlte Bobs warme Lippen auf seinen, zuckte unter der Berührung ein wenig überrumpelt zurück.
„Entspann dich, Erster. Ich hab die Tür abgesperrt.“ Peter schmiss sich neben ihm aufs Bett, grinste zu ihm hoch. Er wirkte ein bisschen erschöpft, aber glücklich.
Bob, der sich auf seiner anderen Seite niedergelassen hatte, sah ebenfalls ziemlich entspannt aus.
Justus sah von einem zum anderen, die Brauen zusammengezogen. „Aus eurem Verhalten schließe ich mal, eure Outings sind gut verlaufen?“ Er konnte eine gewisse Genervtheit nicht ganz aus seinem Tonfall heraushalten. Was bitte hatte so lange gedauert?
Peter griff über seinem Schoß nach Bobs Hand, verschränkte ihre Finger und drückte sie kurz. „Ja. Unsere Eltern haben zum Glück sehr positiv reagiert. Die Stipendium-Sache ist zwar immer noch ein Problem, aber mein Dad sagt, wir finden für alles eine Lösung.“
Bob lehnte sich leicht gegen Justus Schulter. Im Gegensatz zu Peter schien er seine Gereiztheit zu bemerken. „Sorry, das hat alles etwas länger gedauert, als gedacht“, entschuldigte er sich. „Peter und ich haben nochmal geredet und vorher war ich heute Morgen noch bei Jelena und Peter bei Jeffrey und…“
„Jelena und Jeffrey?“, unterbrach Justus ihn hörbar irritiert. „Warum das denn?“
„Zum Reden vielleicht?“ Jetzt klang auch Peter eine Spur ungeduldig. „Es tut ab und zu ganz gut, mit jemandem zu reden, der die Dinge von außen betrachtet.“
Justus Finger krallten sich in die Bettdecke. „Aber…ihr habt ihnen nichts von mir erzählt. Oder?“
Für einen Moment war es still im Zimmer. Peter und Bob sahen ihn mit einem gleichermaßen konsternierten Gesichtsausdruck an. „Nein, Justus. Das haben wir nicht. Von dir haben wir kein Wort gesagt.“ Bob richtete sich wieder auf, brachte Abstand zwischen sie.
„Wofür hältst du uns denn?“, fragte Peter, die Stirn ärgerlich gerunzelt. „Es reicht doch nun wirklich, wenn zwei von uns gegen unseren Willen geoutet worden sind.“
Justus lag bereits eine Entschuldigung auf der Zunge, doch irgendetwas hielt ihn davon ab. Vermutlich sein vermaledeiter Stolz. Stattdessen stand er auf. „Nun gut. Also seid ihr euch einig geworden, eine geoutete Beziehung zu führen?“
„Ja.“ Peter stand ebenfalls auf. „Und eigentlich ist das toll und wir wollten mit dir feiern. Also was ist los mit dir?“
Justus zuckte mit den Schultern. „Gar nichts. Das ist wirklich toll.“
Peter trat dicht an ihn heran. Zu dicht für seinen Geschmack. „Du warst schonmal besser im Lügen, Erster.“
Da Peter größer war als Justus, musste er gezwungenermaßen ein wenig zu ihm Aufsehen. „Ich lüge nicht. Alles gut.“ Justus versuchte Peter ein bisschen von sich zu schieben, doch der bewegte sich keinen Zentimeter.
„Dann küss mich.“ Peters trügerisch sanfter Tonfall ließ Justus Gereiztheit anschwellen wie ein Gebirgsbach bei Schneeschmelze. Wenn er es so haben wollte – bitte. Dieses Spielchen konnte man auch zu zweit spielen.
„Wie du willst.“ Entnervt griff Justus mit einer Hand in Peters Nacken, zog ihn zu sich herunter und presste ihre Lippen aufeinander. Eigentlich hatte Justus Peter nur eine Lektion erteilen wollen. Doch der dachte gar nicht daran, es ihm einfach zu machen.
Stattdessen spürte Justus, wie er rücklings gegen seinen Kleiderschrank gedrängt wurde. Peter schlang die Arme um seine Taille, neigte den Kopf und grub die Zähne in Justus Unterlippe. Nicht zu fest, gerade genug um ein scharfes Ziehen in seinem Unterleib auszulösen. Justus verstärkte warnend den Druck auf Peters Nacken, funkelte ihn wütend an.
Peter starrte zurück, fuhr mit der Zunge provozierend über Justus malträtierte Unterlippe. „Bob schuldet mir noch einen Blowjob“, flüsterte er. „Ich habe ihn den ganzen Tag nicht angefasst. Obwohl ich es wirklich, wirklich wollte. Aus Rücksicht auf dich.“ Mit diesen Worten löste er sich von Justus, trat einige Schritte zurück. Sie atmeten beide heftig.
Justus Blick glitt von Peter zu Bob und wieder zurück. In ihm tobten die unterschiedlichsten Gefühle. Bob saß nach wie vor auf dem Bett, die Wangen leicht gerötet. Der Kuss zwischen ihm und Peter hatte ihn definitiv nicht kalt gelassen.
„Ich hab dich nicht darum gebeten“, brachte Justus schließlich hervor, verschränkte die Arme vor der Brust.
„Nein, das hast du nicht“, antwortete Peter. „Aber das musstest du auch nicht. Wir sind ein…ein… Wie heißt das?“, wandte er sich an Bob.
„Throuple“, Bob räusperte sich. „Wir sind ein Throuple und kein Couple. Dass Peter und ich jetzt out sind, ändert daran gar nichts.“
Justus schüttelte leicht den Kopf. „Das ändert alles, Dritter. Ihr könnt jetzt in der Öffentlichkeit Händchen halten, euch küssen, Pärchenfotos machen…“, er verstummte.
„Und deswegen hast du so miese Laune?“, fragte Peter. „Weil du eifersüchtig darauf bist? Du willst dich doch nicht outen, hast du gerade vorhin wieder sehr klar gemacht.“
Das Problem war – Peter hatte recht. Justus wollte etwas, das er nicht haben konnte, weil er es sich nicht zugestand. Jedenfalls nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Doch wie konnte er das in Worte fassen?
Doch Bob schien zu dämmern, was in ihm vorging. Er stand auf und griff nach Justus, zog ihn in eine Umarmung. „Wir haben vielleicht noch nicht alle Lösungen“, flüsterte er in sein Ohr. „Aber wir bekommen das alles hin, okay? Zusammen.“
Er winkte Peter heran, der nun seinerseits die Arme um Bob und Justus schlang, den Kopf gegen Justus lehnte. Eine Weile standen sie einfach nur so da, hielten einander im Arm.
Schlussendlich war es Peter, der sich wieder löste. „Kommt“, brummte er. „Legen wir uns hin. Liegen ist auch nicht teurer als stehen.“
„Wir passen doch nicht alle in mein Bett“, entgegnete Justus. „Ihr habt doch schon zu zweit kaum Platz.“
Bob begann rückwärts zu laufen, zog Justus und Peter dabei mit sich. „Das geht schon, Just. Na komm.“
Peter trat nach einem kurzen Blickwechsel mit Bob um sie herum, um zuerst aufs Bett zu krabbeln. Als nächstes folgte Bob. Doch statt sich neben Peter zu legen, streckte er sich auf ihm aus. Peter schlang sofort die Arme um Bobs Hüfte, schien durch dessen Gewicht nicht gestört zu werden.
Auf diese Art und Weise blieb tatsächlich noch Platz für Justus. Jedenfalls, wenn er sich seitlich hinlegte und nicht auf den Rücken wie Peter.
„Geht doch“, murmelte Bob zufrieden, als Justus seine Bettdecke über sie zog und sich dann ins Kissen kuschelte.
„Du hast die Tür wirklich abgeschlossen, oder?“, vergewisserte sich Justus bei Peter. Er konnte einfach nicht anders.
„Habe ich, Erster“, antwortete Peter. Er hatte die Augen geschlossen.
Justus betrachtete ihn von der Seite. „Wegen dem, was du vorhin gesagt hast…“
Peter drehte den Kopf zu ihm, öffnete die Augen. „Ich wusste, du würdest dir ausgeschlossen vorkommen. Das wollte ich vermeiden.“
„Ich…“, Justus stockte kurz. „Danke. Das war sehr rücksichtsvoll von dir.“ Ohne lange darüber nachzudenken, neigte er den Kopf zu Peter und küsste ihn. War ihr Kuss vorhin noch reichlich grob, war dieser hier sehr viel sanfter.
Peter erwiderte den Kuss, überließ aber diesmal Justus die Führung. Probeweise strich er mit der Zunge über Peters Unterlippe, wie der es vorhin bei ihm gemacht hatte, und wurde mit einem leisen Seufzen belohnt. Peters Lippen öffneten sich für ihn und als sich ihre Zungen berührten, vergaß Justus für einen Moment alles um sich herum.
„Das sieht so scharf aus…“ Bobs heisere Stimme holte ihn zurück in die Wirklichkeit. „Ich könnte euch stundenlang zusehen…“
Peter bewegte sich neben Justus, ein Grinsen zupfte an seinen Mundwinkeln. „Das, oder du machst dich zwischendurch nützlich, Dritter. Soweit ich weiß, bist du mir noch etwas schuldig.“
Bob schob augenverdrehend die Bettdecke von ihnen und rutschte weiter zurück, bis er auf Peters Beinen saß. „Du bist so romantisch, Shaw. Hast echt Glück, dass ich meine Schulden immer begleiche.“
Er schob Peters Shirt ein wenig in die Höhe, griff dann nach seinem Hosenbund und öffnete seine Jeans. Als er die Hand in Peters Unterhose schob, atmeten sowohl der als auch Justus tief ein.
„Komm schon, bitte. Lass mich nicht zappeln.“ Peter biss sich kurz auf die Unterlippe.
Bob lachte leise, kam Peters Aufforderung aber nichtsdestotrotz nach, zog ihm Jeans und Unterhose aus.
Peter war bereits halb hart. Bob strich ein paar Mal an seiner Länge auf und ab, brummte zufrieden, als Peters Erektion unter seinen Händen weiter anschwoll. Erst, als er ganz steif war, beugte er sich vor und schloss die Lippen um seine Schwanzspitze.
Peter stöhnte bei der Berührung auf. „Fuck, ja. Das fühlt sich gut an.“
Bob blickte zu ihnen auf, als er mehr von ihm in den Mund nahm. Der Anblick seiner weit gespreizten Lippen um Peters steifen Schwanz war das Erotischste, was Justus in seinem bisherigen Leben gesehen hatte. Bob begann den Kopf zu bewegen, seine Wangen höhlten sich, als er sanft saugte.
Peter fluchte unterdrückt. Er versuchte offensichtlich still zu halten, verlor aber mehr und mehr den Kampf gegen seine Erregung.
Justus schluckte hart. Peter so gefangen in seiner Lust zu sehen, schürte sein eigenes Verlangen.
Bob schien sehr genau zu wissen, wie er Peter am Rande des Orgasmus halten konnte, bis der sich hilflos auf dem Bett wand. „Bob, bitte.“ Peter klang atemlos. „Lass mich endlich kommen.“
Bob hob den Kopf, grinste Justus an. „Was meinst du, Erster? Soll ich ihn erlösen?“
Für einen Moment herrschte Stille, nur unterbrochen von Peters tiefen Atemzügen. Der grub die Zähne in seine Unterlippe, blickte ihn mitleidsheischend an. Justus überkam ein bisher unbekanntes Gefühl der Macht. „Hmm, nein, ich denke nicht. Er gefällt mir so eigentlich ganz gut.“
„Just! Das ist nicht fair!“ Peter protestierte heftig, aber die plötzliche Röte in seinen Wangen sprach eine andere Sprache.
Justus öffnete seine Jeans und strampelte sie sich von den Beinen. Sein T-Shirt landete als nächstes auf dem Boden. Verschwunden waren die Unsicherheiten bezüglich seines Körpers. Jedenfalls für den Moment.
Justus steifer Schwanz drückte sich aufmerksamkeitsheischend gegen seinen Bauch und er schlang die Finger darum. „Nicht fair ist, Bob für dich alleine zu beanspruchen. Findest du nicht auch?“
Als hätte Bob nur darauf gewartet, beugte er sich vor und schloss die Lippen diesmal um Justus Schwanz.
Justus stöhnte auf. Es war ja nicht so, als ob er irgendwelche Erfahrungswerte hätte, aber Bob machte das großartig. Als seine Zunge über die Unterseite seiner Erektion glitt, schauderte er. „Ja, genau so“, ermutigte er Bob mit rauer Stimme. Wie von selbst legte sich seine Hand in Bobs Nacken, gab ihm den Rhythmus vor, der sich am besten anfühlte.
„Shit, ist das heiß.“ Peter hatte sich aufgesetzt, sein Blick hing wie gebannt an dem Bild, das sich ihm bot. Nebenbei streifte er sich sein T-Shirt über den Kopf.
„Hmm, das ist es“, antwortete Bob, leckte einmal kurz über seine feucht glänzende Eichel. Justus unterdrückte ein Wimmern. „Er schmeckt gut. Willst du auch mal?“
Chapter 46: Bonding
Chapter Text
Peter und Justus tauschten einen kurzen Blick. So weit waren sie bisher nicht gegangen. Jedenfalls nicht sie miteinander. „Du musst nicht, Zweiter.“ Justus biss sich kurz auf die Lippen. Auch wenn ihn der bloße Gedanke daran, unglaublich anmachte. Wie würde sich wohl Peters Mund anfühlen? „Es ist okay, wenn du das mit mir nicht möchtest.“
Peter zögerte nur kurz, dann schob er Bob zur Seite, der ihm bereitwillig Platz machte. „Doch, das möchte ich. Erwarte nur nicht zu viel.“
Als Justus Schwanz zwischen seine Lippen glitt, stöhnte der auf. „Peter…“, statt in Bobs blonden Schopf gruben sich seine Finger nun in Peters rotbraunes Haar.
Peter begann leicht an ihm zu saugen, er bewegte den Kopf in einem stetigem Rhythmus. Während Bob Justus eher geneckt hatte, hielt Peter sich nicht mit Vorspiel auf. Die Art und Weise, wie sich seine Zunge gegen Justus Schwanzspitze presste, brachte ihn innerhalb von wenigen Minuten hart an die Grenze. „Das fühlt sich so gut an…“, brachte Justus hervor.
Wie von selbst, begann er die Hüften zu bewegen, stieß in Peters Mund. Der sah zu ihm auf, studierte sein Gesicht. Er schien auf jede kleine Mimikänderung von Justus zu reagieren, wurde mal schneller und mal langsamer.
Als sich ihre Blicke trafen, hoben sich für einen kurzen Moment amüsiert Justus Mundwinkel. Er liebte es, Peter in dieser Position zu haben. Der funkelte ihn herausfordernd an, hatte seine Reaktion bemerkt, doch die Lust in seinen Augen war ungebrochen.
Justus Griff in Peters Haar verstärkte sich. Er zog leicht daran, nicht zu stark, nur um Peter ein leises Stöhnen zu entlocken. Die Vibration übertrug sich direkt auf seinen Schwanz und Justus atmete zischend ein.
Als Peter dann auch noch eine Hand zur Hilfe nahm, war es um ihn geschehen. „Peter…“, er schaffte es gerade noch, Peter von sich weg zu ziehen, dann überwältigte ihn sein Orgasmus. Sein Körper verkrampfte sich und Feuchtigkeit benetzte seinen Bauch, ließ ihn zusammenzucken.
„Kompliment, Zweiter.“ Bob rutschte wieder dichter an Peter heran, schmiegte sich an ihn. Er war der Einzige, der noch vollständig bekleidet war. „Du hast unseren Ersten zerlegt.“ Sein Lachen wurde von Peter erstickt, der ihre Lippen aufeinander presste, Bob in einen wilden Kuss verwickelte. Jetzt, wo Justus Lust gestillt war, schien er sich wieder an seine eigene schmerzhafte Erregung zu erinnern.
Justus rutschte vom Bett auf den Boden, ließ ihnen Raum. Sein Herz hämmerte noch immer heftig in seiner Brust, er kam nur langsam wieder zu Atem.
Auf der Matratze schälte Peter Bob gerade aus seinen Klamotten. Ihre Bewegungen waren frenetisch, als könnten sie es kaum erwarten, endlich nackt miteinander zu sein.
„Gott, das fühlt sich so gut an.“ Peter zog Bob dicht an sich, schlang die Arme um ihn. Als er zurück zu Justus blickte, die Lippen gerötet vom Blowjob, war er in seinen Augen noch nie attraktiver gewesen.
Bob stützte sich auf seinem Ellenbogen ab, um Justus über Peters Schulter hinweg ansehen zu können. „Just, hast du Gleitgel da?“ Er biss sich leicht auf die Lippe.
Justus stutzte für einen kurzen Moment, dann nickte er. „Oberste Schublade, Nachttischkästchen.“
„Perfekt.“ Bob streckte sich zum Kopfende des Bettes, öffnete besagte Schublade und kramte für einen Moment darin herum. Als er die Hand wieder zurückzog, umschlossen seine Finger die Tube mit Gleitgel.
„Was hast du vor?“, fragte Peter. Er hatte sich auf den Rücken gedreht, seine Finger umschlossen seinen steifen Schaft, drückten ihn leicht.
„Ich sorge dafür, dass es sich noch besser anfühlt.“ Bob gab Peter einen kurzen Kuss, legte die Stirn an seine. „Vertraust du mir?“
„Klar.“ Peters Antwort kam prompt. Doch dann zögerte er. „Ich meine, normalerweise schon.“
„Wenn ich aufhören soll, musst du es nur sagen.“ Bob rutschte etwas zurück, glitt mit einer Hand an Peters Oberschenkel entlang bis zum Knie. „Zieh die Beine an, Zweiter.“
Peter gehorchte, jedoch nicht ohne Justus einen nervösen Blick zuzuwerfen.
Der reagierte sofort, griff nun ebenfalls in die offene Schublade, allerdings um Taschentücher herauszufischen. Nachdem er sich notdürftig gesäubert hatte, legte er eine Hand auf Bobs unteren Rücken, streichelte ihn leicht. „Du weißt, wie das geht, Bob?“
Bobs Antwort kam undeutlich, denn er hatte die Lippen erneut um Peters Schwanz geschlossen. „Hmm, denke schon.“
Peter stöhnte auf, wodurch Justus fast das leise Klacken überhört hätte, als Bob die Tube mit Gleitgel öffnete. Sekunden später zuckte Peter leicht zusammen.
„Sorry“, murmelte Bob beruhigend. „Wird gleich wärmer.“
Er leckte und saugte an Peters Erektion, bis der es kaum noch schaffte, still zu halten. Erst dann machte er weiter. Von seiner Position neben dem Bett aus konnte Justus sehen, wie Bob mit dem Zeigefinger über Peters Eingang rieb, das Gleitgel verteilte.
„Ich weiß, fühlt sich am Anfang seltsam an. Aber dann kommt der gute Teil.“ Im gleichen Moment, als Bob die Fingerspitze in Peter schob, saugte er an dessen empfindlicher Eichel. Peter gab einen unterdrückten Laut von sich, halb Stöhnen, halb Wimmern. Sein Körper erzitterte unter der doppelten Empfindung. Aber er hielt Bob nicht auf.
Offensichtlich ermutigt von seiner Reaktion, begann Bob den Finger zu bewegen. Peter kniff die Augen zusammen, seine Knie zitterten und seine Hände ballten sich zu Fäuste.
Justus beugte sich vor, unschlüssig, ob er eingreifen sollte. Dabei zuckte sein Blick immer wieder zwischen Bob und Peter hin und her.
Bob studierte Peters angespanntes Gesicht, die Lippen eng um seinen Schwanz geschlossen. Dann krümmte er leicht den Finger. Es war, als würde ein Ruck durch Peter gehen. Er schlug überrascht die Augen auf, sein Lippen zu einem O geformt.
Bob hob grinsend den Kopf. „Da ist dein Spot.“ Er sah weiter zu Peter hoch. Justus konnte nicht genau sehen, was er machte, aber es brachte Peter dazu, zu fluchen. „Shit. Oh, fuck, ja. Hör nicht auf!“
Justus hatte Peter noch nie so gesehen. Bobs Lippen legten sich erneut um Peters Erektion und das war alles, was es noch brauchte. Peter schrie auf als er kam, sein Körper zuckte unter der Heftigkeit seines Orgasmus.
Bob blieb bis zum Ende bei ihm, erst als Peter eine Hand an seine Stirn drückte, ließ er von ihm ab. Offensichtlich sehr zufrieden mit sich selbst, setzte sich Bob auf die Fersen zurück und betrachtete Peter, der mit geschlossenen Augen fix und fertig vor ihm lag.
Justus war schwer beeindruckt. Abgesehen davon war er erneut hart. Bob und Peter zu beobachten hatte scheinbar diesen Effekt auf ihn.
Er griff nach Bob, drehte ihn zu sich herum. „Komm her“, murmelte Justus. Bobs steifer Schwanz war jetzt genau auf Höhe seines Gesichtes. Ohne lange zu überlegen neigte Justus den Kopf, leckte vorsichtig über die Eichel, wie es die anderen zwei bei ihm gemacht hatten. Der leicht salzige Geschmack war nicht unangenehm. Mit hämmernden Herzen senkte er den Kopf, ließ Bobs Erektion zum ersten Mal zwischen seine Lippen gleiten.
Bob stöhnte auf. Das Geräusch war Musik in Justus Ohren. Er schien sich für seinen ersten Blowjob nicht allzu dämlich anzustellen.
Bobs Erektion füllte dick und schwer seinen Mund, er hatte Schwierigkeiten ihn ganz aufzunehmen. Langsam begann er den Kopf zu bewegen. Bob legte eine Hand an seinen Hinterkopf, gab ihm einen Rhythmus vor. Justus war dankbar für die Hilfe, überließ sich seiner Führung. Er schloss die Augen, genoss die neuen Empfindungen. Es war ganz anders, als er es sich vorgestellt hatte. Bob so nahe zu sein, seine tiefen Atemzüge zu hören… Berauschend.
Bob hielt nicht mehr lange durch. Sein Griff in Justus Haar verstärkte sich. „Ich komme gleich…“, keuchte er, gab Justus somit die Gelegenheit, sich zurückzuziehen.
Eigentlich hatte er vorgehabt, zu schlucken, doch im letzten Moment verließ ihn der Mut. Genug erste Male für heute. Justus löste sich von Bob, schlang stattdessen die Finger um seinen Schaft. Ein, zwei Mal glitt er mit der Hand noch an ihm auf und ab, dann ergoss sich Bob stöhnend über Justus Finger.
Für einen kurzen Moment waren nur sein schwerer Atem zu hören, dann ließ sich Bob nach hinten fallen, legte einen Arm über seine Augen. „Fuck, das war gut.“
Justus brummte zustimmend, stemmte sich vom Boden hoch. Seine Knie waren ein wenig wackelig. Er zupfte sich ein weiteres Taschentuch aus der Packung, ehe er sie Bob zuwarf.
Peter hatte die Augen mittlerweile wieder geöffnet, doch er wich Justus Blick aus. Wurde er etwa rot? „Ich…ich geh mal schnell aufs Klo.“ Peter rappelte sich hastig auf, verschwand quasi in Lichtgeschwindigkeit aus dem Raum.
Justus sah ihm irritiert hinterher. Na hoffentlich wählten seine Tante und Onkel nicht ausgerechnet diesen Moment, um etwas aus dem Obergeschoss zu holen. Das wäre äußerst schwer zu erklären.
„Sag nichts wegen seiner heftigen Reaktion.“ Bob setzte sich wieder auf, einen ernsten Ausdruck im Gesicht. „Ich habe schon damit gerechnet, dass er ausflippt, wenn erstmal wieder genügend Blut in seinem Kopf angekommen ist.“
„Weil du ihn…“, Justus ließ den Satz ausklingen, als Bob nickte. „Das hatte ich überhaupt nicht vor.“ Er sammelte die benutzten Taschentücher vom Boden auf und warf sie in den Mülleimer. „Im Gegenteil. Ich fand seine Reaktion extrem sexy. Das muss sich wirklich gut anfühlen.“
Bob grinste leicht. „Wenn man es erstmal raus hat, tut es das. Ich hatte ein gutes Jahr Zeit zum üben.“
Justus griff nach seinen Boxershorts. Seine Erektion hatte ein wenig nachgelassen, er sollte jetzt besser nicht genauer über Bobs Fingern in ihm nachdenken. Er räusperte sich. „Ich hoffe, vorhin war…okay.“
„Mehr als das, Just. Es war perfekt.“ Bob warf ihm ein zärtliches Lächeln zu, das Justus erleichtert erwiderte.
Sie hatten sich beide wieder angezogen, als Peter endlich zurückkam. Er hatte sich ein Handtuch um die Hüften geschlungen und sein Haar war nass. Anscheinend hatte er geduscht.
„Alles gut, Zweiter?“, fragte Justus, versuchte seinen Tonfall möglichst neutral zu halten.
„Klar“, murmelte Peter, sammelte dabei seine Klamotten vom Boden. Erst als er hineingeschlüpft war, sah er auf. Verunsicherung war deutlich auf seinem Gesicht zu lesen. Aber wenigstens haute er nicht wieder ab. Sie machten Fortschritte. „Ich fühl mich nur so…“, er brach ab.
„Verwundbar?“ Bobs Stimme war leise, verständnisvoll. „Als ich es das erste Mal bei mir selbst gemacht habe, ging es mir genauso. Seitdem habe ich einen ganz neuen Respekt vor den Mädels.“
Für einen Moment sah Justus ihn verwirrt an, dann fiel der Groschen. „Sie öffnen sich bei jedem Sex für den Mann, lassen ein Teil von ihm in ihren Körper ein.“
Bob nickte ihm zu. „Genau. Wenn man so darüber nachdenkt, ist derjenige, der empfängt, deutlich mutiger als der, der penetriert.“
Peter sah zwischen Justus und Bob hin und her, seine Schultern entspannten sich etwas. „Ja. Da habt ihr wahrscheinlich recht.“ Er ging zum Bett und ließ sich darauf fallen. Allerdings etwas vorsichtiger als sonst. „Ich bin ehrlich gesagt völlig alle.“
Justus und Bob fingen gleichzeitig an zu lachen. „Ja, ja“, Peter verdrehte die Augen. „Auch in diesem Sinne. Können wir vielleicht ein bisschen schlafen?“ Er machte es sich bequem. „Erster, du brauchst wirklich ein breiteres Bett. Ernsthaft.“
Justus gähnte. „Ja, ich weiß. Onkel Titus hat in den nächsten paar Wochen ein paar Haushaltsauflösungen. Vielleicht kann ich da ein breiteres Bett abstauben. Bis dahin muss dieses hier reichen.“ Er schob Bob zum Bett.
Der verstand den Wink, krabbelte als Erstes aufs Bett. Peter streckte die Arme nach ihm aus und zog ihn auf seine Brust. Bob machte es sich auf Peter bequem, was es Justus ermöglichte, sich neben Peter auf die Matratze zu legen. Es war extrem eng und definitiv nicht geeignet für einen erholsamen Nachtschlaf. Aber darum ging es gerade auch nicht. Sie brauchten momentan wohl alle die gegenseitige Nähe und den Halt.
„Der Coach hat gleich für Montag eine Teambesprechung angesetzt“, flüsterte Peter auf einmal.
Ach ja. Justus schluckte. Heute war Samstag. Am Montag würde die Schule wieder beginnen. Die Ferien waren so gut wie vorbei.
„Was haben deine Teamkameraden in den Chat geschrieben?“, fragte Bob leise.
„Nicht viel“, Peter seufzte leise. „Nach Dylans Nachricht mit dem Video kam recht bald die Info von Coach Dalton wegen der Teambesprechung. Später hat sich offensichtlich keiner mehr getraut, irgendetwas dazu in die Gruppe zu schreiben. Ein paar haben mir privat geschrieben, aber ich habe niemandem geantwortet.“
Bob biss sich leicht auf die Unterlippe. „Ich ehrlich gesagt auch nicht. Ich wollte den ganzen Mist ignorieren, so lange es geht.“
„Bestimmt seid ihr nur für einige wenige Tage Schulgespräch“, versuchte Justus ihnen Mut zu machen. „Danach passiert irgendein neuer Skandal und das ganze Thema ist vergessen.“
„Dein Wort in Gottes Gehörgang.“ Peter klang nicht sehr überzeugt.
„Justus hat sicher recht.“ Bob hatte die Augen geschlossen. „Wenn wir den Montag hinter uns haben, wird das Schlimmste vermutlich vorbei sein.“
Wenn er sich da mal nicht irrte.
Chapter 47: Offside
Notes:
TW: HOMOPHOBIA
Chapter Text
Als Peter montagmorgens die Tür zur Umkleidekabine aufstieß, verstummten schlagartig sämtliche Gespräche.
Na super. Er verharrte für einen Moment im Türrahmen. Obwohl er extra ein wenig zu früh hier war, schienen alle anderen sich bereits eingefunden zu haben.
Peters Magen zog sich zusammen. Trotzdem versuchte er, sich nichts anmerken zu lassen. Scheinbar ungerührt schlenderte er zu seinem Spind, ließ seine Sporttasche auf die Bank davor fallen.
In der Umkleidekabine hätte man eine Stecknadel fallen hören. Sämtliche Blicke waren auf ihn gerichtet.
Langsam wandte sich Peter seiner Mannschaft zu. Sein Herz raste vor Nervosität, doch seine Worte klangen gelassen. „Leute, ich weiß ja, ich sehe fantastisch aus. Aber kein Grund, mich so anzustarren.“
Vereinzelt erklang Gelächter. Das erstarb jedoch abrupt als Dylan sich zu Wort meldete. „Was soll der Scheiß, Shaw? Lass deine dummen Witze. Wir wissen doch alle, warum wir hier sind“, grollte er.
Peter spannte sich an, fixierte Dylan. Er saß, umringt von seinen Freunden, in der gegenüberliegenden Ecke der Umkleide. Sein Gesicht war finster.
„Warum wir hier sind?“, blaffte Peter Dylan an. Er hatte sich geschworen, ruhig zu bleiben. Sich nicht provozieren zu lassen. Leider war das leichter gesagt als getan. „Wir sind hier, weil irgendein Arsch durch Bobs Küchenfenster gespannert hat und nichts Besseres zu tun hatte, als es auf fucking TikTok hochzuladen.“
Bevor Dylan etwas erwidern konnte, mischte sich Brian ein. Brian war Peters Co-Captain. Eigentlich war er jemand, den so schnell nichts aus der Ruhe brachte. Jetzt jedoch sah er ziemlich sauer aus.
„Cap, ich muss Dylan recht geben.“ Brian verschränkte verärgert die Arme vor der Brust. „Es war relativ klar, dass nicht ihr das TikTok gepostet habt. Nicht mit der Caption. Ich meine, wer gibt schon öffentlich zu, seine Freundin mit einem Typen betrogen zu haben? Aber sich tot zu stellen, wenn so eine Bombe platzt und jetzt blöde Sprüche zu reißen… Nicht cool.“
Peter ließ sich langsam neben seiner Tasche nieder, wich Brians Blick aus. Soviel dazu, sich ungerührt zu geben. „Ich habe Kelly verdammt nochmal nicht betrogen. Das ist kompletter Bullshit. Und was das mit dem Typen betrifft… Keine Ahnung, was ihr von mir hören wollt.“
„Was wir hören wollen?“ Schon wieder Dylan. „Fang doch mal damit an, seit wann du schwul bist.“
„Ich bin nicht schwul!“ Peter war kurz davor, ihm an die Gurgel zu gehen. „Und selbst wenn, damit ist nichts verkehrt, Arschloch.“
„Jetzt schaltet mal einen Gang runter, alle beide.“ Brian machte eine beschwichtigende Handbewegung, ehe er sich an Peter wandte. „Also, was bitte wurde da gefilmt? Hast du nach deiner Trennung von Kelly einfach keinen Bock mehr auf Weiber gehabt und dachtest, du probierst es mal mit einem Kerl oder…?“, fragte Brian.
Peter begann nervös mit dem Knie zu wippen. Zu lügen wäre der einfachste Weg. Einfach behaupten, es wäre eine einmalige Sache gewesen, die nichts bedeutet hatte. Nur Frust auf die Frauen und ein kurzer Anfall von Neugier. Was war schon dabei? Brian bot ihm einen Ausweg.
Nur war das nicht, was er mit Bob vereinbart hatte. Kein Versteckspiel mehr. Eine geoutete Beziehung. Er schluckte.
Sein Schweigen dauerte Brian offensichtlich zu lange. „Bekommen wir jetzt vielleicht mal eine Antwort?“, fragte er ungehalten.
Peter versuchte, Zeit zu schinden. Seine Gedanken rasten. „Bee, das ist nicht so einfach zu erklären. Ich…“, er stützte den Kopf in die Hände.
„Was ist daran nicht einfach?“ Dylan klang hörbar ungeduldig. „Stehst du nun auf Schwänze oder nicht?“
Peter sah auf. Die restlichen Mitglieder seiner Mannschaft blickten zwischen Dylan und ihm hin und her wie bei einem Tennis-Match. Die meisten wirkten mehr verwirrt als verärgert, wenngleich er auch ein paar finstere Mienen wahr nahm. Überwiegend in Dylans Ecke.
So sehr es ihm widerstrebte, seine Sexualität dermaßen öffentlich zu diskutieren – er kam aus dieser Nummer wohl nicht mehr raus.
„Ich bin bi, Dylan“, brachte Peter schließlich heraus. „Auch wenn dich das eigentlich einen Scheiß angeht.“
„Einen Scheiß angeht?“, Dylan schnaubte. „Wir werden wohl noch wissen dürfen, wer uns beim Duschen auf den Schwanz glotzt.“
Himmelherrgott. Peter stand auf, baute sich vor Dylan auf. „Junge, dich würde ich noch nicht mal anfassen, wärst du der letzte Mensch auf Erden!“
„Was du nicht sagst.“ Dylan trat näher, bis sie Nasenspitze an Nasenspitze standen. Er starrte Peter geradewegs in die Augen. „Dreckige Schwuchtel.“
Das war’s - Peter sah rot. Er holte zum Schlag aus. Doch Dylan hatte damit gerechnet, wich seinem Schlag aus und rammte ihm nun seinerseits die Faust in den Magen.
Peter krümmte sich, riss Dylan mit sich zu Boden, als er fiel. Außer sich vor Wut schlugen sie aufeinander ein.
Der Lärm ihrer Mitspieler drang nur wie durch einen dichten Nebel zu Peter durch. Er war zu fokussiert auf Dylans dämliches Gesicht, das sich unter jedem seiner Treffer verzog, und merkte dabei gar nicht, wie Dylans Faustschläge im Gegenzug seinen Brustkorb malträtierten.
Bis ihn plötzlich zwei kräftige Hände am Kragen packten und mit Wucht von Dylan herunterrissen.
Coach Dalton schüttelte ihn so heftig, Peters Zähne klackerten aufeinander. „Hast du völlig den Verstand verloren, Shaw?“ Er stieß ihn hart von sich. Peter taumelte zurück, konnte sich gerade noch abfangen. „In mein Büro. Sofort.“ Dalton drehte sich auf dem Absatz um und stürmte aus dem Raum.
„Verdammte Scheiße…“, Brian blickte fassungslos zwischen Dylan und Peter hin und her. Er sah selbst etwas derangiert aus. Wahrscheinlich hatte er versucht, sie zu trennen. Peter hatte es nicht mal bemerkt.
Dylan lag immer noch auf dem Boden, seine Nase blutete und ein Auge begann zuzuschwellen. Was ihn nicht davon abhielt, Peter wütend anzufunkeln. „Hast du Coach nicht gehört? Verschwinde!“
Nur Brians Arm vor seiner Brust stoppte Peter davon, sich erneut auf Dylan zu stürzen. „Komm schon, man“, Brian zerrte ihn zurück. „Mach es nicht noch schlimmer. Rede mit Dalton.“ Er schob ihn mitsamt seiner Tasche in Richtung Tür.
Peter gehorchte, ohne dabei Dylan aus den Augen zu lassen. Erst als er draußen vor der Tür zur Umkleidekabine stand, kam er langsam wieder zu Sinnen.
Sein Oberkörper schmerzte, wo Dylans Faustschläge ihn getroffen hatten. Peter atmete zittrig ein, betastete sein Gesicht. Wenigstens hatte er dort so gut wie nichts abbekommen. Nur seine Lippe fühlte sich etwas geschwollen an.
Coach Daltons Büro befand sich direkt gegenüber der Umkleidekabine. Die Tür stand sperrangelweit offen.
Peter schluckte hart, versuchte, sich zusammenzureißen. Er stand noch immer unter Strom. Nur langsam näherte er sich der Tür.
Coach Dalton thronte hinter seinem Schreibtisch, sein Gesicht so finster, wie Peter es noch nie zuvor gesehen hatte. Nicht mal nach ihrem schlechtesten Spiel.
„Willst du eine Extra-Einladung? Setz dich!“ Dalton wies unwirsch auf den freien Stuhl vor seinem Schreibtisch.
Peter kam der Aufforderung zögerlich nach, versuchte, seine Atemzüge so flach wie möglich zu halten. Sein ganzer Brustkorb tat weh.
Der Coach betrachtete ihn für einen kurzen Moment. Nachdem er keine offensichtlichen Verletzungen zu entdecken schien, lehnte er sich mit verschränkten Armen in seinem Stuhl zurück. „Rede. Was zur Hölle ist in dich gefahren?“
Peter zuckte unter seinem scharfen Tonfall zusammen. „Dylan hat…“, setzte er an, brach dann aber mitten im Satz ab.
„Dylan hat was?“, hakte Dalton nach.
„Wir hatten eine Meinungsverschiedenheit.“ Peter presste die Zähne zusammen. So sehr er Dylan verabscheute, er war keine Petze. Seine Kämpfe trug er immer noch selbst aus.
„Eine Meinungsverschiedenheit?“, Dalton lachte ungläubig auf. „Du startest eine Prügelei in meiner Umkleide wegen einer Meinungsverschiedenheit?“
Peter schwieg. Was sollte er auch sagen? Technisch gesehen war er es gewesen, der die Schlägerei vom Zaun gebrochen hatte. Auch wenn Dylan ihn dazu provoziert hatte.
Der Coach starrte ihn aus zusammengekniffenen Augen an. „Nun gut. Ist ja nicht so, als ob ich mir nicht denken könnte, um was es ging. Was hat es mit diesem seltsamen Video auf sich?“
Unter dem Tisch ballte Peter die Hände zu Fäusten. „Das Video wurde ohne unser Wissen aufgenommen und gegen unseren Willen ins Netz gestellt.“
Dalton schwieg für einen Moment. „Aus deinen Worten schließe ich, ihr hattet eigentlich nicht vor, eure Neigung öffentlich zu machen.“
Peter blinzelte verdattert. „Unsere…Neigung?“
Der Coach seufzte. „Peter, jetzt hör mir mal zu. Du bist einer der besten Spieler, die ich jemals trainiert habe. Und ich mach das hier schon ein paar Jährchen. Aber der Sport – speziell der Profisport – hat es nicht so mit queeren Spielern. Es hat sich zwar in den letzten Jahren einiges getan, aber ein Regenbogenland ist es nach wie vor nicht.“
„Das weiß ich“, knurrte Peter, wich Daltons Blick aus.
„Und soweit ich weiß, brauchst du ein Stipendium für die Uni, nicht wahr? Denn – und das sage ich nicht, um dich runterzumachen – ein Begabtenstipendium steht für dich wohl kaum zur Debatte.“
Das saß. Peter schluckte. Auch wenn ihm das selbst klar war, es so an den Kopf geknallt zu bekommen, tat weh. Er hatte Coach Dalton immer respektiert. Doch scheinbar hielt der ihn gerade mal für intelligent genug, halbwegs erfolgreich einen Lederball vor sich her zu kicken.
„Du solltest dir also sehr gut überlegen, wie du mit dieser Situation umgehst.“ Der Coach lehnte sich wieder in seinem Stuhl zurück.
„Ich bin mit Bob zusammen. Offiziell.“ Trotzig kamen diese Worte von Peter. „Wir sind geoutet. Es gibt keinen Grund mehr, uns zu verstecken. Und ich will es auch nicht.“
Dalton musterte ihn mit einer Mischung aus Mitleid und Enttäuschung. „Es ist dein Leben, du musst wissen, was du tust. Aber wunder dich nicht, wenn die Talentscouts das Interesse verlieren.“ Er begann, geschäftig Papiere auf seinem Schreibtisch hin und her zu schieben. „Wegen der Prügelei sitzt du erstmal die nächsten drei Spiele auf der Bank.“
Peter entgleisten die Gesichtszüge. „Aber dann habe ich gar keine Spielpraxis mehr, bis zum Spiel gegen die Beacon Hills High!“ Die Duelle zwischen der Beacon Hills und der Rocky Beach Highschool waren legendär und das Highlight einer jeden Saison. Zu diesem Spiel kamen auch mit Abstand die meisten Talentscouts.
„Das hättest du dir überlegen sollen, bevor du dich mit Dylan prügelst.“ Coach Daltons Tonfall klang endgültig. „Du bist der Kapitän. Du musst mit gutem Beispiel voran gehen. Von dir erwarte ich mehr, als von jedem anderen Spieler. Aber keine Sorge, Dylan bekommt auch noch sein Fett weg. Ich dulde keine Beleidigungen in meiner Mannschaft. Wenn er ein Problem mit deiner…Orientierung hat, ist das nichts, was in der Umkleide zu diskutieren ist.“
Peter saß da wie betäubt. Er konnte es einfach nicht fassen. Er war zwar nicht aus der Mannschaft geflogen, aber durch seinen Wutausbruch hatte er sich selbst ins Abseits geschossen. Keine Chance, dass er gegen die Beacon Hills High seine beste Leistung abrufen konnte, wenn er bis dahin auf der Bank saß.
„Brian wird dich als Kapitän vertreten. Ich werde die Mannschaft informieren.“ Dalton stand auf. Offensichtlich war für ihn die Unterhaltung beendet. „Ob du zu den Trainingseinheiten kommst, überlasse ich dir. Ansonsten sehen wir uns in drei Wochen gegen die Beacon Hills High.“
Peter erhob sich ebenfalls, wandte sich wortlos in Richtung Tür. Es gab für ihn nichts mehr zu sagen.
„Ach und Peter?“ Coach Daltons Stimme in seinem Rücken ließ Peter im Türrahmen verharren. Er drehte sich nicht um. „Ich hoffe für dich, dieser Junge ist es wert, dass du deine Zukunft für ihn aufs Spiel setzt. Das hoffe ich wirklich.“
Chapter 48: Girls, Girls, Girls
Chapter Text
Umso näher das Schulgebäude kam, umso langsamer wurden Bobs Schritte. Verdammt. Er war doch nervöser, als er sich hatte eingestehen wollen.
„Alles gut, Dritter?“, Justus blieb neben ihm stehen, betrachtete forschend sein Gesicht. „Du bist etwas blass um die Nase.“
Wie jeden Morgen hatte Bob Justus bei ihm zuhause abgeholt und sich dann mit ihm gemeinsam auf den Weg zur Schule gemacht. Leider waren sie dabei nie außer Sichtweite anderer Passanten gewesen. Er hätte jetzt nichts lieber getan, als nach Justus Hand zu greifen, um sich etwas Mut zu holen.
Bob biss sich kurz auf die Lippen. „Ich bin nur nervös, das ist alles.“
Justus nickte leicht. „Kann ich verstehen.“ Er trat dichter neben ihn, bis sich ihre Schultern berührten. Gab ihm Halt.
Das mochte Bob so an Justus. Er redete nie drumherum und beschönigte auch nichts. Er war einfach nur da – ihr Fels in der Brandung.
Seufzend setzte sich Bob wieder in Bewegung. Es brachte ja doch nichts. Da musste er jetzt einfach durch.
Als sie den Schulhof betraten, spürte Bob die Blicke seiner Mitschüler wie Nadelstiche auf seiner Haut. Offensichtlich hatte wirklich jeder dieses verdammte TikTok-Video gesehen.
Während er den Kopf gesenkt hielt, dachte Justus gar nicht daran, sich unauffällig zu geben. Er starrte ihre Mitschüler so lange finster an, bis die den Blick abwandten.
Bob stieß ihn mit der Schulter an. „Just, hör auf damit.“
„Jemanden anzustarren ist in nahezu allen Kulturen eine grobe Unhöflichkeit“, knurrte Justus. „Ich bringe sie nur dazu, sich an die geltende Etikette zu erinnern.“
„Das ist wirklich nicht hilfreich.“ Bob versenkte die Hände in den Hosentaschen. Er wollte auf schnellstem Wege in ihrem Klassenzimmer verschwinden.
Doch dafür mussten sie erstmal an einer Gruppe Mädchen vorbei, die eifrig miteinander tuschelten. Unter ihnen war Selina, das Mädchen, das ihn neulich im Fotografie-Kurs hatte abblitzen lassen.
„Bob! Hey, warte mal.“ Sie löste sich hastig von der Gruppe, um sich ihnen anzuschließen. Justus ignorierte sie dabei komplett. „Sag mal, dieses Video…“
Er unterbrach sie. „Ich will eigentlich nicht wirklich darüber reden, Sel.“
„Versteh ich. Ich meine, ist natürlich scheiße, auf diese Art und Weiße geoutet zu werden.“ Sie sah mit kaum verhohlener Neugier zu ihm auf. „Oder war das nur so ein Scherz unter Kumpels?“
„Er hat doch gesagt, er will nicht darüber reden“, mischte sich Justus in das Gespräch ein.
Selina warf ihm einen verärgerten Blick zu. „Ich werde doch wohl noch fragen dürfen, oder nicht? Immerhin hat er mich kürzlich noch nach einem Date gefragt.“
„Kürzlich? Das bezweifle ich.“ Justus war stehen geblieben, runzelte jetzt irritiert die Stirn.
Shit. Das lief gerade in eine ganz ungute Richtung. „Sel, das war nicht kürzlich, sondern ist Wochen her. Das war am Tag, als Peter sich von Kelly getrennt hat“, beeilte sich Bob zu erklären.
Selina warf ihr Haar über die Schulter zurück. „Spielt doch keine Rolle.“ Sie drehte Justus demonstrativ den Rücken zu. „Also, bist du jetzt mit Peter zusammen oder wie?“
Sie ließ einfach nicht locker. Bob verzog genervt das Gesicht „Wenn du es schon so genau wissen willst – ja, bin ich.“
„Wie süß!“ Selina gab ein sehr mädchenhaftes Quietschen von sich, das Bob durch Mark und Bein ging. Hinter ihr zuckte Justus sichtlich zusammen. „Oh mein Gott, du musst mir alles erzählen!“ Sie hakte sich bei ihm unter.
Bob kam sich vor wie im falschen Film. Abgesehen davon sah Justus so aus, als würde er jeden Moment explodieren. Er machte sich ruppig von Selina los. „Sel, was soll das denn? Ich bin keine deiner Freundinnen. Wir kennen uns kaum.“
Selina schien ihm gar nicht richtig zuzuhören. „Das macht doch nichts, dann lernen wir uns eben kennen. Ich wollte schon immer einen schwulen besten Freund haben! Es ist so toll, dass du jetzt endlich du selbst sein kannst. Es muss furchtbar anstrengend für dich gewesen sein, diese ganzen Mädchen zu daten, wenn du doch eigentlich auf Männer stehst.“ Sie strahlte ihn an.
Bob klappte die Kinnlade hinunter. „Selina, geht’s noch? Ich bin nicht schwul! Ich steh auch auf Frauen.“
„Oh, wirklich?“, Selinas Lächeln verlor etwas an Strahlkraft.
„Ja, wirklich.“ Bob rieb sich mit einer Hand über das Gesicht. „Ich bin bi, nicht schwul.“
„Ach sooo“, antwortete Selina gedehnt. „Ich dachte, du hattest etwas mit diesen vielen Mädchen, weil du deine eigentliche Orientierung überkompensiert hast.“
Bob merkte, wie er rot anlief. Er brauchte gar nicht erst zu Justus zu sehen, um zu wissen, was für eine Miene der gerade zog. „Was redest du denn? So viele Mädchen waren es überhaupt nicht!“
„Also ich weiß von“, sie begann an ihren Fingern abzuzählen, „Stacy, Lynn, Julie…“
Okay, Schluss damit. Bob griff hastig nach ihren Händen, blieb stehen. „Just, geh doch schonmal vor. Ich komme gleich nach.“
„Wie du meinst, Dritter.“ Nach einem kurzen Zögern stapfte Justus davon, die Schultern angespannt.
„Also ich weiß echt nicht, warum du mit dem rumhängst.“ Selina sah Justus stirnrunzelnd hinterher. „Ich meine, bei Peter verstehe ich es. Der ist mega heiß. Aber Justus?“
Bob ließ schlagartig ihre Hände los und trat einen Schritt zurück. „Justus ist einer meiner besten Freunde. Du hast kein Recht, so über ihn zu reden.“
Selina schien zu merken, dass er bei diesem Thema keinen Spaß verstand, denn sie lenkte ein. „Okay, okay, tut mir leid. Hast ja recht – ich kenne ihn kaum. Ich bin sicher, er ist wirklich sehr nett, wenn er erstmal aufgetaut ist.“
„Ist er.“ Bob verschränkte die Arme vor der Brust. „Also, was die Mädchen betrifft… Ja, vielleicht hatte ich ein paar mehr Dates in der Vergangenheit. Aber ich hatte nicht mit jeder etwas!“
Selina starrte ihn einfach nur an.
„…Ich habe nicht mit jeder geschlafen, heißt das“, Bob hörte sich selbst mit den Zähnen knirschen.
„Hmm, jetzt kommen wir der Sache näher“, sie kicherte. „Hast du Justus weggeschickt, weil du nicht möchtest, dass Peter davon erfährt? Was man so hört, gehört er eher zur eifersüchtigen Sorte.“
Nein, er hatte Justus gebeten vorzugehen, weil er nicht wollte, dass er von seinen vergangenen Eroberungen erfuhr. An Peter hatte er dabei gar nicht gedacht. Aber das konnte er schlecht Selina erzählen. Daher nickte er bloß. Es war immerhin die halbe Wahrheit.
„Verständlich“, sie hakte sich wieder bei ihm unter. Diesmal ließ er es geschehen. „Aber ernsthaft jetzt, du musst mir alles erzählen. Wann hast du denn deine veränderten Gefühle gegenüber Peter bemerkt?“
Innerlich seufzte Bob. Selina würde ihn vermutlich nicht in Ruhe lassen, bis er ihr ein paar Infos gegeben hatte. Dadurch, dass sie so klein und zierlich war, unterschätzte man sie oft. Auch jetzt sah sie aus großen, unschuldigen Augen zu ihm auf. Man konnte ihr nichts abschlagen. Bob gab auf. „Vor ungefähr einem Jahr, schätze ich.“
„Oh, so lange schon?“, fragte Selina verblüfft. „Dann muss es echt schwer für dich gewesen sein, ihn ständig mit Kelly zu sehen.“
„Nein, eigentlich nicht“, Bob schüttelte den Kopf. „Ich meine, vielleicht ab und an ein bisschen“, fügte er nuschelnd hinzu. Das war die Wahrheit. „Aber ich hätte nie gedacht, er würde meine Gefühle erwidern. Und dann haben sie sich getrennt…“
„Und du hast deine Chance genutzt“, sie lachte auf, drückte seinen Arm. „Glückwunsch. Das freut mich so für dich. Auch wenn das eine oder andere Mädchen jetzt bestimmt traurig darüber ist.“ Selina zwinkerte ihm zu.
So sehr sie ihn bis gerade eben genervt hatte, irgendwie fand er sie trotzdem ganz süß. Sonst hätte Bob sie schließlich nicht nach einem Date gefragt.
„Ok, vielleicht hast du vorhin ein bisschen Recht gehabt. Mit dem überkompensieren, meine ich“, rutschte es Bob heraus, ehe er weiter darüber nachdenken konnte. „Peter war unerreichbar für mich“, genauso wie Justus, ergänzte er in Gedanken, „und ich habe nach Ablenkung gesucht. Aber es hat halt nie wirklich gepasst.“
Selina zwirbelte sich nachdenklich eine Strähne ihres Haares um den Zeigefinger. „Wie romantisch. Du scheinst dir deiner Gefühle für Peter sehr sicher zu sein. Ich hoffe nur, er hat auch wirkliche romantische Gefühle für dich und nutzt dich nicht nur, um über die Trennung von Kelly hinweg zu kommen. Sie waren lange zusammen und das war echt intensiv zwischen ihnen.“
Bobs Lächeln war ein wenig wackelig. Selina sprach quasi seine eigenen Befürchtungen aus. „Ja, das hoffe ich auch.“
Chapter 49: Chocolate Poison
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Justus entdeckte gerade eine ganz neue Seite an sich. Die des eifersüchtigen Freundes.
Verdeckt von einer Säule, beobachtete er, wie Selina sich bei Bob unterhakte. Diesmal machte er sich nicht los. Im Gegenteil, sie schienen in ein angeregtes Gespräch vertieft zu sein.
Selina war das dunkelhaarige Mädchen, mit dem Bob auf dieser einen Party herumgemacht hatte, zu der sie ihn mitgeschleppt hatten. Bis gerade eben wusste er nicht mal ihren Namen. Geschweige denn, dass Bob sie später noch nach einem Date gefragt hatte.
Gut, andererseits war das offensichtlich gewesen, bevor das alles zwischen ihnen begann. Eigentlich hatte er kein Recht, deswegen sauer zu sein.
Justus löste sich widerwillig aus seinem Versteck und betrat das Schulgebäude. Dort steuerte er zielstrebig den Süßigkeitenautomaten an. Als er einige Münzen in den Schlitz schob und einen Schokoriegel auswählte, schimpfte er innerlich mit sich selbst.
Emotionen mit Essen zu kompensieren, hatte ihm das Übergewicht eingebracht, das er mit sich herumschleppte. Trotzdem konnte er sich nicht davon abhalten, einen großen Bissen des kalorienhaltigen Stimmungsaufhellers zu nehmen.
Der schokoladige Geschmack in seinem Mund ließ die Anspannung in seinen Schultern ein wenig verschwinden. Aus Erfahrung wusste Justus allerdings, das würde nur anhalten, bis er den Schokoriegel verputzt hatte. Danach fühlte er sich meist noch mieser als vorher. Ein Teufelskreis, den er einfach nicht durchbrechen konnte.
Dabei hatte er sich Samstag so gut gefühlt. Bob und Peter hatten ihm das Gefühl gegeben, mächtig und begehrenswert zu sein.
Jetzt fragte Justus sich, ob das alles nicht nur gespielt gewesen war. Er hatte im Weggehen gehört, was Selina gesagt hatte. Peter war heiß. Er war seltsam. Der übergewichtige ehemalige Kinderschauspieler, der sich selbst für einen großen Detektiv hielt und mit seiner Klugscheißerei allen auf die Nerven ging.
Justus schluckte den letzten Bissen des Schokoriegels hinunter und warf das Papier weg. Lediglich eiserne Willenskraft hielt ihn davon ab, sich bereits den nächsten Riegel zu holen.
Er wusste schon, warum er bisher nicht gedatet hatte. Mal ganz abgesehen davon, dass sich bisher auch noch nie jemand auf diese Weiße für ihn interessiert hatte.
Wer sich einen anderen Menschen öffnete, machte sich verwundbar. Und es war ja nicht so, als ob er nicht ohnehin bereits genügend Angriffsfläche bot. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Hinter ihm erklangen schnelle Schritte. Sekunden später tauchte Bob neben ihm auf. Er war alleine, Selina nirgends zu sehen. „Hey Erster. Sorry für eben. Selina ist manchmal etwas drüber.“
Justus lag eine ziemlich scharfe Antwort auf der Zunge, doch er zügelte sich. Sie waren in der Öffentlichkeit. Wäre Peter hier, könnte er Bob zur Rede stellen, was es mit diesen ganzen Mädchen auf sich hatte. Und vor allem mit Selina. Er hatte das Recht dazu. Justus nicht. Jedenfalls nicht hier. Deswegen zuckte er einfach mit den Schultern. „Klar.“
Bob sah ihn besorgt an, streckte die Hand nach ihm aus…nur um sie sofort wieder fallen zu lassen.
Sie standen gerade in der Pausenhalle, umringt von ihren Mitschülern. Bob wurde heute mit Argusaugen beobachtet. Ihre Freundschaft war immer schon eng gewesen, aber sie hatten einander nie übermäßig viel berührt. Wenn Bob ihm jetzt zu nahe kam, würde das Fragen aufwerfen.
Bob schien die gleiche Erkenntnis zu haben, denn Frustration machte sich auf seinem Gesicht breit. „Du sagst immer, man darf keine Schlussfolgerungen ziehen, bevor man nicht alle Fakten kennt.“ Bob hielt die Stimme gesenkt, aber sein Tonfall war eindringlich. „Ich kann praktisch sehen, wie du dicht machst. Tu das bitte nicht.“
„Ich bin allerbester Laune, Dritter“, antwortete Justus ebenso leise, der Sarkasmus in seiner Stimme deutlich zu hören. „Du kannst mir ja die ‚Fakten‘ über dein bewegtes Liebesleben nachher erzählen. Vielleicht, wenn Peter auch dabei ist. Möglicherweise hat auch er ein paar Stories für mich Jungfrau beizutragen.“
Bob atmete scharf ein und trat einen Schritt zurück. Zum Glück war niemand in ihrer unmittelbaren Umgebung, denn er schien gerade nicht darüber nachzudenken, was er sagte. „Es ist nicht fair von dir, wütend auf mich zu sein, wegen etwas, das passiert ist, bevor wir zusammengekommen sind. Und das gleiche gilt für Peter.“
Justus atmete tief durch, versuchte, sich zu beruhigen. Bob hatte recht. Seine eigenen Unsicherheiten an ihm auszulassen, war nicht fair. ‚Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft‘, dachte er sich.
„Ich weiß. Es ist nur schwerer für mich als gedacht, dich nicht…“, er brach ab. Wäre er geoutet und sie offiziell zusammen, hätte er Bob in seine Arme ziehen und Selina sagen können, sie solle gefälligst ihre Hände von seinem Freund lassen.
Peter war hier scheinbar nicht der Einzige, der zur Eifersucht neigte. Etwas, das Justus so von sich nicht erwartet hatte und nicht kannte. Andererseits war er auch noch nie in einer Beziehung.
Bob verschränkte die Arme vor der Brust. „Das war deine eigene Entscheidung, Just. Dafür kann ich nichts.“
„Du weißt aber auch, warum ich es nicht kann“, murmelte Justus angespannt. Ihre verärgerten Mienen hatte die Aufmerksamkeit ihrer Mitschüler auf sich gezogen. Einige waren unmerklich näher gekommen. Mit Sicherheit versuchten sie zu lauschen.
Bob zuckte unwirsch mit den Schultern. „Trotzdem. Ich werde mich weder von dir, noch von Peter herumschubsen lassen. Ich habe Mädchen gedatet. Kommt damit klar.“
Justus griff nach seinem Arm und zog ihn mit sich, brachte etwas Abstand zu den anderen Schülern. „Solange die Vergangenheit, Vergangenheit bleibt, ist alles in Ordnung.“
Bob entzog sich seines Griffs. „Ich weiß, es ist schwer zu glauben, aber mit zwei Boyfriends könnte ich tatsächlich ausgelastet sein. Die Orgie am Nachmittag mit den Mädels werde ich wohl absagen.“
Justus verdrehte die Augen. „Mir ist wohl bewusst, dass du keine Orgien veranstaltet hast.“ Er hielt kurz inne. „Od…“
Weiter kam er nicht. Wären sie nicht mitten in der Pausenhalle gewesen, wäre Bob ihm wahrscheinlich an die Gurgel gegangen. „Sag mal, hast du sie noch alle?! Mein erster Dreier…“
Justus konnte seine Worte gerade noch mit einer Hand über seinen Mund ersticken, sodass nur gedämpfte Laute zu hören waren. „Sei doch still, Dritter“, zischte er. „Wir sind hier nicht alleine.“
Bob schlug seine Hand weg, drehte sich auf dem Absatz um und ließ ihn einfach stehen. Wahrscheinlich hätte er sonst etwas gesagt, das er bereut hätte.
Justus blieb alleine zurück. Er seufzte. Das hatte er ja ganz toll hinbekommen. Da musste er wohl später einiges an Wiedergutmachung leisten.
Die Schulglocke ertönte und signalisierte den baldigen Beginn der ersten Stunde. Gerade, als sich Justus auf den Weg zu ihrem Klassenzimmer machen wollte, bemerkte er aus dem Augenwinkel eine Gruppe von Fußballspielern. Sie diskutierten heftig miteinander.
Justus kannte nicht alle Mannschaftskameraden von Peter, aber zumindest ein paar. Brian zum Beispiel war sein Co-Captain. Er schien sich gerade mit einem anderen Jungen zu streiten. Justus runzelte die Stirn. Das war doch der, mit dem Peter in der Toilette aneinander geraten war, als er sich übergeben musste. Wie hieß er noch gleich? Dylan?
Dylan drückte sich ein Kühlpad gegen ein Auge. Als er es kurz sinken ließ, enthüllte er eine deutliche Schwellung.
Justus verzog besorgt das Gesicht. Das konnte nichts gutes bedeuten. Unwillkürlich sah er sich nach Peter um, doch der war nirgends zu sehen.
Was war beim Team-Meeting vorgefallen?
Chapter 50: Friends
Notes:
Der wunderbare Emil Gabriel hat sich die Mühe gemacht, Teenage Dirtbags als Hörbuch zu vertonen! Ich bin mega stolz und das Ergebnis ist toll geworden :) Hört mal rein und lasst ein Like da, wenn es euch gefällt! https://www.youtube.com/watch?v=tvanjdcoJ-w&list=PLMH_T9H7IUEKedwJ0NB7XiH1eD5LdyYf4
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Nachdem Peter Coach Daltons Büro verlassen hatte, verzog er sich erstmal auf die Toilette. Es hatte bereits zur ersten Stunde geläutet, doch er konnte sich einfach nicht dazu überwinden, in den Unterricht zu gehen.
Stattdessen hatte er sich mit beiden Händen auf dem Waschbeckenrand abgestützt und starrte sein Gesicht im Spiegel an.
Er sah aus wie immer. Rotbraunes Haar, das mal wieder einen Schnitt vertragen könnte. Grüne Augen unter mürrisch zusammengezogenen Augenbrauen. Die selbe Jeans-und-T-Shirt-Kombination, die er immer trug. Nein, er hatte sich optisch nicht verändert.
Warum fühlte er sich dann so anders?
In seiner Hosentasche vibrierte sein Handy. Als er es hervorzog, stand Justus Name auf dem Display.
Peter ignorierte den Anruf. Er war noch nicht bereit, über das Geschehen zu sprechen. Erst recht nicht mit Justus, der ihn wahrscheinlich tadeln würde, weil er die Fassung verloren hatte.
Ewig konnte er hier allerdings auch nicht ausharren. Seufzend griff er nach seiner Tasche und verließ die Toilette. Seine Mitschüler waren wohl alle bereits im Unterricht, denn er begegnete niemandem.
Peter trottete tief in Gedanken versunken aus der Sporthalle. Statt nach rechts zur Schule, wandte er sich jedoch nach links zum Sportplatz.
Eine einsame Gestalt saß dort auf der Zuschauertribüne. Peter kniff die Augen zusammen. Aus der Entfernung konnte er es nicht richtig erkennen. War das nicht…?
Die Person hob leicht die Hand und winkte. Automatisch lenkte Peter seine Schritte in ihre Richtung.
Umso näher er kam, umso sicherer war er. Es war Kelly, die da ganz alleine auf der Zuschauertribüne saß.
Unsicher blieb er vor der Tribüne stehen, sah zu ihr hoch. Kelly trug Shorts und ein blaues Top mit Wasserfallausschnitt, das einen hübschen Kontrast zu ihren blonden Haaren bildete. Außerdem betonte es ihre himmelblauen Augen. Eine etwas hellere Schattierung als Bobs meerblaue.
„Hey.“ Kelly beugte sich vor, stützte die Unterarme auf den Knien ab und studierte sein Gesicht. „Ich sehe, Dylan hat mehr abbekommen als du.“
Unwillkürlich berührte Peter sein schmerzendes Kinn. „Es geht. Sag bloß, das weiß schon die ganze Schule?“
Kelly ging nicht darauf ein. Stattdessen klopfte sie neben sich. „Willst du da unten stehenbleiben, oder setzt du dich zu mir?“
Peter zögerte nur kurz, ehe er begann, die Zuschauertribüne zu erklimmen. Kelly hatte sich einen Platz fast ganz oben gesucht.
„Soll ich näher kommen, damit du mir die Augen auskratzen kannst? Mach nur, mein Gesicht tut eh schon weh.“ Er ließ sich neben sie fallen, die Tasche zu seinen Füßen.
Kelly schnaubte leise. „Bis Justus bei mir aufgetaucht ist, hatte ich das tatsächlich vor, ja.“
Ach stimmt. Justus hatte auf seinem Heimweg bei ihr vorbeischauen wollen. Seitdem war so viel passiert, dass er gar nicht nach dem Ergebnis ihres Gespräches gefragt hatte. Justus hatte allerdings auch nichts erwähnt.
Peter starrte zu Boden. „Das war so alles nicht geplant, Kels.“ Der alte Kosename kam ihm überraschend leicht über die Lippen.
„Das hat er auch gesagt.“ Kelly malte mit der Fußspitze kleine Kreise auf den Beton.
„Wir hatten gar nicht vor uns zu outen.“ Peter betrachtete sie von der Seite. Kelly wirkte ein wenig blass, die Stirn gerunzelt. „Wenn wir das irgendwann getan hätten, hätte ich es dir vorher gesagt. Ich hätte dich nicht ins offene Messer laufen lassen. Dieses scheiß TikTok hat alles ruiniert.“ Peters Stimme vibrierte vor unterdrücktem Zorn.
Kelly zuckte leicht zusammen, drehte sich zu ihm. „Ich war es nicht, Peter. Ich habe dieses TikTok nicht hochgeladen!“
Peter atmete tief durch. Er wollte ihr keine Angst machen. Er war nur so verdammt wütend. „Ich weiß. Das habe ich Bob auch gesagt. Mein Trikot anzuzünden und jemanden vor der ganzen Welt gegen seinen Willen zu outen, sind zwei verschiedene Paar Stiefel.“
„So etwas würde ich niemals tun. Egal, was zwischen uns vorgefallen ist. Und das mit dem Trikot war vielleicht auch etwas überzogen.“ Kelly senkte den Blick, friemelte nervös an dem Armband herum, das sie trug.
„Wenn du es nicht warst…Weißt du, wer es war?“, fragte Peter leise. Er musste es einfach wissen.
Kelly hielt inne. „Nein. Das heißt…“, sie zögerte.
Peter beugte sich dichter zu ihr. „Das heißt was? Sag’s mir, Kelly.“
„Ich…“, Kelly schniefte leise. „Ich habe mich vor einer Woche mal mit Dylan getroffen. Er hatte mich nach einem Date gefragt.“
„Dylan?!“ Peter zuckte zurück, erhob unwillkürlich die Stimme.
„Er war wirklich nett!“, verteidigte sich Kelly. „Wir waren essen und im Kino. Ich hatte ja am Anfang so meine Zweifel, nach dem, was du immer über ihn erzählt hast. Aber er war der perfekte Gentleman. Am Ende hat er mich dann gefragt, wie es mir mit der Trennung geht.“ Sie biss sich auf die Lippen. „Möglicherweise habe ich mich ein wenig hinreißen lassen und geschimpft, das Einzige, was du von mir wolltest, war Sex. Weil du den von Justus und Bob nicht haben konntest.“ Ihre blauen Augen füllten sich mit Tränen. „Es tut mir leid, Peter. Ich muss ihn irgendwie auf diese Idee gebracht haben und dann ist er dir offensichtlich gefolgt.“
Fuck. Peter schloss für einen Moment die Augen, kontrollierte sich mühsam. Kelly anzuschreien, würde ihn kein Stück weiterbringen. Es war nicht ihre Schuld.
„Dylan ist ein homophobes Arschloch, der offensichtlich erst zufrieden ist, wenn er alles hat, was mir gehört.“ Seine Stimme war gefährlich leise. „Bedenke das, wenn er dich wieder um ein Date bitten sollte.“
Eine einzelne Träne rann über Kellys Wange, die sie hastig wegwischte. „Du hast mich abserviert, Peter. Von wegen, was mir gehört.“
Das saß. Kelly hatte recht. Sie waren getrennt. Sie konnte sich treffen, mit wem sie wollte. Allerdings… „Nicht Dylan, Kelly“, schnappte er. „Du weißt es besser, als so jemanden zu daten, nur um mir eins reinzuwürgen.“
Kelly schüttelte leicht den Kopf. „Ich werde ihn nicht wieder treffen. Nach dieser Aktion ist er für mich gestorben. Aber das hat nichts mit dir zu tun.“
Peter verschränkte die Arme vor der Brust, schwieg.
„Deine Suspendierung tut mir leid.“ Kelly ahmte seine Haltung nach. „Das ist nicht fair. Aber überraschen tut es mich auch nicht.“
„Was soll’s“, murmelte Peter. „Ich kann es jetzt auch nicht mehr ändern. Nichts davon.“ Er merkte selbst, wie bitter er klang.
Kelly betrachtete ihn aufmerksam. „Bereust du es, etwas mit Bob angefangen zu haben?“, fragte sie leise.
Peter zögerte mit seiner Antwort. „Es ist momentan einfach alles scheiße. Ich war noch nicht bereit, mich zu outen. Beziehungsweise das heißt, wir waren noch nicht bereit, uns zu outen. Wir sind schon so lange Freunde. Es…“, er brach ab. „Vergiss es, das willst du doch alles gar nicht hören.“
Kelly griff nach seiner Hand, strich sanft darüber. „Hör zu. Ich kann nicht behaupten, momentan sonderlich glücklich mit der ganzen Situation zu sein. Aber…Wir waren auch Freunde, bevor wir zusammengekommen sind. Erinnerst du dich? Ich versuche gerade, unsere ganze Beziehung beiseite zu lassen und dir einfach nur eine gute Freundin zu sein.“
Peters Hals wurde gefährlich eng und seine Sicht verschwamm. So sehr Kelly ihn manchmal in den Wahnsinn getrieben hatte, das war das Mädchen, in das er sich verliebt hatte. Mitfühlend und großmütig.
Er drückte ihre Hand. „Danke dir. Wirklich. Ich weiß, du hättest allen Grund, mich zu hassen.“
„Nein, Peter.“ Kelly schüttelte den Kopf. Ihre Augen glänzten feucht. „„Ich werde nicht so tun, als würde mir der Gedanke an dich mit jemand anderen – egal ob weiblich oder männlich – nicht wehtun“, flüsterte sie. „Aber ich wünsche dir trotzdem alles Gute mit Bob. Denn man hat nicht in der Hand, in wen man sich verliebt. Das bist du doch, oder? Verliebt, meine ich."
Peter schwieg kurz. Er spürte, wie sich seine Wangen röteten. „Ich… Keine Ahnung. Kann man sich in jemanden verlieben, den man bereits liebt? Also freundschaftlich gesehen, meine ich. Aber trotzdem. Ist ja nicht so, als ob ich ihn gerade erst kennengelernt habe.“
Kelly nagte unschlüssig an ihrer Unterlippe. „Gute Frage. Vielleicht nicht unbedingt diese klischeehaften Schmetterlinge im Bauch. Aber so ein bisschen Nervosität, wenn du ihn siehst? Fühlt es sich denn gar nicht anders an?“
„Doch, natürlich. Alles ist anders.“ Peter verzog leicht das Gesicht. „Aber wir hatten noch nicht mal ein offizielles Date, weißt du? Das haben wir alles irgendwie übersprungen.“ Sie waren so damit beschäftigt gewesen, Justus mit ins Boot zu holen, da war ein richtiges Date zwischen ihnen auf der Strecke geblieben. Abgesehen davon hatte er genauso wenig ein offizielles Date mit Justus gehabt.
Kelly stieß ihn leicht mit der Schulter an. „Na, dann solltest du das schleunigst nachholen, hmm? Frag ihn nach einem Date. Jetzt, wo es offiziell zwischen euch ist, kannst du dich so richtig ins Zeug legen, ohne Angst zu haben, erwischt zu werden.“
Peter lachte leise. „Ja, das stimmt allerdings.“ Er hielt noch immer Kellys Hand, ließ sie jetzt jedoch los. „Ich schulde dir was, Kels“, sagte er sanft. „Auch wenn wir am Ende nur noch gestritten haben – du bist ein großartiges Mädchen und jeder Typ kann sich glücklich schätzen, dich zu haben. Ich hoffe du weißt das.“
Kelly schniefte leise. „Bring mich nicht schon wieder zum Heulen, Shaw. Das hast du in letzter Zeit oft genug.“
„Tut mir leid“, er schlang einen Arm um sie und drückte sie kurz. „Ich…“ Ein gellender Pfiff ertönte.
Chapter 51: Second Date
Notes:
(See the end of the chapter for notes.)
Chapter Text
Peter und Kelly fuhren auseinander. Während Kelly sich entspannte, sobald sie Justus entdeckte, wirkte Peter ein wenig ertappt.
Justus nahm die Finger aus dem Mund, die er zum Pfeifen benutzt hatte. Er hatte keine Ahnung, wobei genau er Peter und Kelly gerade unterbrochen hatte. Er wusste nur, er konnte keine Minute länger dabei zusehen, wie sie sich anhimmelten.
Peter stand auf, sagte etwas zu Kelly, das er nicht verstand. Sie nickte, schien ihm zuzustimmen. Verabredeten sie sich etwa für später?
Endlich wandte Peter sich von ihr ab und sprang die Zuschauertribüne hinunter.
„Just. Hey.“ Peter landete neben ihm. „Sorry, ich…“
Justus drehte sich wortlos von ihm weg und stapfte zurück zum Schulgebäude.
„He, jetzt warte doch mal.“ Peter beeilte sich, ihm zu folgen. „Was hast du denn?“
Justus Laune sank weiter. „Fragst du mich das gerade wirklich, Zweiter?“
„Justus!“ Peter griff nach seinem Handgelenk, zog ihn zu sich herum. „Kelly und ich haben nur geredet. Und das war dringend nötig. Warum zur Hölle machst du deswegen jetzt so eine Szene?“
Zu ihrem Glück waren sie bereits weit genug von Kelly entfernt, damit die nicht hören konnte, was Peter sagte.
Justus entwand ihm sein Handgelenk und schob die Hände in die Hosentaschen. „Ich mache keine Szene. Eine Szene machen bedeutet per Definition private Probleme, die auch privat bleiben sollten, in der Öffentlichkeit auszudiskutieren. Hier sind nur du und ich. Von einer Szene kann also überhaupt keine Rede sein.“
Peter schüttelte ungläubig den Kopf. „Ist das dein Ernst jetzt? Warum bist du so sauer?“
„Ich bin sauer, weil ich dich dabei überrascht habe, wie du mit deiner Ex kuschelst!“
„Wovon redest du bitte?“, Peter fuhr sich genervt mit einer Hand durchs Haar. „Wir haben überhaupt nicht gekuschelt. Ich wollte sie trösten, das ist alles.“
Justus starrte ihn einfach nur an. Solange, bis Peter bockig die Arme vor der Brust verschränkte.
„Abgesehen von unserer unterschiedlichen Definition von Kuscheln - was bitte ist mit deiner Lippe passiert?“ Jetzt, wo Peter direkt vor ihm stand, konnte er die Schwellung an seiner Unterlippe deutlich erkennen.
Peter betastete seine Lippe, verzog leicht das Gesicht. „Dylan ist passiert“, murmelte er. „Er konnte sein homophobes Maul nicht halten und ich konnte ihm das nicht durchgehen lassen.“
„Haben sie dich aus der Mannschaft geschmissen?“ Besorgnis verdrängte für einen Moment Justus Ärger.
Peter schüttelte seufzend den Kopf. „Nein. Aber wegen der Prügelei sitze ich die nächsten drei Spiele auf der Bank. Coach Dalton war überhaupt nicht begeistert.“
„Mist.“ Justus zog die Brauen zusammen. „Wann ist nochmal dieses wichtige Spiel, zu dem die ganzen Talentscouts kommen?“
„Das ist das vierte Spiel der Saison.“ Peter zog eine Grimmasse. „Heißt, ich muss eine Topleistung ohne vorherige Spielpraxis abliefern.“
„Das schaffst du. Solange du spielen kannst, hast du alle Chancen.“ So wie er momentan gelaunt war, widerstrebte es Justus, Peter Honig um den Mund zu schmieren. Aber es war die Wahrheit.
Peters Lippen kräuselten sich leicht. „Das versuche ich mir auch einzureden.“
Für einen Moment schwiegen sie beide. „Wegen Dylan… Er ist doch nicht ernsthaft verletzt, oder?“, fragte Justus schließlich.
„Nein.“ Peter starrte zu Boden. „Die anderen haben mich zurückgehalten. Andernfalls…“, er ließ den Satz ausklingen.
„Du kannst nicht jeden, der dich wegen deiner Sexualität blöd anmacht, an die Gurgel gehen, Peter. Das ist dir klar, oder?“
Peter verschränkte die Arme vor der Brust. „Ach weißt du, Erster“, meinte er betont entspannt, „eigentlich wollte ich es mir zur Gewohnheit machen, andere Leute zu verprügeln.“
Justus verdrehte die Augen. „Sehr witzig. Um nochmal zurück zu Kelly zu kommen…“
„Wir haben schon festgestellt, wir haben unterschiedliche Vorstellungen von Kuscheln“, knurrte Peter ungehalten. „Darf ich kein gutes Verhältnis zu meiner Ex-Freundin haben oder was?“
„Natürlich darfst du das“, schnappte Justus zurück. „Ich würde es nur begrüßen, wenn du dabei einen angemessenen Abstand zu ihr einhältst.“
Peter drehte sich zur Zuschauertribüne um, doch Kelly war nirgends mehr zu sehen. Was wahrscheinlich auch besser so war. „Bob meinte, ich wäre der Eifersüchtige in unserer Beziehung. Dabei übertriffst du mich offensichtlich um Längen.“
Justus gab ein missmutiges Brummen von sich. „Ich glaube, das hat er mittlerweile auch realisiert.“
„Was meinst du?“, fragte Peter.
„Selina hat sich heute Morgen an ihn rangehängt.“ Der Ärger war deutlich in Justus Stimme zu hören. „Bob hat sie scheinbar nach einem Date gefragt, an dem Tag, an dem du dich von Kelly getrennt hast. Sie hat ihn aber abblitzen lassen. Anscheinend, weil er ihr schon zu viele andere Mädels gedatet hat. Und dann hat sie angefangen, die Liste aufzuzählen.“
Peters Mundwinkel hoben sich. „Von den meisten weiß ich wahrscheinlich. Aber okay, für dich ist das neu. Da kann man schonmal eifersüchtig werden, schätze ich.“
Justus sah ihn ungläubig an. „Stört dich das denn gar nicht? Die ganzen Dates, die er hatte?“
„Warum sollte es?“, Peter zuckte mit den Schultern. „Das war alles vor unserer Beziehung. Ich habe ihm nur gesagt, ich erwarte jetzt Treue. Drei Menschen in einer Beziehung sind echt genug. Das heißt, keine Mädels. Generell keine anderen Partner. Für keinen von uns.“
Justus rieb sich mit einer Hand über das Gesicht. „Seit wann bist du so vernünftig?“
„Seit wann bist du so emotional?“, schoss Peter zurück. „Das sieht dir gar nicht ähnlich, Erster.“
„Ich weiß auch nicht. Ihn mit dir zu teilen ist eine Sache, aber die ganzen Mädels…“, er verstummte.
Peter nickte, schob die Hände in die Hosentaschen. „Ich versteh dich schon auch. Die Situation ist momentan wirklich nicht optimal. Solange du nicht bereit bist, dich ebenfalls zu outen, müssen wir eben das Beste daraus machen. Weder Bob noch ich werden dich zu einem Outing zwingen. Wir werden warten, bis du bereit dafür bist.“
Justus starrte ihn an. „Wer sind Sie und was haben Sie mit Peter gemacht?“
„Hey, kann ich nicht auch mal ein paar vernünftige Momente haben?“, Peter lachte zwar, aber es schwang eine gewisse Ernsthaftigkeit in seinem Tonfall mit.
„Klar.“ Justus räusperte sich. „Ich bin nur ein bisschen überrascht, das ist alles.“
Peter blickte sich kurz um, es war jedoch niemand zu sehen. Ihre Mitschüler waren alle im Unterricht. „Apropos überraschend… Gehst du auf ein Date mit mir?“
Justus blinzelte verwirrt. „Auf ein Date gehen? Du und ich? Wie kommst du denn jetzt da drauf?“
„Warum klingst du so ungläubig?“ Peter senkte die Stimme noch ein wenig mehr. „Uns sollte in einer Beziehung mehr verbinden, als nur miteinander rumzumachen, findest du nicht auch?“
Justus nickte, immer noch ein wenig verblüfft. „Ja, stimmt schon. Ich dachte nur nicht… Keine Ahnung, dass du das wollen könntest. Also, ein richtiges Date mit mir.“ Er begann zaghaft zu lächeln. „Aber das klingt toll.“
Nach seinem ersten Date mit Bob, würde er jetzt sein zweites Date mit Peter haben. Umso länger er darüber nachdachte, umso mehr begann er sich darauf zu freuen.
Peter stieß ihn mit der Schulter an. „Ich bin fast ein bisschen beleidigt, wie wenig du mir zutraust, Erster. Da muss ich mich wohl mal mehr anstrengen, hmm?“
„Ich fand, Samstag hast du dich ja ziemlich ins Zeug gelegt für uns“, murmelte Justus mit einem Grinsen. „Das fand ich gut.“
„Hab ich gemerkt.“ Peter verdrehte zwar die Augen, nichtsdestotrotz färbte eine leichte Röte seine Wangen. „Aber ich rede von außerhalb des Bettes.“
Justus schmunzelte. Er hatte plötzlich deutlich bessere Laune. „Dann bin ich mal gespannt, was du dir einfallen lässt.“
„ich geb mein Bestes. Auch wenn es schwer werden wird, Bobs Date-Idee zu übertrumpfen.“ Peter setzte sich langsam wieder in Bewegung. „Ich glaube, wir sollten jetzt mal in den Unterricht, oder?“
„Wäre wohl besser, bevor sie einen Suchtrupp losschicken.“ Justus schloss sich ihm an. „Ach und Peter?“
„Ja?“
„Ich freu mich wirklich auf unser Date. Solange es nichts mit irgendeiner sportlichen Betätigung zu tun hat.“
Notes:
Wie stellt ihr euch ein perfektes erstes Date zwischen Peter und Justus vor? Lasst mir gerne Ideen in den Kommentaren da! :)
Chapter 52: Shared Attention
Notes:
Falls sich das irgendjemand gefragt hat - ja, ich werde die Fic über kurz oder lang zum Ende bringen :D Aber nachdem die Länge eh schon völlig außer Kontrolle ist, kann ich sie jetzt auch weiterlaufen lassen, bis es zu einem natürlichen Ende kommt. Das habe ich schon im Kopf, jetzt muss ich nur noch die Jungs da hinbringen. :)
Chapter Text
Wo zur Hölle steckten Peter und Justus?
Bob lehnte sich unruhig in seinem Stuhl zurück. Mittlerweile war die erste Unterrichtsstunde beinahe vorüber und von den Zweien war noch immer nichts zu sehen.
Brian, der sich heute zu Stundenbeginn überraschend neben ihm niedergelassen hatte, stieß ihn behutsam mit der Schulter an. „Entspann dich, man. Ich hab dir doch gesagt, er hat nicht viel abbekommen. Wahrscheinlich muss er sich nur ein bisschen abkühlen, bevor er wieder in den Unterricht kommt.“
Bob gab ein unbestimmtes Brummen von sich. Einerseits rechnete er es Brian hoch an, dass der als Peters Co-Kapitän mit gutem Beispiel voranging und demonstrativ Unterstützung zeigte, indem er sich neben ihn setzte. Andererseits war er fürchterlich genervt.
Er hatte heute noch keine ruhige Minute. Mal ganz abgesehen von der Sache mit Peter, lag ihm auch sein Disput mit Justus schwer im Magen. Bob ärgerte sich noch immer über ihn.
Bei allem Verständnis für Justus Unsicherheiten – musste er das an ihm auslassen? Er hatte absolut nichts getan, wofür er ein derartiges Misstrauen verdient hatte.
Seine Vergangenheit konnte er nun mal nicht ändern.
Der Gong verkündete das Ende der ersten Stunde und um ihn herum begannen sich seine Mitschüler aufzurappeln. Brian bewegte sich jedoch ebenso wenig wie Bob.
„Bri, ich finde deinen Support ja echt super – aber du musst mich nicht babysitten, ok?“, Bob trommelte leicht mit den Fingerspitzen auf sein Pult.
„Schon klar.“ Brian spielte mit den Stift in seiner Hand. „Ich will nur…“
Sein Satz wurde unterbrochen, als an der Tür Getuschel ausbrach. Der Grund dafür offenbarte sich ihnen schnell.
Justus und Peter drängten sich durch die Traube ihrer Mitschüler. Die News über Peters Prügelei mit Dylan hatte sich längst wie ein Lauffeuer verbreitet. Dementsprechend waren jetzt alle Augen auf ihn gerichtet.
Was Peter scheinbar nicht sonderlich störte. Seine Unterlippe wirkte ein wenig geschwollen und auf seinem Kiefer erkannte man einen beginnenden blauen Fleck, aber davon abgesehen schien er okay zu sein. Er grinste sogar.
Was Bob jedoch noch mehr irritierte, war das Lächeln auf Justus Lippen. Er verbarg es gut, hielt den Kopf stur gesenkt, aber es war definitiv da.
„Hey, Cap.“ Brian stemmte sich hoch. „Alles gut bei dir? Wir haben uns Sorgen gemacht.“
Peters Grinsen verrutschte etwas, als er zwischen Bob und Brian hin und her sah. „Ja, naja, könnte besser sein. Aber ich hab mich wieder abgeregt.“ Er räusperte sich. „Hast du es Bob schon erzählt?“
Brian nickte. „Ja. Dachte, das wird schon okay sein.“
„Sicher. Danke dir.“ Peter stieß seine Faust gegen Brians. „Und danke auch nochmal wegen heute Morgen… Du weißt schon.“
„Immer, kein Ding.“ Brian sammelte seine Sachen zusammen. „Dann lass ich euch mal alleine. Man sieht sich.“
„Bis dann.“ Als die Tür hinter Brian zuklappte, stieß Bob erleichtert die Luft aus. Endlich unter sich.
Doch bevor er dazu kam, etwas zu sagen, beugte Peter sich zu ihm hinunter und verwickelte ihn in einen innigen Kuss.
Wollte Bob am Anfang noch protestieren, schmolz sein Widerstand zusehends. Vor allem als Peter ihn auf die Füße und in seine Arme zog.
Erst Justus leises Räuspern holte Bob zurück in die Realität und er schob Peter resolut von sich. „Hey!“
Peters Griff um seine Hüften verstärkte sich für einen Moment. „Was denn? Darf ich meinen Freund nicht küssen?“
Bob blickte mit gerunzelter Stirn zu ihm hoch. „Darfst du. Aber vorher möchte dein Freund wissen, wo zur Hölle ihr gewesen seid.“
„Er musste nur ein wenig runterkommen, Bob. Das ist alles“, mischte sich Justus ein.
„Dich habe ich nicht gefragt, Erster“, schnappte Bob. Justus zuckte unter seinem scharfen Tonfall zusammen.
„Bob, er hat recht.“ Peter drehte sich ein wenig, sodass er zwischen Justus und ihm stand. „Ich war ziemlich geladen.“
„Und du bist nicht auf die Idee gekommen, mir zu schreiben?“, Bob wusste selbst, er hörte sich an wie ein nörgelige Ehefrau, aber er konnte gerade nichts dagegen tun. „Stattdessen machst du mit Justus rum?“ Obwohl sie alleine im Klassenzimmer waren, senkte Bob die Stimme.
„Wir haben nur geredet, Dritter. Peter hat sich nach der ganzen Sache beim Team-Meeting noch mit Kelly unterhalten. Wahrscheinlich war es Dylan, der euch geoutet hat.“ Schon wieder antwortete Justus für Peter.
„Dylan?“, Bob verzog für einen Moment ungläubig das Gesicht. Umso länger er darüber nachdachte, umso mehr Sinn machte es aber. Dylan hatte Peter noch nie leiden können und auch aus seiner latenten Homophobie kein Geheimnis gemacht. Kein Wunder, dass Peter auf ihn los gegangen war. „Wow. Dieses Arschloch.“
Justus und Peter tauschten einen kurzen Blick.
Peter ließ Bob los, schlenderte zur Tür und lehnte sich mit dem Rücken dagegen. Scheinbar wollte er ihnen ein wenig Raum lassen.
Stattdessen griff nun Justus nach ihm. „Abgesehen von den Entwicklungen um Peter… Unser Streit heute Morgen tut mir leid. Mein Verhalten war inakzeptabel und ich verstehe, warum du wütend auf mich bist.“ Man hörte ihm an, wie schwer ihm die Entschuldigung fiel. „Was vergangen ist, ist vergangen. Ich versuche mich zu bessern. Wirklich.“
Bob hob langsam den Kopf. „Keine Eifersuchtsanfälle wegen nichts und wieder nichts mehr?“
Justus nickte. Bob studierte kurz sein Gesicht, ehe er zu Peter hinüber blickte. Der grinste leicht, formte mit den Lippen ein lautloses ‚Fast keine‘.
Offensichtlich war er nicht der Einzige, der festgestellt hatte, wie eifersüchtig Justus war. Bob seufzte leise. Justus entschuldigte sich wahrlich nicht oft.
„Okay“, murmelte er. „Vergeben und vergessen.“
„Danke.“ Justus drückte erleichtert seinen Arm. Ihn hier zu küssen traute er sich offensichtlich nicht.
„Aww“, spöttelte Peter im Hintergrund.
Bob zeigte ihm den Mittelfinger. „Mit dir bin ich noch nicht fertig, Zweiter.“ Aber es lag keine Kraft in seinen Worten.
Peter fuhr sich mit einer Hand durch seinen rotbraunen Schopf, seufzte jetzt leise. „Ich weiß. Ich schwöre, ich mache es wieder gut. Spätestens bei unserem ersten Date.“
„Erstes Date?“, Bob stutzte. „Was meinst du damit?“
„Naja, wir hatten noch gar kein richtiges Date.“ Peter verlagerte das Gewicht von einem Bein auf das andere, auf einmal wirkte er unsicher. „Keine Ahnung… Du und Justus hattet schon dieses mega romantische Date. Ich finde es daher nur fair, wenn jeder eines bekommt. Deswegen habe ich Justus nach einem Date gefragt. Und er hat ja gesagt.“
Bob drehte überrascht den Kopf zu Justus. Der lächelte und… Wurde er etwa rot?
„Aber ich möchte auch ein offizielles Date mit dir.“ Peter kam näher. Justus machte ihm bereitwillig Platz, übernahm seinen Wachposten an der Tür. „Also, was sagst du, Dritter?“
„Du hast es dir wegen der ganzen Sache mit deiner Mannschaft nicht anders überlegt?“, fragte Bob zögerlich. „Du willst immer noch eine Beziehung mit uns?“
„Moon, dachtest du, ich komme rein, küss dich und sage dir dann ‚Sorry, das war’s?‘“, Peter schüttelte ungläubig den Kopf. „Die Sperre kotzt mich an, aber nein, ich habe meine Meinung nicht geändert.“ Er zog Bob wieder an sich. „Also, was sagst du?“
Bob blickte zu ihm auf, seine Mundwinkel hoben sich langsam. „Dann sage ich ja zu einem Date mit dir.“
„Yes!“, Peter jubelte so laut, er war zweifelsohne auch noch vor dem Klassenzimmer zu hören.
„Pssst!“, zischte Justus von der Tür her. „Nicht so laut, Zweiter!“
Bob feixte angesichts seiner euphorischen Reaktion. „Du weißt schon, du hast jetzt zwei romantische Dates zu planen, oder?“
„Stimmt.“ Peter wirkte schlagartig ernüchtert. „Nur kein Druck, ja?“
„Mach dir wegen mir keinen Stress“, murmelte Bob, legte die Stirn an Peters. „Ich fände ein offizielles Date toll, aber das muss nicht unbedingt jetzt sein. Wir können uns den ganzen Tag als Paar verhalten. Justus und du nicht.“
Peter sah ihn forschend an. „Dann ist es okay für dich, wenn ich das Date mit Just zuerst plane?“
Bob nickte. „Ja, absolut.“
Das brachte ihm einen erneuten Kuss ein. „Du bist der Beste“, flüsterte Peter an Bobs Lippen, ehe er den Kopf zu Justus drehte. „Also, du hast es gehört, Just. Du bist zuerst fällig.“
Justus rollte gespielt genervt mit den Augen, trotzdem sah man ihm die Freude an. „Bereit, wenn du es bist, Zweiter.“
Chapter 53: Scavenger hunt
Notes:
Danke an alle, die Peter (und mir *hust*) Ideen für das perfekte erste Date geliefert haben :) Ich habe versucht, so viele Vorschläge wie möglich zu berücksichtigen. Es war ganz hilfreich, dass ihr euch alle recht einig wart :D Hier kommt der erste Part!
Chapter Text
Wenn er sich da mal nicht überschätzt hatte.
Peter kontrollierte stirnrunzelnd erneut den Inhalt seines Rucksackes. Umso näher sein Date mit Justus rückte, desto nervöser wurde er. Bob hatte die Messlatte wirklich hochgelegt. Ob seine Idee da irgendwie rankam?
Jetzt war es allerdings zu spät, um noch irgendetwas umzuplanen. Resolut zog Peter den Reißverschluss zu, atmete tief durch. Er hoffte einfach, Justus gefiel ihr Date.
Peter griff nach seinem Handy, öffnete seinen Chat mit Justus. Er hatte ihm nichts verraten, ihn nur angewiesen, sich heute Nachmittag bereit zu halten. Rasch tippte er eine Nachricht:
„Triff mich am Tor zur Welt. Dort, wo eine Reise beginnt und endet.“
So. Das wäre erledigt. Peter schnappte sich sein Gepäck und sprang die Treppe hinunter. Hoffentlich verstand Justus seinen Hinweis.
Sobald er die Tür des MGs hinter sich ins Schloss zog und losfuhr, schweiften seine Gedanken zur letzten Woche. Wie Justus vermutet hatte, war der erste Schultag tatsächlich der Schlimmste gewesen.
Sie wurden zwar immer noch neugierig beäugt und es kursierten die wildesten Gerüchte, aber im Großen und Ganzen hatte es sich beruhigt. Peter hatte sich allerdings auch nicht beim Training blicken lassen. Dylan wieder über den Weg zu laufen, war momentan ein Stresstest für seine Selbstbeherrschung, den er nicht eingehen wollte. Ihm reichten schon die wütenden Blicke, die Dylan ihm am Gang zuwarf, um sein Blut zum Kochen zu bringen.
Die positive Sache an ihrem Outing war, er konnte Bob küssen und anfassen, wann immer er wollte. Peters Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. Wovon er auch ausgiebig Gebrauch machte.
Justus sagte nichts dazu, aber weder Peter noch Bob waren blind. Für andere wirkte es vielleicht, als wäre er genervt von den Frischverliebten, aber sie sahen die wahre Emotion darunter. Er war neidisch.
Peter steuerte den MG gedankenverloren zu seinem auserkorenen Treffpunkt mit Justus.
Bob und er hatten nicht wirklich eine Gelegenheit gehabt, darüber zu reden, aber zumindest er hoffte, Justus würde seine Meinung zu einem Outing bald ändern.
Verdammt, Peter hatte sich bereits mehrfach dabei ertappt, wie er sich nach einem Kuss mit Bob automatisch zu Justus gedreht hatte, um dasselbe zu tun.
Trotzdem verstand er seine Beweggründe natürlich. Peter war der Letzte, der Justus zu einem Outing drängen sollte. Er war sich sehr bewusst, wäre das TikTok nicht gewesen, wäre er vermutlich jetzt noch ungeoutet.
Eine Sache, für die er Dylan fast dankbar sein musste. Aber nur fast. Der Typ war immer noch ein Arschloch.
Peter stellte den MG in einer Seitenstraße ab und schlüpfte aus dem Wagen. Er hatte das Gelände bereits vor einigen Tagen ausgekundschaftet und einen Ort gefunden, an dem er unbemerkt auf Justus warten konnte.
Im Schatten einer Lagerhalle ließ er sich hinter einigen alten Ölfässern nieder. Von hier aus hatte er das ganze Gelände im Blick, ohne selbst gesehen zu werden.
Justus hatte die Nachricht bereits gelesen, jedoch nicht geantwortet, stellte er mit einem kurzen Blick auf sein Handy fest. Wenn er den Hinweis gleich verstanden hatte, sollte er in etwa 10 Minuten hier sein.
Kurz war Peter versucht, auch Bob eine Nachricht zu schreiben, aber er verwarf den Gedanken. Heute ging es um Justus und ihn. Abgesehen davon hatte Bob überraschenderweise gar nicht viel Interesse an seinen Plänen für den heutigen Tag gezeigt.
Peter nagte an seiner Unterlippe. Einerseits verstand er, warum Bob sich raushalten wollte. Andererseits wäre ein wenig Feedback nicht schlecht gewesen.
Dieses ganze Poly-Ding war manchmal echt nicht so einfach.
Justus starrte irritiert auf sein Handy, las Peters Nachricht ein zweites Mal. Tor zur Welt? Wo sollte das sein?
Sein analytischer Verstand schaltete sich ein, verdrängt die Nervosität, die ihn heute Nacht nicht schlafen lassen hatte. Seltsam. Vor dem Date mit Bob war er zwar auch nervös gewesen, aber trotzdem entspannter als jetzt. Vielleicht, weil Bob und er sich einfach ähnlicher waren?
Justus konnte sich damals recht sicher sein, egal was Bob sich ausgedacht hatte, es würde ihm gefallen.
Bei Peter war das definitiv nicht der Fall. Bouldern oder Downhill-Mountainbiking war nichts, was Justus als angenehme Freizeitbeschäftigung bezeichnen würde.
Allerdings wusste Peter das auch. Hoffentlich hatte er wirklich irgendetwas gewählt, das keine sportliche Betätigung von ihm erwartete.
Justus wollte, dass es zwischen ihnen funktionierte. Zwischen ihnen dreien gemeinsam und als Paar.
Bob und Peter in der Schule als Paar zu sehen, wie sie sich bei jeder bietenden Gelegenheit küssten, war hart für ihn. Härter als er gedacht hatte. Nicht, weil er eifersüchtig auf einen von Beiden war. Nicht im klassischen Sinne. Es war eher Neid. Er wollte das auch.
Justus schob diese trübseligen Gedanken resolut beiseite und konzentrierte sich auf seine eigentliche Aufgabe.
Als Tor zur Welt wurden zum Beispiel Flughäfen bezeichnet. Aber wo war der nächste Flughafen?
Eine schnelle Internetrecherche ergab Santa Monica. Wie sollte er da denn bitte hinkommen?
Peter wusste, er war auf sein Rad angewiesen. Das Moped, das er vor Tante Mathilda versteckte, war mal wieder kaputt. Und auf Bob als Chauffeur konnte er auch nicht zählen. Der traf sich heute mit Jelena.
Justus runzelte die Stirn. Wo eine Reise begann und endete. Was kam noch in Frage? Ein Bahnhof? Die nächste Bahnstation war ebenfalls nicht in Rocky Beach und schied damit als Treffpunkt eigentlich aus.
Davon abgesehen… Plötzlich schlug sich Justus mit der flachen Hand gegen die Stirn, lachte leise. Na klar! Der Hafen! Wieso war er nicht gleich darauf gekommen?
Das war ein Ort, den er auch mit dem Fahrrad schnell erreichen konnte. Und definitiv ein Tor zur Welt für ihre Vorfahren.
Peter richtete sich in seinem Versteck auf, als er kurze Zeit später eine Bewegung am Ende des Piers wahrnahm, und kniff die Augen zusammen.
War das…?
Er stieß erleichtert die Luft aus und etwas Anspannung fiel von ihm ab. Denn bei der Person auf dem Fahrrad handelte es sich definitiv um Justus.
Er kam schnell näher, sah sich dabei immer wieder nach rechts und links um. Zweifelsohne, um nach Peter zu suchen. Als er ihn nirgends entdecken konnte, stoppte er ziemlich genau vor seinem Versteck und fischte sein Handy aus der Hosentasche.
Peter duckte sich hastig tiefer hinter die Fässer. Wenn Justus ihn bemerkte, war sein ganzer schöner Plan im Eimer. Vorsichtig, um sich nicht zu verraten, holte Peter ebenfalls sein Handy hervor und tippte eine neue Nachricht:
„Willkommen am Tor zur Welt :) Hier kommt dein nächster Hinweis:
I don't want the world to see me
cause i don't think that they'd understand“
Beinahe sofort konnte er sehen, wie sich Justus Gesicht konzentriert verzog. Er sah vom Display auf, scannte die Umgebung, konnte Peter aber offensichtlich nicht finden. Und das obwohl sein Blick auch ein-, zweimal die Fässer streifte, hinter denen Peter sich versteckte. Als er sich wieder in sein Handy vertiefte, war das Peters Chance. Dicht an die Fabrikwand gepresst, umrundete er geduckt das Gebäude.
Ganz am Ende des Pieres hatte er Jeffreys Baby befestigt. Zum Glück hatte Jeff sich nicht lange bitten lassen, ihm sein Heiligtum für heute zu überlassen.
Wenngleich er ihm eine drakonische Strafe angedroht hatte, sollte er auch nur einen Kratzer entdecken. Und das war nur halb im Scherz gewesen.
Jeffrey dachte, Peter sei mit Bob unterwegs und er hatte diese Auffassung nicht korrigiert. Falls er es aus irgendwelchen Gründen mitbekommen sollte, wer wirklich mit ihm den Tag verbracht hatte, musste er sich eine überzeugende Erklärung einfallen lassen. Aber damit beschäftigte er sich, wenn es so weit war.
Peter verbarg sich hinter einem Ständer mit Surfbrettern und wartete gespannt.
Justus schwang sich vom Fahrrad und lehnte es gegen die Wand einer Lagerhalle, die schonmal bessere Zeiten gesehen hatte.
Der Hafen von Rocky Beach lag verlassen da, nirgends konnte er jemanden entdecken. Und schon gar nicht Peter.
Der musste ihn allerdings irgendwie bemerkt haben, jedenfalls der Nachricht nach zu urteilen, die er soeben erhalten hatte.
Justus überflog die Zeilen erneut. Viel schlauer wurde er daraus jedoch nicht.
Eine neue Ortsangabe? Er runzelte die Stirn. Eher unwahrscheinlich. I don’t want the world… Moment. Justus summte testweise eine leise Melodie vor sich hin. War das nicht ein recht bekannter Song? Wie hieß er noch gleich?
Google lieferte ihm kurz darauf die Antwort. Iris von den Goo Goo Dolls. Justus ließ das Handy sinken und sah auf. Mit dem Song im Ohr glitt Justus Blick über die am Pier vertäuten Boote. Iris... Iris…
Natürlich! Plötzlich machte es bei ihm Klick. Das hatte sich Peter ja toll ausgedacht. Boote wurden oftmals nach Frauennamen benannt. Gab es hier etwa ein Schiff namens Iris?
Langsam begann er am Pier entlang zu laufen, versuchte am Bug der Boote ihre Namen zu entdecken. Esmeralda, Lady Liberty, Beauty… Keine Iris.
Justus war relativ schnell am Ende des Piers angelangt und drehte sich, ein wenig ratlos, einmal im Kreis. Hatte er den Hinweis etwa doch verkehrt interpretiert?
Dabei fiel sein Blick mehr durch Zufall auf ein kleines Motorboot, das etwas abseits von den anderen an einem schmalen Steg festgebunden war.
Er trat neugierig näher. Jemand hatte ein Pappschild am Bug befestigt. Wenn er die krakelige Handschrift richtig entzifferte…
„Du hast Iris gefunden.“
Justus schreckte zusammen und fuhr herum. Peter stand hinter ihm, einen Rucksack zu seinen Füßen.
„Peter!“, Justus Schultern sackten erleichtert nach unten. „Erschreck mich doch nicht so.“
„Wie war das noch mit der Umgebung und dem guten Detektiv?“, stichelte Peter als er näherkam. „Du hast mich gefunden. Mich und Iris. Bereit für eine Reise?“
Chapter 54: Friendship and Sex
Notes:
(See the end of the chapter for notes.)
Chapter Text
Justus verdrehte die Augen. „Jaja, schon gut.“ Er sollte ab und an wirklich seine eigenen Ratschläge beherzigen. Peter dürfte es eigentlich nicht schaffen, sich so an ihn heranzuschleichen. „Das ist also Iris.“ Justus betrachtete interessiert das kleine Motorboot. Wem es wohl gehörte? Seines Wissens nach besaßen die Shaws kein eigenes Boot. „Eine Reise? Wohin geht’s denn?“
„Lass dich überraschen.“ Peter trat um ihn herum, um seinen Rucksack in den vorderen Bereich des Bootes zu schmeißen. Anschließend sprang er leichtfüßig vom Pier aufs Deck.
Das Motorboot schwankte gefährlich, doch Peter ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Er hielt Justus auffordernd die Hand hin. „Kommst du?“
Justus zögerte nur kurz, dann griff er nach seiner Hand. Leider landete er nicht ganz so elegant wie Peter im Boot, was dazu führte, dass er auf dem schwankenden Untergrund beinahe das Gleichgewicht verlor.
„Pass auf!“, Peter griff hastig nach Justus, hielt ihn fest, bis er sein Gleichgewicht wiedergefunden hatte.
Justus spürte, wie er rot anlief. Na klasse. Das war ja ein toller Start für ihr Date.
„Alles okay?“, Peter zog die Hand nur langsam zurück.
Justus nickte stumm.
Peter wies auf eine kleine Bank im vorderen Bereich des Boots. „Setz dich lieber.“
Der Aufforderung gehorchend, bewegte sich Justus vorsichtig in Richtung Sitzgelegenheit. Das Boot schaukelte wieder, aber zum Glück bei Weitem nicht mehr so schlimm wie am Anfang. Diesmal schaffte er es ohne Probleme, sein Gleichgewicht zu halten. Als er endlich saß, atmete er erstmal tief durch. Okay, nochmal von vorne.
„Hast du dir die Hinweise selbst ausgedacht?“, fragte er neugierig. „Das war wirklich gut gemacht.“
Peter, der gerade das Pappschild entfernte, drehte sich mit gerunzelter Stirn zu ihm um. „Ja, na klar.“ Das klang ziemlich defensiv. „Schwer zu glauben, ich weiß.“
Justus verzog das Gesicht. „Zweiter, so war das nicht gemeint. Ich fand die Schnitzeljagd hierher eine wirklich gute Idee und die Hinweise sehr durchdacht. Punkt.“
„Hmm.“ Peter hatte sich schon wieder halb von ihm abgewandt. Die Anspannung in seinen Schultern war deutlich sichtbar, als er das Ankertau einholte und den Motor startete. Er bewegte sich auf dem schwankenden Boot als hätte er sein Leben lang nichts anderes gemacht.
Justus seufzte innerlich, ehe er auf der Bank so weit in Peters Richtung rutschte, wie es ihm möglich war.
Peter hatte den Motor ins Wasser gelassen und steuerte das Boot nun routiniert auf den Hafenausgang zu.
„Peter…“
„Warte kurz, Just.“ Peter starrte konzentriert über die Reling ins Wasser. Justus tat es ihm nach, konnte jedoch keinen Grund zur Beunruhigung erkennen. Es war ein wunderschöner, warmer Tag, das Meer glatt wie ein Spiegel.
Allerdings waren seine Kenntnisse der Schifffahrt auch eher rudimentär.
„Hier sind ein paar Sandbänke, auf die man aufpassen muss“, ließ sich Peter zu einer Erklärung herab. „Seit dem letzten Sturm sind sie gewandert.“ Er wies auf ein paar Bojen, die in einiger Entfernung aus dem Wasser ragten. „Wir sollten definitiv weit genug davon entfernt sein, aber ich wollte auf Nummer sicher gehen. Jeff killt mich, wenn seinem Baby etwas passiert.“
„Ach, das ist Jeffreys Boot.“ Justus lehnte sich zurück, versuchte sich zu entspannen. „Nett von ihm, es dir auszuleihen.“
„Gehört eigentlich seinen Eltern.“ Peter musste seine Stimme ein wenig erheben, um das Dröhnen des Motors zu übertönen. „Aber er darf es nutzen. Und verleihen, wenn er weiß, die Leute sind verantwortungsvoll.“ Peter ließ sich auf einem kleinen Hocker nieder, von dem aus er bequem das Steuergerät halten konnte.
Justus betrachtete ihn unauffällig. Er konnte seinen Gesichtsausdruck aktuell nur schwer deuten. „Ich…“
„Ich…“, Peter, der zeitgleich zum Reden angefangen hatte, verstummte ebenso wie Justus. Unangenehme Stille breitete sich zwischen ihnen aus und diesmal war es nicht nur Justus, der rot anlief.
Himmel, war das seltsam. Justus signalisierte Peter, für einen Moment den Motor auszuschalten. Sie hatten sich mittlerweile ein gutes Stück von der Küste entfernt.
Als das Motorengeräusch erstarb, hörte man nichts anderes mehr als das leise Rauschen der Wellen und vereinzelt das Krächzen von Möwen.
Justus räusperte sich. „Peter…“
„Soll ich umkehren?“, fragte Peter leise, wich seinem Blick aus.
„Was?“, Justus stutzte. „Warum das denn? Willst du echt umkehren? Jetzt schon?“ Ihr Date hatte doch gerade erst angefangen… oder?
Peter fummelte am Kragen seines T-Shirts herum. „Die ganze Situation hier ist komplett strange, Just. Das geht dir doch genauso.“
„Das muss aber nicht so sein.“ Justus griff nach Peter, zog ihn von seinem Hocker hoch und neben sich auf die Bank. Vielleicht sollten sie sich erstmal auf das konzentrieren, was diese ganze Sache zwischen ihnen erst ins Rollen gebracht hatte.
Justus küsste Peter, erst sanft, als kein Widerstand kam, jedoch zunehmend fordernder.
Peter seufzte leise in ihren Kuss, schlang die Arme um Justus. Die erste Berührung ihrer Zungen schickte einen Stromstoß durch Justus Körper. Genau wie bei ihrem ersten Kuss.
Unbewusst zog er Peter noch näher an sich. Der kam der stummen Aufforderung nach, drückte sich enger an ihn.
Peter begann sanft an Justus Unterlippe zu saugen, brachte ihn damit leise zum Stöhnen. Wie von selbst legte sich seine Hand in Peters Nacken, drückte leicht zu.
Mittlerweile atmeten sie beide schwer.
Justus zog sich nur äußerst widerwillig zurück. Seine Erektion drückte unangenehm gegen den Reißverschluss seiner Jeans. Er leckte sich über die Lippen, schmeckte Peter. „Immer noch seltsam?“, fragte er leise.
Peter schüttelte den Kopf, setzte sich wieder etwas aufrechter hin. „Nein.“ Seine Stimme klang belegt. „Aber der Sex ist auch nicht unser Problem.“
Justus legte den Kopf schief. „Was ist dann unser Problem?“
„Freundschaft und Sex in eine tatsächliche Beziehung zu verwandeln.“ Peter fuhr sich mit einer Hand durchs Haar. „Bei mir und Bob und dir und Bob ist es einfacher. Bob macht es uns leicht, in den Boyfriend-Modus zu verfallen. Es ist…“
„…instinktiv?“, ergänzte Justus. „Ich weiß, was du meinst. Speziell für dich wahrscheinlich. Ohne jetzt Kelly mit Bob vergleichen zu wollen…“
Peter rollte mit den Augen. „Ja, ich weiß, worauf du rauswillst. Ich steh auf blond und blauäugig.“
Justus lehnte sich zurück. „Ich bin nicht blond und habe auch keine blauen Augen.“
„Und doch…“, Peter wies schulterzuckend auf die Wölbung in seiner Jeans. „Heißt wohl, mein Typ ist trotzdem ein bisschen diverser als gedacht.“
„Scheint so.“ Justus atmete einmal tief durch. „Ich habe vorhin ernst gemeint, was ich gesagt habe. Deine Hinweise für den Ort unseres Treffens waren perfekt. Nicht zu einfach, aber auch nicht unlösbar.“
„Danke.“ Der nächste Satz schien Peter Überwindung zu kosten. „Ich weiß, ich bin nicht so intelligent wie du oder Bob – aber das heißt nicht, ich bin dämlich.“
Justus sah ihn überrascht an. „Was? Natürlich nicht. Wie kommst du denn da drauf?“
Peter warf ihm einen schrägen Blick zu. „Wie ich darauf komme? ‚Peter…‘“, er seufzte übertrieben, „‘das ist doch nun wirklich logisch.‘ gefolgt von einem 10-minütigen Monolog, warum die Lösung die ganze Zeit direkt vor mir gelegen hat und ich sie nur nicht erkannt habe.“
Justus Wangen brannten. So hörte er sich überhaupt nicht an! Trotzdem erkannte er sich in Peters Demonstration durchaus wieder. Leider. „Ich… Das ist keine Absicht! Du kennst mich doch mittlerweile lange genug, um das einordnen zu können.“
„Natürlich tu ich das“, murmelte Peter. „Das macht es trotzdem nicht besser.“
„Meinst du, ich finde es angenehmer, wenn du irgendwo hochkletterst oder runterspringst und es aussähen lässt, als wäre es ein Kinderspiel?“, gab Justus zurück. „Wie vorhin im Hafen. Wenn du mich nicht festgehalten hättest, hätte ich das Boot wahrscheinlich zum Kentern gebracht.“
Peter grinste widerwillig. „Irgendeine Revanche muss ich ja haben. Das ist nur fair.“
Justus stieß ihn mit dem Knie an. „Geschenkt. Jeder von uns hat andere Stärken und Schwächen. Das macht uns aus. Wir ergänzen uns und das ist gut so.“
Peter nickte und wies hinaus aufs Meer. „Der Start unseres Dates war zwar ein bisschen holprig – aber ich würde es gerne fortsetzen. Was sagst du?“
„Gerne.“ Justus streckte lächelnd die Beine aus. „Weiter geht’s.“
Notes:
Noch ein kleiner Hinweis in eigener Sache:
Ich plane aktuell ein neues Projekt. Nach der tollen Resonanz, die diese Fanfiction erhalten hat, wage ich mich an meinem ersten "richtigen" Roman. :) Es wird wieder eine Poly-Story, diesmal aber MMF.
Dafür suche ich zuverlässige Beta-Leser, die mir mit Lob und Kritik zur Seite stehen. Interesse? Dann lasst einen Kommentar da oder schreibt mir privat, hier oder auf Twitter @begon_ddf :) Ich bin dankbar für jede Unterstützung!
Chapter 55: Surprise
Chapter Text
Während Peter das Boot die Küste entlangsteuerte, unterhielten sie sich über alles Mögliche. Dabei fiel Peter auf, wie lange er eigentlich schon nicht mehr richtig mit Justus geredet hatte. Natürlich sahen sie sich täglich und natürlich sprachen sie miteinander. Über viele Dinge – die Schule, ihr Detektivunternehmen, neuerdings ihre Beziehung zu Bob.
Aber nicht so wie jetzt. Justus hörte ihm aufmerksam zu, als Peter ihm von seinem Lieblingsfußballclub erzählte und wie er sich diese Saison schlug. Dabei wusste er genau, Justus interessierte sich absolut nicht für Fußball. Oder irgendeinen anderen Sport. Er hatte ihm schon oft genug das Wort abgeschnitten, wenn er zu lange über den Ausgang eines Spiels lamentierte.
Heute nicht. Heute hatte er Justus ungeteilte Aufmerksamkeit. Im Gegenzug hörte Peter ihm zu, als Justus ihm erklärte, was es mit der rot blühenden Flechte am Uferrand auf sich hatte.
Früher hätte er geistig längst abgeschaltet. Der kleine Farbfleck in der kargen Vegetation sah hübsch aus. Das war alles, was er wissen musste.
Justus schien sein verändertes Verhalten auch aufzufallen, denn er lächelte erfreut. „Verrätst du mir jetzt, wo wir hinfahren?“, fragte er, als er geendet hatte.
„Nur Geduld“, Peter streckte ein Bein aus, stieß mit dem Fuß gegen Justus Schuh. „Du wirst es gleich sehen.“
Als sie um eine Krümmung der Uferlandschaft bogen, richtete sich Justus leicht auf. Peter, der den Anblick bereits kannte, grinste nur.
Vor ihnen ragte ein herrschaftliches Anwesen in die Höhe. Direkt in die Felsen der Küste gebaut, umkreisten einzelne Möwen die kleinen Türme und Erker.
„Was ist das hier?“ Justus legte den Kopf in den Nacken, betrachtete mit gerunzelter Stirn das schlossähnliche Gebäude. Er war definitiv überrascht.
„Unser Domizil für die Nacht“, antwortete Peter einfach.
Justus Kopf ruckte zu ihm. „Du hast uns ein Hotel gebucht?“
„Nein.“ Peter schüttelte den Kopf, nur um gleich darauf zu nicken. „Also ja, aber wir müssen nichts dafür bezahlen. Das könnte sich vermutlich keiner von uns leisten, um ehrlich zu sein.“
„Wie hast du das denn hinbekommen?“, fragte Justus, ein wenig misstrauisch.
„Warte es ab.“ Peter steuerte Iris auf den kleinen Steg zu, der den Gästen die Anreise vom Wasser aus ermöglichte.
Hier gab es glücklicherweise keine gefährlichen Sandbänke oder scharfe Felsen, die ihm das Anlegen erschwerten.
Abgesehen davon wartete bereits jemand auf sie, um ihnen behilflich zu sein. Peter warf der Frau das Ankertau zu, die es geschickt fing und Sekunden später wurde das Boot stärker gegen den Steg gedrückt, als sie das Tau an einem extra dafür vorgesehenen Boller befestigte.
Justus Gesicht zeigte nichts als Verblüffung. „Mrs. Black! Was für eine angenehme Überraschung!“
Die exzentrische ehemalige Schauspielerin lachte melodisch. „Hallo, Justus. Mich hast du heute nicht erwartet, was?“
„Definitiv nicht.“ Justus griff nach Peters Hand, als der ihm auf den Steg half, nachdem er selbst ausgestiegen war. „Jetzt sagen sie nicht, dieses Anwesen gehört ihnen?“
Amanda Black nickte, ein wenig Besitzerstolz zeigte sich, als sie mit einer weitschweifenden Armbewegung das ganze Gelände umfasste. „Tut es, mein neuestes Baby. Nachdem ihr mir damals so toll mit dieser unglückseligen Geschichte in meinem ersten Hotel geholfen habt, hat mich das Hotellerie-Fieber gepackt. Ich besitze mittlerweile fünf Hotels. High-End-Hotels, versteht sich. Nur das Beste für meine Gäste.“
Sowohl Peter als auch Justus schmunzelten. Natürlich. Amanda Black war ein echtes Original. Nicht nur aufgrund ihrer Kleiderwahl. Heute trug sie einen feuerroten Jumpsuit, dessen eleganter Schnitt einen harten Kontrast zu den schweren, schwarzen Boots an ihren Füßen bildete.
„Ich dachte, die Eröffnung meines fünften Hotels wäre die perfekte Gelegenheit, mich nochmals bei euch zu bedanken“, plauderte Amanda gut gelaunt, während sie Justus und Peter einen schön gepflasterten Weg entlang auf ihr Hotel zuführte. „Nur zu schade, dass Bob heute keine Zeit hat.“
Peter bemerkte, wie Justus ihn von der Seite betrachtete. Als Amanda in der Zentrale angerufen hatte, war Peter zufälligerweise alleine dort gewesen. Das Angebot ihrer ehemaligen Klientin war ihm wie ein Wink des Schicksal erschienen. Er hatte nämlich bis auf ihre kleine Schnitzeljagd zum Hafen keine Ahnung gehabt, wie er sein Date mit Justus gestalten sollte. Und er hatte ja nicht mal wirklich gelogen. Bob hatte sich schließlich mit Jelena verabredet.
„Er lässt ihnen schöne Grüße ausrichten“, antwortete Justus nach einem unmerklichen Zögern für sie beide. „Er wäre heute wirklich gerne dabei gewesen.“
Amanda nickte. Umso näher sie dem Hotel kamen, desto beeindruckender wurde es.
Peter betrachtete staunend die Fassade mit den vielen Fenstern, die in der Sonne blitzten. „Ich kann mich noch daran erinnern, wie das Haus vor einem Jahr aussah. Wir sind ab und zu mit dem Boot daran vorbeigefahren“, erzählte er. „Sie haben es völlig verwandelt.“
„Das will ich auch hoffen, schließlich hat es mich eine schöne Stange Geld gekostet“, schnaubte Amanda. Peter grinste. Die Frau nahm wirklich kein Blatt vor den Mund.
Mittlerweile waren sie beim Hotel angekommen. Dort wimmelte es wie in einem Ameisenhaufen. Livrierte Pagen und andere Angestellte eilten geschäftig hin und her.
„Letzte Vorbereitungen für heute Abend“, erklärte Amanda, ehe sie durch eine Seitentür die Hotellobby betraten.
Die schiere Pracht ließ Peter für einen Moment die Augen aufreißen. Das hier war weit, weit oberhalb ihrer Liga.
Die ehemalige Schauspielerin schien seinen Gedankengang von seinem Gesicht ablesen zu können, denn sei lachte leise. „Keine Sorge, Peter. Heute Abend ist Pre-Opening. Sozusagen eine Generalprobe für die eigentliche Eröffnung. Nur 100 meiner engsten Freunde. Ihr werdet nicht auffallen.“
Peter tauschte einen kurzen Blick mit Justus. Der sah ein wenig besorgt an sich herunter. Klar, er war – genauso wie Peter - für ein entspanntes Date gekleidet und nicht für eine elegante Abendveranstaltung.
„Mrs. Black, konnten Sie meine Bitte berücksichtigen?“, fragte Peter ihre ehemalige Klientin.
Die nickte, völlig ungerührt. „Natürlich, Peter. Die Sachen befinden sich alle bereits in eurer Suite.“
Peter atmete erleichtert auf. Justus schien ihnen nicht recht folgen zu können, denn eine steile Falte erschien auf seiner Stirn. „Ich erkläre es dir später, Erster.“ Ohne nachzudenken griff Peter nach Justus Hand, drückte sie kurz.
Als er Amandas neugierigen Blick bemerkte, ließ er sie hastig wieder los. Mrs. Black trat hinter die verwaiste Rezeption und fischte zwei kleine, goldene Schlüssel vom Haken eines Schlüsselbrettes, das dort hing.
„Ein wenig Oldschool“, sie klimperte mit den Schlüsseln. „Aber macht das nicht den Charme aus?“
Amanda drückte Peter die Schlüssel in die Hand. „Ihr habt noch mehr als genug Zeit, um euch ein wenig frisch zu machen und das Hotel zu erkunden. Die Show beginnt um 20 Uhr.“ Sie trat ein wenig näher zu Peter.
Justus hatte sich von ihnen abgewandt, betrachtete interessiert den Kronleuchter, der über ihren Köpfen in der Sonne funkelte.
„Nachdem Bob nicht dabei ist, habe ich euch unsere Honeymoon-Suite gegeben“, flüsterte Amanda. „Ich habe mir nichts dabei gedacht… Aber jetzt erscheint es mir ganz passend.“ Sie wackelte mit den Augenbrauen, trieb Peter damit die Röte ins Gesicht.
„Es ist…wir sind nicht…“, stammelte er leise. Verdammt. Hoffentlich war Justus zu abgelenkt, um ihre Unterhaltung zu hören.
Doch Mrs. Black schnitt ihm mit einer wegwerfenden Handbewegung das Wort ab. „Es geht mich auch überhaupt nichts an, Peter. Von mir erfährt niemand etwas.“ Sie klatschte in die Hände, sicherte sich damit auch wieder Justus Aufmerksamkeit. „Ich wünsche euch einen wunderbaren Aufenthalt im Black Castle. Lasst es mich wissen, wenn euch irgendetwas fehlt. Und ganz besonders, wie euch die Show heute Abend gefallen hat.“ Amanda winkte einen Pagen heran. „Eduardo wird euch zu eurer Suite bringen. Ed, begleite die Jungs doch bitte zur Suite 7.“
Der Page nickte, ein professionell-freundliches Lächeln auf den Lippen. Peter glaubte, eine gewisse Irritation in seinen Augen gesehen zu haben, als Amanda die Honeymoon-Suite als Suite 7 betitelt hatte, aber das konnte er sich auch eingebildet haben.
Jedenfalls schien er zu wissen, wohin sie mussten, denn er nahm Peter kurzerhand seinen Rucksack ab und führte sie anschließend durch das weitläufige Gebäude.
Amanda hatte sich wahrlich selbst übertroffen. Da wusste man ja gar nicht, was man zuerst bewundern sollte.
„Hier sind wir.“ Eduardo stoppte kurze Zeit später im dritten Stock des Gebäudes vor einer Tür ganz am Ende eines langen Ganges. Er schien einen Generalschlüssel zu besitzen, denn er benötigte Peters Zimmerschlüssel nicht, um die Tür zu öffnen.
Als die Tür aufging und er sie in die Suite führte, bekam Peter den Mund nicht mehr zu. Das Zimmer wurde dominiert von einem extrabreiten Kingsize-Bett, ein Stück daneben vor der riesigen Fensterfront ein eigener Whirlpool. Und das war nur das, was er auf den ersten Blick sah, denn zwei weitere Türen gingen von diesem Raum ab.
„Benötigen die Herrschaften noch irgendetwas?“ Eduardos Frage riss Peter aus seiner Starre. Der Page hatte seinen Rucksack neben der Tür abgestellt, sah sie fragend an.
Peter schüttelte hastig den Kopf. „Nein, Danke Ihnen. Ich…“, er kramte nach dem Geldbeutel in seiner Hosentasche, um ihm Trinkgeld zu geben. Doch noch ehe er dazu kam, hatte sich der Page bereits mit einer angedeuteten Verbeugung zurückgezogen. Die Tür fiel mit einem leisen Klicken hinter ihm ins Schloss, ließ Peter und Justus alleine zurück.
Chapter 56: Whirlpool Touches
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Justus drehte sich einmal im Kreis, nahm den ganzen Luxus in sich auf. Er wusste überhaupt nicht, was er sagen sollte. Und das kam nun wirklich selten vor.
Peter schnappte sich seinen Rucksack und deponierte ihn auf dem Bett, grinste ihn an. „Na, Überraschung geglückt?“
„Definitiv.“ Justus fuhr sich mit einer Hand durchs Haar. „Mrs. Black ist einmalig. Und das Hotel erst. Aber Zweiter… Wir sind völlig unangemessen gekleidet für diese Umgebung.“
„Keine Sorge.“ Peter trat auf den Schrank zu, der die komplette Zimmerbreite gegenüber des Bettes einnahm. „Ich habe Amanda im Vorfeld erklärt, ich will dich überraschen. Und das würde wohl kaum funktionieren, wenn ich dir sage, du sollst im Anzug aufkreuzen. Da hat sie ganz von selbst angeboten, uns Leihanzüge zu besorgen.“
Er öffnete eine Schranktür. Dahinter verborgen kam eine Kleiderstange zum Vorschein, an der fein säuberlich mehrere Jacketts, Hemden und Anzughosen hingen.
Dazu passende Schuhe fand er auf dem Boden des Kleiderschrankes.
„Hier, auch noch mehrere Größen.“ Peter drehte sich triumphierend zu Justus herum. „Scheinbar hat sie meinen Größenangaben nicht ganz über den Weg getraut.“
„Wow.“ Justus schüttelte verdattert den Kopf. „Du hast wirklich an alles gedacht.“ Er kam auf Peter zu, schlang die Arme um ihn und zog ihn an sich. „Danke.“
Peter lehnte den Kopf gegen Justus, als er ihn ebenfalls umarmte. „Gerne“, flüsterte er. „Schließlich muss ich irgendwie mit Bobs Date mithalten. Wenn er dir schon die Sterne vom Himmel geholt hat, muss ich mir eben auf der Erde etwas einfallen lassen.“
„Peter“, Justus zog sich ein wenig zurück. „Du weißt, das ist kein Wettkampf, oder? Das Ziel ist, Zeit miteinander zu verbringen. Nur zu zweit. Ich hätte mich über alles gefreut, was du geplant hast.“
„Ach, dann hätte ich meine Bungee-Jumping-Pläne doch nicht aufgeben brauchen?“, stichelte Peter.
Na sicher doch. „Abgesehen von derartigen Aktivitäten!“ Justus verdrehte die Augen, doch er grinste dabei, um seine Worte zu entschärfen. „Diese Suite übertrifft echt alle Erwartungen.“
Er löste sich von Peter, um ihre Suite zu erkunden. Peter folgte ihm neugierig.
Hinter der ersten Tür befand sich das Badezimmer, ein großzügiger Raum ganz aus cremefarbenem Marmor, ausgestattet mit einer bodentiefen Regenwalddusche und einer freistehenden Badewanne. Die zweite Tür führte zu einem Kaminzimmer, komplett mit bequem aussehenden Ledercouches und einer kleinen Bar.
Als Peter das weiße Fell vor dem steinernen Kamin entdeckte, grinste er verschmitzt.
„Woran denkst du, Zweiter?“, fragte Justus, der seinen Gesichtsausdruck natürlich bemerkt hatte.
Peter wies auf das Szenario. „Na daran.“
„Das Fell? Ich vermute, es ist Fake-Fur. Ich kann mir nicht vorstellen…“
„Nicht das Fell. Also ja, aber doch nicht, ob es echt oder fake ist.“ Peter klatschte sich mit einer Hand an den Kopf.
Justus sah ihn leicht pikiert an. „Sondern? Weih mich ein.“
„Ich dachte daran, Sex vor dem Kamin zu haben. Wie in den Filmen.“ Peter verschränkte die Arme vor der Brust, seine Wangen röteten sich ein wenig. „Und du sagst, ich bin manchmal schwer von Begriff.“
Justus starrte ihn für einen Moment einfach nur an, dann lachte er auf. „Oh man, Zweiter, ernsthaft?“
Peter kam ihm nach, als Justus zurück ins Schlafzimmer lief. „Was denn?“, murmelte er dabei. „Ich mag Sex. Und diese ganze Suite bringt mich auf tausend…“, er prallte gegen Justus, als der plötzlich stehen blieb und sich zu ihm umdrehte.
Justus griff nach seiner Hüfte, um ihn zu stabilisieren. Durch den Größenunterschied musste er leicht zu Peter aufsehen. „Ich dachte, wir hätten uns darauf geeinigt, zwischen uns sollte mehr sein, als nur Freundschaft und Sex?“ fragte er leise.
Peter nickte, den Blick auf Justus Gesicht geheftet. Oder vielmehr auf seine Lippen. „Ich weiß.“
„Und Bob ist nicht hier.“ Justus begann rückwärts zu laufen, zog Peter dabei mit sich, bis er den Whirlpool hinter sich spürte.
„Was das betrifft“, Peter räusperte sich. „Bob und ich haben eine Vereinbarung getroffen.“
„Eine Vereinbarung?“, Justus merkte auf. „Ohne mich?“
Peter drängte sich dichter an ihn, drückte ihn damit gegen die Umrandung des Whirlpools. „Ja, ohne dich. Aber es betrifft dich. Beziehungsweise unseren Umgang mit dir.“
Justus sah irritiert zu ihm hoch. „Was habt ihr vereinbart?“
„Wir haben vereinbart“, Justus fühlte Peters Hände an seinen Hüften, „dass du und ich, alles miteinander machen dürfen, was wir wollen. Das Gleiche gilt für dich und Bob. Aber Bob und ich haben nur Sex, wenn du dabei bist. Das sollte das Pärchenprivileg ausgleichen.“
Unter Peters intensiven Blick atmete Justus scharf ein. Ohne lange darüber nachzudenken drehte er sich mit ihm.
Jetzt war Justus derjenige, der ihn gegen den Whirpool presste. „Wirklich? Und Bob ist damit einverstanden?“
Peter nickte. „Ist er.“
Justus beugte sich vor, um Peter zu küssen, hielt aber kurz vor seinen Lippen inne. „Das sollte mich nicht so anmachen, nicht wahr?“
„Du bist ein Kontrollfreak.“ Peters Hände schlichen sich von Justus Hüften zu seinem Hintern, drückten zu. Reine Provokation. „Aber das ist schon okay. Wir können damit umgehen.“
Als Justus ihn jetzt küsste, war ihr Kuss nicht sanft. Peter kam ihm entgegen, ihre Zungen begegneten sich in einem Kampf um Dominanz. Justus Herzschlag beschleunigte sich, er spürte, wie er hart wurde.
Peter schien es nicht besser zu gehen, wenn er die Beule, die sich in seinen Bauch drückte, richtig interpretierte.
„Weihen wir den Whirlpool ein?“, Peter biss sanft in Justus Unterlippe, der leichte Schmerz löste ein Ziehen in seinem Unterleib aus.
„Den Whirlpool?“, Justus blickte über Peters Schultern hinweg auf den Whirlpool. „Du meinst…nackt?“
Peter schob ihn etwas von sich. „Natürlich nackt. Ich habe keine Badesachen eingepackt. Und mit Klamotten geh ich da nicht rein.“ Das Bedienfeld des Whirpools befand sich direkt neben ihnen, weshalb Peter nur die Hand ausstrecken musste, um ihn zu aktivieren. Sofort erwachte der Whirlpool zum Leben. Als Peter einen weiteren Schalter betätigte, begannen kleine Lampen unter der Wasseroberfläche zu leuchten.
Justus prüfte mit einer Hand die Wassertemperatur. In Anbetracht der Temperaturen war der Whirlpool nicht beheizt, das Wasser fühlte sich angenehm kühl an.
Neben ihm war Peter bereits dabei, sich aus seinen Klamotten zu schälen. „Holst du noch Handtücher aus dem Bad?“
„Gut, mach ich.“ Justus gab nach. Der Whirlpool glitzerte verführerisch in der Sonne. Abgesehen davon war der Gedanke an Peter nackt, nass und erregt auch nicht gerade zu verachten.
Als Justus mit einigen großen, flauschigen Handtüchern aus dem Badezimmer kam, saß Peter bereits im Whirlpool, das Gesicht der Sonne entgegengereckt. Er hatte den oberen Teil der Fensterfront geöffnet, sodass eine leichte Brise ins Zimmer wehte.
Justus ließ die Handtücher auf den Boden neben Peters Klamotten fallen, ehe er sich ebenfalls entkleidete.
Peter drehte den Kopf zu ihm, als er nackt war, streckte eine Hand nach ihm aus. „Komm“, murmelte er leise. Justus gehorchte. Er fühlte sich immer noch nicht hundertprozentig wohl damit, sich unbekleidet zu zeigen, aber Peters Gesicht zeigte kein Missfallen.
Peter rutschte ein Stück nach vorne, damit sich Justus hinter ihn setzen konnte. Das kühle Wasser fühlte sich himmlisch auf seiner erhitzten Haut an, als Justus hinter Peter ins Wasser glitt. Er schlang die Arme um Peter, der lehnte sich mit einem Seufzen gegen seine Brust zurück.
Zum Glück war die Bank im Whirlpool tief genug, um so zu sitzen, dachte sich Justus. Er platzierte das Kinn auf Peters Schulter.
„Das ist schön.“ Peter blinzelte gegen die Sonne an. Er schien sich in Justus Armen wohlzufühlen.
„Hmm“, Justus brummte zustimmend. Er hielt Peter fester. „Was ist das eigentlich für eine Show heute Abend?“
Peter drehte grinsend den Kopf zu ihm. „Eine Zauber- und Illusions-Show. Oder wie du es sagen würdest – ein Show von Hochstaplern und Betrügern.“
„He, so schlimm bin ich gar nicht“, verteidigte sich Justus.
„Du wirst also nicht den ganzen Abend damit verbringen, herausfinden zu wollen, wie die Tricks funktionieren?“
Mist. Peter kannte ihn einfach zu gut. Der musste seinen Gesichtsausdruck richtig gedeutet haben, denn er lachte laut. „Wusste ich’s doch.“
Sein Lachen verging ihm jedoch, sobald sich Justus Finger unter Wasser um seinen Schwanz schlossen. Er war bereits halb hart. „Um zurück zu unserem Gespräch von vorhin zu kommen…“, Justus begann Peters Hals zu küssen. „Ich darf dich also hier küssen…und dort anfassen? Auch wenn Bob nicht dabei ist?“ Er drückte leicht zu.
Peter atmete tief ein, drehte sich in seinen Armen. „Darfst du“, bestätigte er nochmals. „Aber das Gleiche gilt für mich.“ Peters Hände glitten über Justus nackte Brust.
Er zuckte unter der Berührung nicht unbedingt zurück, ihm wäre es jedoch deutlich lieber, Peter würde seiner Aufmerksamkeit einem anderen Körperteil zuwenden.
Doch gerade, als Justus nach seinen Händen greifen wollte, bemerkte er Peters warnenden Blick. „Lass mich, Erster. Mehr als Sex, schon vergessen?“
„Okay, okay.“ Justus ließ sich zurücksinken. „Ich halte still.“
Chapter 57: Different
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Peter betrachtete für einen Moment Justus Gesicht. Wann immer sie bisher nackt miteinander gewesen waren, hatte der es unauffällig geschafft, dafür zu sorgen, nicht übermäßig berührt zu werden. Jedenfalls nicht oberhalb der Gürtellinie.
Justus Body-Issues reichten tief, auch wenn er sich stets so selbstbewusst gab. Auch jetzt sah er Peter scheinbar ungerührt an, griff dann nach seiner Hand und legte sie auf seine nackte Schulter.
Zeitgleich spürte er Justus Hände an seinen Hüften, sie zogen ihn auf seinen Schoß. Unter Wasser schmiegte sich Peters Erektion an Justus Bauch. Das Gefühl ließ ihn kurz die Zähne zusammenbeißen.
Er musste sich wirklich am Riemen reißen. Sich gegenseitig einen im Whirlpool runterzuholen würde ihre Beziehung nicht vertiefen. Er legte die Stirn gegen Justus, musste sich dazu aufgrund ihrer Größendifferenz etwas nach unten beugen. „Weißt du, wir haben die Honeymoon-Suite.“
„Die Honeymoon-Suite?“, Justus stutzte, verzog ein wenig das Gesicht. „Hast du Amanda…?“
Peter schüttelte den Kopf. „Ich habe gar nichts erzählt. Aber… Ich glaube, sie ahnt etwas.“
Justus wich für einen Moment Peters Blick aus, dann zuckte er zu seiner Überraschung ein wenig schicksalsergeben mit den Schultern. „Wie wir wissen, hat Mrs. Black sehr feine Antennen für die Angelegenheiten ihrer Mitmenschen. Ist nicht zu ändern.“
„Es stört dich nicht?“, Peters Schultern, die sich in Erwartung von Justus Reaktion angespannt hatten, sackten erleichtert nach unten.
„Nein. Eigentlich nicht.“ Justus sah zu ihm auf. „Ich meine, wie könnte ich?“ Er machte eine ausladende Handbewegung. „Die Suite ist wirklich exquisit. Ich saß noch nie in einen Whirlpool.“
„Okay, dann bin ich erleichtert.“ Peter ließ sich nach vorne fallen, schlang die Arme um Justus Hals und schloss für einen Moment die Augen. Justus hielt ihn einfach fest, das Wasser sprudelte um sie herum und für einen Augenblick war alles perfekt.
„Diese Zauber-Show…“, murmelte Peter nach einer Weile.
„Hmm?“, fragte Justus. Er klang leicht schläfrig.
„Die ist übrigens optional. Ich denke nicht, Amanda hat etwas dagegen, wenn wir uns stattdessen etwas vom Roomservice bestellen. Honeymoon und so.“
Es dauerte einen Augenblick, ehe er Justus leise lachen hörte. Seine Hände glitten von Peters Rücken zu seinem Hintern. Er drückte nicht zu, ließ sie einfach nur dort liegen. „Bist du dir sicher? Ich will dir nicht das Gefühl geben, das zwischen uns wäre nicht mehr als FreundschaftPlus.“
Peter zog sich ein wenig zurück, um Justus ansehen zu können. „Ich weiß, ich habe gesagt, wir sollten unsere Beziehung vertiefen. Aber weder du noch ich sind sonderlich romantische Typen…“
Justus zog eine Augenbraue hoch. Ein Talent, um das ihn Peter immer beneidet hatte. „Sag bloß, nackt im Whirlpool der Honeymoon-Suite zu sitzen, findest du nicht romantisch, Zweiter?“
Der leise Spott in seiner Stimme brachte Peter dazu, ihm gegen die Schulter zu boxen. „Du weißt genau, was ich meine!“
„Ja, weiß ich“, ächzte Justus. „Was ich eigentlich sagen wollte – du hast dir sehr viel Mühe gegeben für unser Date. Das weiß ich zu würdigen. Aber ich denke, wir funktionieren am besten so, wie wir schon die ganze Zeit miteinander umgehen. Oder nicht?“
Peter grinste. „Du meinst, wir lassen diesen ganzen Boyfriend-Quatsch für Bob übrig und beschränken uns aufs wesentliche?“
„Ich würde es jetzt nicht unbedingt Quatsch nennen.“ Justus rutschte tiefer ins Wasser. „Und etwas Romantik hat noch niemandem geschadet. Aber ja, im Großen und Ganzen stimme ich dir zu.“
Statt zu antworten verwickelte Peter Justus in einen hitzigen Kuss. Genug mit diesem ganzen Gefühls-Gelaber. Das hier war eine Ebene, auf der sie sich definitiv verstanden. Und ja, vielleicht genoss er es ein wenig, Justus für sich alleine zu haben. Irgendwie hatte er das Gefühl, wenn Bob dabei war, hielten sie sich beide ein wenig zurück.
Nicht viel, nur ein bisschen. Wenn sie zu dritt waren, stand Zärtlichkeit im Vordergrund. Als Justus jetzt die Zähne in seine Unterlippe grub, war von Zurückhaltung nichts zu spüren.
Peter ächzte leise. Das sprudelnde Wasser erschwerte ihm die Sicht, aber Justus steifen Schwanz fand er auch so. Als er die Finger darum schloss, wurde er mit einem scharfen Einatmen belohnt.
Justus Hände auf seinem Hintern drückten zu. „Letzten Samstag“, murmelte er an seinen Lippen, „als Bob dich…gefingert hat. Das war spektakulär.“
Peter schauderte leicht und er spürte, wie er rot anlief. „War es“, bestätigte er leise. „Aber das bedeutet nicht, ich lasse das immer mit mir machen.“
Zwischen zwei Küssen verzog Justus ein wenig enttäuscht den Mund. „Nicht? Ich habe mich in die Thematik eingelesen. Ich denke, ich sollte das auch hinbekommen.“
„Haha. Das glaube ich dir sogar. Wir werden es bei Gelegenheit testen.“ Peter rutschte entschlossen von Justus Schoß und stand auf. Dadurch befand sich seine Erektion jetzt direkt vor Justus Gesicht. „Aber…“
Weiter kam er nicht. Justus beugte sich ohne Vorwarnung vor und schloss die Lippen um Peters Schwanz.
„Just!“ Peters Hand krallte sich in Justus Schulter, er verlor fast das Gleichgewicht. Justus griff sofort nach seiner Hüfte, stabilisierte ihn damit. „Was tust du denn?“
„Wenn du das noch fragen musst, mache ich etwas verkehrt“, Justus sah zu ihm auf, als er sanft über Peters Eichel leckte, ehe er daran saugte.
Peter stöhnte auf. Verdammt nochmal, wenn Justus ihm eine blasen wollte, würde er sich bestimmt nicht beschweren. Er hatte sich die ganze Zeit schon gefragt, wie sich Justus Mund auf ihn wohl anfühlen würde. Die Realität übertraf jedoch seine kühnsten Fantasien.
„Das fühlt sich gut an“, stieß er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. „So gut.“
Angespornt von seinem Lob, ließ Justus ihn tiefer in seinen Mund gleiten. Peters Hüften zuckten, kamen der Berührung unwillkürlich entgegen.
Justus Finger gruben sich stärker in seine Hüfte, er warf ihm einen warnenden Blick zu. Seltsamerweise turnte Peter das nur noch mehr an. Vielleicht weil er sich an den triumphierenden Ausdruck in Justus Augen erinnerte, als er ihn am Samstag geblasen hatte.
Versuchsweise legte er eine Hand in Justus Nacken, hielt ihn fest. „Du magst es genauso hart wie ich“, flüsterte er, schob das Becken vorsichtig ein wenig weiter vor.
Justus spannte sich an, wich ihm jedoch nicht aus. Sein Vertrauen in Peter ließ seinen Magen kribbeln. „Atme durch die Nase.“ Er begann Justus Mund zu ficken, ließ genießerisch den Kopf zurückfallen.
Nichtsdestotrotz zügelte er seine Stöße minimal. Er wollte Justus an seine Grenzen treiben und nicht darüber hinaus.
Ein Blick nach unten bestätigte ihn. Justus hielt den Blick stur auf sein Gesicht gerichtet, ließ ihn seinen Mund benutzen. Trotzdem war sich Peter nicht sicher, wer von ihnen gerade die Oberhand hatte. Denn als Justus mit der Zunge über die Unterseite seiner Eichel fuhr, fluchte er unterdrückt.
„Fass dich an“, brachte er hervor. „Mach’s dir selbst.“ Justus schien ihm zu gehorchen, denn Sekunden später stöhnte er leise auf, die Augen fielen ihm zu.
Die Vibration übertrug sich direkt auf Peters Schwanz, ließ ihn die Zähne zusammenbeißen. Er würde nicht mehr lange durchhalten. Scheinbar ging es Justus ähnlich, denn seine Handbewegungen unter Wasser wurden schneller.
Peter suchte nach einem festeren Stand, er fühlte, wie sich seine Oberschenkeln verkrampften. „Ich komm gleich!“, warnte er Justus.
Der zögerte kurz, entzog Peter aber schlussendlich seinen Mund. Bevor er enttäuscht sein konnte, schlang Justus die Hand um seine Erektion, wichste ihn im gleichen frenetischen Tempo wie sich selbst. Sie kamen zeitgleich, zuckten unter ihrem Orgasmus.
Als Peter die Augen schlussendlich wieder öffnete, zitterten seine Knie.
Justus hatte sich erledigt zurückfallen lassen, sah ihn blinzelnd an. „Ich hoffe wirklich, die wechseln hier nach jedem Gast das Wasser.“
Peter wollte es nicht, aber er brach in prustendes Gelächter aus. „Davon gehe ich jetzt mal aus, Just.“ Er stieg mit wackeligen Beinen aus dem Whirlpool, schlang eines der flauschigen Handtücher um sich. Das andere reichte er Justus.
„Das war gut.“ Nur mit dem Handtuch um die Hüften ließ Justus sich aufs Bett fallen. Er winkte Peter zu sich, der sich gerade noch das Haar trocken rieb. Nachdem seines länger war als Justus, wollte er nicht das ganze Bettzeug nass machen.
Peter ging zu ihm, ließ es zu, dass Justus ihn an sich und die Bettdecke über sie zog. Er legte den Kopf an Justus Schulter und brummte zufrieden. „Das war es“, bestätigte er. „Ohne angeben zu wollen – bestes erstes Date aller Zeiten.“
Justus schmunzelte, drückte ihm einen Kuss auf die Wange. Die zärtliche Geste berührte Peter. „Ich hatte zwei beste erste Dates aller Zeiten.“
Peter verzog gespielt schmollend den Mund, trotzdem verstand er natürlich, warum Justus das sagte. Er stand nicht im Wettbewerb zu Bob. Bobs Beziehung zu Justus war eine ganz andere als die zu ihm.
„Peter?“
„Hmm?“ Die Ernsthaftigkeit in Justus Stimme ließ ihn sich aufrichten.
„Ich werde mich outen.“
Chapter 58: Right decision
Notes:
Hier kommen die letzten paar Kapitel :)
Chapter Text
„Du willst dich wirklich outen?“, Bob sah Justus erstaunt an.
Am Tag nach ihrem Date waren Justus und Peter spontan bei ihm vorbeigekommen. Jetzt lungerte Peter hinter Bob auf dem Bett, einen Arm um seine Hüfte geschlungen. Justus saß im Schneidersitz neben ihnen, fuhr sich jetzt mit einer Hand durchs Haar. „Ja. Ich denke, es ist die richtige Entscheidung.“
Bob zog die Stirn kraus. „Ich meine, wenn dir es ernst damit ist, dann freue ich mich. Aber du musst das nicht tun. Das weißt du, oder?“
„Weiß ich, Dritter.“ Justus tauschte einen kurzen Blick mit Peter. „Aber ich denke schon eine ganze Weile darüber nach. Eigentlich schon, seit das mit uns läuft.“
Bob spürte, wie Peter seinen Hals küsste. „Ich habe ihm das Gleiche erzählt. Er ist sich sicher.“
„Okay…“, er rutschte ein wenig zurück, drängte sich dichter an Peter. Der verstand die Aufforderung, denn sein Griff um Bobs Hüfte wurde fester. „Was bedeutet das für uns? Wirst du ihnen auch von uns erzählen?“
Justus neigte leicht den Kopf. „Das ist etwas, das ich mit euch besprechen wollte. Ich bin bereit dazu, uns als Throuple zu outen.“ Er zögerte kurz. „Allerdings muss ich das vorher mit Tante Mathilda und Onkel Titus besprechen. Von all unseren Eltern wird sie unser Outing wahrscheinlich am meisten betreffen. Die Schrottplatzkunden sind eigen.“
„Das ist okay für mich.“ Aus dem Augenwinkel sah Bob, wie Peter Justus ermutigend zulächelte. „Meine Chancen auf ein Stipendium sind ohnehin kaum mehr vorhanden – egal ob Throuple oder nicht.“ Er zuckte mit den Schultern. „Was soll‘s.“
„Du hast noch alle Chancen, Zweiter!“, widersprach Justus energisch. „Nächste Woche ist das entscheidende Spiel gegen die Beacon Hills High, nicht wahr? Wenn du da so gut spielst wie immer, wird das die Talentscouts überzeugen. Die meisten Unis haben eine wie auch immer geartete Diversity-Charta. Wenn du sie mit deinem Können überzeugst, wird deine Beziehung zu uns kein Hindernis sein.“
„Du weißt doch wie der Sport ist, Just. Der Coach hat mich ganz klar gewarnt. Danke für deinen Versuch mich zu motivieren, aber ich bin einfach nur realistisch. Im Moment gehe ich davon aus, du und Bob sucht euch eine namhafte gemeinsame Uni und ich werde irgendein Community College in der Nähe besuchen.“ Peter klang recht gelassen, auch wenn ein gewisser Schmerz in seiner Stimme mitschwang. „Die letzten Wochen haben mir einfach gezeigt, ihr seid mir am Wichtigsten. Alles andere wird sich ergeben.“
„Peter…“, Bob drehte sich in Peters Armen um und schmiegte sich an ihn. Er wusste einfach nicht, was er sagen sollte, weshalb er einfach nur den Kopf an seiner breiten Brust vergrub und ihn festhielt.
Er spürte, wie Justus sich hinter ihm ausstreckte und Sekunden später seine Arme um ihn. Da sie so dicht nebeneinander lagen, konnte er auf diese Weise auch Peter umarmen.
„Was ist mit dir?“, murmelte Justus in Bobs Nacken. „Bist du bereit, der Welt die Wahrheit zu erzählen?“
Bob nickte, sein Gesichtsausdruck durch Peters Shirt verborgen. „Ja. Auch wenn ich mich echt scheiße fühle, weil bei mir - im Gegensatz zu euch – nicht so viel auf dem Spiel steht.“
„Sag das nicht, Moon“, hörte er Peters Stimme. Leise und zärtlich. „Du warst der Mutigste von uns allen.“
„Denn du hast die Sache zwischen uns erst ins Rollen gebracht“, ergänzte Justus hinter Bob.
„Ohne dich, wären wir immer noch nur Freunde.“ Peter küsste seinen Scheitel.
„Und hätten keine Ahnung, was uns entgeht.“ Justus zog ihn zu sich herum, um ihn küssen zu können.
Sein Kuss war sanft, Bob spürte die Zurückhaltung dahinter. „Tu das nicht“, flüsterte er zwischen zwei Küssen. „Halt dich nicht zurück wegen mir. Ich will alles von dir. Von euch.“
Unter seinen Händen konnte er spüren, wie sich Justus Schultern entspannten.
Die Berührung seiner Lippen wurde stärker und Bob öffnete automatisch den Mund für ihn, als Justus Zunge vorwitzig über seine Unterlippe strich. Verdammt, fühlte sich das gut an.
Peter an seiner anderen Seite küsste die empfindliche Haut unterhalb seines Ohrs, eine Hand stahl sich unter Bobs T-Shirt und streichelte seinen nackten Bauch. So wie sich die Dinge entwickelten, war Bob froh, dass seine Eltern nicht zuhause waren.
Bob hatte sich kaum an Peters Berührung gewöhnt, da glitten dessen Finger bereits tiefer, umfassten seinen halbharten Schwanz durch die Jogginghose, die er trug.
„Just hat übrigens recherchiert“, murmelte Peter, presste sich stärker an ihn.
Bob konnte seine Erektion an seinem Hintern spüren. Automatisch kam er ihm entgegen, brach dafür den Kuss mit Justus. „Was recherchiert?“, fragte er, ein wenig atemlos.
Peter begann leicht an seinem Hals zu saugen, bescherte ihm damit eine Gänsehaut. Bob war so auf die Empfindung konzentriert, er hätte seine Antwort fast nicht mitbekommen. „Wie man fingert.“
„Wie…was?“, Bob riss überrascht die Augen auf.
Peter wiederholte seine Antwort, ein Grinsen zupfte an seinen Mundwinkeln. „Wie man fingert.“
„Habt ihr…Hat er dich…?“ Scheinbar war Bob heute nicht mehr in der Lage, ganze Sätze zu bilden, weshalb er den Mund rasch wieder zuklappte. Seine Wangen röteten sich. Ob wegen seiner Stammelei oder der Vorstellung von Justus und Peter konnte er nicht sagen.
„Nein.“ Justus klang amüsiert. „Er hat sich ein bisschen geziert. Trotzdem war es auch so sehr schön.“
Bob sah, wie Peter mit den Augen rollte, aber er lachte dabei. Offensichtlich hatten Justus und Peter wirklich eine gemeinsame Basis gefunden, den Schritt von Freundschaft zu Beziehung gemacht.
Dabei wusste er eigentlich gar nicht so genau, wie ihr Date abgelaufen war. Justus hatte unter der Haustür nur gesagt, sie seien erst auf einem Boot gewesen und hätten dann in einem Hotel übernachtet. Bob war sich sicher, an der Story war noch mehr dran. Aber er würde nicht fragen. Jede ihre Beziehungen verdient ein wenig Privatsphäre.
„Willst du denn deine Rechercheergebnis überprüfen?“, fragte Bob Justus. Er bemühte sich, seinen Tonfall leicht und spielerisch zu halten. Was nicht ganz einfach war, denn Peter hatte begonnen, ihn durch die Jogginghose zu streicheln und er unterdrückte nur mühsam ein Stöhnen.
„Wenn du mich lässt?“, Justus legte eine Hand in seinen Nacken, zog ihn wieder zu sich heran, um ihn zu küssen. Als er leicht in Bobs Unterlippe biss, atmete der scharf ein. „Ja“, brachte Bob hervor. „Klar.“
Peter schien nur auf seine Zustimmung gewartet zu haben, denn seine Finger krallten sich in seinen Hosenbund, um ihm die Jogginghose mitsamt den Boxershorts auszuziehen. Währenddessen machte Justus kurzen Prozess mit seinem T-Shirt.
Splitterfasernackt zwischen Justus und Peter zu liegen, die beide noch vollständig bekleidet waren, ließ Bob unsicher schlucken. „Wollt ihr euch nicht auch ausziehen?“
Peter und Justus tauschten einen kurzen Blick, dann rappelten sie sich zeitgleich auf. Über Bobs Körper hinweg küssten sie sich. Ihr Kuss war nicht sanft, genauso wenig wie ihre Berührungen. Bob war sich recht sicher, Peter versenkte die Zähne in Justus Unterlippe, als dessen Hände sich auf seinen Hintern legten und zudrückten. Der Anblick ließ seinen Schwanz zucken.
Bob verschränkte die Arme hinter dem Kopf, sah dabei zu, wie sich seine Freunde gegenseitig entkleideten, bis sie ebenso nackt waren wie er und sich ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihn richtete.
Unter ihren Blicken fühlte er sich wie auf dem Präsentierteller. Aber auf eine gute Art und Weise.
„Hast du Gleitgel?“, fragte Justus leise.
„Oberste Schublade“, antwortete Bob, räusperte sich leicht.
Peter streckte sich neben ihm aus, beobachtete ihn aufmerksam. „Nervös, Moon?“
Bob leckte sich kurz über die Lippen. „Vielleicht ein bisschen…?“
„Musst du nicht sein.“ Justus hatte die Tube mit Gleitgel gefunden, drehte sich nun wieder zu ihnen. Bevor er den Verschluss öffnete, streichelte er sachte Bobs Hüfte und Oberschenkel. „Wenn es dir nicht gefällt, lassen wir es sein. Ich kann’s schließlich immer noch bei Peter probieren.“
„Ach wirklich?“, Bob lachte auf. Genau wie Justus beabsichtigt hatte, entspannte er sich. „Das will ich definitiv sehen.“
„Macht euch nur über mich lustig“, maulte Peter. Er war rot geworden. Der hitzige Blick, den er Justus zuwarf, brachte Bob zum Grinsen. „Ich bin gespannt, wie du darauf reagierst, Just.“
„Ich mach mich nicht über dich lustig.“ Justus ließ sich zwischen Bobs Beinen nieder. Er wirkte wie die Ruhe selbst, kein Anzeichen von Nervosität zu sehen. „Sei versichert, du darfst es zu gegebener Zeit ausprobieren.“
Bob atmete ebenso scharf ein wie Peter. Die Vorstellung alleine sandte einen Schauder durch ihn. Justus nutzte die Gunst der Stunde und begann kleine Küsse auf die Innenseite seiner Oberschenkel zu drücken, ließ sich absichtlich Zeit.
„Er spielt mit uns beiden, das ist dir klar, oder?“, murmelte Peter neben Bob. Er hielt den Blick auf Justus gerichtet.
„Ich habe nichts dagegen, wenn mit mir gespielt wird. Jedenfalls nicht im Bett“, ächzte Bob. Justus warme Lippen auf sich zu spüren, fühlte sich traumhaft an.
Ohne lange zu überlegen zog er die Beine an, verschaffte Justus damit mehr Platz. Der verstand den Wink sofort, denn er öffnete mit einem leisen Klacken die Tube mit Gleitgel und drückte etwas davon auf seine Finger.
Chapter 59: United
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„Du hast das schon ein paar Mal bei dir selbst gemacht?“, fragte Justus, berührte vorsichtig seinen Eingang. Die Kühle des Gels auf seiner warmen Haut verursachte Gänsehaut bei Bob. „Ja. Oft.“ Er schloss für einen Moment die Augen, ein wenig verlegen.
„Hervorragend.“ Ohne viel Federlesens schob Justus einen Finger in ihn. Bob keuchte leise auf, zu überrascht, um sich zu verspannen. Zweifelsohne, was Justus bezweckt hatte. „Wie viele Finger?“
Während Justus sprach, legte sich eine Hand um seinen Schwanz, fing an, ihn zu streicheln. Peter. Bob konnte ein Stöhnen nicht unterdrücken. „Zwei, manchmal drei“, brachte er hervor.
Justus begann den Finger in ihm zu bewegen. War es am Anfang noch ein seltsames Gefühl, überwog schnell die Lust. Vor allem, als Justus den Finger krümmte und damit den Punkt in ihm traf, der ihn sich winden ließ.
„Hier?“, Justus rieb wieder über seine Prostata, studierte dabei aufmerksam sein Gesicht. Fuck. Er hatte nicht gelogen, als er sagte, er hätte recherchiert. Bob selbst hatte länger gebraucht, um diese Stelle in sich zu finden.
„Ja. Genau da.“ Bob ließ die Knie auseinander fallen, kippte das Becken. Peter streichelte mit dem Daumen über seine Eichel, der zusätzliche Reiz ließ Bob nach Luft schnappen.
„Zwei, drei Finger, hmm?“, Justus küsste wieder seinen Oberschenkel, saugte ein wenig an der sensiblen Haut. „Das sollte ich hinbekommen.“
Als Justus zweiter Finger in ihn glitt, verzog Bob ein wenig das Gesicht. Es tat nicht richtig weh, aber unbedingt angenehm war es auch nicht.
„Langsamer, Just.“ Peter hatte seine Reaktion genau mitbekommen. „Nur weil er es bei sich selbst schonmal gemacht hat, heißt das nicht, er ist ein Profi.“
„Natürlich nicht.“ Justus hielt still, gab ihm Zeit, sich daran zu gewöhnen. „Hilf ihm ein bisschen, sich zu entspannen.“ Er wies mit dem Kinn auffordernd auf Peters Finger um Bobs Erektion. Justus Befehlston ließ Peter die Augen verdrehen, nichtsdestotrotz gehorchte er.
Bob war ihr Geplänkel egal, er schloss die Augen und konzentrierte sich ganz auf die Gefühle in seinem Unterleib. Justus schien zu spüren, wann die Anspannung in seinem Körper nachließ, denn er begann erneut die Finger in ihm zu bewegen.
„Das fühlt sich gut an“, keuchte Bob. Er kam jetzt sowohl Justus als auch Peter entgegen.
„Du siehst so sexy aus.“ Peter beugte sich zu ihm hinunter, rieb seine Wange an Bobs. Er hatte sich gestern scheinbar nicht rasiert, denn sein Bartschatten kratzte über Bobs Haut. „Ich kann’s kaum erwarten, das auch zu tun.“
Bob stöhnte auf. Justus stimulierte zielsicher seine Prostata, sein Blick war konzentriert auf Bobs Gesicht geheftet, lauerte auf jede Regung. Mittlerweile hatte er mit Sicherheit einen weiteren Finger hinzugenommen, denn das Gefühl war intensiver als noch vor einigen Sekunden. Drei Finger. Er stieß ihn jetzt mit drei Fingern. Und trotzdem schien es nicht genug zu sein.
„Bitte…ich…“, Bob hielt inne, veranlasste damit auch Justus und Peter zu stoppen. Seine Haut war von einem leichten Schweißfilm bedeckt, als er von einem zum anderen blickte. „Mehr.“ Er leckte sich über die plötzlich trockenen Lippen. „Ich will mehr. Schlaft mit mir.“
Justus erstarrte, zum ersten Mal am heutigen Tag wirkte er unsicher. Sein Blick zuckte zu Peter. Der starrte ihn so intensiv an, Bob hatte keine Ahnung, was er dachte. „Ist das dein Ernst, Moon?“
„Ja.“ Bob richtete sich auf. Er war sich tatsächlich selten bei etwas so sicher gewesen. „Ich will es.“ Justus hatte die Hand zurückgezogen, als er sich bewegte, und die plötzliche Leere in sich ließ ihn schlucken. „Bitte. Einer von euch.“
Justus beugte sich langsam zu Bobs Nachtischkästchen, fischte ein Kondom heraus. Nach einem kurzen Zögern, drückte er es Peter in die Hand. „Sein erstes Mal soll gut für ihn werden. Du hast mehr Erfahrung als ich. Wenn es für Bob okay ist, lasse ich dir den Vortritt.“
Peter sah erst auf das Kondom in seiner Hand, dann glitt sein Blick von Justus zu Bob. „Was immer Bob möchte.“ Seine Stimme klang ruhig, aber Bob konnte die Anspannung darunter wahrnehmen.
Er griff nach Peter, nachdem er Justus unmerklich zugenickt hatte. Bob verstand, was er nicht sagen wollte. Justus war noch Jungfrau und hatte Angst, es zu vermasseln. Deswegen hatte er sich für Peter entschieden.
Der küsste Bob jetzt mit einer Intensität, die das Feuer seiner Erregung erneut einheizte. Nur unterbewusst bekam er mit, wie Peter das Kondom aufriss und über seine Erektion rollte. Sein Stöhnen, als Justus Gleitgel auf seiner harten Länge verteilte, nahm er dagegen deutlich wahr.
Peter drückte ihn wieder in die Kissen, positionierte sich über ihn. Bob schlang die Arme um ihn und zog die Beine an. Peters Schwanzspitze stieß gegen seinen Eingang und sie atmeten beide tief ein.
„Bereit, wenn du es bist“, murmelte Peter, sein Gesicht zeigte Erregung ebenso wie einen Anflug von Unsicherheit.
Bob sah zu ihm auf, blendete Justus für einen Moment aus. „Mach.“
Peter bewegte vorsichtig die Hüften. Justus hatte Bob gut vorbereitet, trotzdem war sein Schwanz nochmal dicker als dessen Finger.
Bobs Fingernägel gruben sich in Peters Schultern, er ließ den Kopf zurückfallen, als Peter langsam in ihn glitt.
„Shit, du fühlst dich so gut an.“ Peter küsste seinen Hals, biss und saugte an der empfindlichen Haut.
„Peter…“, Bob atmete in hastigen Zügen. Alles war so intensiv. Peter hatte den Kopf an seiner Schulter vergraben, seine Schultern spannten sich an, als er stoppte.
Wahrscheinlich wollte er Bob mehr Zeit geben, aber das war gar nicht nötig. Er wollte ihn ganz. „Beweg dich, verdammt.“
Das ließ Peter sich nicht zweimal sagen. Er zog sich zurück, nur um gleich darauf wieder in ihn einzudringen. Diesmal stoppte er nicht, versenkte sich stattdessen mit einem Stoß ganz in Bob.
Bob wimmerte. Das Gefühl, ausgefüllt zu sein, überwältigte ihn fast. Der leichte Schmerz aufgrund der Dehnung verschwand schnell. Das hier war so viel besser als seine Finger. Peter trieb sich immer wieder in ihn, ihre Lippen fanden sich zu einem frenetischen Kuss.
Trotzdem spürte er, wie Peter sich zurückhielt. Er kontrollierte die Bewegungen seiner Hüften, hielt dabei den Blick auf Bobs Gesicht gerichtet, um sein Tempo jeder seiner Regungen anzupassen. Seine angespannte Miene bewies, wie schwer ihm das fiel.
„Gott…“, Peter stöhnte. „Du bist so eng. Fuck.“ Er richtete sich etwas auf, wodurch er in einem etwas anderen Winkel in Bob eindrang. Und der war genau richtig.
„Peter!“, Bob hatte überhaupt kein Ohr mehr dafür, was für Geräusche er von sich gab. Peter traf mit jedem Stoß seine Prostata, ließ ihn sich winden. „Das ist…“
„…so gut.“ Peter schlang eine Hand um Bobs Erektion, begann ihn zu pumpen. Der doppelte Reiz brachte Bob innerhalb kürzester Zeit an die Grenze.
Er zog Peter wieder zu sich herab, verwickelte ihn in einen Kuss ohne jede Raffinesse. Ihre Zähne klackten aneinander. Keinen von ihnen schien es zu stören.
Bob spürte, wie Peters Bewegungen hektischer wurden. Er näherte sich seinem Orgasmus. Hastig stieß Bob seine Hand von seinem Schwanz, streichelte sich selbst. Er war so nahe. Er brauchte nur noch…ein bisschen…
Peter stieß hart in ihn, suchte nach Erlösung, und das war es, was Bob über die Klippe schickte. Er schrie auf, als er kam, warf genießerisch den Kopf in den Nacken.
Peter schien nur darauf gewartet zu haben, denn er folgte direkt nach ihm, zitterte unter der Wucht seines Orgasmus.
Schlussendlich gaben seine Ellenbogen nach und er ließ sich auf Bob fallen, der mit einem leisen „Uff“ die Arme um ihn schlang.
Für einige Minuten war nichts anderes zu hören als ihr heftiger Atem. Jetzt, wo es vorbei war, wurde sich Bob auch langsam seiner Umgebung wieder gewahr.
Wo war…? Ach da. Justus hatte sich im Schneidersitz am Ende des Bettes niedergelassen. Seine Miene zeigte deutlich, wie sehr es ihn erregt hatte, ihnen zuzusehen. Trotzdem schien er sich nicht selbst berührt zu haben, denn sein Schwanz schmiegte sich nach wie vor hart an seinen Bauch.
Peter bewegte sich langsam, ging von ihm herunter. Als er sich dabei aus Bob zurückzog, zuckte der leicht zusammen. Jetzt, wo er seinen Höhepunkt erlebt hatte, war er scheinbar überempfindlich.
„Wenn es nur halb so gut war, wie es aussah, müsst ihr jetzt fix und fertig sein.“ Justus rutschte näher.
„Du hast ja keine Vorstellung…“, Peter legte einen Arm um Bob, zog ihn an seine Brust. „Alles gut bei dir?“, fragte er leise, betrachtete ihn aufmerksam. „War es okay?“
„Mehr als das.“ Bob kuschelte sich an ihn, von einer tiefen Zufriedenheit erfüllt. Er würde Peter wahrscheinlich noch eine ganze Weile spüren können. „Es war perfekt. Danke.“
Justus rutschte vom Bett und stand auf. „Ich hol euch mal ein Handtuch.“
„Warte, Just.“ Bob drehte sich in Peters Armen, verzog bei der Bewegung ein wenig das Gesicht. „Sollen wir nicht…?“, er wies in Richtung Justus offensichtlicher Erektion.
Doch der winkte ab. „Entspann dich, Moon. Vielleicht später. Jetzt ruht euch erstmal aus.“ Er verschwand im Badezimmer, das direkt an Bobs Zimmer angrenzte.
Moon. Justus hatte ihn Moon genannt. Bob konnte ein grenzdebiles Grinsen nicht verhindern.
Peter, der das natürlich bemerkte, lachte. „Hey, warum siehst du mich nicht so an, wenn ich dich Moon nenne?“
„Hab ich doch, als du mich das erste Mal so genannt hast. Nach unserem Streit“, erinnerte ihn Bob.
„Stimmt.“ Peter drückte ihm einen Kuss auf die Schläfe. Seine Stimme wurde eine Spur rauer. „Ich kann es kaum erwarten, es wieder zu tun.“
Wenn Bob nicht so fertig gewesen wäre, er hätte ihn gekniffen. „Sachte, Zweiter. Vielleicht will ich bei meinem zweiten Mal toppen.“
Peter richtete sich auf einem Ellenbogen auf, sein Blick glitt von Bob zur Badezimmertür, hinter der Justus gerade Wasser laufen ließ. Er grinste leicht. „Wer mich zuerst fickt, musst du mit Justus ausmachen. Ich könnte mir vorstellen, er will mein Erster sein.“
Bob lachte überrascht auf. „Was? Dein Ernst?“, er sah Peter erstaunt an. „Ich hatte mit mehr Gegenwehr gerechnet.“
„Ich bin mir auch noch nicht sicher“, räumte Peter ein. „Aber ich schließe es auch nicht kategorisch aus. Dein Finger war…nice.“
„Nice.“ Bob gluckste, seine Augen fielen langsam zu. Er wusste, er sollte sich eigentlich erst säubern, aber plötzlich war er hundemüde. An Peter geschmiegt, übermannte ihn der Schlaf.
Chapter 60: Difficult
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Als Justus zuhause die Haustür aufschloss, schwankte er zwischen Nervosität und Befriedigung.
Nachdem Bob eingeschlafen war, war er in den Genuss von Peters talentiertem Mund gekommen. Sogar ganz ohne darum bitten zu müssen. Peter würde es wahrscheinlich im Leben nicht zugeben, aber offensichtlich liebte er es ebenso, Blowjobs zu geben, wie sie zu erhalten.
Justus schob nachdenklich den Haustürschlüssel in die Hosentasche und streifte sich die Schuhe von den Füßen. Er hatte allerdings auch leichtes Spiel mit ihm gehabt. Peter und Bob zu beobachten hatte Justus dermaßen erregt, er hatte sich kaum beherrschen können.
Dabei war der körperliche Akt nicht mal der ausschlaggebende Punkt gewesen. Es war vielmehr die emotionale Verbundenheit, die sich in jedem kleinen Seufzen, in jeder Berührung bemerkbar gemacht hatte.
Justus bereute es nicht, Peter den Vortritt gelassen zu haben. Er würde sein erstes Mal schon noch erleben. Vor allem, weil er nicht mal wusste, ob er dafür lieber Top oder Bottom sein wollte. Momentan tendierte er allerdings zu Top. Da meldete sich wieder sein Kontrollzwang.
Gedankenverloren schlenderte er in Richtung Wohnzimmer. Dort hörte er die Stimmen von Tante Mathilda und Onkel Titus. Unschlüssig blieb er im Türrahmen stehen.
Sein Onkel saß in seinem alten Lehnsessel, rauchte Pfeife und las Zeitung. Tante Mathilda bügelte. Es war ein vertrauter, heimeliger Anblick, der ihm plötzlich das Herz schwer werden ließ. Sollte er das wirklich tun?
Tante Mathilda hatte ihn entdeckt. Ein Blick in das Gesicht ihres Neffen und sie stellte das Bügeleisen beiseite. „Justus, Hallo. Alles in Ordnung?“
Darüber konnte man wohl geteilter Ansicht sein. Er kam näher, ließ sich auf die Couch plumpsen. „Wie man es nimmt, Tante.“
Onkel Titus ließ die Zeitung sinken und betrachtete seinen Neffen irritiert. „Wie man es nimmt? Was meinst du damit?“
Justus schluckte. Wo sollte er nur anfangen? „Ich bin glücklich. Sehr, sehr glücklich.“
Es dauerte einen Moment, dann lachte Tante Mathilda auf. „Das freut uns zu hören, Justus. Aber warum solltest du deswegen so ein Gesicht ziehen?“
Er starrte auf seine Hände hinab, kaute an seiner Unterlippe. „Der Grund dafür gefällt euch eventuell nicht sonderlich.“
„Was ist denn der Grund dafür?“ Sein Onkel faltete die Zeitung zusammen und warf sie auf den Couchtisch vor sich.
Jetzt kam der wirklich schwierige Teil. „Ich habe euch doch von Peter und Bob erzählt. Ich meine, dass sie ein Paar sind.“
Titus und Mathilda nickten synchron. „Das kam zwar etwas überraschend, aber heutzutage ist das ja alles anders als früher. Viel normaler.“ Onkel Titus lehnte sich in seinem Sessel zurück. „Haben sie Ärger in der Schule deswegen?“
Justus schüttelte den Kopf. „Nein. Ich meine, ein bisschen. Aber darüber würde ich wohl kaum glücklich sein.“
Tante Mathilda kam um ihr Bügelbrett herum und fuhr mit einer Hand durch das dichte, schwarze Haar ihres Neffen. „Fühlst du dich ausgeschlossen? Wollen sie vielleicht nur noch Zeit zu Zweit verbringen? Aber auch darüber wärst du wahrscheinlich eher nicht glücklich.“
Justus sah zu seiner Tante hoch, nahm all seinen Mut zusammen. Egal wie er es drehte und wendete, vielleicht platzte er am besten einfach damit heraus. Es gab wohl keine Möglichkeit, ihnen seine Neuigkeit schonend beizubringen. „Ich bin glücklich, weil Peter und Bob nicht nur miteinander in einer Beziehung sind, sondern auch mit mir. Und ich mit ihnen. Also mit beiden. Und sie miteinander“, stieß er hervor. In seiner Nervosität verhaspelte er sich mit den Worten. Er, der für seine Eloquenz und einer gewählten Ausdrucksweise bekannt war, stammelte jetzt hilflos herum. „Wir führen eine polyamore Beziehung.“
Tante Mathilda ließ die Hand fallen, perplex glitt ihr Blick zwischen ihrem Mann und Justus hin und her. „Wie bitte? Was tut ihr?“
Onkel Titus blinzelte überrascht. Er verarbeitete offensichtlich Justus Worte. Im Wohnzimmer herrschte für einen Moment Stille, keiner von den Beiden schien so recht zu wissen, wie sie reagieren sollten.
„Jedenfalls, deswegen bin ich so glücklich“, versuchte Justus sich zu erklären. „Weil ich mich verliebt habe und in einer Beziehung bin. Mit Peter und Bob.“
„Aber…aber…“, Tante Mathilda rang fassungslos die Hände. „Ihr kennt euch doch schon seit der Grundschule. Und zu dritt? Das geht doch gar nicht. Und überhaupt…seit wann…“, sie sah etwas hilflos zu Onkel Titus.
Der räusperte sich jetzt. „Nun, Liebling, gehen tut das schon. Also, es ist jedenfalls nicht illegal. Eine Heirat ist so natürlich nicht möglich, aber… Das ist momentan wahrscheinlich auch nicht wichtig.“
Justus schüttelte hastig den Kopf. „Nein, natürlich nicht.“ Er wandte sich an Tante Mathilda. „Glaub mir, Tante, unsere lange Freundschaft ist wahrscheinlich der Grund, warum wir uns erst jetzt verliebt haben. Wir haben uns nie als potentielle Partner betrachtet.“
Mathilda spielte unruhig mit dem Ehering an ihrem Finger. „Du möchtest uns also sagen, dass du schwul bist, Justus?“
„Nein. Bisexuell passt vermutlich am besten. Ich finde durchaus auch Frauen attraktiv.“ Justus beobachtete seine Tante genau. Ihre Reaktion machte ihm nicht gerade Mut.
Onkel Titus stemmte sich aus seinem Sessel hoch und trat näher, legte beruhigend einen Arm um seine Frau. „Vielleicht fängst du erstmal von vorne an, Junge. Erzähl uns, was in den letzten Wochen passiert ist. Wir scheinen irgendwie eine Menge verpasst zu haben.“
Und genau das tat Justus. Natürlich erzählte er bei weitem nicht alles, aber genug, um seiner Onkel und seiner Tante begreiflich zu machen, wie schwierig die Situation für sie war. Ihre Ängste und Unsicherheiten, Bobs und Peters erzwungenes Outing und ihr jetziger Entschluss, sich als Throuple zu outen. Oder vielmehr sein Entschluss.
Als er geendet hatte, fuhr sich Tante Mathilda mit einer Hand übers Gesicht. Sie wirkte plötzlich müde. „Ich verstehe, wie schwer die ganze Sache für euch war. Und es tut mir leid, wenn wir in letzter Zeit nicht so aufmerksam dir gegenüber waren, wie es angebracht gewesen wäre. Dein Glück war immer oberste Priorität für uns.“
„Aber?“, Justus konnte das Zittern in seiner Stimme nicht ganz unterdrücken. Plötzlich erfüllte ihn eine große Furcht. Seine Zieheltern würden ihn doch nicht… Schmissen sie ihn etwa raus? „Soll…soll ich gehen?“
„Unsinn.“ Onkel Titus entschiedene Antwort ließ ihn erleichtert aufatmen. Allerdings nur kurz. „Bist du dir absolut sicher, dass es das ist, was du willst, Justus? Es ist nicht nur eine Phase, eine Teenie-Verwirrung? Ich hasse es, dir diese Last aufzubürden, aber… Wir haben ein Geschäft. Kunden. Rocky Beach ist eine Kleinstadt, ziemlich konservativ. Das…könnte schwierig für uns werden, wenn es die Runde macht. Die Geschäfte…“, er brach ab.
Justus Herz begann zu rasen und ihm wurde abwechselnd heiß und kalt. Er wusste genau, was Onkel Titus sagen wollte. Die Geschäfte liefen ohnehin mehr schlecht als recht. Jeder einzelne Kunde war wichtig.
Trotzdem hielt er den Blick seines Onkels stand. „Ich weiß, Onkel Titus. Das ist mir mehr als bewusst. Du… Ihr kennt mich. Ihr habt mich großgezogen. Ich bin nicht impulsiv, denke die Dinge zu Ende. Ich habe Peter und Bob schon mein ganzes Leben lang geliebt. Diese Liebe hat sich jetzt nur verändert, ist tiefer geworden. Nicht mehr platonisch oder brüderlich. Sie sind es für mich.“ Es war seltsam. Es laut auszusprechen, brachte Justus erst dazu, die Wahrheit zu realisieren. Er liebte Peter und Bob. Wie verrückt. Ganz egal, was andere sagten. Ganz egal, welche Opfer er dafür bringen musste. Er würde alles für ihre Beziehung tun. Naja, fast alles.
„Nun, wenn das so ist…“, Onkel Titus tauschte einen kurzen Blick mit seiner Frau.
Tante Mathilda wirkte nach wie vor nicht sonderlich überzeugt. Nichtsdestotrotz löste sie sich von Titus um Justus in die Arme zu schließen. Der vertraute Geruch ihres Parfüms hüllte ihn ein, beruhigte seine angespannten Nerven. „Du weißt, wir lieben dich“, flüsterte Tante Mathilda. „Wir unterstützen dich. Immer. Als wir dich damals aufgenommen haben, haben wir geschworen, dich wie unseren Sohn großzuziehen. Wenn es das ist, was dich glücklich macht, hast du unseren Segen.“
„Nur, gib uns vielleicht etwas Zeit, uns an den Gedanken zu gewöhnen“, ergänzte Onkel Titus, legte eine Hand auf Justus Schulter. „Solche Neuigkeiten erfährt man ja nicht alle Tage. Wir werden eine Strategie finden, wie wir mit Kunden umgehen, die das Thema ansprechen.“
Justus nickte stumm. Die Reaktion seiner Tante und seines Onkels war ausgefallen wie erwartet. Sie unterstützten ihren Neffen wo und wie sie nur konnten, mussten dabei allerdings immer ihr Geschäft im Hinterkopf behalten. Das Gebrauchtwarencenter war ihre Lebensgrundlage. Keine Kunden bedeuteten keine Einnahmen. Und keine Einnahmen bedeuten schlimmstenfalls den Ruin ihrer Existenz. Er räusperte sich. „Natürlich, das verstehe ich.“
„Wann wollt ihr es offiziell machen? Wissen es Bobs und Peters Eltern denn schon?“, erkundigte sich Tante Mathilda, drückte ihn leicht.
„Nächste Woche. Und nein, sie haben keine Ahnung.“ Justus atmete tief durch, versuchte sich zu beruhigen. „Peter hat ein wichtiges Spiel. Wenn er ein Tor macht, kommt er zu Bob und mir gelaufen. Die ganze Schule wird da sein und zusehen. Eine bessere Chance uns zu outen gibt’s nicht.“ Das hatten er und Peter vereinbart, während Bob geschlafen hatte. Auch wenn Peter immer noch nicht überzeugt davon schien, dass er wirklich spielen würde.
„Und was, wenn Peter kein Tor schießt?“, Mathilda runzelte die Stirn.
Justus lächelte nachsichtig. „Wird er, Tante. Wird er. Davon bin ich felsenfest überzeugt.“
Die Eheleute tauschten einen Blick, dann zuckte Onkel Titus die Achseln. „Gut, wenn das so ist, schätze ich, werden wir uns wohl mal wieder ein Fußballspiel der Highschool ansehen.“
„Das würde mir viel bedeuten.“ Justus sah seinen Onkel dankbar an.
Tante Mathilda streichelte sachte über seine Wange. „Natürlich, Justus. Wir sind immer für dich da.“
Chapter 61: Scored
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Peter atmete tief durch. Die Umkleidekabine zu betreten, hatte ihm noch nie so viel Überwindung gekostet wie heute. Nicht mal am Tag nach ihrem erzwungenen Outing.
Der einzige Grund, warum er hier stand, war Justus. Der hatte quasi mit Engelszungen auf ihn eingeredet, sich diese Chance nicht entgehen zu lassen. Peter zu Dingen zu überreden, die er eigentlich nicht machen wollte, war einer von Justus Spezialtalenten. An irgendeinem Punkt hatte Peter auch noch zugestimmt, mindestens ein Tor zu schießen. Er konnte Justus einfach nichts abschlagen. Nicht, wenn ihm etwas so wichtig war.
„Traust du dich nicht rein?“, ertönte eine Stimme hinter ihm.
Peter fuhr herum, seine Schultern sackten erleichtert nach unten, als es Brian war, den er entdeckte. „Ja, naja. Weiß nicht.“
Brian gluckste. „Warst auch schonmal eloquenter, man.“ Kurzentschlossen drängte er sich an Peter vorbei und stieß die Tür zur Umkleidekabine auf.
Drinnen herrschte das übliche Chaos vor einem Spiel. Seine Mitspieler standen in unterschiedlichen Stadien der Nacktheit herum, lachten und scherzten miteinander. Wer einen blöden Spruch nicht abkonnte, war hier definitiv fehl am Platze. Der Lärm ebbte jedoch deutlich ab, als Peter hinter Brian in die Umkleide trat.
Bis Peter bei seinem Spind angekommen war, hätte man eine Stecknadel fallen hören. Er hatte ein seltsames Gefühl des Déjà-vus. Fehlte nur noch…
„Was willst du denn hier, Shaw?“
Und da war er auch schon. Peter drehte sich zu Dylan um, der ihn aus der gegenüberliegenden Ecke angriffslustig anfunkelte.
„Fußball spielen“, antwortete Peter, presste kurz die Zähne zusammen. „Genau wie du.“
„Willst du mich verarschen?!“, Dylan stemmte sich von der Bank hoch, plusterte sich auf. Er versuchte wohl bedrohlich zu wirken. Kein leichtes Unterfangen, wenn man nur mit Comic-Boxershorts bekleidet und einen guten Kopf kleiner war als sein Gegenüber. „Du warst bei keinem einzigen Training! Und jetzt glaubst du ernsthaft, Dalton lässt dich spielen? Verpiss dich!“
„Ich verpiss mich nicht!“, Peter schmiss seine Tasche zu Boden. „Coach Dalton hat versprochen, mich spielen zu lassen und…“
„Und dazu stehe ich auch.“ Coach Dalton betrat die Umkleidekabine, hatte offensichtlich Peters letzten Satz gehört. „Wie ich sehe, kneifst du nicht. Gut so.“
„Dafür können Sie sich bei Justus bedanken“, murmelte Peter. „Ich zieh das nur durch, weil er mir sonst die Hölle heiß machen würde.“
Coach Dalton runzelte irritiert die Stirn. Peter war es egal. Wenn und falls Justus Plan aufging und er es tatsächlich schaffen würde, ein Tor zu schießen, würden sie sich ohnehin outen. Als Throuple. Eine Tatsache, die er noch immer nicht ganz fassen konnte.
„Aber Coach!“, protestierte Dylan. „Ich bin doch als Stürmer für das heutige Spiel aufgestellt!“
Daher wehte also der Wind. Dylan spielte auf derselben Position wie Peter. Bisher war er nur zum Einsatz gekommen, wenn Peter aus irgendwelchen Gründen nicht spielen konnte oder wollte.
Peter betrachtete ihn aus dem Augenwinkel. Dylans Haltung hatte sich angesichts von Coach Daltons Ankündigung verändert. Die Aggressivität war verschwunden. Jetzt wirkte er fast ein wenig…mutlos?
Peter wurde gerade einiges klar. Dylans Noten waren ähnlich bescheiden wie Peters. Wahrscheinlich spekulierte er deswegen ebenfalls auf ein Fußballstipendium. Ein Stipendium, das er nur bekam, wenn Talentscouts ihn spielen sahen.
„Ihr werdet beide spielen.“ Coach Dalton kritzelte etwas auf das Klemmbrett, das er immer mit sich herumschleppte. „Wir spielen heute ausnahmsweise mit zwei Sturmspitzen.“ Er warf Peter und Dylan einen warnenden Blick zu. „Die Scouts sind bereits eingetroffen. Das ist eine einmalige Chance für beide von euch. Reißt euch am Riemen. Was immer ihr auch für ein Problem miteinander habt und egal was zwischen euch vorgefallen ist – vergesst das bis zum Ende des Spiels. Bringt mich nicht dazu, meine Entscheidung zu bereuen.“
Peter nickte langsam. So gerne er Dylan den Hals umdrehen würde – für den Moment musste er seine Wut hinunterschlucken. Hier ging es um seine Zukunft.
Dylan schien das auch einzusehen, denn nach einem letzten wütenden Blick in Peters Richtung, nickte er einmal kurz.
„Nun denn.“ Dalton klemmte sich seine Unterlagen unter den Arm. „Macht euch fertig. In 10 Minuten ist Anstoß.“
Es war, als hätte Coach Dalton mit diesen Worten einen Schalter in Peters Kopf umgelegt. So schnell war er noch nie in sein Trikot geschlüpft. Der Lärm der Umkleide verschwand in den Hintergrund und spätestens als er seine Fußballschuhe zuschnürte, war er vollkommen konzentriert. Er konnte das schaffen. Er musste das schaffen. Für sich – und für seine Partner.
Die folgenden Minuten zogen wie im Zeitraffer an ihm vorbei. Beide Mannschaften betraten das Spielfeld, die Nationalhymne wurde gesungen. Brian, der auch heute die Kapitänsbinde trug, tauschte den Mannschaftswimpel mit dem Kapitän der Beacon Hills High.
All das bekam Peter kaum mit. Was er allerdings sehr wohl mitbekam, waren Justus und Bobs Stimmen am Spielfeldrand. Sie standen neben Tante Mathilda und Onkel Titus und feuerten ihn frenetisch an. Dabei hatte das Spiel noch nicht mal angefangen.
Ihre unverhohlen zur Schau gestellte Unterstützung ließ ihn lächeln. Dabei ignorierte er gekonnt die irritierten Blicke der Umstehenden und seiner Teamkameraden.
Natürlich hatten Justus und Bob auch vorher schon Spiele von ihm angesehen. Aber noch nie so euphorisch. Speziell Justus, der mit Fußball eigentlich so gar nichts am Hut hatte, wurde skeptisch beäugt.
Er ließ sich davon nicht stören, ganz im Gegenteil. Jetzt legte er auch noch einen Arm um Bob, zog ihn an sich heran. Bob grinste über das ganze Gesicht, zwinkerte Peter frech zu.
Peters Herz begann schneller zu schlagen, Adrenalin strömte durch seine Adern. Jetzt lag es allein an ihm. Showtime.
Beide Mannschaften hatten sich in ihrer jeweiligen Aufstellung formiert. Brian, der den Münzwurf gewonnen hatte, hatte den Ball am Fuß. Als das Schrillen der Schiedsrichterpfeife den Anpfiff verkündete, setzte Peters Herz einen Schlag aus. Das Spiel begann.
Wie erwartet, war es ein hart umkämpftes Match. Beide Mannschaften waren in etwa gleich stark und wollten den Sieg unbedingt für sich. Jedes Team hatte Torchancen, doch keiner konnte den Ball tatsächlich im Netz versenken.
Umso mehr Zeit verstrich, desto größer wurde die Frustration der Spieler. Peter warf einen angespannten Blick auf die unaufhaltsam tickende Uhr. 85 Minuten waren gespielt und es stand noch immer 0:0. Das Adrenalin zu Beginn hatte nachgelassen und er spürte zunehmend die körperliche Anstrengung, die ihm das Spiel abverlangte.
Er schien jedoch nicht der Einzige zu sein, dem es so ging, denn auch die Mienen seiner Mitspieler – Gegner wie Teamkameraden – waren grimmig.
Bis zur Halbzeitpause war Peter noch zuversichtlich gewesen. Ein Tor. Er brauchte doch nur ein Tor. Er hatte es Justus versprochen.
Doch der Keeper der Beacon Hills High machte ihm da einen dicken Strich durch die Rechnung. Der Bastard parierte einfach alles.
Auf einer Bank am Spielfeldrand saßen die Talentscouts, machten sich eifrig Notizen. Doch Peter ignorierte sie. Er spielte heute nicht für sie. Nicht mal für sich selbst.
Dylan allerdings schien die Anwesenheit der Beobachter nur allzu bewusst zu sein. Mit zunehmender Dauer des Spiels wurde sein Verhalten im Zweikampf immer härter. Er hatte dafür bereits eine gelbe Karte kassiert. Wenn er so weitermachte, würde er noch vom Platz fliegen.
Peter zog ihn ruppig am Trikot zurück, als er einem Gegenspieler nachsetzen wollte, der im Vorbeilaufen eine Beleidigung gemurmelt hatte. „Reiß dich am Riemen!“, zischte er. „Wir müssen gewinnen – das ist alles, was zählt. Du kannst ihn nach dem Spiel verprügeln. Oder vielleicht findest du ja irgendetwas über ihn, das du bei TikTok posten kannst. Das ist ja dein Spezialgebiet.“ Okay, das hatte er sich einfach nicht verkneifen können. Ärger und Frustration brachten sein Blut zum Kochen.
Dylans verkniffenes Gesicht wurde noch eine Spur röter. Halb erwartete Peter, er würde auf ihn losgehen, doch zu seiner Überraschung entwand er sich lediglich seines Griffs und stapfte zurück auf seine Position.
Peter atmete tief durch, versuchte, sich zu sammeln. Die Zuschauer feuerten ihre Mannschaften weiterhin euphorisch an, auch auf den Rängen war die Anspannung der Spieler deutlich zu spüren.
Justus hatte noch immer einen Arm um Bob geschlungen, sein Gesichtsausdruck war fast so finster wie Dylans. Bob dagegen wirkte eher besorgt. Er ahnte wahrscheinlich, wie viel Kraft Peter die letzten 85 Minuten gekostet hatten.
Eckstoß. Peters Mannschaft versammelte sich vor dem gegnerischen Tor. Es würde einer der letzten Aktionen des Spiels werden. Jetzt oder nie.
Obwohl üblicherweise Brian die Standardsituationen ausführte, schnappte sich diesmal Dylan den Ball. Niemand hielt ihn auf. Alle waren am Ende ihrer Kräfte, für eine Diskussion mit dem Hitzkopf des Teams fehlte ihnen schlicht die Energie.
Als Dylan an Peter vorbeilief, nickte er ihm unmerklich zu. „Du verwandelst besser diesen verdammten Ball. Sieh es als meine Entschuldigung an. Danach sind wir quitt.“
Peter riss die Augen auf, zu überrascht, um sofort zu reagieren. Da stand Dylan auch schon an der Eckfahne, den Blick auf den Schiedsrichter geheftet.
Fuck. Peters Sichtfeld wurde klein, er konzentrierte sich einzig und allein auf den Ball in Dylans Händen. Die Schiedsrichterpfeife schrillte, Dylan ließ das Leder fallen und kickte ihn mit einem satten Klonk hoch in die Luft.
Es konnten tatsächlich nur Bruchteile von Sekunden gewesen sein, für Peter allerdings geschah es wie in Zeitlupe. Er stieß sich hart vom Boden ab, stieg nach oben. Der Ball kam einfach perfekt.
Das war es. Das war die Chance, auf die er gewartet hatte. Peter wusste es, noch bevor sein Kopf das Leder berührte. Er stieß mit aller Kraft, die ihm noch geblieben war, gegen den Ball, schickte ihn in Richtung Tor.
Der gegnerische Torwart reagierte blitzschnell. Er sprang in die Luft, machte sich so lang wie es nur ging – und doch verfehlten seine Hände den Ball. Das Leder knallte hinter ihm ins Netz. Die Zuschauertribüne explodierte quasi.
Peter war kaum gelandet, da wurde er schon unter seinen jubelnden Teamkameraden begraben.
Er hatte es geschafft. Er hatte es wirklich geschafft. Peter schwirrte der Kopf, als Brian ihn hochzog und die Arme um ihn schlang. Sein lauter Jubelschrei brachte seine Ohren zum Ringen.
Ohne nachzudenken machte er sich von Brian los, sprintete zum Spielfeldrand. Dort, wo Justus und Bob auf ihn warteten.
Peter übersprang die Bande, landete direkt vor seinen Freunden. Bob war der Erste, der in seine Arme sprang. Durch sein Gewicht aus dem Gleichgewicht gebracht, taumelte Peter zurück gegen die Absperrung. Er schlang die Arme um Bobs schlanke Gestalt, hielt ihn fest.
„Du hast es geschafft!“, Bob klang so euphorisch, wie Peter sich fühlte, bedeckte sein Gesicht mit Küssen. „Du hast es wirklich geschafft!“
„Hab ich…“, nur langsam kam die Realität bei Peter an, er suchte über Bobs Schulter Blickkontakt zu Justus. Der grinste breit. Stolz zeigte sich auf seinem Gesicht, als er näher kam. „Ich wusste es, Zweiter. Genial, einfach nur genial.“
Peter streckte die Hand nach ihm aus und zog ihn gegen sich und Bob. Justus Lob wärmte sein Inneres. Als ob ihm nicht schon warm genug wäre. „Du schuldest mir einen Kuss, Erster.“
Justus nickte. Ohne zu Zögern reckte er sich nach oben und küsste Peter. Nur kurz, aber alle hatten es gesehen. Ein Raunen ging durch die Menge, das noch weiter anschwoll, als Justus als nächstes Bob küsste.
Peter brauchte sich gar nicht erst umzudrehen, um zu wissen, wie verwirrt ihre Angehörigen und Freunde auf der Tribüne aus der Wäsche sahen. Da hatten sie noch einiges zu erklären.
Doch jetzt ertönte erstmal der Schlusspfiff, noch während Peter am Spielfeldrand stand. Das Spiel war vorbei. Sie hatten das Derby tatsächlich gewonnen. Peter konnte es noch immer nicht fassen.
Hinter ihnen erklang ein Räuspern. Überrascht drehte er sich um. Einer der Talentscouts war näher gekommen, kratzte sich jetzt ein wenig verlegen am Kopf. „Hallo. Mein Name ist James Potter – ich verdrehte die UCLA. Sie haben da eben ein Wahnsinnsspiel abgeliefert.“
Peter überließ es heiß und kalt. Langsam ließ er Bob herunter, behielt ihn jedoch ebenso an seiner Seite wie Justus. „Uh, hallo. Vielen Dank Ihnen. Die Beacon Hills High hat es uns aber auch wirklich nicht leicht gemacht. Ähm, das sind meine…Partner Justus und Bob.“ Beide nickten dem Talentscout freundlich zu.
Der sah für einen Moment von einem zum anderen, dann kramte er eine Visitenkarte aus seiner Jackettasche. „Nett, euch Jungs kennenzulernen. Peter, ich würde mich freuen, nächste Woche etwas von dir zu hören.“ Er überreichte Peter seine Karte. „Die UCLA könnte sich glücklich schätzen, einen Stürmer wie Sie im Kader zu haben.“
Peter starrte ungläubig auf die Visitenkarte in seiner Hand. Er war so überwältigt, er konnte nicht mal antworten. Zum Glück sprangen Justus und Bob für ihn ein. „Er wird sich bei Ihnen melden“, versicherte Justus.
„Definitiv!“, ergänzte Bob, knuffte ihn leicht in die Seite. Das riss Peter endlich aus seiner Starre. „Ja, kl-klar“, stotterte er. „Das werde ich. Vielen, vielen Dank.“
Der Scout nickte zufrieden und verabschiedete sich zum nächsten Spieler.
„UCLA, hmm?“, Bob sah grinsend zu ihm auf. „Sieht so aus, als würde die UCLA drei zum Preis von einem bekommen.“
Justus blickte äußerst selbstzufrieden drein. „Hab ich es dir nicht gesagt, Zweiter? Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.“
Peter Seufzen konnte man noch am anderen Ende des Spielfelds hören. „Als ob ich das nicht wüsste. Aber das…liebe ich auch an dir.“
Justus schien für einen Moment den Atem anzuhalten. Als er schließlich antwortete, war seine Stimme voller Emotionen. „Ich liebe dich auch.“
Bob sah zwischen ihnen hin und her, sein Lächeln strahlte mit der kalifornischen Sonne um die Wette. „Und ich liebe euch beide. Auch, wenn ihr manchmal Idioten seid.“
Peter und Justus lachten zeitgleich auf, zogen Bob in ihre Mitte. „Damit musst du jetzt leben, Dritter“, murmelte Peter zärtlich. „So schnell wirst du uns nämlich nicht mehr los.“
„Die drei Fragezeichen gehen aufs College.“ Justus drückte erst Bob, dann Peter einen Kuss auf die Lippen. „Und ich kann es kaum erwarten.“
Chapter 62: Epilog
Notes:
(See the end of the chapter for notes.)
Chapter Text
„Just, verdammt!“, Peter stöhnte auf. Justus Finger in ihm in Kombination mit Bobs Lippen um seinen Schwanz, ließ ihn sich auf dem Bett winden.
Seit Peters entscheidendem Tor beim Highschool-Derby und ihren damit einhergehenden Outing waren einige Wochen vergangen. Der Rummel um sie hatte sich mehr oder weniger gelegt.
Nicht alle Reaktionen waren positiv und unterstützend ausgefallen, aber wenigstens konnten sie sich auf ihre Familien und Freunde verlassen.
Nach dem ersten Schock, hatten es alle überraschend gut weggesteckt. Mehr als einmal hatten sie gehört, ihr Dreierverhältnis würde so gesehen irgendwie Sinn machen. Keiner von ihnen hatte widersprochen. Denn ja, es machte Sinn.
Jetzt lagen Sie gemeinsam in Justus neuem XXL-Bett. Oder besser gesagt, Peter lag, während Justus und Bob knieten.
Justus schob einen weiteren Finger in Peter, den Blick auf sein Gesicht geheftet. Kein Anzeichen von Unbehagen zeigte sich dort, stattdessen kam Peter ihm ungeduldig entgegen.
Bob löste sich von Peters Erektion. Mit den zerzausten blonden Haaren und durch den Blowjob geschwollenen Lippen hatte er nie schöner ausgesehen. Jetzt suchte er Justus Blick. „Ich denke, er ist so weit.“
„Was du nicht sagst, Dritter.“ Peter streckte eine Hand aus, um Bob zu sich zu ziehen. Ihr Kuss war alles andere als sanft und Justus hörte Bob leise aufkeuchen, als Peter die Zähne in seiner Unterlippe versenkte.
„He!“, Justus zog an Peters anderem Handgelenk. „Sei nicht so grob mit ihm.“
Peter brach den Kuss mit Bob, um ihn herausfordernd anzufunkeln. „Halt mich doch davon ab, Erster.“
Justus zog die Brauen zusammen. Bob beiseiteschiebend, stützte er sich links und rechts von Peters Kopf auf der Matratze ab.
Er erkannte genau den Moment, als Peter die stumpfe Spitze seines Schwanzes an seinem Eingang realisierte, denn seine Augen wurden einen Moment groß und er schluckte.
„Du brauchst nicht so tun, als wärst du nicht nervös“, murmelte Justus. Er bewegte sich nicht weiter, zog sich aber auch nicht zurück. „Sag einfach Stopp, wenn dir irgendetwas nicht gefällt.“
Peter leckte sich kurz über die Lippen, ehe er die Arme um Justus Nacken schlang. Er hatte die Beine jetzt so weit angezogen, wie es nur ging. „Hörst du jetzt endlich auf zu quatschen? Ich…“
Justus fackelte nicht lange. Darauf vertrauend, Peter genügend vorbereitet zu haben, stieß er die Hüften vorwärts. Als er den engen Muskelring durchbrach, keuchte Peter auf. Seine Fingernägel gruben sich in Justus Schultern.
Der leichte Schmerz sorgte dafür, dass er einen klaren Kopf behielt, denn andernfalls wäre Justus wahrscheinlich auf der Stelle gekommen. Die Hitze und Enge um seinen Schwanz war fast zu viel für ihn.
Obwohl er sein erstes Mal als Top bereits vor einiger Zeit mit Bob gehabt hatte, war das hier fundamental anders. Denn es war nicht Bob, der sich jetzt stöhnend an ihn klammerte. Sondern Peter.
Justus starrte auf ihn herab. „Ich sollte aufhören zu quatschen.“
„Ja... Oh fuck.“ Peter warf den Kopf in den Nacken. „Shit.“ Er atmete gepresst, versuchte sich offensichtlich an das Gefühl von Justus in sich zu gewöhnen.
„Gut so.“ Justus begann sich zu bewegen, überließ sich seinem Instinkt. Während Bob es eher langsam und zärtlich mochte, war Peter da ein anderer Typ. Sobald er begann, sich zu entspannen, kippte er das Becken und drückte sich Justus bei jedem Stoß entgegen.
„Gott, härter.“ Peter schien überhaupt kein Ohr mehr dafür zu haben, was für Geräusche er von sich gab.
Justus küsste seinen Hals, biss und saugte an der empfindlichen Haut. Er würde Spuren hinterlassen, aber das war jetzt ohnehin egal. Mit jedem drängenden Stoß in Peter, stieg seine eigene Erregung. Er würde das nicht mehr lange durchhalten.
Unterdrückt fluchend, zog er sich aus Peter zurück. „Hände und Knie. Jetzt“, kommandierte er keuchend.
Peter sah ihn für einen Moment überrascht an, rappelte sich dann jedoch widerspruchslos auf. Justus entging nicht, wie ihm die Röte ins Gesicht schoss. Als Peter ihm den Rücken zudrehte, richtete Justus den Blick auf Bob. „Leg dich unter ihn, Bob. 69.“
Bob, der bisher nur zugesehen hatte, atmete tief ein. Offensichtlich erregte ihn der Gedanke, denn er beeilte sich, Justus Aufforderung Folge zu leisten.
Justus streichelte über Peters Rücken. Zwischen seinen Schulterblättern angekommen, stieß er ihn leicht nach vorne. „Lass Bob auch etwas davon haben. Du weißt, wie es geht.“ Peter wimmerte. Ob aufgrund seines Befehls oder Bobs Lippen, die sich gerade um seinen Schwanz geschlossen hatten, vermochte Justus nicht zu sagen. Als Bob leise aufstöhnte, konzentrierte sich Justus wieder auf sein eigentliches Vorhaben.
Er umschlang seine gelbeschmierte Erektion und drückte sie gegen Peters Eingang. Sein Körper hieß ihn erneut willkommen, öffnete sich für ihn und Justus überließ sich jetzt ganz seiner eigenen Bedürfnisse.
Er hielt Peters Hüften fest, stieß sich wieder und wieder in die heiße Enge. Die Geräusche, die Peter und Bob verursachten, turnten ihn dabei zusätzlich an. Es fühlte sich so verdammt gut an.
Viel zu schnell spürte er seinen Orgasmus heranrasen. Glücklicherweise schien er nicht der Einzige zu sein, dem es so ging. Peter hatte mittlerweile den Mund durch seine Hand ersetzt, die immer schneller über Bobs Erektion glitt. Er drückte den Rücken durch, kam abwechselnd Justus und Bob entgegen. „Just, ich…“, ächzte er.
„Ich auch…“, Justus legte sich über seinen Rücken, der neue Winkel ließ sie beide aufstöhnen.
Doch überraschenderweise war es Bob, der zuerst kam, sein heißerer Aufschrei stieß auch Justus und Peter über die Klippe.
Justus schloss die Augen, als ihn sein Orgasmus überrollte, hielt sich an Peter fest. Für einige Augenblicke war nichts anderes zu hören als ihr gemeinsamen Laute der Lust.
Schlussendlich ließ Justus sich zur Seite fallen, zog Peter dabei mit sich.
„Oh wow…“, Peter seufzte leise. Jetzt, wo es vorbei war, schien aller Kampfgeist aus ihm gewichen zu sein. Er lag tiefenentspannt in Justus Armen. „War das gut.“
„Definitiv. Gute Idee, Just.“ Bob stemmte sich hoch, drehte sich im Bett, um sich in Peters Arme kuscheln zu können.
Justus küsste sanft Peters Schulter. „Danke euch. Für alles. Und Peter?“
„Hmm?“
„Nächstes Mal bin ich dran.“
Notes:
Vielen Dank an alle, die die Jungs (und mich) bis zum Ende begleitet haben und mich durch Kommentare und Kudos zum Weiterschreiben motiviert haben! :)
