Work Text:
Nur, weil Victor (angeblich) keine Kunstwerke mehr stahl, hatte er nicht aufgehört, ein Dieb zu sein.
Zuerst hatte er Cottas Handy vorübergehend entwendet – um seine Nummer einzuspeichern. Nachdem Cotta sich wider besseren Wissens erst auf einige Verabredungen und dann eine Beziehung eingelassen hatte, hatte Victor lange Finger nach seinem Herz ausgestreckt. Vor einigen Wochen schließlich war sein Terminkalender verschwunden, und als er wieder auftauchte, hatte eine vertraute Handschrift einen Urlaub vermerkt.
Und nun hatte Victor sich offenbar Cottas Tasche bemächtigt.
Sie waren gerade erst in der kleinen Hütte in den Bergen von Oregon eingetroffen, Cotta hatte sich nur schnell die zurückliegende Arbeitswoche von der Haut spülen wollen, und nun stand er mit nichts als einem Handtuch um die Hüften in einem Schlafzimmer, in dem sich keinerlei saubere Kleidung befand.
Ein Verdacht regte sich augenblicklich und Cotta schmunzelte in sich hinein.
Schicksalsergeben (allerdings nicht gerade unwillig) begab er sich auf die Suche nach seiner Tasche und seinem Meisterdieb.
Vollkommen unüberraschend fand er beides im Wohnzimmer. Ebenso wenig überraschte ihn, dass Victor es sich nackt auf der Couch bequem gemacht hatte, eine elegante Hand um seinen Schwanz geschlossen. Lächelnd sah er Cotta entgegen.
Cotta erwiderte das Lächeln, genoss für einen Moment einfach nur den Anblick. (Und die noch immer schwer glaubwürdige Tatsache, dass ausgerechnet er der Glückliche war, der von Victor Hugenay so erwartet wurde.) Dann erkundigte er sich unschuldig: „Hast du zufällig meine Tasche gesehen?“
Übertrieben tat Victor so, als würde er nachdenken. „Nein, tut mir leid.“ Das verführerische Lächeln kehrte zurück. „Komm doch her, dann brauchst du sie noch eine Weile nicht.“
Natürlich ließ Cotta sich nicht zweimal bitten. Sein Versuch, sich über Victor zu beugen, wurde jedoch vereitelt – in einer Bewegung, die zu schnell für ihn war, schlüpfte Victor unter ihm weg. Stattdessen fand Cotta sich auf dem Rücken auf dem Polster wieder, Victor über sich. Ebenso schnell fiel sein Handtuch zu Boden.
Ein kurzer, gieriger Kuss, der Cotta nach Luft schnappen ließ, dann machte Victor sich schon wieder los, glitt in eindeutiger Absicht tiefer.
Die erste Berührung seiner Zunge brachte Cotta bereits zum Stöhnen. Er grub die Finger in Victors Haare, doch er konnte ohnehin nicht mehr tun, als sich an ihm festzuhalten. Mit beiden Händen an Cottas Hüfte hielt Victor ihn still, als bräuchte es diese Erinnerung, wer hier die Kontrolle hatte. Schließlich wusste Cotta nur zu gut, dass er es nicht war. Aber es war auch nicht so, als könnte oder wollte er etwas dagegen tun, nicht wenn Victor um ihn schluckte, ihn bis in seine Kehle gleiten ließ, ihm jeden klaren Gedanken raubte.
Cotta war noch nie einem Mann begegnet, dessen Mund ihn so vollkommen hilflos machte. „Du bist ein Teufel, Victor“, brachte er heraus.
Langsam hob Victor den Kopf, sah zu ihm auf. Seine Augen funkelten. „Oh, nein, chéri. In dem Fall hätte ich schon längst deine Seele gestohlen.“
In der nächsten Sekunde schloss er erneut die Lippen um Cotta und die Worte Ich glaube, das hast du bereits gingen in einem Stöhnen unter.
